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ETIKA |
TOLERANZ |
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41TO3 |
Die
Wahrheit ist intolerant |
Bischof Eder |
Wir entnehmen nachstehende Äußerungen des Erzbischofs von Salzburg, Dr.
Georg Eder, dem „Kurier der Christlichen Mitte“, Nr. 9, September 2002, die
wiederum zitiert aus: SKS 48/01.
http://www.christliche-mitte.de
„Jesus war absolut intolerant dort, wo es um Wahrheit und Lüge ging.“
Toleranz ist eher eine neuere
Tugend. Doch hat sie in unserer Zeit und Gesellschaft auch die
Kardinal-Tugenden überflügelt: Über aller Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit
und Mäßigung rangiert die Toleranz – sie ist in aller Munde. Und ihr
Gegenstück, die Intoleranz, ist einer der schlimmsten Vorwürfe, die man
jemandem machen kann.
Dabei dürfte vielen die
Grundbedeutung schon verlorengegangen sein: tolerare = geduldig
aushalten.
Heute hat das Wort Toleranz eher den Sinn
erhalten: alles gelten lassen.
Mit geht es nur um die
Toleranz aus christlicher Sicht. Mit einem anderen Wort: War CHRISTUS
tolerant? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Ergreifend ist jedoch die
Geduld CHRISTI in seinem Leiden. Er hält die Schläge, er hält Spott und Hohn
und den Geifer Seiner Peiniger ohne Klage aus. Er hält drei Stunden das Kreuz
aus ohne Murren.
Aber das ist nicht
Toleranz, sondern patientia = Geduld im Leiden. Und freilich war dieses
Leiden bitter wegen der furchtbaren Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde.
Aber der HERR hält aus, weil dieses Leiden heilbringend sein sollte für die
ganze Welt - beata passio.
Wenn wir CHRISTUS
beobachten in Seinem Verhalten gegenüber den Schriftgelehrten und Pharisäern
und ihrer Verschlagenheit, dann ist da ein anderer Ton zu hören. Er, der die
Armen achtmal selig preist, schleudert jenen das ,Weh euch!' entgegen.
JESUS, der unermüdlich
die lästigen Menschen und die bornierten Jünger erträgt, der größte Sünder an-
und aufnimmt, kann auch sehr intolerant sein.
"Ich
bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert" (Mt
10,34).
Und beim Ruf zur
Nachfolge toleriert Er nicht einmal, daß der Gerufene noch zum Begräbnis seines
Vaters geht! Jeder kann sich leicht viele ähnliche Stellen aus den Evangelien
heraussuchen. Nein, so tolerant, wie wir sind – die heutige Kirche
eingeschlossen - war JESUS nicht.
o Wir tolerieren einfach alles: die infamsten Schmähungen CHRISTI in der Kunst oder in den
Medien, für jede Perversion hat man Verständnis und fordert man Freiheit. Wir
tolerieren die öffentliche Unzucht und die Verführung unserer Kinder (schon im
Kindergarten). Wir dulden alle Ehrfurchtslosigkeit in den Kirchen, ein großer
Teil der Christen toleriert auch die Abtreibung - und, was das Schlimmste ist -
wir dulden auch die Irrlehre. Sie kann heute überall in die Kirche
eindringen. Jeder kann noch Beispiele anführen. Selbst
der blanke Satanismus wird noch verharmlost.
Wenn ich da auf JESUS
schaue, muß ich sagen, er war eher intolerant.
Absolut intolerant dort, wo es um Wahrheit und Lüge ging.
Ja für die Wahrheit geht JESUS in den Tod.
"Jetzt
wollt ihr mich töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit verkündet hat, die
Wahrheit, die ich von GOTT gehört habe... Ich aber kenne ihn (den Vater), und
wenn ich sagen wollte: Ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner wie
ihr" (Joh 8,40.55).
JESUS kann unerbittlich
sein, z. B. bei der Eucharistie. Er besteht auf dem wortwörtlichen Glauben:
"Mein
Fleisch ist wirklich eine Speise, mein Blut ist wirklich ein Trank ... Wenn ihr
das Fleisch des Menschensohns nicht eßt und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr
das Leben nicht in euch..." (Joh 6,53.55).
Und als ihn die Zwölf
erschrocken und wohl verständnislos anstarren, lenkt er nicht ein, sondern
stellt ihnen die Frage: "Wollt auch ihr weggehen?"
Ich kann nun gar nicht
darüber entscheiden, ob CHRISTUS tolerant war oder eher intolerant. Das Wort
paßt nicht für JESUS.
JESUS ist wahr,
wahrhaftig, die Wahrheit. Und uns fordert er auf, gütig zu sein - wie der Vater
im Himmel, der gütig ist gegen die Undankbaren und Bösen und es regnen läßt
über Gerechte und Ungerechte (vgl. Mt 5,45 und Lk 6,35).
Was aber die
christliche Toleranz betrifft, hat niemand etwas Treffenderes gesagt als Pascal
(† 1662):
"So wie es ein Verbrechen ist, den Frieden zu stören, wo die
Wahrheit herrscht, so ist es auch ein Verbrechen, im Frieden zu verharren, wenn
man der Wahrheit Gewalt antut.
Es gibt somit eine Zeit, in der der Friede berechtigt ist, und
eine andere Zeit, in der er unberechtigt ist. Denn es steht geschrieben, daß es eine Zeit des Friedens und eine
Zeit des Krieges gibt, und es ist das Gesetz der Wahrheit, das sie
unterscheidet. Aber keineswegs gibt es eine Zeit der Wahrheit und eine Zeit des
Irrtums, es steht hingegen geschrieben, daß die Wahrheit GOTTES in Ewigkeit
bleibt. JESUS CHRISTUS, der sagt, dass ER gekommen ist, den Frieden zu bringen,
sagt daher auch, daß ER gekommen ist, das Schwert zu bringen. ER sagt aber
nicht, dass ER gekommen ist, sowohl die Wahrheit als die Lüge zu bringen.“
Dr. Georg Eder, Erzbischof von Salzburg