ETIKA

GEMEINSCHAFT

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19.9.2001

41VZ2

Verzeihungsbereitschaft

Handbuch des einfachen Lebens; Kap. 88

1.    "Du wirst erkennen, daß du auch selber schuldig bist, denn du hättest ja den Übeltätern leuchten können, sei es auch nur als einzig Sündenloser, und hast es nicht getan. Hättest du anderen den Weg erhellt, würde jener, der die Missetat beging, sie bei deinem Licht vielleicht gar nicht begangen haben."
M. Dostojewskij: Die Brüder Karamasoff 6 II, Aus den Belehrungen des Staretz Sossima

2.    "Als ich begriff, was für einen großen Sünder Gott angenommen hatte, konnte ich niemandem mehr Böses wollen oder ihm meine Vergebung verweigern."
Luis von Granada, Guía de Pecadores, 2 VIII

3.    ",Der eine trage des anderen Last.’ Oft geht es hierbei um Ertragen der Fehler und Eigenheiten, ja Laster des anderen. Denken wir an Trinker, sonst Süchtige, Ewig-Recht-Habende, Streitsüchtige."
P. Rudolf Haindl OFM, 519. Vinzenzbrief, Bozen

4.    "Was der Mensch an sich oder andern nicht bessern kann, das muß er mit Geduld ertragen, bis Gott es anders fügt. Hast du deinen Nächsten ein- oder zweimal ermahnt und damit nichts ausgerichtet, so laß dich mit ihm in keinen Zank ein, sondern stelle die ganze Sache Gott anheim, daß sein Wille geschehe und seine Ehre in allen seinen Dienern gefördert werden möge."
Nachfolge Christi, I 16, es empfiehlt sich, das ganze Kapitel zu lesen.

5.    "Lerne nicht nur zu verzeihen, sondern auch, dich zu demütigen vor dem, der dich beleidigt hat, um ihn zur Buße zu bewegen."
Girolamo Savonarola, Abhandlung über die Liebe Jesu

6.    VOR VERZEIHUNG GENUGTUUNG. "Selbstverständlich hebt die Forderung, hochherzig zu verzeihen, die objektiven Forderungen der Gerechtigkeit nicht auf. Die richtig verstandene Gerechtigkeit ist sozusagen der Zweck des Verzeihens. An keiner Stelle der Frohen Botschaft bedeutet das Verzeihen, noch seine Quelle, das Erbarmen, ein Kapitulieren vor dem Bösen, dem Ärgernis, vor der erlittenen Schädigung oder Beleidigung. In jedem Fall sind Wiedergutmachung des Bösen und des Ärgernisses, Behebung des Schadens, Genugtuung für die Beleidigung Bedingung der Vergebung."
Papst Johannes Paul II., Enzyklika "Dives in misericordia", Christiana-Verlsag Stein am Rhein, 1981, S. 38

7.    WARUM DIE ANDERE BACKE HINHALTEN. "Jesus rät nicht, aus Schwäche, Feigheit oder falsch verstandener Askese immer nur nachzugeben. Es rät vielmehr, die Großzügigkeit des Verzichts immer dann zu üben, wenn eher nebensächliche Konflikte an unseren Kräften zehren, unseres Inneres vergiften oder das Milieu belasten und uns die Kraft nehmen, den Weg zur Bewältigung unserer wichtigeren Aufgaben zu beschreiten. Der Kerngedanke in den Sprüchen Jesu von der hinzuhaltenden Backe und dem zu überlassenden Rock lautet: Lasse Zweitrangiges fahren, damit du Erstrangiges fester fassen kannst!"
H. Ségur SJ, "Dolomiten", Bozen, 18.2.1984

 

Übungen 88:

 


ETIKA - Bewegung für Barmherzigkeit und Gerechtigkeit

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