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41VZ2 |
Verzeihungsbereitschaft |
Handbuch des einfachen Lebens; Kap. 88 |
1. "Du wirst erkennen, daß du auch
selber schuldig bist, denn du hättest ja den Übeltätern leuchten können, sei es
auch nur als einzig Sündenloser, und hast es nicht getan. Hättest du anderen den
Weg erhellt, würde jener, der die Missetat beging, sie bei deinem Licht
vielleicht gar nicht begangen haben."
M.
Dostojewskij: Die Brüder Karamasoff 6 II, Aus den Belehrungen des Staretz
Sossima
2.
"Als ich begriff, was für einen großen Sünder Gott
angenommen hatte, konnte ich niemandem mehr Böses wollen oder ihm meine
Vergebung verweigern."
Luis von Granada, Guía de Pecadores, 2
VIII
3. ",Der
eine trage des anderen Last.’ Oft geht es hierbei um Ertragen der Fehler und
Eigenheiten, ja Laster des anderen. Denken wir an Trinker, sonst Süchtige,
Ewig-Recht-Habende, Streitsüchtige."
P. Rudolf Haindl OFM, 519. Vinzenzbrief,
Bozen
4. "Was
der Mensch an sich oder andern nicht bessern kann, das muß er mit Geduld
ertragen, bis Gott es anders fügt. Hast du deinen Nächsten ein- oder zweimal
ermahnt und damit nichts ausgerichtet, so laß dich mit ihm in keinen Zank ein,
sondern stelle die ganze Sache Gott anheim, daß sein Wille geschehe und seine
Ehre in allen seinen Dienern gefördert werden möge."
Nachfolge
Christi, I 16, es empfiehlt sich, das ganze Kapitel zu lesen.
5. "Lerne
nicht nur zu verzeihen, sondern auch, dich zu demütigen vor dem, der dich
beleidigt hat, um ihn zur Buße zu bewegen."
Girolamo
Savonarola, Abhandlung über die Liebe Jesu
6. VOR
VERZEIHUNG GENUGTUUNG. "Selbstverständlich hebt die Forderung, hochherzig
zu verzeihen, die objektiven Forderungen der Gerechtigkeit nicht auf. Die
richtig verstandene Gerechtigkeit ist sozusagen der Zweck des Verzeihens. An
keiner Stelle der Frohen Botschaft bedeutet das Verzeihen, noch seine Quelle,
das Erbarmen, ein Kapitulieren vor dem Bösen, dem Ärgernis, vor der erlittenen
Schädigung oder Beleidigung. In jedem Fall sind
Wiedergutmachung des Bösen und des Ärgernisses, Behebung des Schadens,
Genugtuung für die Beleidigung Bedingung der Vergebung."
Papst
Johannes Paul II., Enzyklika "Dives in misericordia",
Christiana-Verlsag Stein am Rhein, 1981, S. 38
7. WARUM DIE
ANDERE BACKE HINHALTEN. "Jesus rät nicht, aus Schwäche, Feigheit oder
falsch verstandener Askese immer nur nachzugeben. Es rät vielmehr, die
Großzügigkeit des Verzichts immer dann zu üben, wenn eher nebensächliche
Konflikte an unseren Kräften zehren, unseres Inneres vergiften oder das Milieu
belasten und uns die Kraft nehmen, den Weg zur Bewältigung unserer wichtigeren
Aufgaben zu beschreiten. Der Kerngedanke in den Sprüchen Jesu von der
hinzuhaltenden Backe und dem zu überlassenden Rock lautet: Lasse Zweitrangiges
fahren, damit du Erstrangiges fester fassen kannst!"
H.
Ségur SJ, "Dolomiten", Bozen, 18.2.1984
Übungen 88:
ETIKA - Bewegung für
Barmherzigkeit und Gerechtigkeit