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ETIKA |
Mahatma Gandhi |
www.etika.com |
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48B5A |
Die Non-Violenz |
Young India,
9. 3. 1920 |
Mahatma Gandhi
Jung Indien
Aufsätze aus den Jahren 1919 bis 1922
Auswahl von Romain Rolland und Madeleine Rolland
Einleitung von John Haynes Holmes
Copyright 1924 Rotapfel-Verlag, Erlenbach-Zürich, München und Leipzig
Für die Übersetzung verantwortlich: Emil Roniger
S. 39 - 40
Wie primitiv denken und
verhalten sich doch – nicht nur in Afghanistan - die Amerikaner und Europäer
gegenüber dem Inder Gandhi, dessen erhabene, ins Christentum mündende Ideen der
Menschheit die Zukunft weisen!
Wer „non-violent“ sein
will, darf dem nicht zürnen, der ihn beleidigt. Darf ihm nichts Böses wünschen.
Muß ihm Gutes wünschen. Darf ihm nicht fluchen. Muß jede Bosheit ruhig
hinnehmen, die sein Verfolger gegen ihn anwendet. So
bedeutet Non-Violenz völlige Harmlosigkeit.
Völlige Non-Violenz
ist völlige Abwesenheit von Übelwollen gegen alles, was lebt. Sie umfasst auch das untermenschliche Leben und schließt
schädliche Insekten und wilde Tiere nicht aus. Sie sind nicht geschaffen
worden, um unsere Zerstörungswut zu nähren. Wenn wir die Absichten unseres
Schöpfers kennten, würden wir ihnen innerhalb seiner Schöpfung die richtige
Stelle anweisen. (Anmerkung etika.com: Hier muß
auch die Diskussion der Christen und Tierfreunde beginnen, doch wir haben uns
leider mit der stumpfsinnigen Denkweise, dem Geschwätz und den Untaten der
„Großen“ einer aus den Fugen geratenen Welt herumzuschlagen, statt für den
wirklichen Fortschritt zu wirken, mit Jordi Mota, Rohit Vyasmaan, Friedrich Landa usw., im Sinne von Paulus, Franziskus, Albert
Schweitzer usw.)
Non-Violenz ist also
in ihrer Anwendung Wohlwollen gegenüber allem Leben gegenüber. Sie ist reine
Liebe. Ich finde sie in den Schriften der Hindu, in der Bibel und im Koran.
Non-Violenz ist ein
Zustand der Vollkommenheit. Sie ist ein Ziel, zu dem sich die Menschheit
naturgemäß, wenn auch unbewusst, hinbewegt. Der
Mensch wird nicht göttlich, wenn er dazu gelangt, Schuldlosigkeit zu
verkörpern. Vielleicht wird er dann erst wahrhaft Mensch. So wie wir
jetzt sind, sind wir zum Teil Mensch, zum Teil Tier, und in unserer
Unwissenheit und Anmaßung (besonders die Amerikaner, man lese genussvoll Joachim Fernaus
ungeheuer scharfes Buch: „Halleluja“ - Die Geschichte der USA, Goldmann
Verlag München) behaupten wir, den
Zweck unserer Art treu zu erfüllen, wenn wir dem
Schlag mit dem Gegenschlag antworten und dazu den nötigen Zorn kochen lassen.
Wir geben vor, zu glauben, dass
Wiedervergeltung das Gesetz unseres Daseins ist,
während wir doch in den heiligen Schriften finden, dass
Wiedervergeltung nie vorgeschrieben, immer nur
gestattet ist. Wiedervergeltung ist die Gesinnung,
die peinliche Austragung des Falles verlangt.
Selbstüberwindung ist vorgeschrieben. Selbstüberwindung ist das Gesetz unseres Daseins.
Höchste Vollkommenheit ist nicht zu erreichen ohne höchste Selbstüberwindung.
Leiden wird also zum Wahrzeichen des menschlichen Geschlechts.
Und immer weicht das Ziel vor uns zurück. Je größer
der Fortschritt, um so größer die Erkenntnis unseres Unwertes. Die Genugtuung
liegt im Streben, nicht im Erreichen. Höchstes
Streben ist höchster Sieg.
Und wenn ich auch besser denn je erkenne, wie fern
ich dem Ziele noch bin, bleibt doch das Gesetz vollkommener Liebe für mich das Gesetz
meines Daseins. Und jeder Fehltritt soll mein Streben stärker anspornen.
Mahatma Gandhi, Jung-Indien, 9.
3. 1920