ETIKA

Gedichte

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48LP19

Frechheit siegt

9.12.2014

 

Politikerpensionen

Frechheit siegt

Dem Gemeinwohl dienen wir,
machen viel Gesetzpapier.
Wenn wir des Volkes Kassen plündern,
kann uns niemand daran hindern.

Kommt einmal etwas ans Licht,
verlieren wir die Nerven nicht.
Als schlaue Füchse – keine Frage –
erheben wir die Gegenklage.

Wer unsre Privacy verletzt,
den Schaden nach Gebühr ersetzt.
So können doppelt wir kassieren.
Das dumme Volk wird´s tolerieren.

In diesem Land wird jeder satt,
auch wenn er nur vierhundert hat.
Das sollten uns die Bürger lohnen
mit Anerkennung und Millionen.

Rainer Lechner, etika.com

Chronologie der Ereignisse:

Dolomiten vom Donnerstag, 13.11.2014, S. 17, bv: Frontalangriff gegen die Kürzungen der Politrenten: 50 Altmandatare – datunter Luis Durnwalder, Siegfried Brugger und Ex-ASGB-Chef Georg Pardeller – haben Rekurs gegen das im Juli vom Regionalrat genehmigte Gesetz eingereicht. Weitere 16 sind im Anrollen. „Ich bin verbittert. Diesen Leuten ist nicht bewusst, dass andere mit 400 Euro Rente kaum über die Runden kommen“, sagt Regionalratspräsident Diego Moltrer.

Dolomiten vom Freitag, 14.11.2014, S. 13, bv: Nach den 66 Rekursen gegen die Rentenkürzungen feilen die Alt-Mandatare nun an einer Klage mit Schadensersatzforderung gegen Regionalratspräsident Diego Moltrer vor der Privacy-Behörde. Der Grund: Moltrer hat die Namen der Rekurssteller öffentlich bekanntgegeben.

Dolomiten vom Samstag, 15.11.2014, S. 13: Lorenzo Baratter, PATT-Fraktionschef im Regionalrat, erklärte, während der Regionalrat versucht habe, „der Schande der Leibrenten Abhilfe zu schaffen, zeigen rund 50 Tyrannosaurier der Politik eine nie gesehene Gefräßigkeit“.

Dolomiten vom Dienstag, 18.11.2014, S. 1 und 13, wib: Region trauert um ihren Präsidenten. Regionalratspräsident Diego Moltrer (47) ist gestern auf der Jagd einem Herzinfarkt erlegen. Der Fersentaler aus Fierozzo/Vlarotz (Florutz) war der erste deutschstämmige Trentiner Regionalratspräsident. (Bissiger ETIKA-Kommentar: Die Alt-Mandatare, die Klage eingereicht haben, trauern wohl weniger um den Tod Moltrers als um die entgangenen Schadenersatzsummen, die sie sich nunmehr in den Wind schreiben können. - Moltrer wird für seine Wahrheitsliebe und seinen Mut im Jenseits belohnt werden.)

Obiges Gedicht wurde am 18.11.2014 auf der Leserbriefseite 7 der Tageszeitung „Dolomiten“ abgedruckt und in der morgendlichen Rundfunk-Presserundschau von RAI Südtirol von Georg Schedereit zitiert und wohlwollend kommentiert: „… spricht vielen aus der Seele“. Während der Woche soll es auch im Fernsehen von RAI Südtirol erwähnt worden sein (wir haben selbst kein Fernsehen).

Samstag, 22.11.2014 KVW-Vorsitzender Werner Steiner schrieb, die hohen Rentenbeiträge und die Vorauszahlungen seien „ethisch nicht vertretbar“. (Dolomiten, S. 13) (Anmerkung: Deshalb hat ETIKA „Ethische Gesetze“ veröffentlicht, an die sich freilich niemand hält.) Leserbriefe am gleichen Tag im Tagblatt der Südtiroler, S. 9: A. S., B.: „Nun stehen sie da, geldgierig und unbarmherzig, haben sich selbst und der SVP immensen Schaden zugefügt.“ W. K. A., M.: „Ihr armen reichen Politiker. Am Ende von eurem Ende seid ihr ärmer als wir winzig kleinen Pensionsempfänger. Ihr könnt eure Berge von Geld auch nicht mitnehmen und ihr spürt jetzt schon, wie sich langsam die Würmer an euch heranschleichen.“

Weitere provokante Gedichte in dem Band „Empor aus der Scheinwelt“, siehe Titelseite von www.etika.com

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