ETIKA

ANARCHISMUS

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21.4.2008

49AN4

Facetten des Anarchismus

Graf Kropotkin, Max Hölz usw.
etika.com-Skizze einiger Zusammenhänge, zum Teil multilingual

Nur Gott und seine Werke sind vollkommen. Nur seine Geschöpfe können Vollkommenheit erlangen.

Dem Luzifer hingegen, der sich gegen Gott aufgelehnt hat, gelingt seitdem nichts Vollkommenes, alles geht irgendwie schief, endet im Chaos.

Um überhaupt Erfolg zu haben, muß er Kompromisse eingehen. Natürlich mißbraucht er das Gute auch bewußt, aber genauso ist er gezwungen, das Gute zu verwenden, um irgendeinen Plan überhaupt verwirklichen zu können.

Da geschieht es oft, daß das eine gute Element die 99 schlechten Elemente übertrumpft. Man denke an gewisse politische Systeme.

Sogar im Anarchismus finden sich Elemente einer besseren Welt.

Kurz zu den Begriffen:

Zu unserem Erstaunen entdeckten wir bei manchen Theoretikern des Anarchismus - wie bei den meisten Menschen, die nicht geborene Verbrecher sind - eine durchaus aufrichtige Sehnsucht nach Gerechtigkeit, entstanden in einer Zeit despotischer Herrschaft.

Freilich streben die anarchistischen Klassiker nur eine Teilgerechtigkeit für bestimmte Schichten an, und wenn sie diesen und andere so erhabene Begriffe verwenden, dann geschieht dies in Regel auch in propagandistischer Absicht. Sie sind gezwungen, solche Elemente der bürgerlichen Welt zu stehlen, weil sie sonst fast keine Anhänger fänden. Denn das wissen auch sie: Das totale Chaos schadet allen.

Noch eine Erkenntnis: Viele (alte) Anarchisten ließen sich von den (mißbrauchten) Schlagworten Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit selbst irreleiten. Manche waren fast Idealisten und - im Gegensatz zu den Materialisten Karl Marx, Herbert Marcuse etc. - selbst Verführte, und vielleicht öffnen unsere Worte dem einen oder anderen die Augen.

Denn wenn sie sich schon diese Ideale gesetzt haben, so sollten sie endlich erkennen, daß kein irdisches System es bisher geschafft hat, diese Ideale für alle Menschen zu verwirklichen. Alle Versuche sind in Blut und Tränen gescheitert. Nur in Gottes Reich wird es wirkliche Gerechtigkeit und Freiheit und Brüderlichkeit geben und Gleichheit insofern, als dort alle Menschen Gottes Kinder sind, allerdings verschieden nach Begabungen und Verdiensten.

Unser Wunsch bei allen Auseinandersetzungen über derartige Themen: differenzieren! Es gibt wie überall solche und solche. Bei den einen finden sich Spuren einer Art Idealismus; sie denken an das Gemeinwohl, andere - wir denken an die Auswüchse der 68er Revolution - sind nackte Hedonisten und Egoisten und Schmarotzer. Versuchen wir, gerecht zu sehen und zu urteilen, wie unser Herr es tun würde - und tun wird. Um etwas verstehen zu können, muß man es erst kennenlernen.

Wir sollen - das gilt allgemein - einer Sache möglichst auf den Grund gehen, dem Menschen ins Herz sehen, auf seine Absichten schauen, fragen, warum er etwas tut: ob er es zum Beispiel aus Not tut, aus Empörung über Unrecht, aus Ichsucht: Habgier, Herrschsucht, Genußsucht (siehe Handbuch des einfachen Lebens).

Wir sollen eine Sache von allen Seiten betrachten. Wir sollen unterscheiden, selbst urteilen, nicht das Geschwafel irgendwelcher Leute nachplappern. Dazu bietet etika.com eine gute Gelegenheit in vielen Dingen, denn wir bemühen uns, Originalquellen anzuzapfen.

En todas las épocas, quienes mueren por la justicia se han llamado "hermanos". (Camus)

Chronologie des Anarchismus

Der Engländer William Godwin (1756 - 1836), ein Aufklärer, wandte sich gegen jede Art von Herrschaft.

Als weiterer Theoretiker ist der Franzose Pierre Proudhon (1809 - 1865) bekannt. Seinem Werk "Gerechtigkeit" entnehmen wir folgende Worte: "Ich wünsche nicht die Unterdrückung oder Vernichtung von irgendjemandem. Daß die Diskussion frei sei und meine Gegner sich verteidigen: das ist alles, was ich will. Ich führe Krieg gegen die alten Ideen. Nicht gegen die alten Menschen." "Yo no pido la supresión ni la destrucción de nadie. Que la discusión sea libre y mis adversarios se defiendan: es todo lo que quiero. Yo hago la guerra a las ideas viejas. No a los hombres viejos." Der Sozialkritiker bekämpfte den Besitz ("Eigentum ist Diebstahl" - "La proprieté, ç´est le vol") und den Kommunismus von Marx.

Gefährlich für die Herrschenden wurde die Idee aber erst, als der Russe Michail Alexandrowitsch Bakunin (1814 - 1876) den revolutionären Anarchismus ins Leben rief. Er war ein waschechter Satanist und feierte Satan als den ersten Revolutionär, der den Menschen von der Versklavung durch Gott befreit hat. Das Zerstören war für ihn Lust! Wie Feuerbach sagte auch Bakunin, Menschen hätten Gott "erfunden", aus eigensüchtigem Interesse. Bakunin lehnt in seinem Hass jede Ordnung, jede Staatsform ab. (Roman Landolt 64) . "Die Freiheit ohne Sozialismus ist das Privileg, die Ungerechtigkeit; und der Sozialismus ohne die Freiheit ist die Sklaverei und die Brutalität." "La libertad sin socialismo es el privilegio, la injusticia; y el socialismo sin la libertad es la esclavitud y la brutalidad." -"Ich verabscheue den Kommunismus ... weil der Kommunismus alle Kräfte der Gesellschaft auf den Staat lenkt ..." (1868).

1864 wurde in London die Internationale Arbeitervereinigung (AIT) gebildet, die man Erste Internationale nannte.

Vgl. 1871: Proklamation der Kommune in Paris am 18. März

1872 wurden Bakunin und Jaimes Guillaume ausgestoßen.

1876: Auf einem Kongreß in Bern bezeichnete Malatesta die Gewerkschaft als reaktionäre Einrichtung.

1881: die ersten Attentate. Bis 1901 wurden ermordet: der Zar (?), der französische Staatspräsident Sadi Carnot (1894), die Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi, 1898 von Luigi Lucheni), König Umberto bzw. Humbert I. von Italien (1900) sowie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, McKinley (1901). Bedeutende anarchistische Gruppen entstanden vor allem in Italien (Alianza della Rivoluzione Sociale) und Spanien.

1892: der französische Anarchist Ravarol singt auf dem Weg zur Guillotine: "Si tu veux être heureux - Nom de Dieu - Pends ton propiétaire - Coupe les curés en deux."

1905: Der Aufstand der "Sowjets" in Rußland gilt als typisch anarchistisch.

1909 Der Anarcho-Sydikalismus entsteht.
1917 Nach der bolschewistischen Revolution wird Netschajew als großer Revolutionär gefeiert. Der dritte dner 22 Paragraphen seines "Katechismus des Revolutionärs" lautet:
"Der Revolutionär kennt nur eine Wissenschaft, die Wissenschaft der Zerstörung. Das alleinige Ziel ist die schnellste Zerstörung dieser üblen Weltordnung."

1920: Trotzki räumt auf mit Makhno und seinen anarchistischen Freischärlern.

1921: Niederschlagung des Kronstädter Matrosenaufstandes

1921, 1949, 1958, 1967: Anarchistische Kongresse in Berlin, Paris, London und Bordeaux

1936: Im spanischen Bürgerkrieg Kampf gegen die nationalen Truppen Francos.

1968 Schwarze anarchistische Fahnen bei den Studentenunruhen. Kongreß in Carrara. Die alten Anarchisten werden von den jungen als von Sklerose befallen lächerlich gemacht. Führende Rolle: der "rote Daniel" Cohn-Bendit. Sex-Thesen von Herbert Marcuse (deutsch-amerikanischer Philosoph, akademischer Lehrer von Angela Davis, in Deutschland unter anderem durch die Röhl-Zeitschrift "konkret" unters studentische Volk gebracht). Mißbrauch des Christus-Wortes "Liebet einander" (Amaos los unos a los otros) durch die Studenten der Sorbonne in einer Kampagne für die freie Liebe. Weiter: "Gott bin ich" - "Der Staat ist jeder von uns." (Mai 1968 auf eine Mauer einer französischen Universität geschrieben; Ni amo, ni Dios. Dios soy yo. El Estado es cada uno de nostros.) "El Estado es cada uno de nosotros." "¿Qué es un maestro o un Dios? El uno y el otro son una imagen del padre y ocupan una función represiva por definición." (frases escritas en las Universidades francesas en mayo de 1968) El "amor libre" practicado entre los muros universitarios. "¡Inventad nuevas perversiones sexuales!" (ante la cafeteria de la Universidad de Nanterre) La vieja Carmañola anarquista: Ça ira, ça ira, ça ira tous les bourgeois à la lanterne. Ça ira, ça ira, ça ira, tous les bourgeois on les pendra.

(Obige Aufstellung entnehmen wir der Zeitschrift Revista SP, Madrid, 15.9.1968, und anderen Quellen, darunter Ernst Maste: Der Anarchismus in den Lehren seiner Klassiker, "aus politik und zeitgeschichte, beilage zur Wochenzeitung das parlament", B 14/71, 3. April 1971).

El antiguo anarquismo sólo quería mejorar la condición del obrero y para ello elegía la acción directa, revolucionaria, desechando la fórmula socialista, política y colaboradora con el Estado. Pero el caso es que la clase obrera occidental tiene ahora un nivel de vida impensable entonces y, en su mayoría, es conservadora y no revolucionaria.
El anarquismo ha perdido su razón de ser en este terreno y su revolucionarismo, en vez de un medio instrumental, pasa a ser un fin político, coincidente y adoptado por una masa intelectual joven minoritaria. Y, sin embargo ... en el trasfondo de ambos movimientos laten un sinfín de afinidades que forman la savia del anarquismo. Así, la reacción violenta contra todo sistema político establecido en el poder; el idealismo rayano en la utopía; el antimilitarismo radical por su fe pacifista; y tantas otras características comunes que hacen revivir en este anarquismo nuevo las esencias del viejo. Con su acción directa, y decidida, el anarquismo está proporcianando en muchos países de la Tierra situaciones difíciles que degradan el orden establecido y la autoridad de los Gobiernos, mediante esa táctica anarquista bien característica. Aunque a la larga no se vea claro a quién podría beneficiar, en el campo político, una situación extrema de desmoralización pública y de colapso del Poder.
(El Conde de Montarco, ABC, Madrid, 23-8-1970, p. 3)

Heute wissen wir, was der Graf von Montarco noch nicht wußte, nämlich was mit der anarchistischen 68er Revolution bezweckt worden ist. Die Auswirkungen sind unübersehbar: Die meisten Völker stehen moralisch am Abgrund. Gemeinschaft und Gesellschaft sind aus den Fugen geraten, denn ihr Kern, die Familie, wurde seitdem systematisch zugrundegerichtet. Die Anarchisten und ihre Sprößlinge als nützliche Idioten.

Nachstehend einige Dokumente:


Der widersprüchliche Graf Kropotkin (1842 - 1921)
Zwei Jahre Gefangener der Geheimpolizei in der Festung von St. Petersburg, 1876 abenteuerliche Flucht, lebte vier Jahrzehnte in Westeuropa, zumeist England, kehrte nach dem Sturz des Zaren nach Rußland zurück, Distanz zum Bolschewismus.

"La revuelta permanente por la palabra, por el escrito, por la puñalada, el fusil, la dinamita (...), todo lo que no es la legalidad, es bueno para nosotros." (Kropotkin)

Für Kropotkin ist die gegenseitige Hilfe (mutual aid) sogar"die tatsächliche Grundlage unserer Moralbegriffe"; man habe ihr den "Hauptanteil am ethischen Fortschritt des Menschen" zuzuschreiben. ("Memoiren eines Revolutionärs", Leipzig 1910, Hilfe, S. 274 f., zitiert von Ernst Maste: Der Anarchismus in den Lehren seiner Klassiker, "aus politik und zeitgeschichte, beilage zur Wochenzeitung das parlament", B 14/71, 3. April 1971)

Kropotkin schreibt:
"Die Aufgabe des Staates", hat man uns gesagt, um uns besser zu verblenden, "ist, den Schwachen gegen den Starken, den Armen gegen den Reichen, die arbeitende Klasse gegen die bevorrechteten Klassen zu schützen". Wir wissen, wie alle Regierungen sich dieser Aufgabe entledigt haben; sie haben dieselbe stets gegenteilig verstanden. Ihrem Ursprung getreu, ist die Regierung immer die Beschützerin des Vorrechts gewesen gegenüber denjenigen, die sich davon befreien wollten.

Der dem Hochadel Entstammende wollte:
... die Zertrümmerung der Staaten und das Aufkeimen neuen Lebens in tausend und abertausend Zentren, gegründet auf die lebendige Initiative des einzelnen und der Gruppen und auf die freie Vereinbarung" (Die historische Rolle des Staates, Berlin 1920, S. 46).

etika.com: Die Zertrümmerung der (National-)Staaten macht inzwischen enorme Fortschritte, siehe auch EU, Regionalismus, UNO-Protektorate. Damals sagte man Anarchismus dazu, heute gilt dasselbe als modern und fortschrittlich. Denn wir marschieren Richtung Weltstaat, was nur wenige sehen wollen.

Kropotkin hatte geradezu eine prophetische Ader, wenn man an die heutige Entwicklung denkt: den - allerdings vielfach gesteuerten - freien Wettbewerb und freien Welthandel , die Privatisierung von Staatsunternehmen und dergleichen. Er spricht sich aus für:

...die Bildung von Gruppen behufs Befriedigung aller Bedürfnisse der Individuen der Gesellschaft. Die moderne Gesellschaft hat den Weg schon eingeschlagen. Überall sucht sie freie Verbindung, die freie Föderation, sich an die Stelle der passiven Unterwürfigkeit zu setzen. Die freien Gruppen ... beginnen sich aller Zweige der menschlichen Tätigkeit zu bemächtigen; der Wissenschaft, der schönen Künste, der Industrie, des Handels, der gegenseitigen Unterstützung, selbst der Landesverteidigung und der Versicherung gegen den Diebstahl und die Gerichte. (Beide Zitate aus Peter Kropotkin: Worte eines Rebellen, 1924, Verlag Erkenntnis und Befreiung, hektographiert 1969 vom Verlag "Zerschlagt das bürgerliche Copyright")
Freches Fazit: der heutige totale Liberalismus und schrankenlose Kapitalismus sind von den anarchistischen Idealen des Grafen Kropotkin nicht sehr weit entfernt.
Das Chaos wird vollständig, wenn man den Satz hört:
"Die Bürokratie wächst und wird käuflich." (Die allgemeine Soziologie von Vilfredo Pareto, Eine Übersicht von W. G. Waffenschmidt, Ludwigshafen, o. J., S. 63)
Chaos? System! Ein teuflisches System.


Max Hoelz - Erst Idealist, dann kommunistischer Revolutionär

Auszüge aus seiner Rede vor dem Sondergericht Moabit:

Ich hätte ja stehlen können, wenn ich dazu veranlagt wäre, an Hunger dazu hat es nicht gefehlt. Ich habe mich aber nicht gescheut, als zwanzigjähriger Mensch des Abends Kegel aufzusetzen zum Vergnügen vollgefressener, fetter Bourgeois. Ich erhielt 75 Pfennig pro Abend.

Bei Ausbruch des Krieges meldete ich mich bei den sächsischen Königshusaren in Großenhain als Kriegsfreiwilliger. Ich bin voller Begeisterung, im Glauben, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen, ins Feld gezogen... Draußen in Neustadt hielt General von Carlowitz eine kräftige Ansprache an die Truppen. Er sagt: "Wenn wir in Feindesland sind, dann wollen wir nicht einziehen als Räuber, Plünderer und Ruabbrenner, sondern als Männer, die ihr Vaterland verteidigen." ... Bei unserem Weitermarsch sahen wir auf der Straße zwölf erschossene Einwohner, darunter zwei Mädchen von zirka zehn und zwölf Jahren, liegen. ... es seien Franktireurs (Anm.: Heckenschützen) gewesen. ... wir bezogen Quartier in diesem Orte und wurden mit den Einwohnern bekannt. Hier stellte es sich heraus, daß die Beschuldigungen gegen die Erschossenen heller Unsinn waren. Es waren keine Franktireurs, das Kind hatte keine Pistole, Tatsache war lediglich, daß sie unschuldig niedergeknallt worden waren.

Als wir 1915 zur Offensive vorrückten, da stießen wir über die feindlichen Linien vor. Wir trafen auf ein Leichenfeld. Die Gefallenen waren Franzosen, Engländer, Zuaven und Deutsche. Die Toten hatten sechs Monate unbeerdigt gelegen. Die Leichen sahen schwarz aus, aus den Augenhöhlen quoll eine dicke, gelbe Materie. Der Leichengestank war furchtbar. Man konnte nicht einige Minuten dort weilen, ohne sich das Taschentuch vor Nase und Mund zu pressen. Ich habe aber stundenlang bei diesen Leichen gestanden und mir die Frage immer und immer wieder vorgelegt: Was würden die Angehörigen, die ihre Lieben ,fürs Vaterland´ hinausgesandt haben, tun, wenn sie ihre Männer, Väter, Brüder, Söhne in diesem Zustand sehen würden? Ich glaube, dann würden sie alle Hebel in Bewegung setzen, um diesem Morden ein Ende zu bereiten.

Nachdem ich mich gefühlsmäßig der Kommunistischen Partei angeschlossen hatte, lernte ich ...auch durch das Lesen von kommunistischen Büchern ... die Aufgaben des revolutionären Kampfes kennen. Ich erkannte nunmehr, daß es nicht genügt, sich gefühlsmäßig auf die Seite der unterdrückten, besitzlosen Klasse zu stellen, sondern daß man für die soziale Revolution mit allen Mitteln kämpfen muß, die ich im Kriege so verabscheuen gelernt hatte.

Es wird eine Zeit kommen, wo das Proletariat ... Mit den Händen, mit den Fäusten wird es seine Gegner zerreißen! ... Vor dieser Revolution mögen Sie und die herrschende Klasse zittern! .. es wird der Tag kommen, an dem das Proletariat zum Tier wird. ... Bürgerliche Ehre heißt für mich die Kunst, von der Arbeit anderer zu leben. Sie bedeutet Monokel im Auge, voller Bauch und hohler Kopf. Proletarische Ehre heißt Solidarität aller Ausgebeuteten, heißt Nächstenliebe, heißt, durch die Tat beweisen, daß man seinen Nächsten liebt wie seinen Bruder. Die Welt ist unser Vaterland und alle Menschen Brüder.

(etika.com- Kommentar: Alle Menschen sind Brüder, nur manche nicht, lange vor Orwells "Animal Farm"! Wir erinnern an 1789 und an den eingangs erwähnten Satz von Camus.)
Aus: Holz vor den bürgerlichen 'Richtern der Ebertinischen Republik. Nachdruck in: Max Hoelz: Proletarische Gewalt gegen bürgerliches Gesetz - Rede gegen das bürgerliche Gericht, Rotfront, Kleine Bibliothek des Marxismus-Leninismus Heft 2, 30 Seiten. Auf den Seiten 5 bis 7 ist zu lesen:
Holz wurde am 22.6.1921 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. 1928: "Der Druck der Massen öffnet mir die Gefängnistore" (Hoelz) Seit dieser Zeit fehlen uns Angaben über das weitere Leben von Max Hoelz. Nur bei Flechtheim "Die Geschichte der KPD in der Weimarer Republik" wird Hoelz zweimal als inoffizielles Mitglied der III. Internationale in Moskau erwähnt. Genossen, die mehr wissen, bitten wir, uns Einzelheiten mitzuteilen. Rotfront.

Wir tun das gerne, wenn auch mit drei Jahrzehnten Verspätung. Schade, daß die Apo-Leute von der "Rotfront" die Literatur des Dritten Reiches nicht gekannt haben. Sonst wüßten sie, daß Karl I. Albrecht in seinem Buch "Der verratene Sozialismus" den Mord der Bolschewisten an Max Hölz in der Sowjetunion ausführlich schildert.


"Lo divino es asunto de Dios; lo humano de los hombres. Mi causa no es ni lo divino ni lo humana. No es lo verdadero, justo, libre, etc., sino solamente lo mío, y no es algo colectivo, sino algo único." (Max Stirner)

Der Engländer John Most, der 1882 nach sechzehnmonatiger Inhaftierung nach New York ging, trat für einen Kommunismus freiheitlicher Natur ein. Er erstrebte die Abschaffung des Lohnsystems in jeder Form. Für ihn war das Monopol der Macht ebenso gefährlich als das Monopol des Besitzes, und daher vertrat er unentwegt den Standpunkt, daß nicht die Eroberung, sondern die Zerstörung jeder politischen Macht das zu erstrebende Ziel der Arbeiterbewegung sein müsse. (Rudolf Rocker, S. 6)
Most bejahte den gewaltsamen Umsturz. Bevor das Proletariat alle Waffen zerschlagen kann, muß es alle Waffen erobert haben!
"Das Heil der Menschen liegt im Kommunismus!", ruft John Most über Jahrzehnte hinweg den Massen zu. Nur über die Trümmer der Parteien hinweg führt der Weg zum Ziel! (Franz Pfemfert, S. 8)

"Anarchie heißt Herrschaftslosigkeit, mithin ist im Anarchismus ein Streben gegeben, das darauf hinausläuft, einen sozialen Zustand herbeizuführen, bei welchem keinerlei Beherrschung der einen Menschen durch die anderen mehr stattfindet, so daß also von einem Staat, einer Regierung, von Gesetzen oder anderen Zwangsmitteln keine Rede mehr ist und wirkliche Freiheit für alle waltet." (John Most, S. 9)
Obige Zitate aus: John Most: Für die Einheitsfront des revolutionären Proletariats - Das Ziel des Kommunismus: Kommunistischer Anarchismus. Verlag der Wochenschrift Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf 1921

Welche Kurzsichtigkeit. Das bedeutet das Faustrecht! Und Versklavung oder Ende des Schwächeren!


Schlußbetrachtung:
Walter Gutermuth stellte die These auf: Anarchisten stehen unter dem Zwang ihrer Ideologie. Die Frage nach der Motivation der Terroristen ist deshalb sinnlos. Und immer wieder werden wir zum Differenzieren angehalten: "Terroranalytiker Neuss beklagt, daß die Diskrepanz zwischen idealistischem, moralischem Anspruch und desillusionierender Realität gerade von hochbegabten jungen Menschen stärker erlebt und erlitten wird als von anderen. Die Konsequenz ist klar: das Kontingent der Sensiblen, der Idealisten in der Gruppe der Politanarchisten ist groß. Beispiele dafür sind Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Doch die Metamorphose der Sensiblen zu gnadenlosen, kaltblütigen, unbedenklichen Terroristen und Killern, die Bombe, Schießeisen und Plastiksprengstoff ohne Mitleid und Gewissensbisse im Sinne ihrer Ideologien gegen Menschen einsetzen, ist vollkommen." (Walter Gutermuth in der Stuttgarter Zeitung, 9.8.1977)
In aller Kürze und bruchstückhaft als Abschluß:
Wir fügen dem (zugegeben auch von manchen Anarchisten geübten) Streben nach Gerechtigkeit einen zweiten Begriff hinzu, der gleiche und größere Bedeutung hat: die Barmherzigkeit.

Die Barmherzigkeit ist göttlichen Ursprungs, sie beginnt in Gott und endet in Gott. Ihm allein gelingt es, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu vereinen. Wie? Wir werden es bald sehen.

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