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ANARCHISMUS |
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49AN4 |
Facetten des Anarchismus |
Graf Kropotkin,
Max Hölz usw. |
Nur Gott und seine Werke sind vollkommen. Nur seine
Geschöpfe können Vollkommenheit erlangen.
Dem Luzifer hingegen, der sich gegen Gott aufgelehnt hat, gelingt
seitdem nichts Vollkommenes, alles geht irgendwie schief, endet im Chaos.
Um überhaupt Erfolg zu haben, muß er Kompromisse eingehen.
Natürlich mißbraucht er das Gute auch bewußt, aber genauso ist er gezwungen,
das Gute zu verwenden, um irgendeinen Plan überhaupt verwirklichen zu können.
Da geschieht es oft, daß das eine gute Element die 99
schlechten Elemente übertrumpft. Man denke an gewisse politische Systeme.
Sogar im Anarchismus finden sich Elemente einer
besseren Welt.
Kurz zu den Begriffen:
Zu unserem Erstaunen
entdeckten wir bei manchen Theoretikern des Anarchismus - wie bei den meisten
Menschen, die nicht geborene Verbrecher sind - eine durchaus aufrichtige
Sehnsucht nach Gerechtigkeit, entstanden in einer Zeit despotischer Herrschaft.
Freilich
streben die anarchistischen Klassiker nur eine Teilgerechtigkeit für bestimmte
Schichten an, und wenn sie diesen und andere so erhabene Begriffe verwenden,
dann geschieht dies in Regel auch in propagandistischer Absicht. Sie sind
gezwungen, solche Elemente der bürgerlichen Welt zu stehlen, weil sie sonst
fast keine Anhänger fänden. Denn das wissen auch sie: Das totale Chaos schadet
allen.
Noch eine
Erkenntnis: Viele (alte) Anarchisten ließen sich von den (mißbrauchten)
Schlagworten Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit selbst
irreleiten. Manche waren fast Idealisten und - im Gegensatz zu den
Materialisten Karl Marx, Herbert Marcuse etc. - selbst Verführte, und
vielleicht öffnen unsere Worte dem einen oder anderen die Augen.
Denn wenn
sie sich schon diese Ideale gesetzt haben, so sollten sie endlich erkennen, daß
kein irdisches System es bisher geschafft hat, diese Ideale für alle Menschen
zu verwirklichen. Alle Versuche sind in Blut und Tränen gescheitert. Nur in
Gottes Reich wird es wirkliche Gerechtigkeit und Freiheit und Brüderlichkeit
geben und Gleichheit insofern, als dort alle Menschen Gottes Kinder sind,
allerdings verschieden nach Begabungen und Verdiensten.
Unser Wunsch
bei allen Auseinandersetzungen über derartige Themen: differenzieren! Es
gibt wie überall solche und solche. Bei den einen finden sich Spuren einer Art
Idealismus; sie denken an das Gemeinwohl, andere - wir denken an die Auswüchse
der 68er Revolution - sind nackte Hedonisten und
Egoisten und Schmarotzer. Versuchen wir, gerecht zu sehen und zu urteilen, wie
unser Herr es tun würde - und tun wird. Um etwas verstehen zu können, muß man
es erst kennenlernen.
Wir sollen -
das gilt allgemein - einer Sache möglichst auf den Grund gehen, dem Menschen
ins Herz sehen, auf seine Absichten schauen, fragen, warum er etwas tut: ob er
es zum Beispiel aus Not tut, aus Empörung über Unrecht, aus Ichsucht: Habgier,
Herrschsucht, Genußsucht (siehe Handbuch des einfachen Lebens).
Wir sollen
eine Sache von allen Seiten betrachten. Wir sollen unterscheiden, selbst
urteilen, nicht das Geschwafel irgendwelcher Leute nachplappern. Dazu bietet etika.com eine gute Gelegenheit in vielen Dingen, denn wir
bemühen uns, Originalquellen anzuzapfen.
En todas las épocas,
quienes mueren por la justicia se han llamado "hermanos". (Camus)
Chronologie des Anarchismus
Der Engländer William
Godwin (1756 - 1836), ein Aufklärer, wandte sich gegen jede Art von
Herrschaft.
Als weiterer
Theoretiker ist der Franzose Pierre Proudhon
(1809 - 1865) bekannt. Seinem Werk "Gerechtigkeit" entnehmen wir
folgende Worte: "Ich wünsche nicht die Unterdrückung oder Vernichtung
von irgendjemandem. Daß die Diskussion frei sei und
meine Gegner sich verteidigen: das ist alles, was ich will. Ich führe Krieg
gegen die alten Ideen. Nicht gegen die alten Menschen." "Yo no pido la
supresión ni la destrucción de nadie. Que la discusión sea libre y mis
adversarios se defiendan: es todo lo que quiero. Yo hago la guerra a las ideas
viejas. No a los hombres viejos." Der
Sozialkritiker bekämpfte den Besitz ("Eigentum ist Diebstahl" - "La proprieté, ç´est le vol") und den Kommunismus von Marx.
Gefährlich für die
Herrschenden wurde die Idee aber erst, als der Russe Michail Alexandrowitsch Bakunin (1814 - 1876) den
revolutionären Anarchismus ins Leben rief. Er war
ein waschechter Satanist und feierte Satan als den ersten Revolutionär, der den
Menschen von der Versklavung durch Gott befreit hat. Das Zerstören war für ihn
Lust! Wie Feuerbach sagte auch Bakunin, Menschen hätten Gott
"erfunden", aus eigensüchtigem Interesse. Bakunin lehnt in seinem
Hass jede Ordnung, jede Staatsform ab. (Roman Landolt 64) . "Die Freiheit
ohne Sozialismus ist das Privileg, die Ungerechtigkeit; und der Sozialismus
ohne die Freiheit ist die Sklaverei und die Brutalität." "La libertad sin socialismo
es el privilegio, la injusticia;
y el socialismo sin la libertad es la esclavitud y la brutalidad." -"Ich
verabscheue den Kommunismus ... weil der Kommunismus alle Kräfte der
Gesellschaft auf den Staat lenkt ..." (1868).
1864 wurde in London
die Internationale Arbeitervereinigung (AIT)
gebildet, die man Erste Internationale nannte.
Vgl. 1871: Proklamation
der Kommune in Paris am 18. März
1872 wurden Bakunin und
Jaimes Guillaume ausgestoßen.
1876: Auf einem Kongreß
in Bern bezeichnete Malatesta die Gewerkschaft als
reaktionäre Einrichtung.
1881: die ersten Attentate.
Bis 1901 wurden ermordet: der Zar (?), der französische Staatspräsident Sadi Carnot (1894), die Kaiserin
Elisabeth von Österreich (Sisi, 1898 von Luigi
Lucheni), König Umberto bzw. Humbert I. von
Italien (1900) sowie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
McKinley (1901). Bedeutende anarchistische Gruppen entstanden vor allem in
Italien (Alianza della Rivoluzione Sociale) und Spanien.
1892: der französische
Anarchist Ravarol singt auf dem Weg zur Guillotine: "Si tu veux être heureux
- Nom de Dieu - Pends ton propiétaire - Coupe les curés en
deux."
1905: Der Aufstand der
"Sowjets" in Rußland gilt als typisch anarchistisch.
1909 Der Anarcho-Sydikalismus entsteht.
1917 Nach der bolschewistischen Revolution wird Netschajew als großer
Revolutionär gefeiert. Der dritte dner 22 Paragraphen
seines "Katechismus des Revolutionärs" lautet: "Der
Revolutionär kennt nur eine Wissenschaft, die Wissenschaft der Zerstörung. Das
alleinige Ziel ist die schnellste Zerstörung dieser üblen Weltordnung."
1920: Trotzki räumt auf
mit Makhno und seinen anarchistischen Freischärlern.
1921: Niederschlagung
des Kronstädter Matrosenaufstandes
1921, 1949, 1958, 1967:
Anarchistische Kongresse in Berlin, Paris, London und Bordeaux
1936: Im spanischen
Bürgerkrieg Kampf gegen die nationalen Truppen Francos.
1968 Schwarze anarchistische
Fahnen bei den Studentenunruhen. Kongreß in Carrara. Die alten Anarchisten werden von den
jungen als von Sklerose befallen lächerlich gemacht. Führende Rolle: der
"rote Daniel" Cohn-Bendit. Sex-Thesen von Herbert Marcuse
(deutsch-amerikanischer Philosoph, akademischer Lehrer von Angela Davis, in
Deutschland unter anderem durch die Röhl-Zeitschrift "konkret" unters
studentische Volk gebracht). Mißbrauch des Christus-Wortes "Liebet
einander" (Amaos los unos a los otros) durch die Studenten der Sorbonne
in einer Kampagne für die freie Liebe. Weiter: "Gott bin ich" - "Der Staat ist jeder von
uns." (Mai 1968 auf eine Mauer einer
französischen Universität geschrieben; Ni amo, ni Dios. Dios soy yo. El Estado es cada uno de nostros.) "El Estado es cada uno de nosotros."
"¿Qué es un maestro o un Dios? El uno y el otro son una imagen del padre y
ocupan una función represiva por definición." (frases escritas en
las Universidades francesas en mayo de 1968) El "amor libre"
practicado entre los muros universitarios. "¡Inventad
nuevas perversiones sexuales!" (ante la cafeteria de la
Universidad de Nanterre) La vieja Carmañola anarquista: Ça ira, ça ira, ça ira tous les bourgeois à la
lanterne. Ça ira, ça ira, ça ira, tous les bourgeois on les pendra.
(Obige Aufstellung
entnehmen wir der Zeitschrift Revista SP, Madrid,
15.9.1968, und anderen Quellen, darunter Ernst Maste: Der Anarchismus in den
Lehren seiner Klassiker, "aus politik und zeitgeschichte, beilage zur
Wochenzeitung das parlament", B 14/71, 3. April 1971).
El antiguo
anarquismo sólo quería mejorar la condición del obrero y para ello elegía la acción
directa, revolucionaria, desechando la fórmula socialista, política y
colaboradora con el Estado. Pero el caso es que la clase obrera occidental
tiene ahora un nivel de vida impensable entonces y, en su mayoría, es
conservadora y no revolucionaria.
El anarquismo ha perdido su razón de ser en este terreno y su revolucionarismo,
en vez de un medio instrumental, pasa a ser un fin político, coincidente y
adoptado por una masa intelectual joven minoritaria. Y, sin embargo ... en el
trasfondo de ambos movimientos laten un sinfín de afinidades que forman la
savia del anarquismo. Así, la reacción violenta contra todo sistema político
establecido en el poder; el idealismo rayano en la utopía; el antimilitarismo
radical por su fe pacifista; y tantas otras características comunes que hacen
revivir en este anarquismo nuevo las esencias del viejo. Con su acción directa,
y decidida, el anarquismo está proporcianando en muchos países de la Tierra
situaciones difíciles que degradan el orden establecido y la autoridad de
los Gobiernos, mediante esa táctica anarquista bien característica. Aunque a la
larga no se vea claro a quién podría beneficiar, en el campo político,
una situación extrema de desmoralización pública y de colapso del Poder.
(El Conde de Montarco, ABC, Madrid, 23-8-1970, p. 3)
Heute
wissen wir, was der Graf von Montarco noch nicht
wußte, nämlich was mit der anarchistischen 68er
Revolution bezweckt worden ist. Die
Auswirkungen sind unübersehbar: Die meisten Völker stehen moralisch am Abgrund.
Gemeinschaft und Gesellschaft sind aus den Fugen geraten, denn ihr Kern, die
Familie, wurde seitdem systematisch zugrundegerichtet. Die Anarchisten und ihre
Sprößlinge als nützliche Idioten.
Nachstehend einige Dokumente:
Der widersprüchliche Graf Kropotkin
(1842 - 1921)
Zwei Jahre Gefangener der Geheimpolizei in der Festung von St. Petersburg, 1876
abenteuerliche Flucht, lebte vier Jahrzehnte in Westeuropa, zumeist England,
kehrte nach dem Sturz des Zaren nach Rußland zurück, Distanz zum Bolschewismus.
"La revuelta
permanente por la palabra, por el escrito, por la puñalada, el fusil, la
dinamita (...), todo lo que no es la legalidad, es bueno para nosotros." (Kropotkin)
Für Kropotkin ist die gegenseitige
Hilfe (mutual aid) sogar"die tatsächliche Grundlage unserer Moralbegriffe";
man habe ihr den "Hauptanteil am ethischen Fortschritt des Menschen"
zuzuschreiben. ("Memoiren eines Revolutionärs", Leipzig 1910, Hilfe,
S. 274 f., zitiert von Ernst Maste: Der Anarchismus in den Lehren seiner
Klassiker, "aus politik und zeitgeschichte,
beilage zur Wochenzeitung das parlament",
B 14/71, 3. April 1971)
Kropotkin schreibt:
"Die Aufgabe des Staates", hat man uns gesagt, um uns besser zu
verblenden, "ist, den Schwachen gegen den Starken, den Armen gegen den
Reichen, die arbeitende Klasse gegen die bevorrechteten Klassen zu
schützen". Wir wissen, wie alle Regierungen sich dieser Aufgabe entledigt
haben; sie haben dieselbe stets gegenteilig verstanden. Ihrem Ursprung getreu,
ist die Regierung immer die Beschützerin des Vorrechts gewesen gegenüber
denjenigen, die sich davon befreien wollten.
Der dem Hochadel Entstammende wollte:
... die Zertrümmerung der Staaten und das Aufkeimen neuen Lebens in
tausend und abertausend Zentren,
gegründet auf die lebendige Initiative des einzelnen und der Gruppen und auf
die freie Vereinbarung" (Die historische Rolle des Staates, Berlin
1920, S. 46).
etika.com: Die Zertrümmerung der (National-)Staaten
macht inzwischen enorme Fortschritte, siehe auch EU, Regionalismus,
UNO-Protektorate. Damals sagte man Anarchismus dazu, heute gilt dasselbe als
modern und fortschrittlich. Denn wir marschieren Richtung Weltstaat, was nur
wenige sehen wollen.
Kropotkin hatte geradezu eine prophetische Ader, wenn man an die
heutige Entwicklung denkt: den - allerdings vielfach gesteuerten - freien
Wettbewerb und freien Welthandel , die Privatisierung
von Staatsunternehmen und dergleichen. Er spricht sich aus für:
...die Bildung von Gruppen behufs Befriedigung
aller Bedürfnisse der Individuen der Gesellschaft. Die moderne Gesellschaft hat
den Weg schon eingeschlagen. Überall sucht sie freie Verbindung, die freie
Föderation, sich an die Stelle der passiven Unterwürfigkeit zu setzen. Die freien
Gruppen ... beginnen sich aller Zweige der menschlichen Tätigkeit zu
bemächtigen; der Wissenschaft, der schönen Künste, der Industrie, des Handels,
der gegenseitigen Unterstützung, selbst der Landesverteidigung und der
Versicherung gegen den Diebstahl und die Gerichte. (Beide Zitate aus Peter Kropotkin: Worte eines Rebellen, 1924, Verlag Erkenntnis
und Befreiung, hektographiert 1969 vom Verlag "Zerschlagt das bürgerliche
Copyright")
Freches
Fazit: der heutige totale Liberalismus und schrankenlose Kapitalismus sind von
den anarchistischen Idealen des Grafen Kropotkin
nicht sehr weit entfernt.
Das Chaos wird vollständig, wenn man den Satz hört: "Die Bürokratie wächst und wird käuflich." (Die allgemeine Soziologie von Vilfredo
Pareto, Eine Übersicht von W. G. Waffenschmidt,
Ludwigshafen, o. J., S. 63)
Chaos?
System! Ein teuflisches System.
Max Hoelz - Erst
Idealist, dann kommunistischer Revolutionär
Auszüge aus
seiner Rede vor dem Sondergericht Moabit:
Ich hätte ja stehlen können, wenn ich dazu
veranlagt wäre, an Hunger dazu hat es nicht gefehlt. Ich habe mich aber nicht
gescheut, als zwanzigjähriger Mensch des Abends Kegel aufzusetzen zum Vergnügen
vollgefressener, fetter Bourgeois. Ich erhielt 75 Pfennig pro Abend.
Bei Ausbruch des Krieges meldete ich mich bei den
sächsischen Königshusaren in Großenhain als Kriegsfreiwilliger. Ich bin voller
Begeisterung, im Glauben, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen, ins Feld
gezogen... Draußen in Neustadt hielt General von Carlowitz eine kräftige
Ansprache an die Truppen. Er sagt: "Wenn wir in Feindesland sind, dann
wollen wir nicht einziehen als Räuber, Plünderer und Ruabbrenner,
sondern als Männer, die ihr Vaterland verteidigen." ...
Bei unserem Weitermarsch sahen wir auf der Straße zwölf erschossene Einwohner,
darunter zwei Mädchen von zirka zehn und zwölf Jahren, liegen. ... es seien
Franktireurs (Anm.: Heckenschützen) gewesen. ... wir bezogen Quartier in diesem
Orte und wurden mit den Einwohnern bekannt. Hier stellte es sich heraus, daß
die Beschuldigungen gegen die Erschossenen heller Unsinn waren. Es waren keine
Franktireurs, das Kind hatte keine Pistole, Tatsache war lediglich, daß sie unschuldig
niedergeknallt worden waren.
Als wir 1915 zur Offensive vorrückten, da stießen
wir über die feindlichen Linien vor. Wir trafen auf ein Leichenfeld. Die
Gefallenen waren Franzosen, Engländer, Zuaven und Deutsche.
Die Toten hatten sechs Monate unbeerdigt gelegen. Die Leichen sahen schwarz
aus, aus den Augenhöhlen quoll eine dicke, gelbe Materie. Der Leichengestank
war furchtbar. Man konnte nicht einige Minuten dort weilen, ohne sich das
Taschentuch vor Nase und Mund zu pressen. Ich habe aber stundenlang bei diesen
Leichen gestanden und mir die Frage immer und immer wieder vorgelegt: Was
würden die Angehörigen, die ihre Lieben ,fürs
Vaterland´ hinausgesandt haben, tun, wenn sie ihre Männer, Väter, Brüder, Söhne
in diesem Zustand sehen würden? Ich glaube, dann würden sie alle Hebel in
Bewegung setzen, um diesem Morden ein Ende zu bereiten.
Nachdem ich mich gefühlsmäßig der Kommunistischen
Partei angeschlossen hatte, lernte ich ...auch durch das Lesen von kommunistischen
Büchern ... die Aufgaben des revolutionären Kampfes kennen. Ich erkannte
nunmehr, daß es nicht genügt, sich gefühlsmäßig auf die Seite der
unterdrückten, besitzlosen Klasse zu stellen, sondern daß man für die
soziale Revolution mit allen Mitteln kämpfen muß, die ich im Kriege so
verabscheuen gelernt hatte.
Es wird eine Zeit kommen, wo das Proletariat ...
Mit den Händen, mit den Fäusten wird es seine Gegner zerreißen! ... Vor dieser
Revolution mögen Sie und die herrschende Klasse zittern! ..
es wird der Tag kommen, an dem das Proletariat zum Tier wird. ...
Bürgerliche Ehre heißt für mich die Kunst, von der Arbeit anderer zu leben. Sie
bedeutet Monokel im Auge, voller Bauch und hohler Kopf. Proletarische Ehre
heißt Solidarität aller Ausgebeuteten, heißt Nächstenliebe, heißt, durch die
Tat beweisen, daß man seinen Nächsten liebt wie seinen Bruder. Die Welt ist
unser Vaterland und alle Menschen Brüder.
(etika.com- Kommentar: Alle Menschen sind Brüder, nur manche
nicht, lange vor Orwells "Animal Farm"! Wir
erinnern an 1789 und an den eingangs erwähnten Satz von Camus.)
Aus: Holz vor den bürgerlichen 'Richtern der Ebertinischen
Republik. Nachdruck in: Max Hoelz: Proletarische
Gewalt gegen bürgerliches Gesetz - Rede gegen das bürgerliche Gericht, Rotfront,
Kleine Bibliothek des Marxismus-Leninismus Heft 2, 30 Seiten. Auf den Seiten 5
bis 7 ist zu lesen:
Holz wurde am 22.6.1921 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. 1928:
"Der Druck der Massen öffnet mir die Gefängnistore" (Hoelz) Seit dieser Zeit fehlen uns Angaben über das weitere
Leben von Max Hoelz. Nur bei Flechtheim "Die
Geschichte der KPD in der Weimarer Republik" wird Hoelz
zweimal als inoffizielles Mitglied der III. Internationale in Moskau erwähnt.
Genossen, die mehr wissen, bitten wir, uns Einzelheiten mitzuteilen. Rotfront.
Wir tun das
gerne, wenn auch mit drei Jahrzehnten Verspätung. Schade, daß die Apo-Leute von der "Rotfront" die Literatur des
Dritten Reiches nicht gekannt haben. Sonst wüßten sie, daß Karl I. Albrecht in
seinem Buch "Der
verratene Sozialismus" den Mord der Bolschewisten an Max Hölz
in der Sowjetunion ausführlich schildert.
"Lo divino es
asunto de Dios; lo humano de los hombres. Mi causa no es ni lo divino ni lo
humana. No es lo verdadero, justo, libre, etc., sino solamente lo mío, y no es
algo colectivo, sino algo único." (Max
Stirner)
Der Engländer John Most, der 1882 nach
sechzehnmonatiger Inhaftierung nach New York ging, trat für einen Kommunismus
freiheitlicher Natur ein. Er erstrebte die Abschaffung des Lohnsystems in jeder
Form. Für ihn war das Monopol der Macht ebenso gefährlich als das Monopol des
Besitzes, und daher vertrat er unentwegt den Standpunkt, daß nicht die
Eroberung, sondern die Zerstörung jeder politischen Macht das zu erstrebende
Ziel der Arbeiterbewegung sein müsse. (Rudolf Rocker, S. 6)
Most bejahte den gewaltsamen Umsturz. Bevor das Proletariat alle Waffen
zerschlagen kann, muß es alle Waffen erobert haben! "Das Heil der Menschen liegt im
Kommunismus!", ruft John Most über
Jahrzehnte hinweg den Massen zu. Nur über die Trümmer der Parteien hinweg führt
der Weg zum Ziel! (Franz Pfemfert, S. 8)
"Anarchie heißt Herrschaftslosigkeit,
mithin ist im Anarchismus ein Streben gegeben, das darauf hinausläuft, einen
sozialen Zustand herbeizuführen, bei welchem keinerlei Beherrschung der einen
Menschen durch die anderen mehr stattfindet, so daß also von einem Staat, einer
Regierung, von Gesetzen oder anderen Zwangsmitteln keine Rede mehr ist und wirkliche
Freiheit für alle waltet." (John
Most, S. 9)
Obige Zitate aus: John Most: Für die Einheitsfront des revolutionären
Proletariats - Das Ziel des Kommunismus: Kommunistischer Anarchismus. Verlag
der Wochenschrift Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf 1921
Welche
Kurzsichtigkeit. Das bedeutet das Faustrecht! Und Versklavung oder Ende des
Schwächeren!
Schlußbetrachtung:
Walter Gutermuth
stellte die These auf: Anarchisten stehen unter dem Zwang ihrer Ideologie. Die
Frage nach der Motivation der Terroristen ist deshalb sinnlos. Und immer wieder werden wir zum Differenzieren angehalten:
"Terroranalytiker Neuss beklagt, daß die Diskrepanz zwischen idealistischem,
moralischem Anspruch und desillusionierender Realität gerade von
hochbegabten jungen Menschen stärker erlebt und erlitten wird als von anderen.
Die Konsequenz ist klar: das Kontingent der Sensiblen, der Idealisten in der
Gruppe der Politanarchisten ist groß. Beispiele dafür sind Ulrike
Meinhof und Gudrun Ensslin. Doch die Metamorphose der Sensiblen zu
gnadenlosen, kaltblütigen, unbedenklichen Terroristen und Killern, die
Bombe, Schießeisen und Plastiksprengstoff ohne Mitleid und Gewissensbisse
im Sinne ihrer Ideologien gegen Menschen einsetzen, ist vollkommen."
(Walter Gutermuth in der Stuttgarter Zeitung, 9.8.1977)
In aller Kürze und bruchstückhaft als Abschluß:
Wir
fügen dem (zugegeben auch von manchen Anarchisten geübten) Streben nach
Gerechtigkeit einen zweiten Begriff hinzu, der gleiche und größere Bedeutung
hat: die Barmherzigkeit.
Die
Barmherzigkeit ist göttlichen Ursprungs, sie beginnt in Gott und endet in Gott.
Ihm allein gelingt es, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu vereinen.
Wie? Wir werden es bald sehen.