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MUSIK,
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Der Unfug der
modernen Blasmusik.
Urlauber sind sehr enttäuscht, wenn die Südtiroler Musikkapellen bei
Konzerten mit angeblich „qualitativ hochstehender“ Blasmusik Eindruck schinden
wollen. Dies wurde uns erneut in Kastelruth und Seis bestätigt. Die
disharmonischen Klänge (konfuse Rhythmen statt beschwingter Melodien), nur
selten perfekt intoniert, lassen in der Mehrzahl der Zuhörer großen Ärger
aufsteigen. Fremde erwarten sich von einer Südtiroler Musikkapelle in Tracht
Volksmusik, die schönen, alten deutschen Weisen, Märsche, Operetten,
gelegentlich auch etwas Folkloristisches aus anderen Kulturkreisen wie Rußland
oder Spanien oder Südamerika, aber nicht den angloamerikanischen Eintopf, vor
dem jede vernünftige Kreatur im Konzertsaal am liebsten Reißaus nähme. Aber
solange die Dorfgemeinschaften die Launen der Kapellmeister hinnehmen und den
ganzen Unfug noch mit Beifall belohnen, wird sich nichts ändern. Gegen Geschmacksverblödung
ist ebenso wie gegen Dummheit leider noch kein Kraut gewachsen.
Denselben Betrug begeht der RAI-Sender
Bozen mit seiner Rubrik „Musik aus Südtirol“. Da gibt es fast nichts, was nicht
unter diesem Titel verkauft wird, von afrikanischen Buschtrommeln über Jazz bis
zur Techno-Musik.
Was die Samstagabende betrifft, ist der
Sender Bozen hingegen zu loben. Der
volkstümliche Teil wurde trotz der katastrophalen Programmreform beibehalten,
ja sogar verlängert. Wenn man früher um 21 Uhr die trostlos langweiligen einleitenden
Töne der Sendung von Ado Sch. vernahm, wurde man sofort müde – jedenfalls ging
es dem Berichterstatter so – und man drückte auf den Abschaltknopf. Jetzt freut
man sich nach den Hörspielen – sogar Reimmichl ist wieder einmal an der Reihe -
auf die flotten Melodien in der Sendung „Wie der Schnabel gewachsen ist“ mit
den lustigen Sprüchen, die Dr. Friedrich Haider gesammelt hat und Koordinator Rudi
Gamper gekonnt vorträgt. Am 1. Mai gab es außerdem köstlich explosive, ins Mark
treffende Gedichte von Maridl Innerhofer. Da schämt sich jeder Politiker, der
zugehört hat, einer zu sein. (13.5.2002)
Konzertante Blasmusik
und Pflanzenschutz.
Warum wohl
hat der Kapellmeister eines Frühjahrskonzerts mit dem Marsch „Gruß aus Wien“
von Robert Stolz – es hätte übrigens auch etwas von Roman Pola sein dürfen -
abgeschlossen? Um den Eindruck zu verdecken, den die Kapelle mit den Werken
zuvor erweckt hat. Und warum wohl wählte er als Zugaben zwei weitere zündende
Märsche? Weil er sich im Unterbewußtsein schämte für die vorangegangenen
Darbietungen. Quevedo hätte dies vielleicht zu folgendem Gedankengang
verleitet: An dem Geblase disharmonischer Machwerke gefeierter Krachproduzenten
der Gegenwart hätte das Höllenpersonal sicher eine größere Freude gehabt als
das Publikum, das wegen der Leistungen der Musiker trotzdem höflich Beifall
klatschte. Aber möglicherweise sind Aufzeichnungen solch moderner Blasmusik
ohnehin zur Bestrafung der Verdammten vorgesehen. Uns tun nur die großen
Pflanzen leid, die eine Gärtnerei offenbar in Unkenntnis des zu erwartenden
Lärmpegels bereitwillig als Saalschmuck vor dem Podium aufgestellt hat.
Pflanzen sind schließlich auch Lebewesen, und zwar recht sensible. Welch eine
Pein muß die Stunde teilweise infernalischen Getöses für diese Geschöpfe Gottes
gewesen sein! Menschen haben Hände und Finger, um sich – wie der
Berichterstatter – die Ohren zuzuhalten, Pflanzen nicht. So können wir als
Naturfreunde das Konzert leider nicht mit dem Mantel des Schweigens zudecken.
Man soll freilich nicht verallgemeinern. Auch Hornochsen gehören ins Reich der
Natur, und einer von ihnen brüllte nach einem Tanz eigentlich
säugetierfeindlicher Vampire sogar „Bravo“. Schade für die jungen und alten
Musiker, die mit Begeisterung dabei sind und mit dem Ungarischen Tanz Nr. 6 von
Johannes Brahms zeigten, was sie können. Warum meinen sie denn, sich dem Diktat
der Moderne unterordnen zu müssen? Es wäre doch so leicht, den Zuhörern mit herzerquickenden
Melodien eine Freude zu machen – zum Glück gibt es noch kleine Gruppen - ,
anstatt mit einem Trommelfeuer schräger Rhythmen Gehör und musikalisches
Empfinden zu zertrümmern! Das Publikum ärgern will sicher keiner der braven
Musikanten. Warum tun sie es dann aber? Man kann doch bei solchen Konzerten
nicht mehr von Volksmusik sprechen, da handelt es sich um eine Nachäffung der
Großstadtszene. Der destruktive Multikulti-Ungeist hat inzwischen leider auch
schon von vielen Jugendmusikschulen Besitz ergriffen. (Entschärfte Fassung,
frühere ungültig, 26.3.2002)