ETIKA

Gedichte

www.etika.com

58LP6

Südtirolfreunds Klage

14.5.2013

Ach wie ist das Wegnetz mies.
Auf dem Forstweg fehlt der Kies. 1
Löcher, Steine überall,
schlechte Pfad´ in Berg und Tal.

Die Markierung oftmals fehlt,
dafür hat das Land kein Geld.
Es wird beim Straßenbau verprasst.
Man denkt nicht an den Wandergast. 2

Die alten Häuser reißt man ab.
Tirols Kultur, die sinkt ins Grab.
Modern und schiach Architektur,
das Brauchtum für Touristen nur.

Höchst selten hört man Volksmusik,
im Gasthaus herrscht der Englisch-Tick.
Die Preise sind oft unverschämt.
So wird der letzte Gast vergrämt. 3

Verschandelt ist ein jeder Ort.
Glaube, Heimat: leere Wort´.
Doch diese Endzeit bald vergeht.
Reimmichls Welt 4 dann aufersteht.

Rainer Lechner, etika.com

Anmerkungen:

1 Als Vorbild nehme man sich die städtischen Wälder von E. und G., z. B. den für Langläufer angelegten Forstweg im Schlater Wald.

2 Es fehlt zum Beispiel ein ebener Weg von Perdonig bis Margreid für Wanderer und Radfahrer, so eben wie der Felspfad nach San Romedio. Die Trentiner sind den Südtirolern meilenweit voraus, auch was die Seerundwanderwege betrifft. Man denke nur an den Lago di Tovel und den See von Piné sowie das abschreckende Beispiel Kalterer See.

3 Faule Wirte von Hochgebirgshütten servieren Bergsteigern das Frühstück oft erst ab 8 Uhr statt um 6 Uhr oder früher. Dazu könnte man dichten:

Hüttenfrühstück erst ab acht:
Fauler Wirt, gib auf die Pacht!

4 Diese Welt lebt Gott sei Dank noch heute im jährlich erscheinenden Reimmichls Volkskalender (Verlag Athesia Bozen).

Nachdruck bis Juli 2013 honorarfrei erlaubt.

Index 5