ETIKA

Gedichte

www.etika.com

58LP7

Verzweifelt schreien Millionen
Migranten als Feigenblatt

23.7.2013

Nichts als Wurzeln, Gras und Blätter.
Alles Wasser ist versiegt.
Ein Konzern erwarb die Felder,
der Bauersleut´ brutal bekriegt.

Der Hunger haust in allen Hütten.
Die jungen Menschen wandern ab
in das Elend großer Städte,
aller guten Sitten Grab.

Jeder kämpft da gegen Jeden
ums Überleben in dem Slum.
Banden rauben aus die Ärmsten,
stoßen sie in Kot und Schlamm,

vergewalt´gen ihre Frauen,
entführen Töchter ins Bordell,
morden unerwünschte Zeugen,
fürchten nicht Gesetz noch Höll´.

Wer genügend Geld erbeutet,
nimmt es für die Überfahrt
im Schlepperboot bis nach Europa,
wo der Wohlstand seiner harrt.

Dort gilt das Motto: gleiche Rechte
für den, der kommt und bleiben will.
1
So schön und edel diese Ansicht:
Ist das des Guten nicht zuviel?

Wie viele arme Pensionisten
nagen hier am Hungertuch!
Nach einem langen Arbeitsleben
gleicht ihr Altsein einem Fluch.

Doch der Fremde wird bevorzugt,
weil er viel mehr Punkte hat, 2
nicht nur bei der Wohnungssuche
auf dem Land und in der Stadt.

Halt! Das ist ja fremdenfeindlich!
Wirklich? Unser Argument:
Helft den Ärmsten aller Armen,
dort wo es am meisten brennt!

Das Monatsgeld für „Asylanten“,
das ein jeder hier erhält,
reichte leicht für zehn Familien
in der vergess´nen Dritten Welt.

Wir sollten dort den Armen helfen,
wo am größten ist die Not.
Das wäre echte Nächstenliebe,
so wie sie wünscht der Herr und Gott.

Helfen in den Heimatländern,
direkt den Kleinen
3, nicht dem Staat 4,
und die Spekulanten bremsen! 5
Dann würden alle Armen satt.

Verzweifelt schreien Millionen:
„Habt Erbarmen!
Hört uns an!
Was ihr getan habt den Geringsten,
das habt ihr auch an Gott getan!“ 6

Doch Europa scheut das Opfer,
schweigt, wenn das Gewissen spricht.
Wir zahlen schon für die Migranten,
für die Ärmsten reicht es nicht.“ 7

Deshalb fürchtet, Europäer,
Den, der urteilt beim Gericht. 8
„Ihr habt den Bruder nicht gesättigt,
deshalb kenn´ auch ich euch nicht.“ 9

Anmerkungen:

1 Naive Aussage vieler Politiker, Sozialverbände und Kirchenvertreter

2 Ein mittelloser Zuwanderer bekommt mehr Punkte wegen größerer Bedürftigkeit, denn er hat ja nichts mitgebracht, oft nicht einmal einen Pass, während Staat und Gemeinden dem kleinen Rentner sein Erspartes auffressen und sein Häuschen wegnehmen, um damit „Sozialausgaben“ zu finanzieren.

3 den Verlassenen, Zurückgebliebenen, kleinen Bauern, Handwerkern und Tagelöhnern

4 In Indien gelangen nur 42 Prozent der Hilfsgelder der Regierung an die Betroffenen. Der Rest landet in den Taschen der Funktionäre und Politiker, berichtet Giuseppe Sarcina im Corriere della Sera vom 9.7.2013, S. 16.

5 Wie man Ausbeutern das Handwerk legt, beschreiben etliche Artikel in etika.com, zum Beispiel mittels Abschaffung des Zinssystems.

6 Matthäus 25,40

7 Eine billige Ausrede, wenn man etwa an die Ausgaben für grundgesetzwidrige Militäreinsätze im Ausland denkt und an die sonstigen von Politikern verschleuderten, zweckentfremdeten oder gestohlenen Steuer- und Rentengelder.

8 Den Verlauf des Jüngsten Gerichts schildert anschaulich der Kapuzinerpater Martin von Cochem (in etika.com)

9 Matthäus 25,42 Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. 12 Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

10 Der Verfasser bedauert, dass er in der ersten Fassung die Anführungszeichen bei „Asylanten“ vergessen hat. Er hat natürlich nichts gegen jene, die aus religiösen oder politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, wie zum Beispiel die verfolgten Christen im Irak und in der Türkei. Tatsache ist aber auch, dass viele Immigranten den Status „Asylant“ zu Unrecht erhalten haben.

Rainer Lechner, etika.com

Nachdruck bis September 2013 honorarfrei erlaubt.

Index 5