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ETIKA |
Shraga Elam |
www.etika.com |
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5IL901 |
Holocaust-Industrie
und „Holocaust-Religion“ |
Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers vom 12.11.2002 |
REVOLUTION!
Der Triumph der Wahrheit!
Der politische, finanzielle und kulturelle Missbrauch des Nazi-Judeozids durch
den Staat Israel.
»Die Negation der
Diaspora« - »Katastrophe ist Macht«
Anmerkungen: Amalekiter – Kinder des
Bösen
Der tägliche Holocaust
Shraga Elam ist israelischer Recherchejournalist, Buchautor („Hitlers
Fälscher“) und Friedensaktivist. Er wurde 1947 in Haifa geboren und lebt seit
1979 in der Schweiz. Seine Spezialgebiete sind der Nahe Osten und der Zweite
Weltkrieg. Bei den Palästina-Tagen sprach er am 6.11.2002 im Eine-Welt-Haus
München zum Thema:
Die
Holocaust-Industrie
und die "Holocaust-Religion"
Vor zwei
Jahren popularisierte der Politologe Norman Finkelstein den Begriff "Holocaust Industrie". Er brachte damit
dem breiteren Publikum eine bestehende Kritik gegen den Missbrauch der
Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg durch jüdische Organisationen zur
Kenntnis.
In der
Folge werde ich versuchen, mich mit dieser wichtigen und notwendigen Kritik
auseinanderzusetzen.
Es geht
weder Norman Finkelstein noch mir und anderen kritisch eingestellten Jüdinnen
und Juden darum, die grausame Geschichte unserer Eltern und Verwandten zu
verharmlosen und oder gar zu negieren. Ganz im Gegenteil! Es geht um ein
Plädoyer für die einzige moralisch vertretbare Lehre aus den NS-Zeiten: "nie
wieder Völkermord", "nie wieder Verfolgungen" und für eine
saubere, differenzierte geschichtliche Aufarbeitung, ohne Ausklammerung von
unbequemen Abschnitten. Es geht um einen Protest gegen die Ausbeutung der
Vergangenheit für verwerfliche Zwecke und gegen eine rassistische mythische
Geschichtsschreibung.
Die starke
Tabuisierung des Themas - vor allem in Deutschland – macht schon alleine
die Schwächen der Vergangenheitsaufbereitung manifest. Eine Normalisierung des
Umgangs mit den schrecklichen Ereignissen während der Nazi-Zeit wird gar nicht
angestrebt, sondern, ganz im Gegenteil, als Verharmlosungsversuch bekämpft.
Ich traute
meinen Ohren nicht, als ich an diesem Sonntag im ZDF den bekannten Philosophen Peter
Sloterdijk hörte, wie er für die Aufrechterhaltung der Tabuisierung
plädierte.
Dieser
anachronistische anti-emanzipatorische Ansatz ist gefährlich für die
Gesamtgesellschaft. Offen denkende Menschen werden dadurch zu Kriminellen gemacht
und in eine rechtsradikale Ecke gedrängt.
Meine
Grundthese ist, dass diese Tabuisierung und dieser Missbrauch, welcher
mehrheitlich von der Führung der zionistischen Bewegung betrieben wurde
- und wird -, auch nicht im Interesse der Mehrzahl der Jüdinnen und Juden
ist.
Es geht mir
primär um eine Grundsatzkritik gegen Nationalismus im Allgemeinen. Denn das
Beispiel Zionismus, wie ich in der Folge darzulegen versuchen werde, zeigt
einmal mehr, dass die sogenannten nationalen Befreiungsbewegungen gar nicht im
Interesse des 'Volkes' sind, sondern lediglich bestimmten Gruppen Vorteile
bringen.
So belegen
zahlreiche Forschungen, wie z. B. jene der israelischen Historikerin Idith
Zertal[1],
dass die Errichtung eines Judenstaates absoluten Vorrang vor den Rettungsversuchen
des bedrohten europäischen Judentums erhielt. Solche wurden mehrheitlich nur
dann unternommen, wenn sie den nationalen Zielen nützlich waren, d. h., dafür
instrumentalisiert wurden. War dies nicht der Fall, so scheute sich die Jewish-Agency-Führung
– also die vorstaatliche Regierung sozusagen - nicht vor der Sabotage der
Rettungsversuche[2]
und auch nicht vor der Zusammenarbeit mit den Nazis[3].
So schrieb
1962 der Rettungsaktivist und Forscher Shabtai Beit-Zvi an den damaligen
Premierminister David Ben-Gurion:
»Der
Zionismus führte einen Krieg gegen jeden jüdischen Menschen, der aus Europa
flüchten wollte, um Asyl ausserhalb von Erez-Israel zu finden (...) Trotz ihres bösen Verhaltens gegenüber den
europäischen Juden zögerte die zionistische Bewegung nicht, deren Katastrophe
als unterstützendes Element für die eigenen Zwecke auszunützen, und plante
öffentlich und offen, von der Situation nach dem Krieg zu profitieren... klare Beispiele dafür werden Sie in Ihren
eigenen Reden finden.[4]«
Das Image Israels
als Zufluchtsort für verfolgte Juden entpuppt sich also als absoluter Mythos,
und mehrere Beweise legen die Schlussfolgerung nahe: Hätte es den Zionismus nicht gegeben, so wären die Rettungschancen für
sehr viele Juden während der NS-Zeit bedeutend größer gewesen.
Bei der
Analyse des Missbrauchs der jüdischen Katastrophe können wir zwischen sozusagen
zwei Ebenen unterscheiden: der politisch-ideologischen und der ökonomischen.
Entsprechend können wir von einer "Holocaust-Religion" und von einer Holocaust-Industrie
reden.
Am Anfang
dieser Religion standen zwei wichtige Grundsätze, die sehr pragmatisch
umgesetzt wurden und eigentlich die Gründung der Holocaust-Industrie, d. h., die
finanzielle Ausschlachtung des jüdischen Leidens unter den Nazis ermöglichte.
Der erste
Grundsatz lautet »Die Negation der Diaspora« und der zweite, wie es der
damalige wichtigste zionistische Führer, David Ben-Gurion, benannte: »Katastrophe
ist Macht«
»Die
Negation der Diaspora« ist ein zentrales zionistisches Anliegen. Das jüdische Dasein in Europa
wurde als krank betrachtet. Die "Belege" für diese Ansicht bilden die
übelste Sorte verinnerlichter antijüdischer Vorstellungen. Sinnbild für diese
"Krankheit" ist für den Begründer des politischen Zionismus, Theodor
Herzl, die Figur Mauschel, ein Archetypus des Ostjuden, der auch in die
Nazizeitung 'Der Stürmer' gepasst hätte [5]. Es galt, diese
"Krankheit" durch Auswanderung nach Palästina zu überwinden. Hier
trafen sich die zionistischen Ziele mit jenen der Nazis: Beide waren der
Ansicht, natürlich aus unterschiedlichen Überlegungen, dass die jüdischen
Menschen nichts in Europa zu suchen hätten. Auf diesem Hintergrund kam es kurz
nach der NS-Machtergreifung 1933 zum bekannten Transfer-Abkommen zwischen dem
Jewish-Agency-Direktorium – also der vorstaatlichen Regierung - und dem
NS-Regime.
Die Nazis
hatten Schwierigkeiten, die Juden und Jüdinnen loszuwerden, da sie ihnen unter
anderem die Mitnahme von Devisen nicht erlauben wollten. Hier kam die Jewish
Agency mit einem genialen Vorschlag zur Hilfe: Die jüdischen Menschen, die
nach Palästina auswandern wollten, sollten mit ihrem Vermögen deutsche Waren
kaufen. Diese Güter sollten nachher nach Palästina exportiert werden, um
dort durch eine Firma der Jewish Agency (JA) in der ganzen Region verkauft zu
werden. Aus dem Erlös sollten die AuswandererInnen ihren Anteil erhalten.
Im Rahmen
dieses Transferdeals konnten die jüdischen Flüchtlinge nur einen Bruchteil
ihrer Besitztümer retten. Sie wurden nicht nur von den Nazis beraubt, sondern
auch noch von der Jewish Agency ausgenommen, die für die Abwicklung der
Transaktionen fette Kommissionen einkassierte.
Das
zionistische Interesse an dieser Abmachung galt primär der bitter nötigen
Finanzspritze für den Aufbau des nationalen Projekts in Palästina. Durch dieses
Geschäft mit den Nazis sprengte die JA-Führung die Boykottbemühungen gegenüber
Deutschland, vor denen - laut dem anerkannten jüdischen Forscher Edwin Black[6]
- die Nazis grosse Angst hatten.
Die
Verhandlungen, die zum Transfer-Abkommen führten, können als Geburtsstunde
der 'Holocaust Industrie' betrachtet werden. Damals wurden die Prinzipien
und Strukturen entwickelt, welche die spätere jüdische Reparations- und
Restitutionskampagne prägen sollten. Diese Entwicklung erfolgte nicht zuletzt
wegen der Teilnahme einiger Hauptakteure des Transfergeschäfts an den späteren
Entschädigungsverfahren.
1938 stellten die Nazis fest,
dass die Zahl der auswandernden Juden und Jüdinnen zu klein war und wollten
diese "freiwillige" Vertreibung beschleunigen. Die
Aufnahmekapazität Palästinas war zu niedrig und wurde noch zusätzlich unter
arabischem Druck vermindert. Es entstand dann das, was man unter dem Namen Rublee-Schacht-Plan
kennt, welcher die Finanzierung der Auswanderung durch einen praktischen Freikauf der bedrohten Juden durch reiche
jüdische Organisationen vorsah. Laut dem israelischen Forscher Shabtai Beth-Zvi
wurden diese und ähnliche Bemühungen mehrheitlich durch die JA-Führung
sabotiert. Denn diese sah eine grosse Bedrohung für das zionistische
Vorhaben in Palästina, wenn alternative
Auswanderungsorte zur Diskussion stünden.
Diese Linie
kommt stark zum Ausdruck in einer Rede David Ben-Gurions vor der
zionistischen Exekutive im Dezember 1938. Eine Rede, die als stark komprimierte Fassung
eines Programms dienen kann:
»Wenn die
Juden vor der Wahl zwischen den Flüchtlingen, der Rettung von Juden aus
Konzentrationslagern und der Unterstützung der nationalen Heimstätte in
Palästina stehen, dann wird das Mitleid die Oberhand behalten, und die ganze
Energie der Leute wird in die Rettung von Juden aus verschiedenen Ländern
kanalisiert werden. Der Zionismus wird nicht nur in der öffentlichen Meinung in
der Welt und in Grossbritannien von der Tagesordnung gestrichen werden, sondern
auch von der jüdischen öffentlichen Meinung anderswo. Wenn wir eine Trennung des Flüchtlings- vom Palästina-Problem zulassen,
riskieren wir die Existenz des Zionismus[7].«
Deshalb sei
es Aufgabe der zionistischen Delegation, unter Beteiligung von Golda Meir,
gewesen, die Rettungsansätze an der Evian-Flüchtlingskonferenz von 1938 zu
verhindern. Gestützt auf Dokumente stellt Beit-Tzvi – gegen die gängige Meinung
– die Theorie in den Raum, es wäre damals ohne diese Sabotage möglich
gewesen, eigentlich für alle bedrohte Juden Unterschlupf zu finden.
Kurz nach
dem Kriegsausbruch im September 1939 begann der zionistische Funktionär Shalom
Adler-Rudel sich um eine Restitutions-Kampagne zu kümmern. Die israelische
Historikerin Nana Sagi[8]
meint, dass er am Anfang recht isoliert war bei seinen Bemühungen. In den USA
begannen 1941 – gemäss der Historikerin - verschiedene jüdische Organisationen,
Pläne bezüglich Kompensation zu entwerfen.
Ein
wichtiger Meilenstein beim Aufbau der Holocaust-Industrie wird im Dezember 1942
gelegt, als der JA-Chef, David Ben-Gurion, in einem Brief an den Delegierten in
London, Berl Locker, die Notwendigkeit beschreibt, konkrete Pläne zu schmieden,
um die jüdischen Vermögen nach dem Krieg zu beanspruchen, um die Kolonisierung
Palästinas, wie er schreibt, zu finanzieren. Anstatt mehr Energie für die
dringend nötigen Rettungsbemühungen, kümmerte sich Ben-Gurion mehr um die
"Gefahr", dass Gelder für
schlechte Zwecke, d. h., nicht für die nationalen Ziele verwendet werden.
Die später bekannten
Pläne machen klar, dass die Jewish Agency sich als Erbin der jüdischen Gemeinde
und der sogenannten erbenlosen Vermögen darstellen wollte. Wie die Praxis
danach zeigt, wurden Privatbesitztümer ohne grosse Umstände als „erbenlos“
beansprucht. Dabei bekam die JA die Unterstützung der Alliierten, denn in
der Pariser Reparations-Konferenz 1945/46 wurde sie praktisch als Erbin der
jüdischem Vermögen anerkannt.
1951 wurde
die Dachorganisation, die Jewish Claims Conference, gegründet, um die Reparations-
und Restitutions-Ansprüche gegenüber Westdeutschland zu erheben. Es standen
wiederum nicht die privaten Ansprüche von Geschädigten im Vordergrund, sondern
diese wurden vorgeschoben, um die grosse finanzielle Notwendigkeit des jungen
israelischen Staates zu erfüllen.
Nach sehr zähflüssigen Verhandlungen wurde am 10. September 1952 das sog. Wiedergutmachungs-Abkommen unterzeichnet. Israel war der Hauptgewinner und die Westdeutschen konnten mit der Wiederaufrüstung beginnen, ohne befürchten zu müssen, dass ein grosser Widerstand von Israel kommen würde.
Mit diesen Geldern wurde nicht nur die ganze israelische Wirtschaft aufgebaut, sondern auch die massive militärische Aufrüstung ermöglicht. Es besteht praktisch kein Zweifel, dass ohne diese Gelder die israelischen Aggressionen von 1956 bzw. 1967 nicht möglich gewesen wären.
Neben dieser Entwicklung der „Holocaust-Industrie“ war die Entfaltung der "Holocaust-Religion" viel langsamer. Die Jewish Agency-Führung sowie die affiliierten jüdischen Organisationen in den USA merkten sehr schnell, dass Präsident Roosevelt sowie das Aussenministerium grosses Interesse haben, die Meldungen über den Nazi-Judeozid zu zensurieren und zu verschweigen. Die mittlerweile berühmt-berüchtigte zionistische Lobby kollaborierte damals weitgehend mit dem anti-jüdischen State Departement, wie es die ausführlichen Recherchen von David Wyman[9] belegen.
Erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, ab 1944, begann die langsame propagandistische Ausschlachtung der Katastrophe. Wie die israelische Historikerin Zertal zeigt, lag das Schwergewicht der zionistischen Aktivitäten nicht bei den Bedürfnissen der Überlebenden und auch nicht bei deren Einreise in Palästina. Die illegale Immigration sollte mehrheitlich als eine Demonstration gegen die britische Mandatsmacht eingesetzt werden, »...um [diese] zu vertreiben und einen jüdischen Staat zu errichten.[10]«
Unter sehr gefährlichen Bedingungen wurden z. B. Schauaktionen der illegalen Immigration Überlebender inszeniert. Zahlenmässig waren die Resultate dieser Operationen unbedeutend. Auf legalem Weg, so lautet die Schlussfolgerung eines jüdischen Hilfswerkes, wäre die Zahl der EinwanderInnen grösser und der Transportpreis niedriger gewesen[11]. Der propagandistische Wert dieser Aktionen war jedoch nicht zu übersehen: Da gab es Szenen, in denen britische Soldaten mit Gewalt gegen Überlebende einschritten. Dies erzeugte schlechte Presse für die Engländer und der internationale Druck auf sie wuchs.
Es wäre aber falsch zu behaupten, dass der UNO-Teilungsplan vom 1947 die Folge des schlechten Gewissens der Welt oder das Resultat eines geschickten zionistischen Propagandafeldzuges gewesen wäre. Die zwei neuen Supermächte, die UdSSR und die USA, unterstützten die Errichtung des israelischen Staates mehrheitlich aus machtpolitischen Erwägungen.
Aus moralischen Gründen kam es zwar zu den Kriegsverbrecher-Prozessen
von Nürnberg. Die Ethik aber hatte dort ihre Grenzen, wo sie mit den Interessen
der Siegermächte kollidierte. Und so fanden denn auch viele Naziverbrecher bald
warmen Unterschlupf bei ihren ehemaligen Feinden - diesseits und jenseits des
entstehenden Eisernen Vorhangs.
Die "Holocaust-Religion"
wurde erst 1961, mit dem Eichmann Prozess in Jerusalem, richtig lanciert. Der Schriftsteller Elie Wiesel
gilt für den jüdischen Intellektuellen Marc Ellis als deren «Religionsstifter».
Ellis sieht das zentrale Moment der - wie er sie nennt - Holocaust-Theologie in
den untrennbaren messianischen Zwillingen «Leiden und Erlösung». Das Leiden ist
die Judenvernichtung, die Erlösung der Staat Israel. Für Ellis hat die Verbindung
zwischen der Holocaust-Theologie und dem Zionismus den Zweck, eine
Legitimierung für den Staat Israel zu liefern.
Nachdem der
Militärsieg 1967 Israel als Supermacht im Nahen Osten auswies, wurde das Land
zu einem interessanten Partner für die USA, und damit stieg der Einfluss der
jüdischen US-Lobby. So fanden auch die "Holocaust-Religion" und die
"Holocaust-Industrie“ einen grossen Auftrieb und konnten sich so
gegenseitig beeinflussen.
Die
"Holocaust-Religion" hat also jüdisch-christliche Wurzeln. Sie weist
zwar keinen klaren Gottesbegriff auf, hat ansonsten inzwischen sehr viele
Merkmale einer institutionalisierten Kirche: das Dogma, die Rituale, die
Heiligtümer und die Priester. Diese Entwicklung konstatierte der renommierte
jüdische Historiker Arno Meyer in den 80er-Jahren: »Die Erinnerungen der
Überlebenden sind mittlerweile zu Versatzstücken einer Liturgie für einen sich
entwickelnden Kult des Gedenkens gemacht worden, der seine eigenen Zeremonien,
Feiertage, Schreine, Monumente und Wallfahrtsorte hat. Der löbliche Zweck
dieser Gedenkrituale besteht darin, sicherzustellen, dass weder die Juden noch
die Nichtjuden das jüngste Kapitel der jüdischen Leidensgeschichte vergessen.«
Schon das
Wort «Holocaust» deutet auf eine religiöse Richtung hin, denn es bedeutet so
viel wie «Brandopfer». Soll die Judenvernichtung im
Zweiten Weltkrieg demnach als Teil eines abstrusen Opferrituals begriffen
werden, in dem die SS-Schergen als Priester dienten?
Als alternative
Bezeichnung für die Judenvernichtung schlägt Arno Meyer den Ausdruck «Judeozid»
vor .
Im Verlauf
der Jahre kristallisierten sich mehrere Gebote für diese Religion heraus. Hier
einige davon:
»Du
sollst nie vergessen, was Dir Amalek angetan hat!«
Es geht hier um einen der wichtigsten jüdischen religiösen
und identitätsbildenden Grundsätze, dessen Wurzeln im Alten Testament zu finden
sind, und der durch die vielen Jahre der Verfolgung noch mehr an Gewicht
gewonnen hat. Der Stamm Amalek ist seit biblischen Zeiten der allgemeine Code-Name für alle
Feinde der jüdischen Menschen, und hier geht es speziell um die Nazis und deren
NachfolgerInnen.
Entsprechend diesem Gebot sollen die Leidensgeschichten ewig gesammelt und gepflegt
werden.
Die Wiederholung
bezweckt die Erzeugung und Aufrechterhaltung von Schuldgefühlen beim
nichtjüdischen Publikum, welches als ewiger Amalek dargestellt wird.
Den säkularen jüdischen Menschen ausserhalb Israels wird durch die vermeintliche ewige Bedrohung durch die um sie herum lebenden Amalekiten eine Pseudo-Identität verliehen, die sie an den zionistischen Staat als potentieller Zufluchtsort binden soll. Dies, obwohl der Judenstaat, wegen seiner aggressiven und kolonialistischen Politik, einer der unsichersten Plätze der Welt für Juden und JüdInnen ist. Und dies, obgleich diese angebliche Lebensversicherung mit dem Blut und dem Leiden der palästinensischen einheimischen Bevölkerung bezahlt wird.
In
Israel selber soll die "Holocaust-Religion" Hass gegen die Nichtjuden,
im Speziellen gegen die AraberInnen erzeugen. Angesichts der Gewalttaten zur Unterdrückung
des palästinensischen Aufstandes, der ersten Intifada, rief der israelische
Philosoph und Auschwitz-Überlebende, Yehuda Elkana, dazu auf, das «ewige
Gedächtnis» und die damit verbundene Hasserzeugung zu stoppen. Er schrieb 1988
in der Tageszeitung «Ha'aretz»: »Ich möchte normativ feststellen, dass alle Lebensphilosophien, die alleine oder hauptsächlich durch
den Holocaust genährt werden, zu katastrophalen Folgen führen. [...]
der Vergangenheit darf es nicht erlaubt sein, vorherrschendes Element für die
Bestimmung der Zukunft einer Gesellschaft und des Schicksals des Volkes zu
sein. 'Nie vergessen!' kann leicht als Aufruf zur Aufrechterhaltung ewigen und
blinden Hasses verstanden werden.«
Als ein wichtiges unterstützendes Element steht das Gebot:
»Du sollst Dir kein Gleichnis machen«
Man darf den Judeozid also mit keinen anderen Völkermorden vergleichen. Mit diesem Gebot kommt der Wunsch zum Ausdruck, den Judeozid eigentlich aus der sachlichen geschichtswissenschaftlichen Betrachtung zu halten und in einer mythischen Sphäre zu platzieren.
Die vermeintliche Singularität der Judenvernichtung wird wie
ein Mantra wiederholt und hervorgehoben. Der rassistische Charakter
dieser Behauptung lässt sich aber nicht verstecken. Denn bedeutet sie nicht, dass
das Leben eines Juden mehr wert ist als dasjenige eines Nichtjuden?
Meine Grosseltern, die aus München stammten, wurden in KL Mauthausen vergast. Ist ihr Tod gewichtiger als jener Ermordeter aus einer anderen Kultur?
Wie ist überhaupt zu verhindern, dass NS-ähnliche Verbrechen nicht begangen werden, wenn wir eine solche mögliche Gefahr zum vornherein durch das Vergleichsverbot nicht erkennen dürfen? Denn um dergleiche gefährliche Entwicklungen schon im Keime ersticken zu können, muss es möglich sein, diese an den Verbrechen der Nazis zu messen.
Eine Ausnahme für das Vergleichsverbot gilt für die Gleichsetzung der Nazis mit den modernen Feinden der Juden und Jüdinnen. Diese Feinde sind, ohne Rücksicht auf die geschichtlichen Gegebenheiten, unter der vorher erwähnten Bezeichnung Amalek zu verstehen. Deshalb fiel der Vergleich zwischen Saddam Hussein und Adolf Hitler auch so leicht und ohne grossen Protest in den westlichen Medien.
Besonders verpönt ist der Vergleich zwischen den Nazi-Verbrechen und dem Vorgehen der israelischen Armee. Damit wird offensichtlich gemeint, dass die jüdischen Menschen genetisch davor gefeit sind, NS-Praxis auszuüben. Ein anderes Argument lautet, dass es zwar zahlreiche Kriegsverbrechen gegenüber der palästinensischen Bevölkerung gebe, diese erreichten aber nicht die Dimensionen der Nazi-Verbrechen, denn die PalästinenserInnen würden ja nicht vergast.
Im Grunde liegt hier eine totale Unkenntnis der NS-Anti-Juden-Politik vor, die laut sämtlicher Forschungen durch eine kontinuierliche Eskalation gekennzeichnet war. Die ethnische Säuberung der jüdischen Menschen zielte von 1933 bis 1938 auf ihre 'freiwillige' Auswanderung. 1938 bis 1941 wurde dann zur offenen Zwangsvertreibung übergegangen und erst 1941/42 wurde mit der systematischen Vernichtung begonnen. Nazi-Methoden sollen also nicht nur mit Vergasung und mit Auschwitz assoziiert werden, denn sie bezeichnen auch die Massnahmen, die zuvor verwendet wurden.
Was wir heute in Palästina beobachten können, ist zweifelsohne eine eskalierende ethnische Säuberung, in welcher der Übergang von einem sogenannten freiwilligen "Transfer" zu einer blutigen Zwangsvertreibung immer offensichtlicher wird und als plausibelstes Szenario gilt.
Mit allen zugegebenen Unterschieden kann man heute die gefährlichen Tendenzen und Ambitionen der israelischen Militärjunta nicht mehr übersehen. Obwohl die Medien – wegen der "Holocaust-Religion" - grössere Teile der Gräueltaten und der israelischen Realität verschweigen.
Shraga Elam
München, 6. November 2002
Der Vortrag von Shraga
Elam müsste Pflichtlektüre für alle Deutschen sein, besonders die Journalisten,
Politiker, Professoren, Lehrer, Studenten und Schüler! Seine wichtigsten
Aussagen müssen Eingang in die Geschichtsbücher finden.
Shraga
Elams Botschaft: Nie wieder Völkermord! Nie wieder Verfolgungen!
Wir wünschen ihm ein langes Leben. Mögen
ihn die Engel schützen!
[1] Idith Zertal, From Catastrophe to Power : Holocaust survivors and the emergence of Israel, Berkeley : University of California Press, c1998
[2] S.B. Beit-Zwi, Post-Ugandian Zionism in the Crisis of the
Holocaust. Tel Aviv
1977 (Heb.) 1991 (eng.)
[3] Shraga Elam, Hittlers Fälscher,
Ueberreuter Verlag, 2000.
[4] Beit-Zvi, S. 8
[5] Z.B. Theodor Herzls Aufsatz, Mauschel, der im offiziellen zionistischen Organ Die Welt am 15. Oktober 1897 erschien.
[6] Edwin Black, The Transfer Agreement - The untold story
of the secret agreement between the Third Reich and Jewish Palestine. Macmillan Publishing Company New York, 1984 .
[7] Ben Gurions Rede Dezember 1938 - in
John Bunzl, Der lange Arm der Erinnerung, Böhlau Verlag 1987 S. 65-66
[8] Nana Sagi German Reparations,- A History of the
Negotiations, The Magnes Preess, The Hebrew University, Jerusalem 1986
[9] David S. Wyman, Das unerwünschte Volk . Amerika und die
Vernichtung der europäischen Juden, Max Hüber Ismaning bei München, 1986
[10] Zertal S. 20
[11] Ebenda s. 396