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17.11.2003

5IL902

Deutsche – Juden - Israel

Zu Augstein, Habsburg, Möllemann, Hohmann

 

Den Deutschen werden die Verbrechen des Dritten Reiches immer noch und immer wieder angelastet. Es ist traurig, wenn sich die Menschen nicht versöhnen, sondern Böses immer wieder vergelten wollen. (Leserbrief von Afra Lobis in den „Dolomiten“, 6.11.2003, S. 16)

Versöhnung ist nur möglich auf der Basis der Wahrheit in Gerechtigkeit.

Bei den Juden ist es nicht anders wie bei den Deutschen, Russen, Amerikanern oder Arabern: Es gibt solche und solche, und das muss man in einer Demokratie sagen dürfen.

 

Judenvernichtung war geheime Reichssache
Shraga Elam:
Hohmann sagte ausdrücklich:
«Weder die Deutschen noch die Juden sind ein Tätervolk»

Wie gut beherrschen die Deutschen ihre eigene Sprache?

Diese Frage stellte ich mir schon, als ich seinerzeit das Flugblatt Möllemanns las und darin weder Anti-Jüdisches noch Anti-Israelisches fand, sondern lediglich die Kritik an die Adresse der Herren Ariel Scharon und Michel Friedman. Eine gemässigte Kritik, die sogar von sehr vielen jüdischen Menschen geteilt wird.

Im Faltblatt stand ausdrücklich:

»Jürgen W. Möllemann setzt sich seit langem beharrlich für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes ein: Mit sicheren Grenzen für Israel und einem eigenen Staat für die Palästinenser

Wer hierin eine anti-israelische Position lesen will, muss dringend einen Sprachkurs besuchen - oder sich psychiatrisch behandeln lassen.

Bei Martin Hohmanns jüngster Rede ist die Sache zwar komplizierter als bei Möllemann, doch seine zentrale Aussage wird ebenfalls geflissentlich übersehen und nicht berücksichtigt. Hohmann sagte ausdrücklich:  «Weder die Deutschen noch die Juden sind ein Tätervolk»
Trotzdem wird überall behauptet, dass er die Juden als Tätervolk bezeichnet habe.

Hohmann versuchte zu demonstrieren, wie unhaltbar die Bezeichnung Tätervolk für "die Deutschen" sei. Genauso absurd wäre es, so Hohmann, zu meinen, da so viele jüdische Personen bei der kommunistischen Führung in Russland waren, sämtliche Juden und Jüdinnen für die stalinistischen Verbrechen verantwortlich zu machen.

Hohmanns Vergleich hinkt zwar und eine Analogie mit der breiten israelischen Unterstützung für die heutigen täglichen Kriegsverbrechen an den PalästinensernInnen wäre viel angebrachter. Als rassistisch jedoch kann seine Behauptung deshalb noch lange nicht gelten.

Seine Attacke gegen die Atheisten ist hingegen - ohne wenn und aber - heuchlerisch, falsch und schon fast lustig in ihrer Verlogenheit. «Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts,» deklarierte Hohmann und blendete dabei bewusst aus, wieviel Blut im Namen der Religionen vergossen wurde und wird.

Der Hauptpunkt der Diskussion, die von Hohmann angerissen wurde, sind eigentlich folgende Fragen:

·       Gibt es so etwas wie ein Tätervolk, und sind "die Deutschen" als die ewigen Täter und "die Juden" als die ewigen Opfer anzuschauen?

·       Gibt es so etwas wie eine "Kollektivschuld" bzw. "Kollektivunschuld" und ist diese erblich?

Diese Fragen sind wichtig und verdienen eine ernsthafte und sachliche Auseinandersetzung, und zwar losgelöst von der Person Hohmanns.

Es ist offensichtlich, dass die Haltung, welche "die Deutschen" als Tätervolk betrachtet, als rassistisch zu bezeichnen ist. Die heutige dominierende anti-kriegerische deutsche Einstellung ist der beste Beweis dafür, und umgekehrt ist die verbreitete Unterstützung für den Militarismus in Israel ein starker Beleg dafür, wie Kulturen und Gesellschaften sich innerhalb relativ kurzer Zeit ändern können.

Was die Kollektivschuld anbelangt, ist - wie von Hohmann suggeriert - in der Tat zwischen der Verantwortung der Führung und jener des "einfachen Volkes" zu unterscheiden. Dies bedeutet aber nicht, dass die einzelnen BürgerInnen von ihrer Verantwortung völlig entlastet werden dürfen. Denn heute wie vor 60 Jahren sind Menschen aufgefordert, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Und eine unbequeme Meinung darf nicht die Verbannung in ein KZ oder in die Isolation bedeuten.

Es ist anzumerken, dass die Judenvernichtung eine geheime Reichssache war, und Informationen darüber zu beschaffen, war für die 'normal Sterblichen' in NS-Deutschland eine doch recht gefährliche Angelegenheit. Im Unterschied dazu ist es im heutigen Israel, das immer noch einige demokratische Charakterzüge aufweist (vor allem natürlich für die jüdischen BürgerInnen), nicht so riskant, Auskunft über die Gräueltaten der eigenen Armee oder der Rechtsradikalen zu beschaffen und auch dagegen zu protestieren. Insofern ist die Verantwortung der heutigen jüdischen israelischen BürgerInnen bedeutend grösser als diejenige der deutschen Bevölkerung während der NS-Zeit. Dies unabhängig davon, ob die jeweiligen Verbrechen vergleichbar sind oder nicht. In Israel gibt es keine Vernichtungslager (noch nicht), dies entlastet die jüdische Bevölkerung aber nicht. Abgesehen davon liegt eine kriminelle und massive Eskalation schwer in der Luft, sodass ein Vergleich zwischen dem heutigen Israel und dem NS-Deutschland der 30er-Jahre nicht mehr so abwegig ist.

Shraga Elam, israelischer Journalist und Friedensaktivist in Zürich, 13.11.2003.

„Kritik an Israel muss nicht unbedingt Antisemitismus bedeuten“, erklärte die Bewegung „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden – Österreich“. Die „European Jews for a Just Peace/EJJP) gibt es in neun Ländern Europas. Die Bewegung, zu der auch der Sozialwissenschaftler Peter Melvyn gehört, verurteilt den „israelischen Staatsterrorismus“, vor allem die gezielten Morde an palästinensischen Anführern und Aktivisten. (D 5.11.2003)

 

General Günzel wegen Zustimmung zu Hohmanns Rede unehrenhaft entlassen.
Der angesehene Chef des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw, General Reinhard Günzel (59), hatte Hohmann in einem Brief beglückwünscht: „Eine ausgezeichnete Rede...“ und wurde deshalb vom sozialdemokratischen Verteidigungsminister Peter Struck „nicht ehrenhaft“ aus der Bundeswehr entlassen. (D 5.11.2003) Wir warten darauf, wie Gott beim Jüngsten Gericht urteilt.

 

Hohmann: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts

 

Die Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann zum Nationalfeiertag am 3. Oktober 2003 ist auf der Internetseite der CDU in Neuhof (Hessen) veröffentlicht worden. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sprach vom schlimmsten Fall von Antisemitismus der letzten Jahrzehnte. Viele Zeitungen brachten Auszüge:

 

„Das deutsche Volk hat nach den Verbrechen der Hitlerzeit sich in einer einzigartigen, schonungslosen Weise mit diesen beschäftigt, um Vergebung gebeten und im Rahmen des Möglichen eine milliardenschwere Wiedergutmachung geleistet, vor allem gegenüber den Juden. Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?

 

Wir haben gesehen, wie stark und nachhaltig Juden die revolutionäre Bewegung in Russland und mitteleuropäischen Staaten geprägt haben. Das hat auch den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson 1919 zu der Einschätzung gebracht, die bolschewistische Bewegung sei „jüdisch geführt“. Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der „Täterschaft“ der Juden fragen.

 

Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als „Tätervolk“ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet. (...)

 

Wir müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion.

 

Ähnliches galt für die Nationalsozialisten. Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen Elternhaus. Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden der christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit.

 

Daher sind weder „die Deutschen“, noch „die Juden“ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts.

(D, 4.11.2003, S. 2)

 

Juden und Deutsche - Gefährliches Klima der Angst
Kommentar von etika.com anlässlich des Todes des Zynikers und Aufklärers Rudolf Augstein:
Solche und andere Gesellschaftskritiker

 

Ein Zyniker wie Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein (siehe 22.11.2002) wird von den Medien und Politikern als „Wegbereiter der Demokratie in Deutschland“ (so der Hamburger Bürgermeister Ole van Beust) in den demokratischen Himmel gehoben und durfte sich sogar – wie der Schriftsteller Günter Wallraff behauptete – zu „antijüdischen Ressentiments“ versteigen, ohne dass er damit als staatsgefährdend galt. Er durfte sogar „Nationaler“ oder gar „Deutschnationaler“ (laut Günter Grass im NDR) sein. Warum? Weil seine Einstellung und Weltanschauung linksliberal war.

 

Christlich-Soziale (wir) und Konservative (Otto von Habsburg) sowie aus dem freiheitlichen und rechtsradikalen wie auch aus dem kommunistischen oder anarchistischen Lager stammende Gesellschaftskritiker, die sich angesichts der chaotischen Zustände bisweilen von zynischen Anwandlungen nicht ganz frei machen können, werden von der alleinherrschenden linksliberalen Schicht hingegen als Feinde der Demokratie angeprangert und der Meute zum Fraß vorgeworfen.

 

Beispiel: Der Kaisersohn Otto von Habsburg gab dem altbekannten, seriösen Korrespondenten Carl-Gustav Ströhm anlässlich seines 90. Geburtstages am 20. November ein Interview. Dabei sagte er vom Pentagon, dass dessen „Schlüsselpositionen mit Juden besetzt“ seien, und dass im State Departement die Schwarzen seien (Colin Powell, Condoleezza Rice). Das Interview wurde veröffentlicht in der FPÖ-nahen Zeitschrift „Zur Zeit“. Habsburg dementierte dann bzw. musste dementieren. Der Eklat war aber da. Viele Medien fielen über ihn her. Die Neue Zürcher Zeitung zum Beispiel wunderte sich über „solche krud rassistische und antisemitische Formulierungen“. Das wundert wiederum uns. Vorausgesetzt, es würde stimmen, dass die Schlüsselpositionen des US-Verteidigungsministeriums mit Juden besetzt seien – warum wäre diese Behauptung denn dann Antisemitismus? Jude ist doch kein Schimpfwort. Jedenfalls nicht für uns. Es gibt doch bei den Juden wie bei jedem Volk solche und solche Menschen. Es gibt Israelis, die die Palästinenser gnadenlos vernichten wollen, und andere Israelis, die unbedingt Frieden mit den Arabern schließen wollen. Wir müssen doch endlich aufhören mit der neuen Art von Rassismus, die Shraga Elam zu Recht anprangert. Es gibt – wir müssen es ständig wiederholen - gute und böse Menschen in allen Völkern und Religionen. Wenn wir sagen würden, in diesem oder jenem Ministerium hätten die Deutschstämmigen oder Hispano-Amerikaner oder Christen oder Buddhisten eine Schlüsselstellung inne – was wäre denn da dabei?

 

Genauso muß man bei Augstein differenzieren. Er hat sicher große Verdienste, hat weise Sätze geprägt wie „Die Welt ist so groß, dass alle Irrtümer darin Platz haben“ – und doch hat er vielleicht Menschen gnadenlos mit seiner Pressemacht verfolgt und vernichtet. Das Urteil wird Gott der Herr fällen, wir nicht. Jedes Wort, das von Augstein stammt, wird auf die Waage gelegt werden, wie bei uns allen.

 

Derjenige, der die Wahrheit sucht, geht unbeirrt seinen Weg. In der kommenden Welt wird das, was oben ist, unten sein und umgekehrt. Das ist einer der Grundpfeiler der christlichen Lehre – ein Trost für die Armen und Unterdrückten.

 

Entkrampft um Gottes willen das Verhältnis zu den Juden! Nicht nur Jesus, auch Judas war Jude. Das darf man heute anscheinend nicht mehr sagen. Aber begreift ihr nicht, dass das Verbot jeglicher Kritik an der israelischen Siedlungspolitik oder am Fehlverhalten von Juden zu Angst in der Bevölkerung führt. Und was aus der Angst steht, sollten wir inzwischen doch alle wissen.

 

Allgemeine Warnung an alle: Aus einem Klima der Furcht und Unwahrheit entstehen Hass und Gewalt, wie in Palästina. Deshalb: Baut die Furcht ab! Lest Shraga Elam und lernt von ihm, damit neues Unheil verhütet wird! Wir haben nunmehr genug gewarnt und keine Lust, uns noch öfters auf dieses schlüpfrige Parkett zu begeben, denn die Gefahr des Sturzes und Liegenbleibens ist zu groß, denn die unbekannten Gegner im Hintergrund sind gemein, unerbittlich, unversöhnlich.

 

Für den Fall, dass wir als Märtyrer Christi und der Wahrheit sterben müssen, dann wissen wir: Unser Werk wird aufgehen und die ersehnten Früchte tragen!

 

Engel, schützt uns vor den heimtückischen Angriffen der Dämonen! Sie kennen die Politik besser als wir. Laßt uns Gott dienen und nur ihn fürchten! Beten wir mit Franziskus:

Sprecht zu Gott: Furchtbar sind deine Werke, Herr, vor Deiner großen Macht beugen sich Deine Feinde. Die ganze Welt bete Dich an und lobsinge Dir, lobsinge Deinem Namen.

Lobet ihr Völker, unseren Herrn, und lasst seinen Ruhm weit erschallen. Und in ihm werden gesegnet sein alle Stämme der Erde; alle Völker werden ihn verherrlichen. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut. (Terz an Sonntagen; Anmerkung: Warum sollten wir Christen die Juden ausrotten wollen? Wir wissen ja, dass ein Teil von ihnen sich bekehren wird, und wir wollen möglichst viele soweit bringen. Deshalb betrachten wir sie grundsätzlich als unsere künftigen Brüder und Schwestern.)

Ihr Reiche auf Erden (auch Israel, auch Palästina, auch Deutschland), singet Gott, lobsinget dem Herrn. Horcht auf seine mächtige Stimme und rühmet Gott. Über Israel erstrahlt seine Herrlichkeit und in den Wolken seine Kraft. Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen. Er ist der Gott Israels; er wird seinem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott. (Anmerkung: Das Volk Israel sind alle, ob Juden oder Nichtjuden, die an Jesus Christus glauben.) (22.11.2002)


Anhang:

Stimme aus Israel:

„Berechtigte Kritik“ an „überproportionaler Macht“ von jüdischen Funktionären
“Wir Juden brauchen keine Sonderbehandlung“

 

 Der israelische Friedensaktivist Shraga Elam schrieb am 4. November 2002 per  E-Mail unter der Überschrift „Was ist anti-jüdisch an Müllemanns Flugblatt?““ unter anderem folgendes:

 

In diesem Handzettel (von Möllemann) steht ..: »Jürgen W. Möllemann setzt sich seit langem beharrlich für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes ein: Mit sicheren Grenzen für Israel und einem eigenen Staat für die Palästinenser.«

Wer hierin eine anti-israelische Position lesen will, muss sich wirklich psychologisch behandeln lassen.

Mit seiner Kritik an der Sharon-Regierung steht Möllemann eigentlich nicht so weit entfernt von der gemässigten zionistischen Bewegung "Frieden Jetzt" (Peace Now). Wie kann diese Position also als anti-israelisch beschrieben werden? ...

Möllemanns KritikerInnen behaupten, dass dieser schon vorher seine Judeophobie dadurch bewiesen habe, indem er Michel Friedman für den Zuwachs einer anti-jüdischen Stimmung verantwortlich gemacht habe, und dass dieser Vorwurf im Hintergrund seines umstrittenen Faltblattes mitschwinge.

Damit soll Möllemann  laut diesen KritikerInnen  gemeint haben, dass die Juden an der Judeophobie selber schuld seien und er sich somit eines alt bekannten anti-jüdischen Vorurteils bedient habe. Dabei wird übersehen, dass die Situation der jüdischen Menschen heute eine völlig andere ist als vor 57 Jahren. Jüdische Funktionäre wie Michel Friedman, gehören nicht mehr zu einer verfolgten und sehr bedrohten Minderheit, sondern bilden eine sehr einflussreiche Kraft und missbrauchen zu oft ihre überproportionale Macht. Dieser Sachverhalt erweckt
berechtigte Kritik und Aggressionen, die ernsthaft diskutiert werden müssen!

Selbstverständlich schwingen in dieser Situation alt bekannte Vorurteile mit, die aber jetzt mehrheitlich missbraucht werden, um vom Kernproblem abzulenken, nämlich dass es nicht angehen kann, eine Gruppe von Menschen ausserhalb einer kritischen Betrachtung zu stellen. Wir Juden brauchen keine 'Sonderbehandlung'!

Diese Sonderbehandlung lädt buchstäblich zu Machtmissbrauch und Korruption ein, die ihrerseits für immer grösser werdenden Unmut sorgen. Die Tabuisierung dieses Themas verkleinert das Problem nicht, ganz im Gegenteil. Ein grosser Ausbruch von massiven anti-jüdischen Aktivitäten ist deshalb praktisch vorprogrammiert. Um dies zu verhindern, braucht es mehr Mut und Ehrlichkeit und nicht eine opportunistische verklemmte Judeophilie.
...
Viele jüdische Menschen geben im Privatgespräch zu, dass auch sie diese Kritik an Friedman teilen, und dass sein Eintreten für die grausame israelische Politik gegenüber den PalästinenserInnen überhaupt nicht in ihrem Interesse sei.

Kann es also sein, dass die massive Kritik der übereifrigen JournalistInnen und PolitikerInnen an Möllemanns Flugblatt nur eine durchsichtige Ablenkung von eigenen Gedanken und Vorurteilen ist? (Anmerkung etika.com: Dasselbe haben wir oben angedeutet.)

Shraga Elam, Israelischer Recherchierjournalist und Friedensaktivist  Zürich

* Der rassistische Hintergrund des Begriffs  'Antisemitismus' lässt sich gar nicht verstecken, denn er setzt offenkundig eine Rassentheorie voraus. Dies ist kein Zufall, da dieser Ausdruck von einem völkischen Vordenker des Nationalsozialismus, Wilhelm Marr, 1879 in Berlin geprägt wurde.
In einer Festschrift anlässlich des 70. Geburtstages des prominentesten Schweizer Juden, Sigi Feigl, wurde festgehalten:
»Da ... der falsche und irreführende völkisch-rassistische Ausdruck 'Antisemitismus' sich in der Umgangssprache durchgesetzt hat, soll er im folgenden für dessen moderne Erscheinungsform zur Anwendung gelangen.«
Diese Schlussfolgerung ist merkwürdig, die Begründung verlangt doch viel eher, dass der Begriff wie andere rassistische Ausdrücke abgeschafft werden sollte. Besser wäre das Wort »Judeophobie« als Bezeichnung für den Judenhass und negative Vorurteile gegenüber jüdischen Menschen. Die 'positiven' Vorurteile, bekannt als Philosemitismus, würden entsprechend als Judeophilie bezeichnet. (Shraga Elam, 4.11.2002)

„Wer jüdische Menschen außerhalb einer kritischen Betrachtung stellt, ist ein Rassist. Wir Juden brauchen keine „Sonderbehandlung“!“ (Shraga Elam, israelischer Recherchierjournalist und Friedensaktivist, Zürich, 24.9.2002)

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