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5IL902 |
Deutsche – Juden
- Israel |
Zu Augstein, Habsburg, Möllemann, Hohmann |
Den Deutschen
werden die Verbrechen des Dritten Reiches immer noch und immer wieder
angelastet. Es ist traurig, wenn sich die Menschen nicht versöhnen, sondern
Böses immer wieder vergelten wollen. (Leserbrief von Afra Lobis in den
„Dolomiten“, 6.11.2003, S. 16)
Versöhnung ist
nur möglich auf der Basis der Wahrheit in Gerechtigkeit.
Bei den Juden ist
es nicht anders wie bei den Deutschen, Russen, Amerikanern oder Arabern: Es
gibt solche und solche, und das muss man in einer Demokratie sagen dürfen.
Judenvernichtung war geheime
Reichssache
Shraga Elam: Hohmann sagte ausdrücklich:
«Weder die Deutschen noch die Juden sind ein Tätervolk»
Wie gut beherrschen die Deutschen ihre eigene Sprache?
Diese Frage stellte ich mir schon, als ich seinerzeit das Flugblatt Möllemanns
las und darin weder Anti-Jüdisches noch Anti-Israelisches fand, sondern
lediglich die Kritik an die Adresse der Herren Ariel Scharon und Michel
Friedman. Eine gemässigte Kritik, die sogar von sehr vielen jüdischen Menschen
geteilt wird.
Im Faltblatt stand ausdrücklich:
»Jürgen W. Möllemann setzt sich seit langem beharrlich für eine friedliche
Lösung des Nahost-Konfliktes ein: Mit sicheren Grenzen für Israel und einem
eigenen Staat für die Palästinenser.«
Wer hierin eine anti-israelische Position lesen will, muss dringend einen Sprachkurs
besuchen - oder sich psychiatrisch behandeln lassen.
Bei Martin Hohmanns jüngster Rede ist die Sache zwar komplizierter als bei
Möllemann, doch seine zentrale Aussage wird ebenfalls geflissentlich übersehen
und nicht berücksichtigt. Hohmann sagte ausdrücklich: «Weder die
Deutschen noch die Juden sind ein Tätervolk»
Trotzdem wird überall behauptet, dass er die Juden als Tätervolk bezeichnet
habe.
Hohmann versuchte zu demonstrieren, wie unhaltbar die Bezeichnung Tätervolk für
"die Deutschen" sei. Genauso absurd wäre es, so Hohmann, zu meinen,
da so viele jüdische Personen bei der kommunistischen Führung in Russland
waren, sämtliche Juden und Jüdinnen für die stalinistischen Verbrechen
verantwortlich zu machen.
Hohmanns Vergleich hinkt zwar und eine Analogie mit der breiten israelischen
Unterstützung für die heutigen täglichen Kriegsverbrechen an den
PalästinensernInnen wäre viel angebrachter. Als rassistisch jedoch kann seine
Behauptung deshalb noch lange nicht gelten.
Seine Attacke gegen die Atheisten ist hingegen - ohne wenn und aber -
heuchlerisch, falsch und schon fast lustig in ihrer Verlogenheit.
«Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des
letzten, blutigen Jahrhunderts,» deklarierte Hohmann und blendete dabei
bewusst aus, wieviel Blut im Namen der Religionen vergossen wurde und wird.
Der Hauptpunkt der Diskussion, die von Hohmann angerissen wurde, sind
eigentlich folgende Fragen:
·
·
Diese
Fragen sind wichtig und verdienen eine ernsthafte und sachliche
Auseinandersetzung, und zwar losgelöst von der Person Hohmanns.
Es ist offensichtlich, dass die Haltung, welche "die Deutschen" als
Tätervolk betrachtet, als rassistisch zu bezeichnen ist. Die heutige dominierende
anti-kriegerische deutsche Einstellung ist der beste Beweis dafür, und
umgekehrt ist die verbreitete Unterstützung für den Militarismus in Israel ein
starker Beleg dafür, wie Kulturen und Gesellschaften sich innerhalb relativ
kurzer Zeit ändern können.
Was die Kollektivschuld anbelangt, ist - wie von Hohmann suggeriert - in der
Tat zwischen der Verantwortung der Führung und jener des "einfachen
Volkes" zu unterscheiden. Dies bedeutet aber nicht, dass die einzelnen
BürgerInnen von ihrer Verantwortung völlig entlastet werden dürfen. Denn heute
wie vor 60 Jahren sind Menschen aufgefordert, nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Und eine unbequeme Meinung darf nicht die Verbannung in ein KZ oder in die
Isolation bedeuten.
Es ist anzumerken, dass die Judenvernichtung eine
geheime Reichssache war, und Informationen darüber zu beschaffen,
war für die 'normal Sterblichen' in NS-Deutschland eine doch recht gefährliche
Angelegenheit. Im Unterschied dazu ist es im heutigen Israel, das immer noch
einige demokratische Charakterzüge aufweist (vor allem natürlich für die
jüdischen BürgerInnen), nicht so riskant, Auskunft über die Gräueltaten der
eigenen Armee oder der Rechtsradikalen zu beschaffen und auch dagegen zu
protestieren. Insofern ist die Verantwortung der heutigen jüdischen
israelischen BürgerInnen bedeutend grösser als diejenige der deutschen
Bevölkerung während der NS-Zeit. Dies unabhängig davon, ob die jeweiligen
Verbrechen vergleichbar sind oder nicht. In Israel gibt es keine
Vernichtungslager (noch nicht), dies entlastet die jüdische Bevölkerung aber
nicht. Abgesehen davon liegt eine kriminelle und massive Eskalation schwer in
der Luft, sodass ein Vergleich zwischen dem heutigen Israel und dem
NS-Deutschland der 30er-Jahre nicht mehr so abwegig ist.
Shraga Elam, israelischer Journalist und
Friedensaktivist in Zürich, 13.11.2003.
„Kritik an Israel muss nicht unbedingt
Antisemitismus bedeuten“, erklärte
die Bewegung „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden – Österreich“. Die
„European Jews for a Just Peace/EJJP) gibt es in neun Ländern Europas. Die
Bewegung, zu der auch der Sozialwissenschaftler Peter Melvyn gehört, verurteilt
den „israelischen Staatsterrorismus“, vor allem die gezielten Morde an
palästinensischen Anführern und Aktivisten. (D 5.11.2003)
General Günzel wegen Zustimmung zu Hohmanns
Rede unehrenhaft entlassen.
Der angesehene Chef des
Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw, General Reinhard Günzel (59), hatte
Hohmann in einem Brief beglückwünscht: „Eine ausgezeichnete Rede...“ und wurde
deshalb vom sozialdemokratischen Verteidigungsminister Peter Struck „nicht
ehrenhaft“ aus der Bundeswehr entlassen. (D 5.11.2003) Wir warten darauf,
wie Gott beim Jüngsten Gericht urteilt.
Hohmann: Die Gottlosen mit ihren gottlosen
Ideologien waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts
Die Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten
Martin Hohmann zum Nationalfeiertag am 3. Oktober 2003 ist auf der
Internetseite der CDU in Neuhof (Hessen) veröffentlicht worden. Der Vorsitzende
des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sprach vom schlimmsten
Fall von Antisemitismus der letzten Jahrzehnte. Viele Zeitungen brachten
Auszüge:
„Das deutsche Volk hat nach den Verbrechen
der Hitlerzeit sich in einer einzigartigen, schonungslosen Weise mit diesen
beschäftigt, um Vergebung gebeten und im Rahmen des Möglichen eine
milliardenschwere Wiedergutmachung geleistet, vor allem gegenüber den Juden.
Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim
jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine
dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die
Opfer, die Leidtragenden?
Wir haben gesehen, wie stark und nachhaltig
Juden die revolutionäre Bewegung in Russland und mitteleuropäischen Staaten
geprägt haben. Das hat auch den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson 1919
zu der Einschätzung gebracht, die bolschewistische Bewegung sei „jüdisch
geführt“. Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die
Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der „Täterschaft“ der Juden
fragen.
Juden waren in großer Anzahl sowohl in der
Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher
könnte man Juden mit einiger Berechtigung als „Tätervolk“ bezeichnen. Das mag
erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man
Deutsche als Tätervolk bezeichnet. (...)
Wir müssen genauer hinschauen. Die Juden,
die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor
ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden,
von ihrer Weltanschauung her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion.
Ähnliches galt für die Nationalsozialisten.
Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen Elternhaus. Sie hatten
aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden der christlichen und der
jüdischen Religion geworden. Verbindendes Element des Bolschewismus und des
Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche Ausrichtung und die
Gottlosigkeit.
Daher sind weder „die Deutschen“, noch „die
Juden“ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen
mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen
Jahrhunderts.“
(D, 4.11.2003, S. 2)
Juden und Deutsche - Gefährliches Klima der
Angst
Kommentar von etika.com
anlässlich des Todes des Zynikers und Aufklärers Rudolf Augstein:
Solche und andere Gesellschaftskritiker
Ein Zyniker wie Spiegel“-Herausgeber
Rudolf Augstein (siehe
22.11.2002) wird von den Medien und Politikern als „Wegbereiter der Demokratie
in Deutschland“ (so der Hamburger Bürgermeister Ole van Beust) in den demokratischen
Himmel gehoben und durfte
sich sogar – wie der Schriftsteller Günter Wallraff behauptete – zu
„antijüdischen Ressentiments“ versteigen, ohne dass er damit als
staatsgefährdend galt. Er durfte sogar „Nationaler“ oder gar
„Deutschnationaler“ (laut Günter Grass im NDR) sein. Warum? Weil seine
Einstellung und Weltanschauung linksliberal war.
Christlich-Soziale
(wir) und Konservative (Otto von Habsburg) sowie aus dem freiheitlichen und
rechtsradikalen wie auch aus dem kommunistischen oder anarchistischen Lager
stammende Gesellschaftskritiker, die sich angesichts der chaotischen Zustände
bisweilen von zynischen Anwandlungen nicht ganz frei machen können, werden von
der alleinherrschenden linksliberalen Schicht hingegen als Feinde der
Demokratie angeprangert und der Meute zum Fraß vorgeworfen.
Beispiel: Der
Kaisersohn Otto von Habsburg gab dem altbekannten, seriösen
Korrespondenten Carl-Gustav Ströhm anlässlich seines 90. Geburtstages am 20.
November ein Interview. Dabei sagte er vom Pentagon, dass dessen „Schlüsselpositionen mit Juden besetzt“ seien, und dass im State Departement die
Schwarzen seien (Colin Powell, Condoleezza Rice). Das Interview wurde
veröffentlicht in der FPÖ-nahen Zeitschrift „Zur Zeit“. Habsburg dementierte
dann bzw. musste dementieren. Der Eklat war aber da. Viele Medien fielen über
ihn her. Die Neue Zürcher Zeitung zum Beispiel wunderte sich über „solche krud
rassistische und antisemitische Formulierungen“. Das wundert wiederum uns.
Vorausgesetzt, es würde stimmen, dass die Schlüsselpositionen des
US-Verteidigungsministeriums mit Juden besetzt seien – warum wäre diese
Behauptung denn dann Antisemitismus? Jude ist doch kein Schimpfwort. Jedenfalls
nicht für uns. Es gibt doch bei den Juden wie bei jedem Volk solche und solche
Menschen. Es gibt Israelis, die die Palästinenser gnadenlos vernichten wollen,
und andere Israelis, die unbedingt Frieden mit den Arabern schließen wollen.
Wir müssen doch endlich aufhören mit der neuen Art von Rassismus, die Shraga
Elam zu Recht anprangert. Es gibt – wir müssen es ständig wiederholen - gute
und böse Menschen in allen Völkern und Religionen. Wenn wir sagen würden, in
diesem oder jenem Ministerium hätten die Deutschstämmigen oder
Hispano-Amerikaner oder Christen oder Buddhisten eine Schlüsselstellung inne –
was wäre denn da dabei?
Genauso muß man
bei Augstein differenzieren. Er hat sicher große Verdienste, hat weise Sätze
geprägt wie „Die Welt ist so groß, dass alle Irrtümer darin Platz haben“ – und
doch hat er vielleicht Menschen gnadenlos mit seiner Pressemacht verfolgt und
vernichtet. Das Urteil wird Gott der Herr fällen, wir nicht. Jedes Wort, das
von Augstein stammt, wird auf die Waage gelegt werden, wie bei uns allen.
Derjenige, der
die Wahrheit sucht, geht unbeirrt seinen Weg. In der kommenden Welt wird das, was oben ist, unten sein und umgekehrt.
Das ist einer der Grundpfeiler der christlichen Lehre – ein Trost für die Armen und Unterdrückten.
Entkrampft um Gottes willen das Verhältnis zu den Juden! Nicht nur Jesus, auch Judas war Jude. Das
darf man heute anscheinend nicht mehr sagen. Aber begreift ihr nicht, dass das
Verbot jeglicher Kritik an der israelischen Siedlungspolitik oder am
Fehlverhalten von Juden zu Angst in der Bevölkerung führt. Und was aus der
Angst steht, sollten wir inzwischen doch alle wissen.
Allgemeine Warnung an alle:
Aus einem Klima der Furcht und Unwahrheit entstehen Hass und Gewalt, wie in Palästina. Deshalb: Baut die Furcht
ab! Lest Shraga Elam und lernt von ihm, damit neues Unheil verhütet wird! Wir
haben nunmehr genug gewarnt und keine Lust, uns noch öfters auf dieses
schlüpfrige Parkett zu begeben, denn die Gefahr des Sturzes und Liegenbleibens
ist zu groß, denn die unbekannten Gegner im Hintergrund sind gemein,
unerbittlich, unversöhnlich.
Für den Fall,
dass wir als Märtyrer Christi und der Wahrheit sterben müssen, dann wissen wir:
Unser Werk wird aufgehen und die ersehnten Früchte tragen!
Engel, schützt uns vor den heimtückischen Angriffen der Dämonen! Sie kennen die Politik besser als wir. Laßt uns Gott dienen und nur ihn fürchten! Beten wir mit Franziskus:
Sprecht zu Gott: Furchtbar
sind deine Werke, Herr, vor Deiner
großen Macht beugen sich Deine Feinde. Die ganze Welt bete Dich an und lobsinge
Dir, lobsinge Deinem Namen.
Lobet ihr Völker, unseren Herrn, und lasst seinen Ruhm weit erschallen.
Und in ihm werden gesegnet sein alle Stämme der Erde; alle Völker werden ihn
verherrlichen. Gelobt sei der
Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut. (Terz an Sonntagen;
Anmerkung: Warum sollten wir Christen die Juden ausrotten wollen? Wir wissen
ja, dass ein Teil von ihnen sich bekehren wird, und wir wollen möglichst viele
soweit bringen. Deshalb betrachten wir sie grundsätzlich als unsere künftigen Brüder und Schwestern.)
Ihr Reiche auf Erden (auch Israel, auch Palästina, auch Deutschland), singet
Gott, lobsinget dem Herrn. Horcht auf seine mächtige Stimme und rühmet Gott.
Über Israel erstrahlt seine Herrlichkeit und in den Wolken seine Kraft.
Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen. Er ist der Gott Israels; er wird seinem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott.
(Anmerkung: Das Volk Israel sind alle, ob Juden oder Nichtjuden, die an Jesus
Christus glauben.) (22.11.2002)
Anhang:
Stimme aus Israel:
„Berechtigte Kritik“ an „überproportionaler
Macht“ von jüdischen Funktionären
“Wir Juden brauchen keine Sonderbehandlung“
Der israelische Friedensaktivist Shraga Elam schrieb am 4.
November 2002 per E-Mail unter der
Überschrift „Was ist
anti-jüdisch an Müllemanns Flugblatt?““ unter anderem folgendes:
In diesem Handzettel (von Möllemann) steht ..: »Jürgen W. Möllemann
setzt sich seit langem beharrlich für eine friedliche Lösung des
Nahost-Konfliktes ein: Mit sicheren Grenzen für Israel und einem eigenen Staat
für die Palästinenser.«
Wer hierin eine anti-israelische Position lesen will, muss sich wirklich
psychologisch behandeln lassen.
Mit seiner Kritik an der Sharon-Regierung steht Möllemann eigentlich nicht so
weit entfernt von der gemässigten zionistischen Bewegung "Frieden
Jetzt" (Peace Now). Wie kann diese Position also als anti-israelisch
beschrieben werden? ...
Möllemanns KritikerInnen behaupten, dass dieser schon vorher seine Judeophobie
dadurch bewiesen habe, indem er Michel Friedman für den Zuwachs einer
anti-jüdischen Stimmung verantwortlich gemacht habe, und dass dieser Vorwurf im
Hintergrund seines umstrittenen Faltblattes mitschwinge.
Damit soll Möllemann laut diesen KritikerInnen gemeint haben, dass
die Juden an der Judeophobie selber schuld seien und er sich somit eines alt
bekannten anti-jüdischen Vorurteils bedient habe. Dabei wird übersehen, dass
die Situation der jüdischen Menschen heute eine völlig andere ist als vor 57
Jahren. Jüdische Funktionäre wie Michel Friedman, gehören nicht mehr zu einer
verfolgten und sehr bedrohten Minderheit, sondern bilden eine sehr
einflussreiche Kraft und missbrauchen zu oft ihre überproportionale Macht.
Dieser Sachverhalt erweckt berechtigte Kritik und Aggressionen, die ernsthaft diskutiert werden müssen!
Selbstverständlich schwingen in dieser Situation alt bekannte Vorurteile mit,
die aber jetzt mehrheitlich missbraucht werden, um vom Kernproblem abzulenken,
nämlich dass es nicht angehen kann, eine Gruppe von Menschen ausserhalb einer
kritischen Betrachtung zu stellen. Wir Juden brauchen keine
'Sonderbehandlung'!
Diese Sonderbehandlung lädt buchstäblich zu Machtmissbrauch und Korruption ein,
die ihrerseits für immer grösser werdenden Unmut sorgen. Die Tabuisierung
dieses Themas verkleinert das Problem nicht, ganz im Gegenteil. Ein grosser
Ausbruch von massiven anti-jüdischen Aktivitäten ist deshalb praktisch
vorprogrammiert. Um dies zu verhindern, braucht es mehr Mut und Ehrlichkeit und
nicht eine opportunistische verklemmte Judeophilie.
...
Viele jüdische Menschen geben im Privatgespräch zu, dass auch sie diese Kritik
an Friedman teilen, und dass sein Eintreten für die grausame israelische
Politik gegenüber den PalästinenserInnen überhaupt nicht in ihrem Interesse
sei.
Kann es also sein, dass die massive Kritik der übereifrigen JournalistInnen und
PolitikerInnen an Möllemanns Flugblatt nur eine durchsichtige Ablenkung von
eigenen Gedanken und Vorurteilen ist? (Anmerkung etika.com: Dasselbe haben
wir oben angedeutet.)
Shraga Elam, Israelischer Recherchierjournalist und Friedensaktivist
Zürich
* Der rassistische Hintergrund des Begriffs 'Antisemitismus' lässt sich
gar nicht verstecken, denn er setzt offenkundig eine Rassentheorie voraus. Dies
ist kein Zufall, da dieser Ausdruck von einem völkischen Vordenker des Nationalsozialismus,
Wilhelm Marr, 1879 in Berlin geprägt wurde.
In einer Festschrift anlässlich des 70. Geburtstages des prominentesten
Schweizer Juden, Sigi Feigl, wurde festgehalten:
»Da ... der falsche und irreführende völkisch-rassistische Ausdruck 'Antisemitismus'
sich in der Umgangssprache durchgesetzt hat, soll er im folgenden für dessen
moderne Erscheinungsform zur Anwendung gelangen.«
Diese Schlussfolgerung ist merkwürdig, die Begründung verlangt doch viel eher,
dass der Begriff wie andere rassistische Ausdrücke abgeschafft werden sollte.
Besser wäre das Wort »Judeophobie« als Bezeichnung für den Judenhass und
negative Vorurteile gegenüber jüdischen Menschen. Die 'positiven' Vorurteile,
bekannt als Philosemitismus, würden entsprechend als Judeophilie bezeichnet.
(Shraga Elam, 4.11.2002)
„Wer jüdische Menschen außerhalb
einer kritischen Betrachtung stellt, ist ein Rassist. Wir Juden brauchen keine
„Sonderbehandlung“!“ (Shraga Elam, israelischer Recherchierjournalist und
Friedensaktivist, Zürich, 24.9.2002)