ETIKA

INDIEN

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18.4.2001

5IN703RJ

Orientzauber in Rajasthan

Reisempfehlungen

 

Zusammenfassung:

Rajasthan, gesprochen Radschasthan = Land der Könige. Ein zauberhafter Wüstenstaat im Nordwesten Indiens; die Wüste ist freilich bereits recht reduziert, denn die Bevölkerung wächst und wächst.
Ein liebenswertes, bedürfnisloses, anständiges Volk, dessen öffentliches Leben noch nicht sexualisiert ist wie bei uns.

Ein Land voll Ursprünglichkeit und Herzlichkeit, wenngleich einen allerorts Not und Tod anblicken.

Eines der Mittel, das Elend zu lindern, ist der Tourismus (obgleich er Schattenseiten hat: zum Beispiel die ungerechte Geldverteilung oder die Provokation jener Urlauberinnen, die ungeniert unbedeckte Schultern und Beine und mehr zeigen, was man insbesondere im Orient niemanden zumuten sollte). Wie viele Menschen aber kommen doch dank der Großzügigkeit der Reisenden wieder für ein oder ein paar Tage über die Runden, wie viele schöpfen Hoffnung, wenn sie die Schätze ihrer uralten Kultur zeigen dürfen: das Vermächtnis Indiens an die Menschheit.

Europäer sind nicht nur die Zahlenden, bereichert verlassen sie den Subkontinent. Mit unvergesslichen Eindrücken.

-         von einem Kamelritt in der Wüste Thar

-         von Magiern und Tänzerinnen

-         von den Tempeln der Hindus und Jains (Dschains)

-         von einmalig schönen Heritage-Hotels in Bikaner, Udaipur und Fort Khimsar

-         von der indischen Küche, einem Paradies für Vegetarier, wenn auch oft viel zu scharf gewürzt

-         von Kamelen, Elefanten, Springböcken

-         von den Kühen und sonstigen Tieren, die mitten in den Städten leben.

Nur drei Dinge sind schwer zu verkraften:

1.    die tägliche Begegnung mit der Armut (man tut gut daran, einschließlich der Getränke, Geschenke und der Ausgaben für Fotogenehmigungen pro Tag 50 Dollar einzukalkulieren, zusätzlich zu den beim Reisebüro hinterlegten Reise- und Übernachtungskosten; bei der Ankunft im Hotel Geld in viele, viele kleine Scheine wechseln lassen, vor allem 10 Rupien)

2.    der fehlende Unterbau der Straßen, wenn man mit einem schnellen, schlecht gefederten Bus unterwegs ist

3.    der zeitweilige Durchfall, der kaum jemanden verschont; aller Verzicht auf möglicherweise mit infiziertem Wasser gewaschenes Obst und Gemüse, auf Eis und eventuell verwässerte Obstsäfte sowie der mitgebrachte Schnaps oder Brandy können keine Wunder wirken. Man sollte sich vom Apotheker zwei Mittel geben lassen: Durchfall Stop und ein normales Durchfallmittel, das dann die Darmflora wieder aufbaut.

Reise:

Optimale Reisezeit Herbst/Winter, spätestens im März, da beginnt schon der Sommer. Am heißesten wird es in Indien im Mai, bis dann im Juni der Monsun beginnt. Sieben bis acht Stunden Flugzeit. Zeitunterschied: Inder sind uns um viereinhalb Stunden voraus, wenn die europäische Sommerzeit gilt, nur dreieinhalb Stunden.  Bei Flug von Delhi nach Udaipur und Rückreise mit Bus 600 km mit Flugzeug, 2000 km mit Bus auf überwiegend schlechten Straßen.

Die 5 indischen G als Mitbringsel:

-         Gelassenheit

-         Genügsamkeit

-         Gutmütigkeit

-         Geduld

-         Gandhi

Der umgekehrte Kulturschock

In den nächsten Jahren hinfahren, bevor die ganze Herrlichkeit vorbei ist! Auf nach Rajasthan, bevor Fernsehen, Traktoren und Autos und die sonst weltweite Radio-Rock-und-Pop-Berieselung die natürliche Schönheit ausgelöscht haben. Denn eine solche Gesellschaft muß man heutzutage lange suchen:

-         sie kommt großteils ohne Fernsehen und Autos aus

-         sie lebt und arbeitet wie vor 50 oder 100 Jahren

-         ihre  Moral richtet sich nach der Religion und  Jahrtausende alten Traditionen, womit der einzelne den seelischen Halt findet, den die entwurzelten Egoisten im seelenlosen Westen nicht mehr finden.

Literatur:

Everyman Guides, Rajasthan, englisch, 400 Seiten, handlich, reich bebildert, 20 britische Pfund, beim einen Händler 1350 Rupien, beim nächsten 1000 Rupien

Thomas Barkemeier: Nordindien, knapp 50 DM,  oder den schmäleren Band Rajasthan – mit Delhi und Agra, Reise Know How, ca. 38 DM, sehr ausführlich, in jeder Buchhandlung zu bestellen

Reisebericht: Dolomiten-Magazin, Karfreitag 2001 (im Anhang)

Namasté

Namasté, seid gegrüßt, ihr heiligen Kühe, die ihr aus Verzweiflung Papier fresst und mitten im Verkehrsgewühl ein Schläfchen haltet und anscheinend von der Wiedergeburt träumt, denn ihr habt die 99. Tierstufe erreicht und werdet danach als Menschen geboren – so lehrt die Hindureligion (dharma)

Namasté, ihr mit Milch gefütterten Ratten im Tempel von Deshnoke, die ihr als die verwandelten Bewohner von Bikaner und Umgebung verehrt werdet, die auf die nächste Wiedergeburt warten

Namasté, ihr aufdringlichen Kinder und Bettler und Händler, ihr wollt alle überleben.

Namasté, Rikschafahrer Kamal Singh, der du den Mann aus Mitteleuropa zu den Armen des Hindutempels und zu den Ärmsten am Straßenrand gefahren  und ihm die schwierige Aufgabe der gerechten Verteilung der Spenden abgenommen hast.

Namasté, ihr Armen und Reichen, ihr Brahmanen (Priester), Kshatriyas (Krieger, Herrscher), Kaufleute und Arbeiter/Diener sowie ihr Kastenlosen, die ihr in Zelten und Hütten und Palästen oder auf der Straße wohnt, friedlich und im Einklang mit eurer Religion der 300 Millionen Götter. 

Neu Delhi

Dem Flugreisenden scheint sich die Riesenstadt vor der Landung endlos auszudehnen: Lichtermeer auf Lichtermeer.

Zeitraubende Einreise, langwierige Passkontrolle wie in der Dritten Welt häufig. 14 Millionen Einwohner. „Atmen müsste verboten sein, Indische Hauptstadt ist riesige Rauchküche, Schadstoffe können von November bis Februar nicht abziehen“ (Jürgen Hein, Dolomiten, 7.12.1991)

Empfehlenswert: Fahrt mit Fahrrad-Rikscha durch Alt Delhi

In Neu Delhi die modern gestaltete Verbrennungsstätte von Mahatma Gandhi, daneben eine Buchhandlung mit Gandhi-Büchern und –Bildern, darunter eine CD für ca. 60 Dollar.

Birla-Tempel, gestiftet von der Besitzerfamilie der „Hindustan Times“. Davor hüpft ein verkrüppelter Bub auf Händen durch eine Fußgängerunterführung: Irgend jemand hat ihm als Kind die Knochen zerbrochen, damit er als Bettler mehr Mitleid erregt und mehr Geld nach Hause bringt. Nicht der einzige Fall, den wir erleben.

Mit Flugzeug (mehrmalige Leibesvisitation) oder Bus nach Udaipur

Udaipur, Königreich Mewar
von Hindukönig Udai gegründet, die weiße Stadt, 400 000 Einwohner

König von Udaipur darf sich als einziger Maharana nennen, weil er sich nie unterworfen hat. Kämpfte immer gegen die vordringenden Truppen der Moguln. Der britische König Georg V. lud für den 12. 12. 1911 alle regierenden Fürsten ein. Ein Stuhl blieb leer. M. Fateh Singh weigerte sich, die Oberhoheit der Engländer anzuerkennen.

Palast 1559 christlicher Zeitrechnung (1616 nach Hinduzählung) gebaut. Maharana Udai Singhs Sohn war Karan Singh (regierte 1620 - 1628). Verteilte Inhalt eines Steinbassins: voll mit 100 000 Silbermünzen, als seine Frau ihm einen Sohn gebar. Ort heißt Lakhu Gokhra.

Am Geburtstag des Königs Spiel zweier weißer Elefanten. Wer mit dem Rüssel die Mauer berührte, hatte verloren.

Säulen aus weißem Marmor, von Makrana, mit Kristall, kann nicht zerbrechen, auch am Tadj Mahal.

Schlafzimmer aus Spiegeln für Maharani. In Porzellangalerie Chini Chitrashala eine aus Holland geholte Tafel mit Josef und Maria mit dem Jesuskund auf der Flucht nach Ägypten.

Vater und Bruder versprachen sechzehnjährige Tochter verschiedenen Prinzen. Beide kamen von Jodhpur und Jaipur. Um den Dilemma zu entgehen, gab der Vater seiner Tochter einen Ring mit Gift, sie starb, so gab es keinen Streit.

Chitran Ki Burj.

Fateh Singh auf Gemälde von Bärenjagd 1900

Schlacht von Haldighati: Maharana Pratap gegen die moslemischen Moguln (english Mughals). König von Udaipur ritt immer auf einem Pferd mit Elefantenrüssel. Pferd Chetak sprang über einen Fluß und starb. König weiter zur Burg Pratap.

Ahnengalerie der Maharadschas:
70. Swaroop Singh + 1861 adoptiert

71. Shambhu Singh + 1864

72. Sajjan Singh + 1884

73. Fateh Singh + 1930

74. Bhupal Singh + 1955

75. Bhagwat Singh + 1984

76. Shriji Arvind Singh Mewar (derzeit amtierend)

Vortrag in einem Geschäft in Udaipur auf deutsch über Miniaturmalerei: Gemalt wird auf Papier und Marmor, früher auf Elfenbein, jetzt auf Kamelknochen. Natürliche Mineralfarben aus den Bergen. Gummi arabicum als Klebstoff. Curry. Streifenhörnchenhaar als Pinsel für Details. Echt Seide, echt Gold. Arbeit dauert 4 Wochen. Anstrengende Arbeit für Auge, Rückgrat, gute Laune nötig. Auch unten im Palast ist eine Miniaturmalschule untergebracht; freundliche junge Inder zeigen ihre Kunstwerke, von denen etliche in Deutschland ausgestellt werden.

Bootsfahrt zur Insel Jagmandir im Pichola-See, vorbei am Seepalast und –luxushotel Jag Niwas. König hat sich versteckt im Hindutempel. Baum im vierten Stock.

Übernachtung möglich im Palast des Maharadschas; er bewohnt die untere, zum See zu gelegene Hälfte des Shiv Niwas Palastes selbst. Der Maharadscha hat eine prachtvolle Homepage unter www.hrhindia.com , Zimmerbestellungen unter sales@udaipur.hrhindia.com.
Shiv Niwas Palace, Regular Room Double, Doppelzimmer 125 US$, Super Deluxe Suite 300, Historic Suite 375, Royal Suite 475, Imperial Suite 600 US$
Außerdem gibt es in dieser Hotelgruppe den Fateh Prakash Palace (Preise ähnlich) und das Shikarbadi Hotel (Einzelzimmer 1999 Rupien)

Jainu-Tempel Ranakpur

Es gibt 5 ½ - 8 Millionen Jains oder Dschains oder Dschainas.

A (english)  Ranakpur Jain Tirth, Sadri, popularly known as Chaumukha, the temple is dedicated to Lord Adinath. Built in the 15th century. 80 domes sopported by 1,444 pillars.

1444 Pfeiler im Tempel. Jede Figur stellt einen anderen Jain-Gott oder -Heiligen dar, eine ist Mahavira.

Unter einer Steinplatte wurden vor Jahrhunderten viele Statuen versteckt, damit sie nicht von den Moslems, dem Soldaten der Moguln, zerstört wurden.

Jodhpur

Blaue Stadt, 700.000 Einwohner, Marwar, heute Marwali

Denkmal für Jasvant Singh 1899 – 1903 aus weißem Marmor erbaut. Wünsche, die in Erfüllung gehen, am nächsten Tag Taschentücher an Kette geknotet vor Bildnis des Maharadschas Jasvant Singh.

Mehrangarh Fort: eine mächtige Festung, die alles in den Schatten stellt. Grundstein 1459 gelegt. Handabdrücke am Tor (Sati): Bis 18. Jahrhundert mußte beim Tod eines Maharadschas die Frau auf der Asche sitzen und wurde verbrannt.- Männer zeigen, wie man einen Turban wickelt. Tanzsaal mit Blattgold, König auf erhöhtem Kissen. Vergnügungspalast. Tänzerinnen vor König.

Der Mehrangarh Museum Trust wird von H. H. Maharaja Gaj Singh II persönlich geleitet. Vornehme Leute bekommen den Zusatz ji, also liest man auch Gajsinghji II, wie Gandhiji oder Gandhi Ji.

Jaisalmer

Die Perle in der Wüste Thar, einst Karawanenrastplatz. Gesprochen Dschásalmér. Die goldene Stadt, gelbe Steine Balua, 50 000 – 70 000 Einwohner. Düsenjäger künden davon, dass es nur 100 Kilometer sind bis zum Erzfeind Pakistan. 25 bis 30 Prozent Moslems.

In den Hotel abends oft Vorführungen. Beeindruckend eine vornehme, grazile, schwarzgekleidete Tänzerin, die sich auf Gläsern bewegt, mit mehreren Krügen auf dem Kopf, und die Touristen freundlich zum Mittanzen einlädt. Eine Kalbeliya, Zigeunerin aus der Wüste rund um Jaisalmer? Im Fort neben dem Jaintempel wohnt ein Reiseführer für Französisch, Brahmane, dessen Vater mit Gandhi bekannt war und der uns einlädt. Am Fort zuviel Tourismus, aufdringliche Leute.

Persönliche Erinnerung: Morgens geweckt um 5.30 h durch Musikkapelle, 6.45 h Sirenen, dann herrliches Vogelgezwitscher

Wasserreservoir mit Shiwa-Tempel. Haweli = Häuser reicher Kaufleute. Düsenjäger.

Der Höhepunkt einer Rajasthanreise: abends in die Wüste, 40 km Richtung Pakistan, dann eine Dreiviertelstunde mit Kamel zu richtigen Dünen. Malerische Kameltreiber sowie Frauen in roten Saris mit Kindern. Flötenspieler, Tänze. Ruhe im Sand bis zum Sonnenuntergang.

Persönliche Erinnerungen: Unvergesslich die Begegnung mit den Nomaden und ihrem Anführer Carlo: jung, schwarz, streng, gerecht. Unser Kameltreiber hieß Akbar, das Kamel (Kemal) Rajis. Streit um den letzten Kugelschreiber wird durch Wettlauf mit zwei Buben zu einem Kamel entschieden. Kamelritt insgesamt ca. 1 Stunde, wir sollen zusätzlich 50 Rs Trinkgeld geben, aber Akbar sagt: „Give me 100 and we are friends.“ So sind wir Freunde geworden.

Übernachtung möglich im Heritage Inn, Jaisalmer; hier kann man wenigstens nachts die Fenster öffnen, was in den Luxushotels wegen der Klimaanlagen nur selten der Fall ist. Außerdem Schwimmbad, aber möglicherweise riskant (uns hat es nicht geschadet).

Auf den 285 Kilometern bis Fort Kimsar – unterwegs überfährt unser rasanter Fahrer, ein Brahmane, der eigentlich gar kein Tier töten darf, leider ein Schaf - passieren wir Pokharan. In der Nähe führte Indien im Mai 1998 seinen ersten Atomtest durch, im gleichen Monat folgte Pakistan vermutlich jenseits der Grenze, aber ebenfalls in der Wüste Thar.

Fort Khimsar

Orientalisches Abendessen auf der Burgmauer mit Blick auf Fort und Schwimmbad, Musikanten, Sängerinnen, Feuerschlucker, Marionettentheater. Der Magier Raschid Khan vollführt unglaubliche Kunststücke – ein Weltmeister (siehe im Reisebericht am Schluß). Ayurveda im Hotel.

Safari in die Wüste mit Jeep. Springböcke, black buck. Für die hier wohnenden Bishnoi (lokale Hindubevölkerung) sind diese Tiere heilig, wer sie tötet, wird verhaftet.

Zwei unerfreuliche Begegnungen mit einem Angehörigen des Hotelpersonal, worüber wir besser schweigen.

Deshnoke

Hindutempel Karni Mata. Seit dem 16. Jahrhundert werden hier Ratten gehalten, mit Milch gefüttert und verehrt. Nach einer Legende werden seit einem Streit zwischen einer Göttin und dem Todesgott die Leute von Bikaner nach ihrem Tod in Ratten verwandelt, bis sie eine neue Inkarnation bekommen, also zum Beispiel als Menschen wiedergeboren werden. Netze halten Raubvögel ab. 28 Kilometer von Bikaner entfernt.

Bikaner

Drittgrößte Stadt Rajasthans nach Jaipur und Jodhpur.

Laxmi Niwas Palast: essen und schlafen in den früheren Räumen des Maharadschas und seines Hofstaates möglich. Der letzte überlebende Maharadscha hat den unvergleichlich schönen Palast – man besorge sich an der Rezeption für 50 Rupien den romantischen Hotelprospekt - an einen Multimillionär verkauft, und seit Januar 2001 bietet eine Gesellschaft, nachdem sie am Mitte Juli 2000 mit der Renovierung begonnen hat, Übernachtungen an. Uns erschien es als das schönste der Welt, was wir auch im Gästebuch festgehalten haben. In den 31 Räumen gibt es 47 Betten.

Der Maharadscha Ganga Singh von Bikaner (1880 – 1943) war ein Staatsmann und unterschrieb den Friedensvertrag von Versailles, der soviel Unrecht und Not über das besiegte Deutschland und Österreich brachte; er war aber ein gerecht denkender Mann und beklagte, dass mit dem neuen Unrecht kein dauerhafter Friede möglich sein würde – prophetische Worte:

A Visionary Ruler: Maharaja Ganga Singh was a man of extraordinary vision and character. At the end of World War One he was one of the signatories to the Treaty of Versailles. He presciently objected to the terms, noting that “imposed such a burden upon the vanquished foe coul not be the harbinger of a lasting peace.” (Everyman Guides: Rajasthan, London 1996, p. 194)

Führung durch den von 1809 bis 1902 erbauten Palast: Eingang Rosenholzdecke, die fast gleich aussehenden Säulen daneben sind aus Stein. Krokodilhaut an der Wand, Leopardenfelle, Trophäen des Maharadscha, der auch in Nepal jagte, in Afrika Löwen. Zimmer mit 16 Fellen von Tigern, Geparden und einem Leopard, Gnu, Springböcke, Bär. Wände Gips, Decken Holz.

Beschreibung eines Zimmers: Hauptraum 6 m hoch, 7 m breit, 8 m lang, davor Gebetsraum 4 x 2 m , daneben Taubenschläge. schwarze und dunkelbraune Schränke, Gold, Spiegel im alten Stil, Stuckornamente, Wasserhähne in Dusche, Bad vergoldet. Rechts an der Seite dreigeteiltes Badezimmer 2 m breit, 3 m und 4 m und 3 m. Zwei Klimaanlagen, Marmorboden. An der Decke achteckiger Stern, Stuck, weiß und golden. Dunkelgrüne Vorhänge. Bett: schwarzes Holz reich verziert. Nur Bilder von Enten im Zimmer.

Festliches Abendessen im Hof. Suppe wie Feuer. Marionettentheater. Tänzer auf Nägeln. Feuerwerk.
Adresse: http://www.lalgarhpalace.com/

Fort Bikaner: Sehenswürdigkeiten: Jemand tanzte auf vier Sägen, sieben liegenden Schwertern, ca. 50 Speerspitzen, Nagelkissen. Goldene Schaukel für die Kinder des Maharadschas. Erster Aufzug in Indien 1857, Strom kam erst später.

Mandawa

Havélis (Häuser reicher Kaufleute, die zumeist in einer der Megastädte leben.

Weiterfahrt Richtung Jaipur: Es wird grüner. Weizen- und Rapsfelder. Bewässerung, Straßen besser und zweispurig, bisher anderthalbspurig, und die Fahrer machen ein beständiges Wettrennen, wer zuletzt ausweicht. Auch die heiligen Kühe mitten auf der Straße sind stur und weichen nicht. Auf der beginnenden „Autobahn“, für die Maut zu zahlen ist, verkehren auch Kamele.

Jaipur

2 Millionen Einwohner. Modernes Luxushotel in Amer Road, deprimierend nach Not am Straßenrand. Hier wie in anderen Hotels praktischer Kleintresor mit persönlichem Code.

Festung Amber (Amer).
Auf der Straße vormittags malerisches Fotomotiv: Schlangenbeschwörer mit Kobra, dahinter Festung. Touristen reiten zu viert mit Elefanten bergauf; Einsteigen von Rampe kein Problem. Vorn der Mahút mit dem Ánkusch (Metallstab zum Leiten).

Zufällig beginnt ein neuntägiges Fest zu Ehren der Göttin Durga: nawratra = neun Nackte. Viele Inder kommen, darunter asketische Sadhus und eine Pilgerin in rotem Sari, die sich alle drei Schritt niederwirft bis zum Tempel. (Unterwegs treffen wir später einen Pilger, der dasselbe tut und noch tausend Kilometer vor sich hat.) Viele Hindus fasten aus diesem Anlaß neun Tage nur mit Wasser und Obst.

Festung hat ihren Namen nach der Göttin Amba Mata, Mutter Erde.

Raja Man Singh hatte zwölf Frauen; um Streit zu verhindern, für jede ein eigenes Gemach mit separatem Eingang, so dass keine andere sah, welche er gerade besuchte. Eunuchen als Wächter.

Oben Sommerpalast, unten Winterpalast mit Spiegelzimmern.

Am Abend wieder ein Elend-Luxus-Schock vor dem Trident Hotel in der Amer Road, das reichen Europäern und Amerikanern alle denkbaren Annehmlichkeiten bietet und das üppigste Büffet der ganzen Reise: Eine magere, alte, verhärmte Frau schiebt einen alten, genauso dürren Mann, dem ein Fuß fehlt, auf einem kleinen Wägelchen die dunkle Straße entlang, in der Aluminiumkanne nur ein paar Rupien. Zwei schwarze Elendsgestalten sozusagen aus dem Bilderbuch. Ihre Gesichter lügen nicht. Das ist die nackte Not am Rande der Apathie und Verzweiflung. Was wir geben, scheint uns nicht genug, und zu dritt gehen wir ihnen noch einmal nach, um ihnen noch etwas mehr zu geben, damit sie für eine Weile über die Runden kommen.

Führung in Teppich- und Textilfabrik, einer Genossenschaft. Als Anhaltspunkt, aber es gibt noch andere: Saraf Carpet & Textiles, Khawasji Ka Bagh, Amer Road, Jaipur, Tel. 672070

1 ½ Monate Herstellungszeit für Teppich, alles echt, wird geflämmt, damit er haltbarer ist und nicht brennt. Vorführung: Stoff wird bedruckt. Erst Elefantenmuster, dann Farbe drüber, mehrmals und anderes, wird getrocknet in Sonne, letzte nach 48 Stunden, Farben waschecht. Hunderte Stempel aus Teakholz.
Angebote Teppich zum Preisvergleich:

1.    Seide auf Seide 100 % : Preis 110 000 Rs, 2400 $ großer Teppich

2.    Kaschmirwolle groß 1180 Dollar, mittel 150 x 220 m 850 Dollar, klein 120 x 180 m 580 $

3.    normale Wolle 390 $

Sari 75 Dollar, Schal 2. Qualität 24 Dollar (1. Qualität kostete um 65 $, 2. Qualität 40 -45 Dollar je nach Verkäufer)

Observatorium Jantar Matar, 1827 erbaut von Raja Sawai Jai Singh II, mit Sonnenuhren.

Edelsteinschleiferei: 12jährige Buben beschäftigt und wohl noch kleinere.

Wachmann wie in den Hotels mit besonders großem, schwarzem Schnauzbart (dies scheint Bedingung für Türsteher zu sein). Wie zu hören ist: Ein Stein, der 20 Dollar kostet, kann nach der Bearbeitung 20 000 Dollar kosten.

Palast der Winde

Fahrt weiter Richtung Agra. Unterwegs Weizen, Raps, Bhajra (?, Getreide), Zuckerrohr, Reis.

Vor der Grenze zum Bundesstaat Uttar Pradesh ein Dorf mit Prostituierten; solche gibt es vor allem auch in Mumbai und Delhi. Vor allem Lastwagenfahrer sind es, die Aids täglich in alle Landesteile bringen und eine wachsende Zahl unvorstellbarer Tragödien in den Familien auslösen. Apokalypse auch hier.

Fatehpur Sikri
Die verlassene Stadt. Festung mit Moschee. 10 Dollar und 500 Rupien pro Person Eintritt

Riesiger Palast, in acht Jahren erbaut, 1571 Bau angefangen. Besichtigung lohnt sich kaum.

König lebte nur 14 Jahre hier. Eremit sagte, er und König könnten nicht am gleichen Ort zusammenleben

Wasserknappheit. Mogul hatte drei Frauen: Hindu, Moslem und Christin, und gründete neue Religion: ungefähr Din e Illahi. Man darf übrigens nicht mit Schuhen in eine Hinduküche gehen. Rechts Wohnung für katholische Frau. Spiel: König saß mit Frauen in der Mitte, Dienerinnen wie lebende Schachfiguren.

Vor Agra viele Traktoren, bisher nur Kamele usw. Kuhfladen neben der Straße getrocknet zum Verkauf. Morgens wird mit Kuhdung geheizt im Winter. Es riecht entsprechend vor allem in den großen Städten.

Agra

Mehrheit Moslems, Säule der Mogul-Dynastie.

Tadj Mahal, gesprochen Tadsch Mahal = Krone des Palastes, „Zeugnis der Liebe des Mogul-Kaisers Shah Jahan zu einer Frau seines Harems: Ein Liebender verwirklichte seine Sehnsuchtsträume nach der entschwundenen Geliebten.“ (L. Günther, Stuttgarter Zeitung, 27.4.1971)

Sie hatte 14 Kinder in 17 Ehejahren, 7 überlebten, davon 4 Söhne.

20.000 Leute haben Tag und Nacht am Tadj Mahal gearbeitet, viele sind gestorben.

Deutschsprechender Inder auf Bank: Nach neuesten archäologischen Forschungen liegt der Mogul-Herrscher neben seiner Frau begraben. Sohn schickte Vater ins Gefängnis im Roten Fort.

Fabriksbesichtigung: Einlegearbeiten, alle Steine aus Indien, nur einer aus Südafrika und der blaue aus Idar-Oberstein, alles wird gemacht wie damals für das Tadj Mahal, und zwar von Nachfahren der damaligen Arbeiter

Mit der Rikscha zu den Armen: Ein mutiger und gerechter Mann, der mit seiner Zweitakter-Rikscha vor dem Trident Hotel Agra wartet, führt uns zum Hindutempel und zu Leuten, die in Zelten neben der Straße führen, erledigt für uns das Verteilen der 10-Rupien-Scheine in dem beginnenden Volksauflauf und weiß auch eine Lösung, nachdem uns das Kleingeld ausgegangen ist: Er übergibt den großen Schein der Ältesten des halben Dutzends Familien. Wie können wir ihm danken? Indem wir ihn guten Leuten empfehlen, die einen Führer durch Agra suchen: Kamal Singh (Adresse auf Wunsch).

Delhi

Abzuraten ist von einem superteuren Hotel am National Highway mit palastmäßigem Eingang, in dessen kantinenähnlichem Speiseraum das Bier 175 Rupien kostet, die Speisen höllisch gewürzt sind und wo das Personal anscheinend annimmt, es brauche auf Hundert-Rupien-Scheine nicht herausgeben, weil das automatisch Trinkgeld sei. Anscheinend gibt es jede Menge Krösusse im Kontrastland Indien.

Nach der Rückreise – wie erlebt - Klimaschock möglich: von 35 Grad Wüstenhitze auf Eiseskälte. Mancher schläft dann zwei Tage lang.

Stichworte

Ahimsa = nicht verletzen; Nichtgewalt; Liebe; Gebot der Hindus und Jains

Frauen von Radschasthan: „Klein und drahtig, mit roten Gewändern, reichem Silberschmuck und barfüßig schuften sie an jeder Baustelle der Hauptstadt, in jedem Steinbruch, in tiefen Gruben und auf den schwindelerregenden, wackeligen Gerüsten der entstehenden Hochhäuser. Nur eine Mark verdienen sie am Tag (Anm.: heute das Doppelte), und dennoch schaffen sie es, etwas Geld nach Hause, in ihre Dörfer zu schicken. Hunger haben sie wohl immer, aber nur dann, wenn auch ihre mitgebrachten Kinder nichts mehr zu essen haben, verpfänden sie den Silberschmuck – ihre Mitgift, ihren einzigen Besitz. Wer die Frauen von Rajasthan zutreffend bezeichnen will, braucht ein großes Wort; sie sind heroisch.“ (Carlos Widmann, später Südamerikakorrespondent, einst – wie wir - Schüler des Geographie-Professors und Gründers des Fischer-Weltalmanachs Gustav Fochler-Hauke, in der Süddeutschen Zeitung vom 22.12.1973 unter dem Titel: Rupien rollen für komische Heilige – Ausflug ins Mittelalter zum Kamelmarkt nach Pushkar - Noch ein paar Jahre, dann werden die Fremden ein indisches Fest der Zauberer, Schlangenbeschwörer und Ohrensäuberer verdorben haben)

Essen: köstlich, besonders die viele vegetarischen Leckereien; oft, aber nicht immer scharf gewürzt. In den großen Hotels Büffet mit Dutzenden Schüsseln zur Auswahl; für jeden ist etwas dabei, zumindest Reis und Fladenbrot. Von frischem Obst, Gemüsen und Salaten wird allgemein abgeraten, weil sie mit nicht abgekochtem Wasser in Verbindung gekommen sein könnten. Da Wasserreste am Geschirr haften können, ist mit Durchfall zu rechnen. Alkohol (Brandy) hilft nur bedingt. Am besten zwei Mittel gegen Durchfall mitführen, eines, das den Durchfall stoppt, und ein zweites, das danach die Darmflora wieder aufbaut; der Apotheker berät Sie.

Fotografieren: Für jedes Foto ist praktisch zu zahlen: 10 Rupien. In Festungen und Tempeln meist 50 Rupien beim Eintritt. Vom Bus aus gratis.

Gandhi, M. K. (1869 – 1948): ist – zusammen mit dem Hinduismus und Jainismus – die Seele Indiens, ein Teil der Menschheitsseele. Nach seinem Tod wurde er vom Vatikan als Apostel christlicher Tugenden betrauert. Er war ein indischer Franziskus des 20. Jahrhunderts und wir können alle viel von ihm lernen, indem wir z. B. über seinen Aufsatz in „Jung Indien“ (S. 345) meditieren, in dem steht: Die Kuh ist ein Gedicht des Mitleids. Ein düsteres Geheimnis ist hinter dem Leid der Tiere verborgen, das auch Dostojewski mit seinem Staretz Sossima nicht gelöst hat, wohl aber Tolstoi zu lösen versucht hat. Es geht um das Leid der Unschuldigen, um das Böse in der Welt, um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, um ahimsa und dharma = Religion. In der Buchhandlung neben der Gandhi-Gedenkstätte in Neu Delhi (Verbrennungsort, Samadhi of Gandhi Ji, Rajgat) Empfehlenswert: CD-Rom Mahatma Gandhi, 30 Minuten Film, 550 Fotos, 15 Minuten Gandhis Stimme, 50.000 Seiten Text, english. 60 US-Dollars, www.iconsoftec.com . Ein preiswertes Postkartenalbum enthält historische Fotos, eines mit seiner Frau Kasturbai, eines mit den Politikern Nehru und Sardar Patel, ein anderes mit Subhash Chandra Bose, dem deutschfreundlichen Politiker während des Zweiten Weltkrieges. – Würde Gandhi, der revolutionäre Erneuerer Indiens, wiederkommen, dann würde er als erstes Indien eine Woche lang vom Schmutz reinigen lassen und dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Bei zwei Milliarden Händen ist in einer Woche erledigt, wozu anderswo Jahre nötig wären.

Geldwechsel: 1 Rupie knapp 5 Pfennig, 10 Rupien knapp 50 Pfennig/500 Lire. Im Hotel bekommt man (3/2001) für 100 Dollar ungefähr 4550 oder 4560 Rupien.

Geschenke, Bakschisch: am besten 10-Rupien-Scheine, aber nicht zu schmutzig; Kugelschreiber für die Kinder (10 Stück kosten 50 Rupien); sonstige nützliche Gegenstände.

Getränke: ungefährlich sind Tee, Mineralwasser in originalverpackten Flaschen, Bier, Cola; Wasser aus der Wasserleitung ruft meist Durchfall hervor

Gruppenreisen: Man kommt für wenig Geld in die teuersten Hotels, dafür ist man bei der Tagesgestaltung gebunden. Gebäude (Paläste, Tempel, Moscheen, Festungen, verzierte Häuser) haben Vorrang vor den viel interessanteren Menschen. Viele Reisende hätten gern mehr Kontakt zur Bevölkerung, möchten durch die Straßen der gewöhnlichen Leute, auch durch die Armenviertel, gehen, aber die Reiseleiter haben immer Sicherheitsbedenken.

Hindu-Götter: Mehr als 300 Millionen, Hauptgötter Brahma (Erschaffer), Wischnu (Erhalter) und Shiwa (Zerstörer und Erneuerer), Hanoman. Am Eingang eines Tempels oder Palastes ist immer der Elefantengott Ganésha zu sehen. Den Göttinnen Kali und Durga werden noch heute Blutopfer gebracht, bis vor ein paar Jahren manchmal auch Menschen

Hindu-Religion: angeblich 8000 Jahre alt, Veda (heilige Schriften) 5000 Jahre alt (Zahlen differieren)

Hochzeit: Erste und dritte Kaste heiraten miteinander, nur 4. Kaste und 2. unter sich

Ausländer bleibt Ausländer. Wenn Vater Ausländer, kein Kastensystem für Kinder. Wenn Vater Brahmane, Kinder Brahmanen. Treueschwur: um Feuer siebenmal Gelübde. Hochzeit kostet in der Stadt 500 000 Rs. , von Gästen kommen 30.000. (Angaben von Reiseleiter Karoun aus Neu Delhi)

Jain-Religion: vegetarisch. Gelegentlich trifft man weißgekleidete Jain-Nonnen. Vor dem Mund tragen sie Tücher, damit sie nicht versehentlich eine Mücke verschlucken, denn Jains dürfen nach dem ahimsa-Gebot kein Tier töten. Normalerweise kehren sie den Weg vor sich mit einem Besen, um keine Ameise usw. zu zertreten. Den Tierschutzmythos zerstört der deutsche Tierfreund und Zahnarzt Braun in seinem Buch (Näheres auf Anfrage); erst ein begeisterter Anhänger, dann bei Besuch enttäuscht. – Wer einen Jain-Tempel besucht, muß zuvor alle Kleidungsgegenstände aus Leder (Gürtel, Taschen) ablegen.

Karma: Taten, Schicksal, Teil des hinduistischen  Systems der Wiedergeburt (Reinkarnation): Ein Mensch, der Böses tut, wird ein Tier, macht vielleicht die 99 Tierstufen durch, wird zuletzt Kuh, erst dann wieder Mensch.

Löhne: Bauer verdient 6000 Lire (Rupien?) pro Monat, kann seine Familie ernähren In der Stadt 20.000 notwendig, um gut zu leben. Hirten verdienen 50 – 120 oder 60 bis 80 am Tag. Frauen bekommen 40 – 70, z. B. bei Straßenarbeit, sie arbeiten vielleicht zweimal drei Stunden. Wer Posten beim Staat oder der Regierung hat, wie großes Los: Pension mit 58, , Wer erst 10 000 Rupien verdient, bekommt 3500 bis 4500 Rupien als Pension. Kinder kümmern sich um Eltern.

Maharadscha: König, Fürst, Herrscher, hat  großes Gebiet, Radscha kleines Gebiet. Frau heißt Maharani oder Rani. Wie der Weltreisende Dr. Walter Fischer schrieb, regierten unter den Briten 565 Fürsten ein Drittel des Subkontinents; erst 1971 schaffte Indira Gandhi die Apanagen ab und besteuerte die Maharadschas, von denen noch 24 im Unterhaus saßen oder Gouverneure oder  Diplomaten waren (Dolomiten 23.12.1999) Fischer: „Nicht alle Fürsten waren hemmungslose, prassende Despoten. Es gab auch modern denkende Maharadschas, die Straßen und Bahnen, Schulen und Krankenhäuser erbauen ließen. Viele Fürsten leiten ihre Herkunft von Hindu-Göttern und Naturelementen wie Feuer und Sonne ab.“

Polygamie: Königliche oder Adelskaste (kshatriya) darf mehrere Frauen haben. König von Jaipur hatte 108 Frauen. Jetzt ist es nicht mehr erlaubt, mehrere Frauen zu haben.

Preise: Im Grunde ist in Indien alles billig, aber vom Touristen wird erwartet, dass er reich ist und das Doppelte oder Vielfache zahlt. Im Fort von Jaisalmer kauften wir eine Stoffmütze mit Nackenschutz für 250 Rupien; hundert Meter weiter bot uns ein Händler dieselbe Mütze für 10 Rupien an. Für das Fotografieren in einem Palast oder Tempel werden meist 50 Rupien verlangt, für Videoaufnahmen oft das Doppelte. 1 Cola oder ein Mineralwasser kostet im Geschäft 10 Rupien, im Bus 20 und in den Hotels oft 40, 50 Rupien oder mehr. Eine kurze Rikschafahrt kostet für einen Einheimischen vielleicht 10 Rupien, der Fremde wird um ein Vielfaches zur Kasse gebeten. – Beim Reiseleiter ist es oft billiger. Beispiel: Ein Urlauber zahlt vor dem Bus für 7 schwarze Elefanten 250 Rupien, danach geben die Händler dem Reiseleiter ihre Ware, der sie im Bus anpreist: diesmal 8 Elefanten für 100 Rupien.

Reinkarnation: Wiedergeburt, endloser Kreis

Sadhu: heilige Männer der Hindus und Jains, aber auch sie möchten gern Geld, wenn sie fotografiert werden

Sikhs: haben sich vom Hinduismus abgespalten, weil sie nicht mit dem Kastensystem einverstanden waren und weil sie gegen die moslemischen Moguln kämpfen wollten anstatt sich ihrer Herrschaft zu unterwerfen

Singh: Nur Sikh und die königliche Kaste verwenden das Wort Singh (vermutlich Löwe) als Familiennamen.

Tempel sowohl der Moslems als auch der Hindus und Jains dürfen nur barfuß oder mit Socken betreten werden

Tieropfer: werden leider Gandhi zum Trotz noch immer gebracht, und zwar nicht nur von den Moslems. So enthaupten z. B. in Nepal am Hindufest Chaity Dasain Verehrer der Göttin Durga Büffel, welche angeblich die Karren böser Götter gezogen haben (2001).Walter Fischer: „Nicht so gerne spricht man von den grausamen Tierkämpfen, die früher an den Höfen mancher Maharadschas stattfanden. Elefanten, Nashörner, Widder, Hähne und andere Tiere wurden aufeinander losgehetzt. Auch Lanzenreiter setzte man zum Aufstacheln der Kampftiere ein – genauso wie heute noch bei den Stierkämpfen. Wie bei Gladiatorenkämpfen römischer Cäsaren kämpften Männer mit Eisen- und Knochenkauen (klauen?) an den Händen auf Leben und Tod gegeneinander.“ (Dolomiten 23.12.1999)

Tiere töten. Nur Jains und Brahmanen töten keine Tiere. Bei den Hindus sind für das Töten die vierte Kaste, die auch sämtliche Reinigungsarbeiten übernimmt, und gewisse Berufe der dritten Kaste zuständig.
Es gibt zwei Arten Fleisch:

a) Jhatka (chicken) von Hindumetzger

b) Halal = von Moslems geschächtetes Tier, in Metzgerei von Moslems

Tod: Hindus verbrennen die Leiche, Asche wird in den Ganges geworfen, Familienangehöriger muß sich auf den Weg machen, notfalls zum Yamuna, wenn Ganges zu weit weg.

Vegetarier: Jains, Teile der Hindus. Kshatriyas (Kriegerkaste) essen mehr Fleisch als andere Kasten. Sikhs essen viel Fleisch.

 

Streiflicht: Dolomiten-Magazin
13.4.2001 Dolomiten Leserreise

Märchenland Radschasthan
Zauber des Orients

Dass es heute noch eine solch märchenhaft schöne Welt gibt, ist kaum zu glauben. 18 Dolomiten-Leser haben die Schätze Radschasthans entdeckt: die einfachen, ursprünglichen, herzlichen Menschen ebenso wie die unvergleichlich schönen Paläste, heute als Heritage-Hotels jedermann offenstehend, und die Tempel. Die zwei Wochen in dem nordindischen Wüstenstaat haben auch die vielen erfahrenen Weltreisenden unter ihnen fasziniert und ihnen unvergessliche Eindrücke eingeprägt.

Namasté, sei gegrüßt, du junger, schwarzgebrannter, glutäugiger Sohn der Wüste mit der Autorität eines Beduinenscheichs und dem seltsamen Namen Carlo: Auf dem Rücken deiner Kamele erlebten die Südtiroler den Zauber der Wüste. Schukriya, danke.

Sei gegrüßt, alter, weiser Magier Raschid Khan: Du hast die Touristen das Staunen gelehrt, als die verschwundenen Münzen plötzlich aus den Hosen eines Grödners fielen, als du drei kleine Murmeln verschlucktest und dann drei schwere Eisenkugeln aus deinem Munde hervorwürgtest, und als sich in dem leeren Hut auf einmal drei Tauben drängten.

Sei gegrüßt, Reiseführer Karoun, der du die Fremden mit uralten Legenden erfreut und sie verblüfft hast mit den Einblicken in das Leben der noch intakten Hindufamilien, in das Kastensystem, in die Welt der 300 Millionen Hindugötter, beginnend mit dem Elefantengott Ganesha, und ihnen erklärt hast, dass die Kühe als 99. und letzte Wiedergeburtsform der Tiere zugleich als Vorstufe zum Menschen gelten und deshalb mehr verehrt werden als im Westen die Ungeborenen.

Seid gegrüßt, all ihr Rikschafahrer, Tänzerinnen, Schlangenbeschwörer, Feuerschlucker.

Namasté, ihr lächelnden Frauen in den leuchtend bunten Saris, ihr stolzen Männer mit den stolz gezwirbelten langen Schnurrbärten und den auf 200 verschiedene Arten gebundenen Turbanen.

Seid gegrüßt auch ihr, aufdringliche Kinder und Bettler, wir verstehen, ihr wollt und müsst überleben.

Indien, armes Land, das du eine Milliarde Menschen zu ernähren hast.

Und doch, welch reiches Land! Nehmen wir die „fünf indischen G“: Gelassenheit, Genügsamkeit, Gutmütigkeit, Geduld, Gandhi. Wieviel können wir Europäer davon lernen! Und wie reich ist der Subkontinent an kulturellen  und landschaftlichen Schätzen, um von der exquisiten indischen Küche ganz zu schweigen ! Die „Dolomiten“-Leser durften alles kennenlernen:

Delhi, das neue und das alte, das mit der Fahrradrikscha erkundet wurde.

Udaipur, die weiße Stadt, mit der ältesten Dynastie der Welt, deren Maharadschas sich den moslemischen Moguln nie unterworfen haben – deshalb der Ehrentitel Maharana; und als der britische König V. alle Maharadschas zu sich zitierte, blieb der Stuhl des stolzen Maharana Fateh Singh von Udaipur leer. Nach der Einquartierung im Shivniwas-Palast, in dem auch der jetzige Maharadscha wohnt, eine Vorführung in Miniaturmalerei und eine abendliche Bootsfahrt zum Tempel auf der Insel Jagmandir.

Jodhpur, die blaue Stadt, am Tor der höchst imposanten Festung Meherangarh die Sati, die Handabdrücke der Ehefrauen, die sich jeweils nach dem Tod des Maharadschas verbrannten.

Jaisalmer, die goldene Stadt, die Perle in der Wüste Thar, der uralte Karawanenrastplatz, das Hotel mit Schwimmbad unter der sengenden Sonne.

Fort Khimsar mit dem malerischen Abendessen auf Festungsmauern, den Sängerinnen, dem Marionettentheater, der zweiten Wüstensafari.

Bikaner, die rosarote Stadt mit dem prächtigen Laxmi Niwas Palast, in dessen erlauchten, erst seit Jahresbeginn als Hotel genutzten Räumen die Gäste sich wie Fürsten fühlten. Der Tanz auf Schwertern, das Feuerwerk. Das Fort mit der goldenen Schaukel. Und die Erinnerung an Maharadscha Gangha Singh, der den Friedensvertrag von Versailles mit unterzeichnete, aber nicht glücklich dabei war, denn er prophezeite, dass die den Besiegten (Deutschland und Österreich) auferlegte Last nicht die Grundlage eines dauerhaften Friedens sein könne.

Mandawa: die Havelis, reich verzierte Bürgerhäuser.

Jaipur, die rosarote Stadt, mit dem Elefantenritt zur Festung Amber; Bewunderung heischte die mühsame Handarbeit der Teppichknüpfer und Edelsteinschleifer.

Agra mit dem Tadsch Mahal, herrlich die Einlegearbeiten auf durchscheinendem Marmor. Die Teilnehmerin Reinhilde Menz widmete diesem Denkmal einer unvergänglichen Liebe folgende Zeilen:

Traum in Weiß
von Liebe
bleib im Wasser
bleib im Auge
in der Seele Frieden
in Stunden der Wirrnis
kehr wieder
und leg deine Schönheit
klärend auf uns.

Und nicht zu vergessen die Tempel: vor allem die Jainatempel in Ranakpur, wo ein Priester eine Einführung in diese Religion der Vegetarier gab, und der Karni-Mata-Tempel in Deshnoke, wo die verstorbenen Einwohner von Bikaner als Ratten auf die nächste Wiedergeburt warten.

Unvergesslich all die heiligen Kühe, die Kamele, Wasserbüffel, Elefanten, Nilgaus (Antilopenart), „Stadtschweine“, Geckos... Besonders die Kuh, die an einer Hündin säugte.

Die von Herlinde Gruber geführte Reise schenkte tiefgehende Erlebnisse; die Route hatte Alpina-Tourdolomit optimal zusammengestellt.

Dann Abschied in Delhi: Elend und Luxus als schmerzlicher Kontrast, der jedes andere Land zerreißen würde – aber nicht Indien mit seiner 8000 Jahre lang geübten Ergebenheit in das von seiner Religion („dharma“) auferlegte Schicksal.

Dhanyawad, Indien, danke. Bhagwan thume shanti deta hai, der Herr gebe dir Frieden!

Tipp: Wer Radschasthan besuchen will, dieses Land der Kamele, der Saris und Turbane, diesen Inbegriff des Orients, diese Welt aus Tausendundeine Nacht, der möge rasch kommen, bevor die ganze Herrlichkeit versunken ist, gemordet von Traktoren, der Autoplage, der alles verändernden Macht des Fernsehens, dem Geplärr der Radios, der schamlosen Werbung multinationaler Konzerne...

Rainer Lechner

Herzlicher Dank an Reiseführer Karoun aus Delhi für seine unerschütterliche Heiterkeit und Ruhe, für die vielen Hintergrundinformationen und die Übersetzungen! Bhagwan thume shanti deta hai!

 

Wer mehr über Indien wissen will, dem empfehlen wir:

http://www.hinduunity.org/

http://www.indiaheadlines.com

http://www.the-hindu.com