Im Interesse des Weltfriedens und Deutschlands

ETIKA

Iran – Irak – Afghanistan - Arabien

www.etika.com
18.10.2002

5IR501

Waßmuß: Deutsche helfen Persern und Afghanen im Kampf um nationale Freiheit

Lehren aus dem 1. Weltkrieg für heute.

Waßmuß - der deutsche Lawrence
Auf Grund der Tagebücher und Aufzeichnungen des verstorbenen Konsuls, deutscher und englischer Quellen und des unter gleichem Titel erschienen Buches von Christopher Sykes von Dagobert von Mikusch
Büchergilde Gutenberg Berlin, 1937. 350 Seiten, 5 Fotos, 1 Karte.

 

Ein paar Splitter und Hintergründe, teils zusammenfassend, teils als Zitate:

 

Der Dschihad-Plan Enver Paschas

Es "sollte eine auserwählte Schar von Türken und Deutschen durch Persien bis nach Afghanistan vordringen und den Fürsten dieses wilden, stolzen, von England bisher nicht zu beugenden Bergvolks zum Anschluß an die Sache des Islams zu gewinnen suchen. Dann würde der Krieg bis an die Tore Indiens gelangen, die starke muhammedanische Bevölkerung dieses englischen Besitzes vielleicht zum Aufstand fortreißen und so das britische Weltreich in einem seiner Herzstücke treffen." (S. 60f.) Ähnlich dachte Kolmar Freiherr v. d. Goltz ("Denkwürdigkeiten", Berlin 1932)

 

Ende Dezember 1914 reiste Waßmuß zusammen mit dem bayerischen Generalstabsoffizier Oskar von Niedermeyer, den er in Aleppo traf, nach Bagdad. Ende Januar 1915 startete Waßmuß mit einer Karawane in Scheich Sa´ad am Tigris, unweit von Kut-al-Amara. Mit dabei waren drei indische Brahmanen, "denen es auf der Seele brannte, ihr Vaterland von der englischen Herrschaft zu befreien, und die sich nun unter Verkleidung bei den indischen, im britischen Sold stehenden Truppen einschleichen wollten. Sie hatten muhammedanische Namen angenommen und sich, da sie Hindu waren, und als solche nicht erkannt werden durften, von Dr. Lenders beschneiden lassen." (71) Vornehme Perser waren auch dabei: Nasir ul Mulk aus Schiras und Hassan Khan, ein Schwager des Stammesfürsten der Kaschgau, Soulet ed Doule. Sie unterstützten Waßmuß später. Ein weiterer junger Mann blieb dem Konsul in unverbrüchlicher Treue verbunden: der junge Mirsa Mohammed Khan Fatehsade aus Isfahan. (72)

 

Als die Türkei in den Krieg eintrat, besetzte ein britisches Expeditionskorps unter Sir Percy Cox Basra und Kurna. Persien erklärte sich neutral. Trotzdem drangen die Engländer auf persisches Territorium vor und sicherten die Ölleitung am Karun zwischen Muhammera und Ahwas. Die Stämme Südpersiens aber waren dem aus der Nähe von Goslar stammenden Waßmuß, Konsul in Buschir, gewogen. Dieser zog durch Luristan oder Puscht-i-kuh ("hinter den Bergen"), das Land der freiheitsdurstigen Luren.

 

Um die Wende 1915/1916 war Feldmarschall von der Goltz, Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Mesopotamien und Persien, in Kermanschah eingetroffen. Die Perser hatten deutsche Truppen erwartet, doch kam er nur mit zwei Automobilen. Graf Kanitz hatte in Mittelpersien (Sinna - Hamadan - Sultanabad) eine Front gegen die vorrückenden Engländer aufgebaut. Sie bestand aus Gendarmen, Glaubenskämpfern, Söldner, Stammeskriegern (Luren und Bachtiaren) sowie Kurden. Die deutsch-persische Militärmission bestand aus 30 Offizieren unter Führung von Oberst Bopp. Die Regierung in Teheran sympathisierte mit den Deutschen. England kam in eine schwierige Lage.

 

Das Gefecht bei Kengawer gegen die auf Bagdad vorrückenden Russen am 15. Januar 1916 ging bei Schneetreiben verloren. Für das Versagen der Stammesreiter, die die Flügel entblößt hatten, "um zu essen", fühlte sich Graf Kanitz persönlich verantwortlich. Er hatte in vorderster Reihe gekämpft und den Tod gesucht, war dann aber zutiefst getroffen in die Berge gegangen und ist seitdem verschollen.

 

Die Engländer hatten in Buschir Schwächen erkennen lassen. "Die Erfolge der Tengistani gegen sie hatten die Stämme im Küstengebiet bis nach Arabistan im Nordwesten einem allgemeinen Aufstand geneigt gemacht." Waßmuß wollte die wenigen englandfreundlichen Khane zur Unterwerfung zwingen. (214)

Herr von Schiras wurde Qawam II., ein Freund Englands. Er ließ die gefangenen persischen Offiziere oft nach grausamen Martern hinrichten. (221)

 

Wende in Mesopotamien: Kut-al-Amara mußte am 28.4.1916 kapitulieren, General Townsend geriet mit seiner Armee in Gefangenschaft.

 

Rußland und England wurden vom willfährigen Kabinett Sipahdar ermächtigt, an Stelle der zumeist national gesinnten Gendarmerie je eine Polizeitruppe von 11 000 Mann zu schaffen. Die Engländer stellten die Südpersischen Schützen (South Persia Rifles) auf. Doch Südpersien war ihnen gesperrt. "Auf ihren Kriegskarten hatten die Engländer quer über ganz Südpersien den Namen "Waßmuß" geschrieben, was besagte, daß ihnen dieses Gebiet von der Größe fast halb Deutschlands durch diesen einen Mann unzugänglich gemacht war." (226) Sie bereiteten eine Expedition mit nahezu tausend Kilometer Umweg nach Schiras vor; Leiter war Sir Percy Sykes, von nun an der Hauptgegenspieler der Deutschen.

 

"Das Wirken der Deutschen ist bei den Persern nicht ohne Einfluß geblieben und hat sicherlich dazu beigetragen, in ihnen das lange verschüttet gewesene nationale Empfinden zum Druchbruch zu bringen, wenn es auch lange dauerte, bis es zur Tat reifte." (230)

 

Unter anderem kam es als Folge der Tätigkeit eines gewissen Zugmayer in Persisch-Belutschistan zu einem Aufstand der Grenzstämme des Serhad. (230f.)

 

Der Deutsche Niedermayer inspiriert Afghanen zum Losschlagen gegen England

Auch Afghanistan war im Visier. Aber: "Da Persien an der Neutralität festhielt und auch kaum noch damit zu rechnen war, daß deutsche und türkische Truppen je Afghanistan zu Hilfe kommen würden, bestand keine Aussicht mehr, daß der regierende Emir Habibullah, trotz des Drängens seines Volkes, zum Losschlagen gegen England bewegt werden konnte." Doch noch nachdem die deutsche Mission verlassen hatte, galt die Lage in Afghanistan 1916 bei der britischen Heeresleitung als "äußerst ernst". Sie fürchtete den Kriegseintritt Kabuls. (231f.)

Ihre Sorge bestand zu Recht, denn: "... von britischer Seite wird es nicht zuletzt der Tätigkeit (Oskar von) Niedermayers zugeschrieben, wenn Afghanistan, nachdem im Jahr 1919 Emir Habibullah ermordet worden war und sein Sohn Amanullah den Thron bestiegen hatte, schließlich doch noch die Waffen gegen England ergriff und sich seine volle Unabhängigkeit erstritt." (233)

 

Zeitung "Neda i Haqq" weckt Nationalgefühl

1916 ließ Waßmuß in Borasdschan eine hektographierte Zeitung "Neda i Haqq" (Die Stimme des Rechts) drucken "zur Aufklärung und zur Erweckung des persischen Nationalgedankens". Waßmuß arbeitete unermüdlich daran, die Volkstimmung zu beeinflussen. Seine Zeitung rief den nationalen Widerstand wach und predigte die Auflehnung gegen den ins Land eingedrungenen Feind. Doch war Waßmuß der einzige, der es zuwege brachte, die widerstrebenden Elemente einigermaßen zusammenzuhalten. (244, 269f.).

 

Zwischendurch eine Kampfszene: Der treue Verbündete Nasir ed Diwan, das Oberhaupt von Kaserun, hatte von Waßmuß Verstärkung aus Tengistan erhalten. "Auch die Stämme nördlich von Kaserun schlossen sich ihm an. So trafen die Engländer bei dem ersten nach Schiras zu gelegenen Paß, dem Kotal e Piresen, auf entschlossenen Widerstand. Ihre wiederholten Angriffe scheiterten, und da sie schließlich umzingelt zu werden drohten, mußten sie sich zur Umkehr entschließen." (260)

 

Am 11. März 1917 besetzten die Engländer Bagdad. Wenige Monate danach erlag General Maude in dem gleichen Haus der Cholera, in dem eineinhalb Jahre vorher Feldmarschall von der Goltz an einer tückischen Krankheit gestorben war.

 

Eine kleine Abschweifung sei uns gestattet. Von letzterem berichtet Sven Hedin: "Er steht im 72. Lebensjahr. Ein Offizier sagte: ,Wir wundern uns, daß ernoch lebt. Er setzt sich den schlimmsten Gefahren aus.´Ein anderer Offizier: ,Man möchte fast glauben, daß er den Tod sucht. Aber die Kugeln weichen ihm aus." Den großen Türkensieg, bei dem das "Irak-Detachement" der deutschen Kriegsmarine auf dem Tigris mithalf, erlebte von der Goltz nicht mehr mit, als der britische General Charles Townsend sich mit 20 000 Mann in Kut el Amara ergab (29.4.1916). Umsonst kamen in Eilmärschen Russen zum Entsatz - quer durch das neutrale Persien. Marschall von der Goltz starb gerade 10 Tage vorher, am 19.4.1916, in Bagdad am Flecktyphus, den er sich beim Besuch Verwundeter im Lazarett geholt hatte. In den folgenden Jahren hatten die Briten, nach Churchill, bis zu 270 000 Mann weiße und indische Truppen in Mesopotamien. (Rudolf Stratz: Der Weltkrieg, Verlag Scherl Berlin, 1933, 263f.)

Noch ein Weltkriegssplitter:
1915: "Der Karst von Gallipoli (war) umsonst von den Blutströmen der Menschen aller Erdteile gerötet." (186) "Die Kämpfe auf Gallipoli, mit die blutigsten und grimmigsten des ganzen Weltkriegs, waren zu Ende. In einer Erdstellung fand man 2 Gerippe in Uniform ineinander verstrickt an die Wand des engen Grabens gelehnt vor: ein Türke und ein Engländer, die sich im Ringkampf gleichzeitig den Dolch ins Herz gebohrt hatten - ein Gleichnis der Wut des ganzen Streitens." (Rudolf Stratz: Der Weltkrieg, Verlag Scherl Berlin, 1933, 189)

 

Zurück nach Persien:

"Die Khane wurden keinen Augenblick in ihrer Treue zu Waßmuß schwankend. Das Bündnis, das auf seine Veranlassung geschlossen worden war, hielt. Nasir ed Diwan, der nun schon rings im Lande besungene Held von Kaserun, sperrte weiterhin den Engländern den Ausweg nach Süden, und diese waren ihm gegenüber machtlos. ... An eine allgemeine Erhebung war nicht zu denken, solange der mächtigste der südpersischen Stammesfürsten, der übervorsichtige Soulet ed Doule, sich abseits hielt." (270)

 

Anfang 1918: Englische Truppen halten den größten Teil des neutralen Persiens besetzt. Das nationale Bewußtsein im Volk regte sich stärker denn je. (275) Waßmuß verlegte sein Hauptquartier von Ahram nach Kaserun und bearbeitete die Südpersischen Schützen; deren Deserteure wurden rücksichtslos erschossen, was die Verbitterung im Volk steigerte. (276) Die Überfälle auf britische Etappenstationen nahmen zu. Ganz Fars geriet in Unruhe. Waßmuß brachte den Kaschgaifürsten Soulet ed Doule dazu, sich dem Bund der Stammesfürsten anzuschließen. Damit kam es zur allgemeinen Erhebung. (277) "Soulet ed Doule forderte alle Stämme und die ganze Bevölkerung von Fars zum Kriege gegen die Engländer auf - "zur Verteidigung des Islams in Übereinstimmung mit den Weisungen der Regierung". (278) Khan i Senian wird erobert. (281) Aber Soulet ed Doule zögert mit dem Angriff auf Schiras. (282) Aufstand in Schiras. "Die Geistlichen gaben schriftliche Weisungen aus, daß es dem Gesetz entspräche, jeden zu töten, der sich mit den Engländern eingelassen hatte." (283) Doch es fehlte an der Planung, die Erhebung sank in sich zusammen. Sie war zu spät gekommen. "Um das Recht der Erstgeburt verriet Serdar Ihtischam sein Land." Muhammed Ali Khan Kaschguli ging zu dem neuen Ilkhani über. (284f.)

 

Monate nach dem Waffenstillstand wurde Waßmuß mit seinem Mitstreiter Oertel gefangengenommen. Er war "dem Gegner zu einem Schrecken geworden", "eine schon legendenhafte Gestalt, der es fertiggebracht hatte, eine ganze feindliche Division in Schach zu halten, ein riesiges Gebiet während des ganzen Krieges dem Gegner zu sperren, immer von neuem Aufstände in Gang zu bringen". (315) Am 19.9.1919 war Waßmuß wieder in der Heimat.

Persien wurde jetzt Iran genannt (321). Die Regierung Sipahdar schloß mit England einen Protektoratsvertrag. Anfang 1921 stürzte Risa Khan mit 3000 Kosaken die englandfreundliche Regierung und verbündete sich mit dem bolschewistischen Rußland (322).

 

In der Heimat litt Waßmuß. "Das haltlose und der menschlichen Würde entbehrenden Treiben in der Reichshauptstadt während der ersten Nachkriegsjahre widerte ihn an." (324)

 

Er kehrte zurück nach Persien, wollte "ein Werk des Friedens und zukünftigen Wohlstands" aufbauen. Doch sein weitsichtiges Projekt einer Musterfarm für seine alten Freunde scheiterte kläglich. (329) Tücke zerstörte sein Werk. (347) Ein beschämendes Kapitel. Waßmuß: "Das Schönste ist, um einer großen Idee willen zu sterben." (348) Er starb mit 51 Jahren am 29.11.1931. (349)

 

Wie war es seinen Freunden ergangen? 1921 schrieb ihm Sajer Kheser Khan, das Oberhaupt der Tengistani, nach Berlin: "Der Krieg in der Luft und auf dem Boden ging jeden Tag weiter. Aber wie sie auch geschossen haben, vom Himmel die Räuber (damit sind die Engländer gemeint) und vom Boden die Verräter, sie haben ihren Willen nicht erreicht, sondern nur Schande davongetragen. ... schließlich haben wir die Engländer gänzlich aus dem Lande vertrieben". Bei diesen Kämpfen fiel Waßmuß´ treuester Anhänger, der alte Scheich Hussein von Tschakutah. (329)

 

*

 

Wer es noch nicht wußte: Um die Mitte 1917 "ist der Aufmarsch der Menschheit beendet. Neutral bleiben außerhalb Europas: Persien, Mexiko, Argentinien, Chile, Paraguay, Kolumbien, Venezuela und Salvador. Rechnet man die 6 Staaten dazu, die bis Kriegsende in Europa mit Gewehr bei Fuß verharren - Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande, die Schweiz, Spanien - so stehen von allen Menschen in diesem irdischen Jammertal kaum mehr 1/20 - 90 Millionen von 1800 - nicht im Weltkrieg! Alle anderen Erdenbewohner haben Partei ergriffen. 1 1/2 Milliarden sind wider Deutschland und seine Verbündeten. (Rudolf Stratz: Der Weltkrieg, Verlag Scherl Berlin, 1933, 277)

 

Anmerkung etika.com: Wer will uns da weismachen, daß die Alliierten im 2. Weltkrieg nur gegen Hitler und den Nationalsozialismus zu Feld zogen? Es ging in erster Linie gegen Deutschland und ums Erdöl, siehe Volck: Öl und Mohammed. Ein Glücksfall für die Gegner, dass Hitler regierte. Seine Fehler ermöglichten den dauerhaften Sieg der Alliierten.

Index 5