ETIKA

KURDISTAN

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11.4.2003

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Aktuell

 

Mustafa Barzani (14.3.1903 - 1.3.1979) - Symbol of freedom

Kurdische Adressen - Für freies Kurdistan - IrakIrak-Krieg

Die Chance auf einen Kurdenstaat – jetzt ist sie da (siehe 95K3I 4/2003)
Geschichte des kurdischen Freiheitskampfes
Historischer Rückblick der APA in den „Dolomiten, 11.4.2003: Der Vater des jetzigen KDP-Führers, hatte den Briten 1919 bei Sulaimaniya schwere Verluste zugefügt, war dann von ihnen ins Exil nach Indien geschickt worden. 24.12.1922 Absichtserklärung des Völkerbundes: Selbstverwaltung für Kurden in einem Teil des neuen Staates (nach Zerfall des Osmanischen Reiches nach dem 1. Weltkrieg). Barzani Gouverneur von Kurdistan. Briten stellten ihm aus taktischen Gründen ein unabhängiges Kurdistan in Aussicht. Versprechungen von Briten nie gehalten. Völkerbund 1925: Südkurdistan wird dem Irak überlassen. 1930 Aufstand. Die unter britischem Kommando stehende irakische Luftwaffe bombardierte viele Kurdendörfer. 1943 Barzani flieht aus britischer Haft. Neuer Aufstand. 1945 Barzani mit 10.000 Anhängern in den Iran. Dort unter sowjetischem Schutz eigene Republik von Mahabad. Nach Abzug der Sowjets Blutbad der Iraner unter den Kurden. Barzani ins Exil nach Moskau. August 1946 Gründung der KDP. Putsch 1958 gegen Haschemiten-Monarchie. General Abdelkarim Kassem. 1961 Aufstand mit CIA-Hilfe. Ab 1968 General Ahmed Hassan al Bakr und Baath-Partei. 1970 Waffenstillstand. 1972/74 Aufstand. Massen-Zwangsumsiedlungen. Barzani stirbt 1979. (D 11.4.2003)

Wieder Kurden gegen Kurden
Talabani sabotiert Abwehr der Türken und Staatsgründung
Divide et impera! Teile und herrsche! Ein uraltes, todsicheres Erfolgsrezept. Beliebt bei den Siegern des Ersten Weltkrieges, die nicht nur Tirol teilten, sondern auch anderswo das Selbstbestimmungsrecht der Völker missachteten, willkürlich Staatsgrenzen zogen und damit große Teile Afrikas und Asiens zur Armen Welt deklassierten.

Daueropfer dieses Mottos sind auch die Kurden. Ihre klügsten Köpfe verfolgten die Strategie, nach dem Untergang des Regimes von Saddam Hussein einen kurdischen Staat auszurufen. Aber mit Kurden lässt sich anscheinend kein Staat machen. Anstatt sich mit den anderen Kurden dem türkischen Erzfeind entgegenzustellen, der jeden Augenblick eindringen kann, kocht die Patriotische Union Kurdistans ihr eigenes Süppchen. Ihre Peschmerga bekriegen mit den USA, die gegen ein freies Kurdistan sind (Anm.: und am 24.3.2003 in Ankara mit einer neuen Zusage erneut ein früheres Versprechen gegenüber den Kurden gebrochen haben), die islamistischen Kurden von Ansar el Islam an der Grenze zum Iran. So werden die Türken das Rad der Geschichte wohl bald zurückschrauben.
(Kommentar in den „Dolomiten“, Bozen, 24.3.2003, le)

Anmerkung: Ansar el Islam (Partisanen des Islam, gegründet im Dezember 2001, ca. 1000 fundamentalistische kurdische Kämpfer) steht nach Expertenmeinung in Kontakten mit der iranischen Regierung. Chef Mullah Krekar wurde Mitte März in Norwegen festgenommen. Die Amerikaner bombardierten gnadenlos die Mittelgebirgsgegend an der Grenze zum Iran mit Cruise Missiles (Marschflugkörpern), wobei rund 50 Menschen ums Leben kamen. (ebd.)

Als der Schah Saddam Hussein küsste (eine notwendige Erinnerung)
“Zusätzlich zum langjährigen Konflikt um die Grenzziehung im Schatt-el-Arab (der nicht wie bei Grenzflüssen meist international üblich in der Mitte geteilt ist, sondern ganz vom Irak beansprucht wurde) hatte der 1974 wiederaufgeflammte Aufstand der irakischen Kurden weiteren Sprengstoff zwischen Bagdad und Teheran geliefert. Mehr als 150 000 Kurden waren angesichts des gegen sie von Bagdad geführten Vernichtungskrieges nach Persien geflüchtet. Die diskrete, aber wirksame Hilfe des Schah für den Kurdenführer Barzani war die iranische Antwort auf die intransigente Haltung des Irak im Grenzkonflikt.

Iran war das Fenster, durch das die Rebellion der sonst von aller Umwelt abgeschnürten Kurden zu atmen vermochte. Das hat sich mit der überraschenden Aussöhnung des Schah mit Saddam Hussein geändert, die auf der Ölkonferenz in Algier im März 1975 mit Umarmung und Bruderkuß sich auf Beilegung der Grenzstreitigkeiten verpflichteten. Das Opfer dieses Akkords wurden mit Absperrung der iranisch-irakischen Grenze die Kurden, denen nunmehr das Bagdader Regime »Kampf bis zum bitteren Ende« ankündigte. Dem Schah hat das Ende des Aufstands geholfen, einen Konflikt mit dem Nachbarn Irak zu beenden, der seinem Streben, Brücken zur arabischen Welt zu bauen, im Weg stand.

Moskau hatte dem Bagdader Revolutionsrat gewiß nicht zu dem gefährlichen Abenteuer geraten, das mehr als die Hälfte der irakischen Streitkräfte in Kurdistan band. Dennoch stand auch im Kurdenkrieg die Sowjetunion an der Seite des Irak. Seitdem sowjetische Ingenieure das größte südirakische Ölfeld ausbeuten dürfen und der Roten Flotte der irakische Kriegshafen Umm Qasr zur Verfügung steht, hatte sich das Wohlwollen des Kreml für die Kurden jäh vermindert. Moskau kommt es darauf an, das Baath-Regime ... um jeden Preis an der Macht zu halten“.
(Wolfgang Höpker: Wetterzone der Weltpolitik, Der Indische Ozean im Kräftespiel der Mächte, Seewald Verlag Stuttgart, 1975, Schriftenreihe der Studiengesellschaft für Zeitprobleme e. V., Bonn-Bad Godesberg, Militärpolitische Schriftenreihe Band 11, S. 82f.)

Kurden: Ohne Einheit keine Zukunft
Wieder stellen die Kurden das Gros der Flüchtlinge, die mit einem Schiff in Sizilien gelandet sind. Diesmal stammen die meisten nicht aus der Türkei, wo sie systematisch verfolgt werden, sondern aus dem Irak und Syrien. Weitere Angehörige des 25-Millionen-Volkes leben im Iran und in Armenien (zuvor Sowjetunion). Seit dem Ende des Ersten weltkrieges teilen sich fünf Staaten das Terrirtorium des zerstrittenen Bergvolkes auf. Vertreter der in Südtirol lebenden Kurden klagten, dass europa und die USA an die Unterdrücker Panzer, Minen und Giftgas liefern. Millionen sind aus der „internationalen Kolonie Kurdistan“ geflohen. Doch hat es einen Sinn, wenn noch mehr Millionen der Heimat den Rücken kehren? Dringlicher wäre es, die Ursachen der Not anzugehen. Und dazu wäre überlebenswichtig, dass sich die Kurden endlich einigen und einen eigenen Staat fordern. Gemeinsam sind sie stark, und die Sympathien vieler Völker und Minderheiten – darunter die Südtiroler – sind ihnen sicher.
(Kommentar von Rainer Lechner in den „Dolomiten“, Bozen, 19.3.2002, Seite 1)

Der Berufungsgerichtshof in der Türkei hat das Todesurteil gegen Abdullah Öcalan bestätigt. (26.11.1999)

Asilo in Italia al condannato Öcalan. Concesso dal Tribunale di Roma al leader curdo. (La Stampa, Torino, 5.10.1999)
Öcalan zum Tod verurteilt. Ein türkisches Gericht in Imrali hat den Chef der PKK, Abdullah Öcalan (49), am 29. Juni 1999 wegen Hochverrats und vieler Morde zum Tod verurteilt. Die Zeitungen brachten Fotos von jubilierenden türkischen Müttern, deren Söhne von kurdischen Freischärlern getötet wurden. Niemand aber sagte, daß die jungen türkischen Soldaten im besetzten Land bei der Bekämpfung eines fremden Volkes ums Leben gekommen sind.

Verbot der PKK würde Beobachtung erschweren. Der österreichische Innenminister Karl Schlögl sprach sich am 25. 2.1999 gegen ein Verbot der PKK oder ihrer Teilorganisationen aus. Ein Verbot würde die Aktivisten in den Untergrund drängen, die Beobachtung ihrer Strukturen wäre äußerst erschwert. Der Politiker bekannte sich vor dem Nationalrat in Wien zu einer Politik der Deeskalation, der Mäßigung und des Interessensausgleichs gegenüber den Kurden. Unterdrückten Volksgruppen müsse die Möglichkeit geboten werden, in zivilisierter Form für friedliche Lösungen ihrer Probleme einzutreten. Gewaltaktionen würden aber streng geahndet. 5KUR0005

Die PKK will härter gegen konkurrierende Kurdengruppen im Nordirak vorgehen. Dies geht aus einer Erklärung der kommunistisch orientierten Untergrundorganisation PKK hervor (Zeitungen vom 6.3.1999 APA, Reuters), die ihre Basis in der Türkei hat. Traurig. 5KUR0004

Südtiroler Bergvolk an der Seite der Kurden - Aktion Marah Durimeh. Die Basken wollen im Juli das kurdische Exilparlament in Vitoria tagen lassen, trotz der starken Einwände der Madrider Zentralregierung. Die Südtiroler Volkspartei und die Union für Südtirol haben deutlich gemacht, daß sie an der Seite der von den Türken blutig verfolgten Kurden stehen. Ob es dazu kommen wird, daß das reiche Südtirol ein paar Tausend Angehörige dieses freiheitsliebenden, sittenstrengen Bergvolkes aufnehmen wird? Vielleicht sollten seine führenden Köpfe daran denken, die Hilfe für die Dritte Welt endlich auf die wirklich notleidenden verfolgten Christen im Sudan und in anderen Ländern zu konzentrieren und vielleicht auch jenem stolzen Bergvolk der Kurden Hilfe anzubieten - eine Aktion Marah Durimeh frei nach Karl May. (Suchtip: Unter ETIKA 2 Personen Link zum Karl-May-Museum Radebeul.) Kurden nach Südtirol - nicht als Einwanderer, sondern als Freunde und Gäste, bis es ein freies Kurdistan gibt. In der Türkei werden Kurden, die sich nicht integrieren wollen, nach allen Regeln der Kunst diskriminiert. Schon der berühmt-berüchtigte laizistische Staatsgründer Atatürk ließ die Anführer der Kurdenaufstände aufhängen. (Pressemeldungen vom 17.2.1999) Vielleicht wäre es der Landesregierung in Bozen aufgrund der Autonomie in Absprache mit der gegenwärtigen, nicht kurdenfeindlichen Regierung in Rom sogar möglich, politisch verfolgten Kurden hierzulande Asyl zu gewähren. Reine Wirtschaftsflüchtlinge aus anderen Ländern fänden wohl auch anderswo ein Zuhause. Voraussetzung für eine Aufnahme von Kurden wäre natürlich, daß sie sich verpflichten, die Tierschutzgesetze unserer Zivilisation anzuerkennen und auf das grausame Schächten von Tieren zu verzichten. 5KUR0003 (0I5059)

Der Kurdenführer Abdullah Öcalan ist von der griechischen Botschaft in Kenia den dortigen Behörden übergeben und in die Türkei gebracht worden. Bei der Aufspürung Öcalans soll laut Rundfunkmeldungen vom 16.2.1999 auch der israelische Geheimdienst mitgewirkt haben (der amerikanische sowieso, sind doch die Amerikaner die Freunde der Türken, die sie in der Zeit des Kalten Krieges als Vorposten gegen die Sowjetunion brauchten). Früher einmal hatte Israel die Kurden unterstützt. Aber da handelten die Israelis wohl aus strategischen Erwägungen, um die Stabilität in den arabischen Feindländern zu untergraben. Wir stehen zwar schon seit seines Vaters Mustafa Zeiten auf seiten des traditionalistischen Kurdenführers Massoud Barzani (KDP) und haben die militärischen Aktionen der kommunistischen PKK immer mit Skepsis betrachtet, doch darüber darf man nicht vergessen, daß die Kurden in der Türkei einer mörderischen Unterdrückungspolitik Ankaras ausgesetzt sind und zur Notwehr berechtigt sind. Unsere Solidarität gehört weiter der geknechteten, aus vielen Stämmen bestehenden und leider innerlich zerstrittenen kurdischen Nation. Die Moslems ermahnen wir erneut, die kurdischen Christen und Jeziden zu achten. 5KUR0002 (0I5058)

Im Fall Öcalan schließen wir uns der Meinung des Kurienkardinals Achille Silvestrini an: Menschen, die für ihre politischen Überzeugungen kämpfen, sollten Anspruch auf politisches Asyl haben. Auch wir sind der Auffassung, wie an anderer Stelle dargelegt, daß die 20 bis 30 Millionen Kurden ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Einige von ihnen kämpfen seit 80 Jahren dafür, andere wären mit einer Autonomie zufrieden. Die Kurden sind verstreut auf die Türkei, den Irak, Syrien, Iran und Armenien (Presseberichte 18. und 23.11.1998 APA u. a.) .Die Kurden sollten sich auf den Traditionalisten Massoud Barzani als Führer einigen.. 5KUR0001 (0I5033)

 

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