ETIKA

Völkerverständigung

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5.5.2003

5KUR5

Gottfried Müller: Im brennenden Orient

Wir danken Gottfried Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu verbreiten

Als Deutsche Kurden zur Freiheit verhelfen wollten

 

Teil 1 Unternehmen Mammut (nachstehend)

Teil 2: Das Hohe Lied der Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid
Teil 3: Über Mossul nach Erbil – Jä-allah!

Teil 4: Verrat
Teil 5: Maadi
Teil 6: „Come on bloody bastard“ – Müllers Tod
Teil 7 In Bagdad
Teil 8 Eingekerkert im Heiligen Land
Teil 9 Verräter in Berlin
Teil 10 Flucht nach Kairo
Teil 11 Ausbruch
Teil 12 Sadismus in Potenz
Teil 13 Heimfahrt
Teil 14 Bruderschaft Salem

 

 

Unser Freund Gottfried Johannes Müller leitete im Frühjahr 1942 in Stambul einen Spionagering. Zu dieser Zeit begann das Öl bei der Deutschen Wehrmacht knapp zu werden. Gleichzeitig standen die deutschen Truppen vor Baku und sahen schon die Bohrtürme der riesigen Ölgelder. Aber sie kamen im Kaukasus nicht weiter.

 

Als junger Bursch war Müller auf seinen Wanderfahrten nach Palästina gekommen. Es zog ihn dann auch nach Bagdad und in die hohen, wilden Berge Kurdistans. „Wer Abenteuer sucht, braucht nur dorthin zu gehen“, berichtet er auf Seite 12 in seinem für die Freunde der Bruderschaft Salem geschriebenen Buch „Im brennenden Orient“ (2. Auflage 1974, nicht im Buchhandel erhältlich). Nachstehend Zitate, zum Teil gekürzt und zusammengefasst, aus dem fesselnd geschriebenen Buch:

 

Ich schrieb an das Oberkommando der Wehrmacht:

 

„Betrifft: Oelgebiet Kurdistan. Ich bitte das Oberkommando, mich wegen wichtiger Nachrichten ueber das Oelgebiet von Kerkuk und Mossul zu vernehmen.“ 

 

Meldung an Feldmarschall Keitel, Chef des Wehrmacht-Führungsstabes:

 

„Ich bin befreundet mit den Chefs der dortigen Kurdenstämme. Es ist mir moeglich, mit deren Hilfe das kurdische Oelgebiet zu besetzen und einen Aufstand gegen die englische Besatzungsmacht herbeizuführen. Ich kann das Oelgebiet dann ein bis zwei Wochen lang halten, müsste dann aber von deutschen Luftlandetruppen entsetzt werden.“

 

Die Türken, Russen, Perser und Araber haben dieses Land unter sich aufgeteilt, allerdings nur theoretisch, denn in Wirklichkeit sind die Kurden durchaus Herren ihres wilden Landes... Kein Fremder, dem sein Leben lieb ist, wagt sich ins Innere Kurdistans. ... Die Kurden sind unschädlich, solange sie ihre Rinder und Schafe weiden und - - solange niemand da ist, der sie anleitet und ihnen zeigt, wie man ein freies Volk werden kann!

 

„Müller-Effendi“, hatte damals Scheich Mahmud gesagt, als ich ihn in Bagdad kennenlernte, „Kurdistan liebt Fremde nicht. Sie kommen und gehen nicht wieder. Sie sind Feinde, alle Fremden sind Feinde. Wir handeln danach. Aber du bist unser Bruder.“ ...

 

So durchritt ich Kurdistan, geführt von Söhnen und Dienern Scheich Mahmuds – und gewann es lieb.

 

Wenn ich die Kurden für meinen Plan, den Engländern das Oelgebiet von Kerkuk und Mossul abzunehmen, gewinnen wollte, dann musste ich ihnen dafür etwas Außerordentliches bieten. Was konnte ich bieten, um die Kurden zu bewegen, das Oelgebiet mit Waffengewalt zu besetzen und es den Deutschen in die Hände zu spielen? Viel Geld? Hatte ich nicht. Wir Deutschen waren ein armes Volk, besonders nach drei harten Kriegsjahren.

 

Ich brauchte nicht lange darüber nachzudenken, was ich ihnen bieten könne: Ihre absolute Freiheit, Befriedung ihres Landes, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau,  Schaffung eines Wohlstandes. Kurdistan sollte inmitten der Völker einen würdigen Platz erhalten.

 

Dies ist das Höchste und Hehrste, was den Kurden in Aussicht gestellt werden kann. Sie möchten es gerne haben, schaffen es aber ob ihrer Uneinigkeit aus sich heraus nicht. Man muß ihnen helfen. Aber wer ist bereit, es zu tun? Bisher fanden ich nur solche Machthaber, die ein Interesse daran hatten, die Kurden kulturell und wirtschaftlich so klein wie möglich zu hatten. Ist ja auch kein Wunder, denn am Rande Kurdistans liegt doch Oel! Nur die Kurden nicht auf den Geschmack bringen, dass man durch Oel Geld, viel Geld, verdienen kann!

 

Ich aber wollte zu den Kurden sagen: "Die Oelfelder liegen auf eurem Gebiet. Sie gehören euch. Ihr könnt sie aber selbst nicht ausbeuten. Verkauft uns das Oel und wir bezahlen euch dafür reichlich, ja verhelfen euch außerdem zur Selbständigkeit. Ich selbst werde euch helfen, euer Land so rasch als möglich aufzubauen."

 

Unternehmen Mammut

 

So war meine Lebensaufgabe klar vorgezeichnet: den Deutschen zu Oel zu verhelfen und den Kurden zu Freiheit und Wohlstand.

 

Das Unmöglich scheinende gelang: Meine Organisation fand in Stambul einen, wie er nicht besser sein konnte: Ramzi, den kurdischen Fürstensohn aus Erbil, dessen Stämme ungefähr dort liegen, wo wir vorhatten abzuspringen: in den Bergen oestlich des Oelgebietes von Kerkuk.

 

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