ETIKA

Völkerverständigung

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8.11.2002

5KUR5B

Als Deutsche Kurden zur Freiheit verhelfen wollten
(II)

Wir danken Gottfried Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu verbreiten

Teil 1 Unternehmen Mammut

Teil 2: Das Hohe Lied der Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid (nachstehend)
Teil 3: Über Mossul nach Erbil

Das Hohe Lied der Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid

 

Mit Ramzi im „Bodental“ an der deutsch-slowenischen Sprachgrenze. Übungsmarsch zur Klagenfurter Hütte. Anschläge slowenischer Partisanen. Fallschirm-Probeabsprünge von Ju 52. Ein Dutzend mutige Teilnehmer für Kommando gefunden. Ranzi kennt alle Kurdenhäupter.

 

(54) Ramzi ist vorsichtig, schlau, gerissen und mit allen Wassern gewaschen ... der beste, der allerbeste Mann, den ich für meinen Plan finden konnte. ...

 

Ich werde dich nicht enttäuschen, mein guter Freund! Treue um Treue! Du sollst Herr der kurdischen Berge werden, Ramzi! Ich will dann, wenn es soweit ist, alles tun, um die Scheichs unter Deiner weisen, tatkräftigen Hand zu vereinigen, sei es mit Güte, mit Geld oder mit Härte. Kurdistan soll ein freies Land mit Wohlstand werden... Ich will Dir freudig mit Rat und Tat zur Seite stehen.  H e r r  aber sollst Du sein!

 

(55) Vor dem Handstreich müssen die Kurden reichlich mit Waffen und Munition versorgt werden und zwar werden sie nicht nur Gewehre, sondern auch Maschinenpistolen, Maschinengewehre, Panzerabwehrkanonen und leichte Luftabwehrgeschütze erhalten. Auserlesene Stammesleute werden wir durch meine deutschen Kameraden ausbilden lassen. Ausbildung tief im Innern der Bergwelt in vollkommen menschenleerer Gegend.

 

(58) Deutschland wird nicht als Unterdrücker und Ausbeuter, sondern als Freund und Berater kommen. Sobald die deutschen Truppen dann gelandet sind ..., werde ich mich mit Ramzi und meinen Leuten sofort vom militärischen Sektor zurückziehen, um mich dem friedlichem Aufbau Kurdistans zuzuwenden. Wir werden Kurdistan erschließen, d. h. Straßen, Eisenbahnen und Kanäle anlegen, Kurdistan befrieden; die (59) ewigen Kriegereien untereinander müssen ab sofort aufhören. ... Polizeiposten... der ruhelose Teil der Kurden fest angesiedelt. Geld für den Aufbau des Landes müssen die Ölfelder bringen. Es wird weise sein, auch die Iraker, also die Araber, an diesem Ölreichtum zu beteiligen. ... Nun muß das Land großzügig aufgeforstet werden. ... Staudämme ...

 

(62) So warten wir Tag um Tag auf den Führerentscheid. ... Inzwischen wird es dort unten heiß und heißer ... Dann kommt Stalingrad! Die deutschen Truppen müssen sich aus dem Kaukasus zurückziehen! ...

 

(63) Juni 1943: ... flogen wir mit dem „Condor“ zum Ausgangspunkt am Schwarzen Meer.

 

(64) Für den Einsatz des Unternehmens Mammut erhielt ich den Majors- und die beiden deutschen Kameraden den Leutnantsrang. Ramzi flog in der Uniform und mit den Ausweisen eines deutschen Feldwebels und führte den pompösen Namen Maier.

 

(67) Obwohl wir unsere Uniform tragen, befinden sich in unseren Hosenbeinen versteckt kurdische Kleider. Unsere Köpfe sind schon auf kurdisch frisiert, d. h. das Haupt ist total glattrasiert und im Gesicht hat jeder einen typischen Kurdenbart.

 

(68) Einsatz. ... längst über dem Schwarzen Meer. Wir stiegen und stiegen – in die Nacht hinein, in die Eiseskälte. (69) Sind auf viertausend Meter Höhe. „Wo sind die Sauerstoffmasken?“ Sichtlich verlegen antwortet ein Mann der Besatzung: „Es sind keine da!“ Ich bin verzweifelt. (70) Der „Absetzer“: „Ich helfe Ihnen mit meinem Sauerstoff. Wir lassen den Schlauch reihum gehen... jeder zwei bis drei Züge. Aber bitte nicht mehr, sonst reicht es mir nicht nach Hause!“ ... greift uns eine grimmige Kälte an. ... sitzen wir frierend und schlotternd aneinandergekauert da, bereit, hinunter in die Nacht zu stürzen. Ins Nichts. In den Abgrund...

 

(71) Immer mehr beschleicht mich eine grauenvolle Angst. Was ist denn das ? Habe ich denn jemals Angst gehabt? ... Was kann ich (72) schon noch selbst machen, ich armer kleiner Wicht in der Ecke des „Condor“ hoch oben in eisiger Kälte!?

 

Da tue ich etwas längst Vergessenes: Ich falte bescheiden die Hände und spreche einige Worte aus dem Lied, das ich einmal in meiner Kindheit gelernt habe: “So nimm denn meine Hände und führe mich...“ Schicksal! Gott! Wo und wie immer Du auch bist: Nimm Du von jetzt ab meine Hände und führe mich!

 

Da, ein Signal! Fertigmachen zum Absprung. ... (73) Schon bin ich in der Türe und sp..., will springen wie geübt. Aber der tolle Luftzug haut mich an den linken Türrahmen. Klebt mich fest. Ich komme nicht weg. Nur einen Augenblick. Dann schieße ich unter einem derben Fußtritt von hinten hinaus ins Leere. Sekundenlanges Durcheinanderwirbeln. Dann schaue ich nach oben: Der Fallschirm hat sich geöffnet... Unheimliche Ruhe nach dem stundenlangen Motorenlärm. Dort fliegt er schon weg, der „Condor“. Wo sind die anderen? Über mir seitwärts gestaffelt sehe ich zwei, dann drei Schirme. Wo sind die Behälter? ... Schreck!!! Mir droht das Herz stehen zu bleiben. Unter uns ein Fluß! Ein breiter Fluß! Genau unter uns! Noch sind es tausend Meter. Wir sind ja so vollbeladen, dass wir versacken, versaufen würden wie Steine ... Herrgott, hilf uns!!!

(74) Wir sind zum Glück abgetrieben. Kaum kann ich mich fassen, da haut es mich auf die Erde, ich überschlage mich. ... Myriaden kleinster Stechmücken ... (75) Hundegebell. Also muß ganz in der Nähe ein Dorf liegen. Zum Aus-der-Haut-fahren! ... auf einem Stoppelacker gelandet... Schwach sehen wir am Horizont die Konturen der Berge...  Wo sind Kameraden und Behälter? Nach stundenlangem Herumtappen, Schleichen, Horchen, Spähen finden wir uns zusammen.

 

(76) Da stürzt auch schon Ramzi mit wilden, flackernden Augen auf mich zu und faucht mich an: „Herr Kommandant, wo sind wir?“ „Falsch abgesetzt.“ Welch bittere Erkenntnis, plötzlich zu wissen:  Das  Unternehmen  ist  gescheitert .  Es wird vollkommen unmöglich sein, auch nur einen einzigen der vier Lastenbehälter zu bergen. ... Bewohntes Gebiet.

 

(77) Flucht in die Berge. Wir verstecken die Fallschirme, dazu die Uniformen mit allem Drum und Dran. Kurdenkleidung angezogen, Turban aufgebunden, alte Latschen an die Füße, militärischen Ausweis für den letzten Notfall in die Tasche... Ist man in Feindesland und bewegt sich auch noch in Zivilkleidung, stellt man sich damit außerhalb jeden Kriegsrechts und wird – wenn man erwischt wird – in den nächsten fünf Minuten erschossen, oder am nächsten Baum aufgeknüpft. Das ist uns klar. 

 

(78) Wo sind wir? In der Türkei? Im Irak? In Persien? In Syrien?  In Russland?

Hier beginnt ein Hohes Lied der Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid! Vorläufig war meine Rolle als „Kommandant“ ausgespielt und (79) Ramzi übernahm ob seiner Sprach- und Landeskenntnis die Führung! ...ein Dorf ... eine große Polizeistation ... sehen wir einen alten Mann auf einem Äckerlein allein arbeiten ... Ramzi wird irgendetwas in den Bart murmeln, das so ähnlich wie der Gruß „Salam“ oder „Saida“ (Friede sei mit dir!) klingen wird. Aus dem Gegengruß wird er wissen, welche Sprache und welchen Dialekt jener redet. Dann wird er  in türkisch, kurdisch, arabisch oder persisch und darin wieder in dem betreffenden Dialekt antworten  ... irgendeine Geschichte erzählen...

 

(81) Ramzi: Aus dem Bauern habe er völlig unauffällig herausgebracht, dass wir uns an der türkischen Grenze, aber noch auf irakischem Boden befänden. Ob wir nicht die Frau gesehen hätten, die auf einem Esel daher geritten sei!? Es sei eine nestorianische Kurdin gewesen; dies hab er an den eigenartig bunten Bändern am Kleid erkannt; diese urchristliche, kurdische Sekte der Nestorianer wohne am Oberlauf des Tigris. Leider führe über den reißenden Fluß weder eine Brücke, noch sei ein Boot da. ...

 

(82) Dreißig bis vierzig Kilometer entfernt liegt Mossul. Dort ist eine Brücke. Diese wollen wir rasch und frech überqueren. Dann auf schnellstem Weg dahin, wo noch am ehesten Aussicht auf Sicherheit ist: zum Stamm Ramzis, nochmals etwa 150 Milometer von Mossul, nordwärts in den Bergen...

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