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ETIKA |
Völkerverständigung |
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5KUR5E |
Als
Deutsche Kurden zur Freiheit verhelfen wollten |
Wir danken
Gottfried Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im
Internet zu verbreiten |
Teil 2: Das Hohe Lied der
Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid
Teil 3: Mit Ramzi nach Erbil
Teil 4 Die Schmugglerbande
Teil 5 Maadi
(nachstehend)
Teil 6 „Come on bloody bastard“ – Müllers Tod
Teil 7 In Bagdad
Gewidmet allen politischen Gefangenen aller Zeiten und
Länder,
die Taliban in Guantanamo natürlich eingeschlossen
Maadi
(131) Mitten hinein in
diese Tage platzte eines Morgens die Nachricht, dass mich der irakische
Polizeichef, ein General, verhören wolle. ...Wie ist denn der Name des
Generals? Antwort – und ich werde blaß: ein Engländer. Ich ahne, dass nun eine Macht hereingreift, die
mich und uns vernichten will. Aber Haltung und
eiserne Disziplin! ... Kreuzfeuer. Heute fünf, morgen sieben Stunden Verhör.
Der irakische Polizeichef versteht sein Geschäft. Dann ist´s vorbei und drei lange Wochen verstreichen...
(132) Eines
Morgens, sehr früh, war die höfliche Art, mit der uns der Irak behandelt hatte,
jäh zu Ende. Englische Soldaten, grobschlächtig, wie Metzgergesellen, drangen
bei mir ein, schleppten mich in ein Auto... Rasende Fahrt... Flugzeugmotoren
heulen!... Maschine rollt und hebt sich
in die Luft.
Dem Sonnenstand
nach zu schließen geht es nach Westen. ... einer Meeresküste entlang ... drei
wohlbekannte Pünktchen: die Pyramiden von Gizeh.
In diesem
Augenblick muß mir wohl alle Farbe aus dem Gesicht entschwunden sein; in dem
Moment als ich erkannte: British Headquarters Middle East! Nun wird es durch ein fürchterliches
Verhör gehen und dann kommt das Ende. Das Ende muß kommen, weil auch im
umgekehrten Falle englische Kommandos von den Deutschen sofort erschossen
wurden.
Wir landen weit draußen
vor Kairo; dann fährt man mich in ein großes Camp, es mag 20 Quadratkilometer
groß sein. Baracken, Übungsplätze und wieder endlose Baracken, Stacheldraht
hier und Stacheldraht dort.
Türen öffnen sich
und schließen sich hinter mir. Auf. Zu. Auf. Zu. Da stehe ich in der prallen
Sonne. Muß warten. Habe ohnehin schon vorher Durst gelitten. Nun (133) lässt
man mich braten Ich bitte um einen Schluck Wasser. Höhnisches Grinsen.
Es gibt in
Kurdistan ein Sprichwort: „Selbst eine Schlange tötet man nicht, solange sie
Wasser trinkt!“ So denkt der Orient. ... Vermag ein Europäer überhaupt noch zu
lieben?
Dann kommen
Verhör-Offiziere und leiten sieben Monate ein, Monate, über die man das Wort
Wahnsinn setzen kann. In diesen Verhör-Baracken war der Wahnsinn zu Hause.
Als ich nach einem Jahr meine
einst so kräftigen, gesunden, fröhlichen Kameraden wiedersah, waren zwei
wahnsinnig geworden. Ich wusste es erst
nach Monaten, dass die anderen vom „Unternehmen Mammut“ auch nach „Maadi“
gekommen waren, zur „interrogation“, zum „Verhör“. ...
Wie oft wurde ich
schon nach unserer „Behandlung“ in jenen Schreckenstagen gefragt. Ich kann es
nicht wiedergeben. Man würde sich nichts darunter vorstellen können. Aber ganz
gewiß nicht sind es Prügel, die einen wahnsinnig machen. Prügel gibt es auch, aber das ist das
Primitivste. Wirken nur bei den (134)
Größten
Hasenfüßen. Man gibt ihnen ein paar schallende Ohrfeigen und sie sagen alles,
alles... Nur, um nicht mehr geschlagen zu werden.
Aber bei
anderen bewirken Schläge genau das Gegenteil von dem, was die Verhör-Spezialisten erreichen wollen: Widerstand! Nun
erst recht nicht!
Das erste Wort,
das mir einer der Verhöroffiziere in
der Zelle mit höhnischem Grinsen sagte, lautete wörtlich:
„Wir kennen die Verhörmethoden
der russischen GPU ganz genau! – Hä hä hä!“
Dann sagte er
vollkommen tonlos, wie so ganz nebenbei und nur vor sich hin:
Daraufhin
blinzelte er mich an und sagte nichts weiter.
Er hatte den Nagel
auf den Kopf getroffen.
Oh wie klug war
das ausgedacht: alle Achtung vor eurem Können, aber wehe mir! Wenn ihr schon
dieses – sozusagen letzte – Geheimnis wisst, was wisst ihr dann überhaupt noch
nicht?
Wie, wenn sie mit
diesem Notschlüssel Funkverbindung zu „Hansel“ aufnehmen? Sie können doch auf diese Weise
von ihm erfahren, was sie wollen.
Ja, sie können
sogar die ganze Gruppe samt Material nachkommen lassen... Es ist nicht
auszudenken...
„Interrogation“ (d. h. Gefangenen-Verhör) ist eine
Wissenschaft. Zwar eine teuflische. Aber sie ist zu erlernen. ...
Ob groß, ob klein,
ob dick oder dünn, ob klug oder primitiv - - -Jeder --- jeder!!! Findet in
(135) der Verhörzelle seinen Meister. Und jedem kann man den Verstand abnehmen. Jedem!!! Es wird eben ausprobiert, bis es klappt. Der eine wird wie
ein Fürst behandelt und
bewirtet. Er erhält alles, was er wünscht, bis er ausgesagt hat. Dann
wird er genauso als Dreckhund behandelt wie die übrigen Häftlinge. Ein
anderer wird auf die schmale Kost gesetzt, dass er seine rein physischen
Widerstandskräfte bald verloren hat.
Wochen- und monatelange
Dunkelhaft sind beliebte
Heilmittel für verstockte Gefangene.
Oder: Eines Nachts
wird die Zellentür aufgerissen, der Gefangene aus dem Schlaf herausgerissen,
gefesselt und in ein Auto gezerrt. Schläge. Püffe. Flüche. Rasche Fahrt, hinaus
in die Wüste. Schweigend. Aussteigen:
„Stay there!“ Dorthin stellen.
An den Pfahl. Das
Exekutionskommando stellt sich auf. Befehle. Ein Offizier steht dabei, die Uhr
in der Hand.
„In zwei Minuten werden Sie
hingerichtet.“ Pause.
„Falls Sie noch etwas auszusagen haben sollten...“ Pause. „Noch eine Minute –
40 Sekunden – 30 – 20...“
Die Gewehre werden
hochgerissen.
„Sie haben
also nichts mehr zu sagen. O. K. – Ich habe es gut mit Ihnen gemeint. Sie
hätten Ihr Leben vielleicht noch – na ja – zehn Sekunden – fünf – Achtung!
Ffff...“
„Du dummes Schwein stehst da und glaubst,
einen Heldentod sterben zu dürfen! Nein, mein Lieber –aber das war eine Kostprobe, damit du eine Ahnung
davon bekommst, was wir mit dir noch alles machen werden.“
Und mit Schlägen,
Püffen und Flüchen geht es zurück in die Zelle.
Da hat einer ein
Geheimnis. Das will er unter keinen Umständen preisgeben. Er hat mit niemand
darüber gesprochen. Er wird verhört – verhört. Eines Tages wird ihm dieses
Geheimnis auf den Kopf zugesagt. Der Mann bricht zusammen. Der Widerstand ist gebrochen. Wenn (136)
die Verhörleute das herausbekommen, was er niemandem gesagt hat, dann
lieber gleich alles verraten, damit die Quälerei ein Ende hat. –
Und wie war das
möglich? Gibt es nicht merkwürdige Menschen genug, die in Friedenszeiten im
Zirkus, im Varieté auftreten und ihre Kunststücke des Gedankenlesens, der Hypnose und ähnlicher Dinge zeigen? Nun, im Krieg
setzt man sie eben hier ein.
Ins Abendbrot ein Schlafpülverchen — --
und man kann mit dem Mann machen, was man will. Und nichts weiß
er am Morgen. Auf Fragen hat er im Schlaf hemmungslos geantwortet.
Und dann: Gibt es
jetzt nicht chemische Mittel, mit deren Hilfe man einem Menschen den
Willen nehmen kann...?
Oder: Im Fenster
der Verhörzelle sitzt eine große, glänzende – schwarze Katze. Wie zufällig. Aber wie klug berechnet.
Wie viele Menschen geben ihren Widerstand auf – nur aus Aberglauben: Eine
„schwarze Katze“ zum Verhörbeginn, das muß ja schief gehen!
„Zellenspione“ sind immer noch eines der besten Mittel, den
Gefangenen zu Fall zu bringen. Ich habe sie auch erlebt, zwei Meister ihres
Fachs.
In zerrissener,
stinkender, dreckiger Sträflingskleidung lag ich in meiner Zelle. Kaum gab es
etwas zu essen. Hungerkur! Hunger! Hunger!
Selbstmord war
unmöglich. Raffiniert war alles ausgeklügelt. Als dann ein pausenloses Verhör
über mich hereinbrach, verging mir buchstäblich „Hören und Sehen“.
Ich war nahe
daran, meinen Verstand zu verlieren. Vor allem wollte ich gewisse Dinge unter
gar keinen Umständen aussagen. Dabei bewies man mir jedoch zu meinem größten Erstaunen,
dass die Engländer massenhaft Dinge aus unseren Generalstäben wußten,
wie ich es nie, (137) für möglich gehalten habe. Wie – ist - das möglich? Fragte ich mich immer wieder.
Woher können diese Leute so enorm viel über uns wissen? Das kann doch nicht mit
rechten Dingen zugehen.
Ich versuchte, die
Aussagen zu verschleiern, auf deutsch: mich herauszulügen. Außerdem wollte ich alle Aussagen
möglichst in die Länge ziehen. Jeder Tag ein Gewinn! dachte ich.
Wochenlang gelang
mir dies trotz tagelangen scharfen Kreuzverhören.
Immer mehr und
mehr bewies man mir aber, dass ich da und dort gelogen hätte, und man sagte mir
die wirklichen Tatsachen auf den Kopf zu.
Dennoch konnte ich
mich in wichtigen Dingen immer noch herausreden. Die Geheimnisse, die ich unter
allen Umständen verbergen wollte, hatte ich immer noch nicht ausgesagt.
Dann kam ich vor
ein Kriegsgericht und
wurde kurzerhand zum Tod durch Erhängen verurteilt.
Die Würfel waren gefallen.
Die Würfel waren gefallen. Mir soll´s recht sein. Lieber tot als diese
fürchterlichen Verhöre noch länger mitmachen! Nur, die schwarze Kappe, die man
einem über den Kopf zieht, bevor es an den Galgen geht, die ist mir reichlich
widerlich...
So denke ich
gerade noch, als der leitende Verhöroffizier vortritt und sagt:
„Wir betrachten Sie von jetzt an als tot, hängen Sie aber erst auf, wenn
wir aus Ihnen alles herausgebracht haben; du dreckiges deutsches Schwein!“
„Jetzt ziehen wir andere Verhörmethoden
auf, darauf kannst du dich verlassen!“
Dann werde ich
wieder im Marsch-Marsch in meine Zelle zurückgeprügelt.
Der Mann hatte
recht: Bisher waren die Verhöre nur Kinderspiel gewesen.
Fortsetzung folgt