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ETIKA |
Völkerverständigung |
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5KUR5F |
Als
Deutsche Kurden zur Freiheit verhelfen wollten |
Wir danken Gottfried
Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu
verbreiten |
Teil 2: Das Hohe Lied der
Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid
Teil 3: Mit Ramzi nach Erbil
Teil 4 Die Schmugglerbande
Teil 5 Maadi
Teil 6 Als Gottfried Müller starb (nachstehend)
Teil 7 In Bagdad
Warum wir siegen
werden:
Die Welt, von der die Amerikaner und Briten nichts wissen
Why the victory will be our´s:
The inner world which the Sex-, Crime- and Bomb-Americans
and Britains don´t know
„Come on bloody bastard“ -
Als Gottfried Müller starb
(138) Als die
Verhöre nicht mehr auszuhalten waren, erfand ich doch noch einen Weg, mich
von dem Leben, das ja kein Leben mehr war, loszureißen.
Außerdem war ich jetzt
nahe dem Punkt, wo ich die erwähnten Geheimnisse hätte zwangsläufig aussagen
müssen. Und. das wollte und wollte ich nicht. Lieber sterben! Nur kein Verhör
mehr! Nur nicht das aussagen müssen, was ich nicht aussagen will!
Bevor man mich zum
nächsten Verhör abholt, muß alles vorbei sein. Sterben muß ich ja sowieso,
dann lieber schon jetzt, ohne noch vorher wichtige Dinge ausgesagt zu haben.
Soll ich es tun? Soll
ich es nicht tun?
In zwei bis drei Sekunden
wäre aller Schmerz und alles Leid zu Ende. Dann wäre ich frei!
Aber man darf sich doch
nicht selbst das Leben nehmen! ? Oder muß ich es in meiner Situation tun?
Ich höre
Soldatentritte. . . Sie nahen sich meiner Zellentür.
Sicher soll ich wieder
zum Verhör geschleppt werden!
Also muß es vorbei
sein. . . .
Ja - - nein - - ja - -
nein - - so geht es blitzschnell durch mich hindurch. Hin und her.
Da saß ich
zusammengebrochen auf meinem harten Lager und rang mit mir. Ach, wenn ich nur
einen Augenblick hätte ganz ruhig sein können! Was hätte ich für einen einzigen
Moment der ruhigen Überlegungsmöglichkeit gegeben!
Aber die Gedanken
durchrasten mich wie ein Wirbelsturm und das Ich, ich der Mensch, die
Persönlichkeit, fing an, sich aufzulösen.
Da saß ich nun. Konnte
nicht einmal mehr beten. Es war nur noch ein dumpfes Stöhnen und müdes
Haltsuchen an Einem, der weit weg war. Er war wohl gar nicht da! Nicht für mich
da!
Da fiel ein Bild in
meine Fieberphantasien hinein. Das Bild einer Frau. Halt!
halt!!! halt, bleibe da! Bitte, nicht weggehen! Niemand ist bei mir. Ich bin so
allein. Ich begehe Selbstmord. So allein bin ich. Ich heule vor Schmerz, vor
Angst. . "
"Halt
mich fest !" rufe ich. "Halt mich fest !" rufe ich wieder und
wieder: "Halt mich fest !"
Da war sie, ruhig,
lieb, lächelnd, gut. Ach so gut. Sie, diese Frau. Meine Frau! Meine gute, liebe
Frau!
Ich bäumte mich auf.
Draußen trampeln wieder Soldatenstiefel vorbei. Halten vor meiner Tür.
Gewehrkolben setzen auf.
Gleich wird der Riegel
zurückgerissen. Es tut so weh - - dann:
"Come
on bloody bastard!"
und ich werde wieder
mit Püffen und Hieben zwischen zwei Soldaten laufend über den Hof zur
Verhörbaracke getrieben. . .
Nein, es ist nebenan. Armer
Hund dort drüben, der schon so viel geweint und geschrien hat.
Draußen knallt es
wieder und wieder, wie so oft. Wer da wohl wieder sterben muß?
Werde ich der nächste
sein?
Aber nein, man hat mich
doch zum Tod durch den Strang verurteilt. Ich werde also nicht erschossen. O
die Kappe, die scheußliche Kappe, vor der mir graut. Wenn mir nur das erspart
bliebe: wenn ich nur ohne die Kappe sterben dürfte. Ich möchte den blauen
Himmel und die liebe Sonne sehen, bis zum letzten Atemzug!
Das liebe Bild meiner
lieben Frau war ein Gottesgeschenk. Es war nun wieder fort. Aber, es blieb ein
Schimmer von Friede zurück, ein kleines Plätzchen der Ruhe.
Und daran hielt ich
mich krampfhaft fest.
Ich überlegte ruhig;
konnte endlich ruhig denken. Es eilte. Was sollte ich tun?
Ich hatte mir doch
vorgenommen, das nächste Verhör (139) nicht mehr über mich ergehen zu lassen
und vorher meinem Leben ein Ende zu machen. . .
Nun aber war
ein kleiner, doch so warmer Sonnenstrahl in meine Zelle hereingekommen, der
anfing, die Verzweiflung aufzulösen.
·
Und dieser
Sonnenstrahl hieß Pflicht!
·
Frau, Kind,
Familie verlangen die Pflicht zum Leben.
·
Familie,
Heimat, Volk brauchen meine Kraft.
·
Warten nicht
meiner Aufgaben die Fülle?
Habe ich nicht tausend
Dinge falsch gemacht, schlecht gemacht? Wie viel Gutes habe ich unterlassen!
Wie viel Böses habe ich getan!
Ach Du lieber Gott, wie Du auch bist und wo Du auch bist. . . . es
ist mir jetzt ganz gleich. Nur bitte ich Dich:
Höre auf mich in dieser tiefsten Stunde meines Lebens. Hiermit sage
ich Dir, ich werde meine tölpelhafte Hand nicht in Deinen Ratschluß mischen.
Ich werde nicht die Hand an mich legen, komme, was da wolle. Wenn Du willst,
daß meine Lebensuhr abgelaufen sei, ohne Gnade und Pardon -, dann willige ich
darein. Dann rufe ich einfach Deine Liebe und Barmherzigkeit an, die werden
mir alles, was ich in meinem Leben falsch gemacht habe, vergeben!
Aber wenn es möglich ist, daß Du mir nochmals eine Chance
zum Leben gibst, dann bitte ich Dich von Herzen darum. Sieh, ich möchte hier noch
etwas gutmachen und dort, wo ich falsch gehandelt, möchte ich es besser machen.
Überhaupt ist eine solche Fülle von Unrat in mir. Oh, ich sollte noch Jahre und
Jahrzehnte haben, um ihn auszumisten und an dessen Stelle etwas Besseres zu
setzen: Liebe zum Nebenmenschen, Deine Gebote halten, Dein Diener sein.
(141) Ich erhob mich,
langsam, aber fest entschlossen. Den Weg werde ich weiter gehen, auf den ich
durch meine himmelstürmenden Pläne, die nur auf meinem Ego, dem großen
allgewaltigen Ich, aufgebaut waren, gekommen bin. Ich werde ihn zu Ende
gehen. Aber, ich gehe ihn nun nicht mehr selbst in eigener Kraft.
Ich übergebe mich und mein Leben bewußt Dem, Dem es
allein zusteht - Dir, Gott, Der Du mich erschaffen hast und auch erhalten
kannst, wenn Du willst. Und in diesen Deinen Willen greife ich nun nicht mehr
ein. Ich bitte
Dich aber, mir zu verzeihen, daß ich so lange und so weit ohne Dich meinen Weg
gegangen bin.
So nimm denn Du meine Hände und führe mich!
Noch bin ich zu jung in
diesem Denken, - aber ich fühle jetzt schon, daß ich
diesen Schmerzensweg gehen mußte, um den Vater zu finden. Wie werde
ich Ihm mehr und mehr und von ganzem Herzen danken, daß Er mich nicht in die
Ecke gestellt hatte und mich meinen eigenen Weg gehen ließ, sondern, daß Er mich so lange in die Enge trieb, - bis vor den Galgen
hin, - eben so lange, bis Er mich hartgesottenen Egoisten eingefangen hatte.
Ich will alles aus
Seiner Hand nehmen. Er wird's wohl machen.
(Anmerkung etika.com: Gottfried Müller ist evangelisch. Wer von
unseren katholischen Lesern glaubt, er komme in die Hölle, weil er nicht
katholisch ist, der irrt. Im übrigen haben wir viele Male dieselbe Erfahrung
gemacht wie Müller: Gott duldet, dass wir bis an die Grenze kommen, in unerträgliche
Situationen, damit wir uns besinnen, dass Er da ist und uns helfen will. Aber
wir müssen umkehren zu Ihm.)
Wie weise und mächtig
Gott damals eingegriffen hat, erfuhr ich viel, viel später.
In einem der ersten
Briefe, die ich von meiner Frau nach dreieinhalb Jahren in Kairo
erhielt, schrieb sie:
"Bitte,
schreibe mir doch, was an dem und dem Tag los war. Ich ging mit meinem Vater
durch einen Wald spazieren. Da drang auf einmal ein gewaltiger Ansturm aus dem
Äther auf mich ein, dem ich kaum gewachsen war, und ich hörte Deine Stimme
ganz deutlich, aber gequält und hilfesuchend: "Halte mich fest! Halte mich
fest !"
Und
so gut ich konnte, habe ich Dich festgehalten! ! !-
(142)
Als der Sturm dann vorbei war, war ich
so von Kräften, daß ich mich auf der Stelle niederlegen mußte und erschöpft
einschlief. Stundenlang schlief ich auf dem harten Waldboden jenes Ortes. Ich
sagte dann meinem Vater, daß mit Dir in diesem Augenblick etwas Furchtbares geschehen
sein müsse, ja, daß Du wahrscheinlich sterben mußtest."
Sie hatte
recht, ich bin gestorben: Ich, das eigensüchtige, gottlose Ich ist gestorben. Und seit diesem
Augenblick arbeite ich unablässig daran, Gott ein würdiger Diener und Knecht zu
sein.
Die Verhöre gingen mit
aller Wucht, aller Intensität, aller Gemeinheit weiter. Aber es war irgend
etwas in mir, das mich nun nicht mehr verzweifeln ließ. Eine Kraft. Eine
Geborgenheit. Eine Harmonie. Eine Ausgeglichenheit.
Dies mußten die
Verhöroffiziere wohl allmählich merken. (Einer dieser Könner der
"interrogation" war jener Offizier mit dem Wiener Dialekt, der mich
in Bagdad einige Male aufgesucht hatte.) Sie konnten nicht mehr so recht an
mich heran.
Gleichzeitig aber
erwuchs mir eine Hilfe von einer Seite, an die ich am allerwenigsten gedacht
hätte: Meine beiden Zellenspione halfen mir aus der Not. Es waren die
gerissensten Burschen, die man sich denken kann, und ich hörte später wiederholt
von ihrem erfolgreichen Wirken.
Da ist so ein armer
Gefangener monatelang allein und mit den Nerven dermaßen herunter, daß es eine
Erholung für ihn ist, wenn ein "Mitgefangener" zu ihm in die Zelle
gesperrt wird. Jener klagt und weint, weil es ihm so schlecht geht; er beichtet
irgendeine Kleinigkeit, die er noch nicht ausgesagt habe und bittet um Rat. Man
(143) vertraut sich. Es ist doch jeder in der gleichen Patsche. Man spricht
sich aus. Und .dann ist es passiert. . .
Als die beiden
"Mitgefangenen" auf mich "angesetzt" wurden, war ich von
Anfang an hellwach.
Bald habe ich ihren
Auftrag herausgefunden. Doch lasse ich mir nichts anmerken. Im Gegenteil,
ich mache sie zu meinen Helfern. Sie haben bestimmte Dinge herauszufinden;
dabei soll festgestellt werden, ob das, was ich ihnen anvertraue, mit dem
übereinstimmt, was ich Wochen und Monate früher im Verhör ausgesagt hatte. Nun
erzähle ich ihnen möglichst haargenau dasselbe und jammere ihnen vor, wie
unglücklich ich darüber sei, daß man mir das nicht glaube, was ich ausgesagt
hätte, daß man mich endlos quäle, wo ich doch rein gar nichts mehr zu sagen
wüßte - - - Was war der Erfolg?
Die Verhöre schliefen
je länger je mehr ein. Man hatte nun den "Beweis", daß ich die
"reine Wahrheit" und "alles" ausgesagt hatte. Doch konnte
mir die vergangenen, schrecklichen Wochen und Monate hochnotpeinlichen Verhöre
natürlich niemand mehr abnehmen. Die hatte ich durchmachen müssen.
Liebe Freunde! Man wird
nicht so schnell wahnsinnig!
und wenn dies zwei von vieren dennoch werden, dann braucht man nichts mehr
weiter dazu zu sagen.
Zwei meiner Kameraden
vom Unternehmen Mammut waren bei den Verhören tatsächlich wahnsinnig geworden.
Natürlich versuchten
die Engländer noch mit vielen Mitteln und Methoden, mich - wie es erforderlich
war - klein zu kriegen, kaputt zu machen, physisch und psychisch, körperlich,
seelisch und geistig.
(144) Monatelang ging
dieser Kampf, gleichzeitig mit den Anstrengungen der beiden Zellenspione, mich
"hereinzulegen" - - - dann verebbte er und ich blieb ungeschoren in
meiner kleinen Zelle zurück. Monate noch.
·
Aber diese Zelle
wurde mir zu einer Kapelle, in die das Licht der Ewigkeit hereinleuchtete.
Sie wurde mir zu einer Klause, in der ich, das neugeborene Anfängerlein im Weg
mit Gott, erst einmal lernen mußte, die ersten Schritte zu machen. Nun war
es mir nicht mehr langweilig. Ich
brauchte keine Bücher. Meine Gedanken waren mir genug, und ich wuchs heran im Glauben an Ihn, den allumfassenden
Schöpfer und Erhalter, der sich um jedes kleinste Kreatürlein und erst recht um
den, der sich auf Ihn verlässt, kümmert.
Als die Verhöre zu Ende
waren, mußte ich annehmen, daß anschließend die Exekution, nämlich das Aufgehängtwerden,
erfolgte. Ich schrak jedesmal zusammen, wenn die Zellentür aufgerissen wurde.
Dieses Warten auf den
Tod, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Monat zu Monat - - das nagt bei
aller Gottergebenheit, besonders wenn man solch ein Anfänger ist wie ich es
bin, noch grausam an den Nerven. Es geschah jedoch nichts.
Fortsetzung folgt: In
Bagdad