ETIKA

Völkerverständigung

www.etika.com
6.2.2003

5KUR5H
= 58B74

Als Deutsche den Kurden zur Freiheit verhelfen wollten (VIII)

Wir danken Gottfried Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu verbreiten

Teil 1 Unternehmen Mammut

Teil 2: Das Hohe Lied der Treue. Es heißt: Ramzi Naafi Raschid
Teil 3: Mit Ramzi nach Erbil
Teil 4 Die Schmugglerbande
Teil 5 Maadi
Teil 6 Als Gottfried Müller starb
Teil 7 In Bagdad

 

Eingekerkert im Heiligen Land

Mit Exkursen: Perser warteten vergeblich auf deutschen Vormarsch – Jüdische Terroristen

 

(154) Kurze Zeit, nachdem Ramzi vor das Kriegsgericht kam, wurden wir vom Engländer wieder abgeholt und weggebracht. Diesmal alle zusammen im Flugzeug. Ueber ein Jahr waren wir in Haft gewesen und waren froh, dass wir dieses jammervolle, nervenzermürbende Leben hinter uns hatten.

 

Landung auf dem Flugplatz Lydda in Palästina. Dort Verfrachtung in einen Lastkraftwagen... da hält das Fahrzeug vor einem mit einem mit riesigem Stacheldrahtverhau umgebenen großen Steingebäude... wir sind Gefangene der Engländer.

 

Innerhalb des Gebäudes ... eine Spezial-Abteilung, in der Schwerverbrecher, wie wir es sind, eingekerkert sind. ... 14 Mann, die auf engstem Raum zusammengepfercht vierzehn Monate lang leben müssen.

 

(155) ... wenn so viele Leute auf einem so außerordentlich kleinen Raum zusammengedrängt sind, dann ist es beim besten Willen nicht anders möglich, als dass bald einer des andern Nase nicht mehr sehen kann.

 

Was taten wir alles, um die Zeit totzuschlagen! Einer lernte vom andern, was nur möglich war: persisch, französisch, russisch... Jeder versuchte krampfhaft, sich zu beschäftigen. Täglich erhielten wir eine Zeitung, die „Palestine Post“. ...

 

„Hier, seht diese Zeichnung an: Dieser Maulbeerbaum, dieses Hammam (Badehaus), dieser Zypressenhain... Genau dasselbe wie hier draußen!“ Der Dicke hatte recht: Wir waren in Emmaus. Für mich selbst war diese Feststellung insofern merkwürdig, als ich Jahre zuvor schon einmal (156) hier in diesem Haus war. Damals hatte ich eine Wanderung von Jerusalem nach Emmaus gemacht. Als Gast Pater Müllers, der Superior dieses Klosters war, weilte und speiste ich in genau denselben Räumen, wo wir jetzt inhaftiert waren. Bei Kriegsbeginn hatten die Mönche das Kloster räumen müssen und man hatte daraus ein Internierungslager gemacht.

 

Hier sperrten die Engländer „undurchsichtige Elemente“ ein, das heißt solche Menschen, die illegal nach Palästina kamen und keiner gegen England kriegführenden Macht angehörten, z. B. Türken, Griechen usw. Außerdem wurden hier führende Persönlichkeiten der Araber, Drusen, Kurden usw., bei denen man Englandfeindlichkeit vermutete, festgehalten. ...

 

Man kann sich vorstellen, wie es zuging, wenn so viele verschiedenartige Menschen zusammen waren, darunter hauptsächlich Orientalen, also Naturburschen mit den „eigenen Gesetzen“ ihrer Heimat, der Wüste oder der Berge.

 

Eines Tages fühlte sich ein Abu von einem anderen Lagerinsassen beleidigt. Er saß gerade auf seinem Feldbett mit untergeschlagenen Beinen, die Wangen leicht gerötet, sonst aber vollkommen ruhig.

 

Er klatschte in die Hände und rief: „Hassan!“

 

Dann klatschte er nochmals in die Hände und rief: “Ibrahim!“

 

Die Söhne kamen gelaufen und verneigten sich, indem (157) sie die rechte Hand an Brust und Stirn legten, vor ihrem Vater.

 

Dieser deutete auf den Mann, der ahnungslos  in der Ecke saß und etwas las und den der Abu einer Beleidigung bezichtigte. Dann sagte er nur: „Aufhängen!“

 

Gehorsam holten Hassan und Ibrahim ein geeignetes Stück Stoff, drehten daraus einen Strick und legten diesen über den Querbalken der Tür, von der das „Oberlicht“ herausgenommen war. Die Tür selbst stand sperrangelweit offen.

 

Dann gingen die beiden von hinten auf den Mann in der Ecke zu. Hassan schob ihm einen Knebel in den Mund und Ibrahim zerrte ihn zur Türe. Schon hatte er den „Strick“ um den Hals und Hassan zog den armen Kerl hoch - - -

 

In diesem Augenblick kam jedoch ein Wachtposten vorbei; er riß seine Pistole heraus und bedrohte den verdutzten Hassan und Ibrahim; dann ließen sie den Todeskandidaten unwillig herunter und waren traurig, dass sie den Befehl des Abu nicht hatten pflichtgemäß ausführen können. ...

 

Wenn man so lange Zeit so eng zusammengesperrt ist, (158) stößt und reibt man sich natürlich bei jeder Gelegenheit, ja, „man reibt sich auf“. Einer den andern. Gegenseitig. Es ist diese Art der Internierung eine Strafe besonders übler Art.

 

Deutsche in Persien

 

(Exkurs. Ende 1945 sollten wir nach Aegypten in die Kriegsgefangenschaft gebracht werden.) Die Kameraden hatten teilweise ähnliche Schicksale erlebt wie ich. Während jedoch mein Einsatz von vornherein schief ging, hatten jene eine geraume Zeit lang in Persien „frei“ arbeiten können, das heißt, sie waren dort monatelang, teilweise jahrelang untergrundartig tätig und zwar mit Hilfe deutsch-freundlicher Perser.

 

Die einen waren in ... Teheran, Schiras, Isfahan und Täbris tätig, andere bei den „Stämmen“ des Südens. Solange es einigermaßen ging, deckten die Perser die Deutschen unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Als sie aber mit der Zeit sahen, dass die deutschen Truppen hoffnungslos auf dem Rückmarsch sahen, spielten sie die Deutschen den Engländern, die ja dazumal die „Herren“ im Lande waren, in die Hände. Allerdings verlangten sie zuvor, dass diese Deutschen nicht zum Tod verurteilt werden sollten. Da es sich teilweise um hohe persische Persönlichkeiten handelte, mussten sich die Engländer daran halten, denn sie wollten die ohnehin nicht allzu englandfreundlichen Perser nicht unnötig reizen.

 

Zwei markante Abteilungen gab es: Die eine war im Gebiet von Teheran und Isfahan, die andere in Südpersien bei den „Stämmen“, den Luren, Kaschgaris und Bakhtiaren eingesetzt. ... Es ist dies ähnlich wie bei den Kurden. Kein Fremder hat Zutritt in diese Gebiete.

 

(159) Meine deutschen Kameraden ... fungierten bei den Stammesoberhäuptern als militärische Berater. Alle Stammeshäuptlinge, Stammesgenossen ... warteten darauf, dass die deutschen Kaukasustruppen noch etwas weiter nach dem Süden vordrängen.

 

In Südpersien war alles so vorbereitet, dass es eine ganz große Erhebung gegen die Engländer zugunsten der Deutschen gegeben hätte. ... Beide Gruppen hatten Funkverbindung mit der Heimat.

 

(160) Die „Gruppe Teheran“ scheint gut gearbeitet zu haben. Unzählig viele Perser hielten sich zu ihr, fast ganz Persien, kann man ruhig sagen, war pro-deutsch, (161) außer der damals unter dem Druck der Verhältnisse eingesetzten englandfreundlichen Regierung. ...

 

Jüdische Terroristen

 

(162) (Zurück ins „Kloster“ Emmaus)

Zu Hause bricht die Front äußerlich und innerlich zusammen. Man hat die Juden bis aufs Blut gehasst und bekämpft, ja, wollte sie mit Stumpf und Stiel ausrotten.

 

Hier aber, in Palästina regen und rühren sich die Juden allenthalben. Immer mehr Juden wandern ein, legal und illegal. Sie wollen ihr Land wieder haben, wollen nach den Jahrhunderten Gejagt- und Gehetztseins  wieder ihr eigenes Plätzchen Erde haben. ...

 

Vor mir, einige Kilometer entfernt, ist ein riesengroßes Gefangenenlager, Latrun. Dort in der Ferne sehe ich nochmals eines. In diesen Lagern sind durch die Engländer jüdische „Terroristen“ eingesperrt ...

 

(163) ... hörten wir noch viel Interessantes... erfuhren wir, dass die inhaftierten Führer der Terroristenbanden vom Lager aus mittels Funkgerät und anderer Nachrichtenmittel ihre Organisationen leiteten und Einsatzbefehle gaben. ... fest entschlossen... dieses Ziel hieß: Palästina den Juden. ... kein Engländer getraut sich mehr in das Lager hinein. Mit aller Wahrscheinlichkeit kommt er nicht ohne einen Schädelbruch oder zusammenge- (164) hauen heraus.

 

So steht der Tommy einer Macht gegenüber, der er nichts anhaben kann. Fassungslos erlebt er, wie seine Transporte überfallen und ausgeplündert werden; wie das Hotel „King David“ in Jerusalem mit einem englischen Stab in die Luft fliegt. Wie ganze Abteilungen umkommen.

 

Ein jüdischer Saboteur wird hingerichtet. Zehn Engländer baumeln dafür an einem Ast.

 

(Anmerkung: Wir erinnern bei dieser Gelegenheit natürlich an das Attentat italienischer Partisanen in der römischen Via Rasella auf das Polizeiregiment Bozen; für jeden ermordeten deutschen Soldaten wurden nach den damaligen – barbarischen, aber anscheinend üblichen  - Regeln zehn Italiener hingerichtet, und weil es einige mehr waren, kam es dann zu Kriegsverbrecherprozessen. Aber anscheinend wurden nur die Deutschen diesbezüglich – zu Recht – bestraft, die Sieger und die anderen, die dieselben Repressalien begingen, bis heute nicht. Unser Trost: Beim Jüngsten Gericht wird alles nachgeholt.)

 

Waffen und Munition werden aus aller Welt und mit allen nur erdenklichen Mitteln hereingeschmuggelt zu Land, zu Wasser und durch die Luft. ... erst seitdem die Engländer selbst die Juden militärisch ausgebildet und im Kriegsdienst gegen Deutschland eingesetzt haben, wissen diese um die Macht der Waffe ..

 

Sie holen sich Waffen, wo und wie immer sie es können. Neben dem Schmuggel aus dem Ausland (Anmerkung ETIKA: Frontsoldaten erzählen, wie Juden im Osten sich an Wehrmachtsangehörigen heranmachten mit dem Angebot: „Willste Frau?“, um dafür Waffen einzutauschen)  wird der Bedarf hauptsächlich von den Engländern und Arabern bezogen. Allerdings auf eine diesen nicht angenehme Art, nämlich durch Ueberfälle.

 

Ein ungeheures Nachrichtennetz ist aufgebaut und Mann und Frau, reich und arm, darin verworben. ... wissen ... genauestens Bescheid über alle Vorgänge in und außerhalb des Landes.

 

So ist es möglich, dass ein englischer Kraftwagen auf einer ganz kurzen freien Strecke von einem in englischer Uniform gekleideten Juden angehalten wird. Kaum hält der Wagen, sieht sich der Chauffeur mehreren Juden und ebenso vielen Pistolen gegenüber. Er muß aussteigen, wird gefesselt und in den Straßengraben geworfen. Die Juden setzen sich in aller Ruhe ans Steuer und fahren den Wagen fort.

 

Oder es fahren Abteilungen solcher in englische Uniformen verkleidete Juden bei sämtlichen arabischen Polizeistationen einer Gegend vor...

 

 

Fortsetzung: Des Rätsels Auflösung (erst später)

Index 5