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5KUR5N |
Gottfried Müller: Im brennenden Orient (XIV und Schluß) |
Wir danken Gottfried
Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu
verbreiten |
Teil
1 Übersicht Index Unternehmen Mammut
Bruderschaft Salem
Lieber Leser dieses
Buches "Im brennenden Orient"!
Auch Du wirst fragen:
"Wie ging es nun denn weiter? Lebt Ramzi noch?"
Ramzi starb, geistig
umnachtet, vor etwa 10 Jahren. Es begab sich, daß ich einmal einen
Schulkameraden Ramzis traf, der ihn in dessen Heimatdorf immer wieder traf und
berichtete: Ramzi sei stets fröhlich gewesen und habe immer wieder von
Deutschland und dem Kommandanten Gottfried Müller erzählt; dann habe immer ein
sonniges Lächeln auf seinem Antlitz gelegen.
Das kurdische Volk geht
jetzt durch bittere, leiderfüllte, tränenreiche Stunden und das Ende dieses
Leidensweges ist noch nicht abzusehen. Möge Gott diesem Bergvolk gnädig
beistehen und ihm schließlich die ersehnte Freiheit geben.
Nach meiner Entlassung
aus der langjährigen Gefangenschaft begann ich, gelernter Kaufmann, an der
technischen Hochschule Stuttgart Volkswirtschaft zu studieren. Dann kam die
Währungsreform; meine Ersparnisse waren dahin und ich mußte Geld verdienen, um
mit meiner Familie durchzukommen. So nahm ich verschiedene Arbeitsstellen an,
fühlte aber stets eine große Aufgabe auf mich zukommen.
Es ergab sich dann im
Jahr 1957, daß ich nicht anders konnte, als ein Sozialwerk zu gründen, dem ich
den Namen BRUDERSCHAFT SALEM gab. Es entstanden rasch hintereinander Obdachlosenheime
in Stuttgart, Berlin, München, Karlsruhe, Frankfurt und Nürnberg; viele
Tausende obdachlose Menschen wurden aufgenommen und betreut.
Trotz unermüdlichem und
bestmöglichem Einsatz durch meine Mitarbeiter und mich gab es nur eine geringe
Möglichkeit, diese Menschen einem geordneten Leben zuzuführen. Als ich immer
und immer wieder aus dem Munde vieler dieser Leute hörte, sie seien auf die
schiefe Bahn gekommen, weil sie in einem Kinderheim oder in irgendeiner
sonstigen Institution groß geworden seien und mir von Fachleuten berichtet
wurde, daß etwa 70 % dieser "Heimkinder" später straffällig würden,
entschloß ich mich, die Arbeit an diesem Personenkreis Stück um Stück
aufzugeben und eine Kinderund Jugendarbeit aufzubauen und alles zu tun, damit diese
Anfälligkeit zur Kriminalität weitgehend zurückgeschraubt werde.
Vor mir lag nun ein
reiches, unerforschtes Feld, denn es war mir klar, daß in den heute bestehenden
sonstigen Kinderheimen, Kinderdörfern und anderen Einrichtungen gutes Personal
tätig war und tätig ist; das unter höchstem Einsatz an Zeit, Kraft, Liebe,
Geduld usw. alles tat und tut, um die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen
bestmöglichst zu betreuen, zu erziehen und für das spätere Leben vorzubereiten.
Also muß am System etwas falsch sein! Hier stellte sich mir eine ungemein
schwere Aufgabe. Wie kann ich als Nicht-Fachmann auf erzieherischem Gebiet
etwas tun, was durch Zehntausende von Fachleuten nicht erreicht wird!?
Ich betete zu Gott und
bat IHN um Licht und Führung, und siehe, mir wurde ein Weg gewiesen, der mehr
und mehr zum Erfolg führt und die meisten unserer Kinder zu ordentlichen,
arbeitsamen, hilfsbereiten und gottesfürchtigen Staatsbürgern werden läßt. Wer
Näheres wissen möchte, lasse sich Informationsmaterial kommen und besuche uns.
Ein großes Anliegen ist
mir die Aufarbeitung der hinter uns liegenden nationalsozialistischen Zeit.
Damals wurde die Jugend gelehrt, daß das jüdische Element schuld an allem
Unglück sei. Ich aber war in einem christlichen Haus groß geworden, in dem die
Bibel Alten und Neuen Testaments etwas galt und ich gelehrt wurde, dem
jüdischen Volk Liebe und Hochachtung entgegenzubringen. Bevor in mir, aus
diesen beiden sich widersprechenden Seiten ein Konflikt erwuchs, wurde ich zur
Wehrmacht eingezogen und dann kam ja auch der Krieg. (Darüber mehr im
letzten Kapitel mit der Überschrift „Orientierung“, das wir hier im Internet
nicht mehr veröffentlichen. Es geht um die Vorhersagen der Propheten für das
Volk Israel.)
Es war und ist mir stets
ein Anliegen, jedes Tun gut und ordentlich auszuführen. Während des Krieges war
es mir deshalb ein Anliegen, mit meinem ganzen Sinnen und Trachten mitzuhelfen,
daß der Krieg - natürlich zu unseren Gunsten, wie ich damals dachte - zu Ende
gehe. Als schließlich ein ahnendes Gefühl in mir aufstieg, der Krieg könne für
uns verloren sein, entschloß ich mich zu dem Einsatz, der in diesem Buch
beschrieben ist. Die Hitlerzeit ist von unserem deutschen Volk bis zum heutigen
Tag noch nicht aufgearbeitet und bewältigt; das plötzliche Wirtschaftswunder
verhinderte die geistige Bereinigung dieser Epoche. Sie muß aber geschehen, um
in eine gesicherte Zukunft gehen zu können.
Die von mir ins Leben
gerufene BRUDERSCHAFT SALEM hat neben dem sozialen Aspekt der Hilfe für
notleidende Mitgeschöpfe, sei es der Mensch, das Tier, die Pflanze, die Luft,
die Erde oder das Wasser, die Aufgabe, im besten Sinne des Wortes politisch
wirksam zu sein. Nicht in der Art der Parteienpolitik, sondern so, wie es das
Wort sagt: der Stadt, der "polis", Bestes zu suchen.
So soll in und durch
Salem etwas Neues geschaffen werden: eine
innerlich und äußerlich gesunde, saubere Jugend, die mit ihrem
Wesen, Handeln und Wandeln wie ein Sauerteig die Umgebung durchdringt, die
Vergangenheit in ihren Höhen und Tiefen ruhig betrachtet und daraus ihre Lehren
zieht: Böses zu bereinigen und Böses nicht mehr zu tun, Hohes und Hehres als
etwas Heiliges zu betrachten, es sich zu eigen zu machen und dies
auszustrahlen, um so unser deutsches Volk wieder zu dem werden zu lassen, was
es schicksalhaft sein soll: Ein Licht, das in die weite Welt hinausstrahlt.
In den langen Jahren
schwerer Gefangenschaft habe ich über all dies nachgedacht und danke Gott
dafür, daß ich es nun verwirklichen kann. Es war Gottes Güte, mich während der
schlimmsten Kriegszeit in "Schutzhaft" zu nehmen. So wurde weder ich
getötet, noch hatte ich Gelegenheit, irgend jemand ein Leid zuzufügen oder gar
zu töten.
Ramzi starb geistig
umnachtet. Bis zum Schluß hat er mir und auch unserem deutschen Volk die Treue
gehalten. Sein Schicksal liegt
schwer auf meiner Seele. Ich muß daher in meinem Erdenleben ein doppelt Maß an
Leistung vollbringen, damit ich vor Gottes Thron mit einem doppelten Maß an
Früchten erscheinen kann: für mich selbst und für Ramzi.
Gottfried Müller
Stadtsteinach, Ende
August 1979