ETIKA

Völkerverständigung

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6.5.2003

5KUR5N
= 58B74

Gottfried Müller: Im brennenden Orient (XIV und Schluß)

Wir danken Gottfried Müller für die freundliche Erlaubnis vom 9.10.2002, den Text im Internet zu verbreiten

Teil 1 Übersicht Index Unternehmen Mammut

 

Bruderschaft Salem

Lieber Leser dieses Buches "Im brennenden Orient"!

 

Auch Du wirst fragen: "Wie ging es nun denn weiter? Lebt Ramzi noch?"

 

Ramzi starb, geistig umnachtet, vor etwa 10 Jahren. Es begab sich, daß ich einmal einen Schulkameraden Ramzis traf, der ihn in dessen Heimatdorf immer wieder traf und berichtete: Ramzi sei stets fröhlich gewesen und habe immer wieder von Deutschland und dem Kommandanten Gottfried Müller erzählt; dann habe immer ein sonniges Lächeln auf seinem Antlitz gelegen.

 

Das kurdische Volk geht jetzt durch bittere, leiderfüllte, tränenreiche Stunden und das Ende dieses Leidensweges ist noch nicht abzusehen. Möge Gott diesem Bergvolk gnädig beistehen und ihm schließlich die ersehnte Freiheit geben.

 

Nach meiner Entlassung aus der langjährigen Gefangenschaft begann ich, gelernter Kaufmann, an der technischen Hochschule Stuttgart Volkswirtschaft zu studieren. Dann kam die Währungsreform; meine Ersparnisse waren dahin und ich mußte Geld verdienen, um mit meiner Familie durchzukommen. So nahm ich verschiedene Arbeitsstellen an, fühlte aber stets eine große Aufgabe auf mich zukommen.

 

Es ergab sich dann im Jahr 1957, daß ich nicht anders konnte, als ein Sozialwerk zu gründen, dem ich den Namen BRUDERSCHAFT SALEM gab. Es entstanden rasch hintereinander Obdachlosenheime in Stuttgart, Berlin, München, Karlsruhe, Frankfurt und Nürnberg; viele Tausende obdachlose Menschen wurden aufgenommen und betreut.

 

Trotz unermüdlichem und bestmöglichem Einsatz durch meine Mitarbeiter und mich gab es nur eine geringe Möglichkeit, diese Menschen einem geordneten Leben zuzuführen. Als ich immer und immer wieder aus dem Munde vieler dieser Leute hörte, sie seien auf die schiefe Bahn gekommen, weil sie in einem Kinderheim oder in irgendeiner sonstigen Institution groß geworden seien und mir von Fachleuten berichtet wurde, daß etwa 70 % dieser "Heimkinder" später straffällig würden, entschloß ich mich, die Arbeit an diesem Personenkreis Stück um Stück aufzugeben und eine Kinderund Jugendarbeit aufzubauen und alles zu tun, damit diese Anfälligkeit zur Kriminalität weitgehend zurückgeschraubt werde.

 

Vor mir lag nun ein reiches, unerforschtes Feld, denn es war mir klar, daß in den heute bestehenden sonstigen Kinderheimen, Kinderdörfern und anderen Einrichtungen gutes Personal tätig war und tätig ist; das unter höchstem Einsatz an Zeit, Kraft, Liebe, Geduld usw. alles tat und tut, um die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen bestmöglichst zu betreuen, zu erziehen und für das spätere Leben vorzubereiten. Also muß am System etwas falsch sein! Hier stellte sich mir eine ungemein schwere Aufgabe. Wie kann ich als Nicht-Fachmann auf erzieherischem Gebiet etwas tun, was durch Zehntausende von Fachleuten nicht erreicht wird!?

 

Ich betete zu Gott und bat IHN um Licht und Führung, und siehe, mir wurde ein Weg gewiesen, der mehr und mehr zum Erfolg führt und die meisten unserer Kinder zu ordentlichen, arbeitsamen, hilfsbereiten und gottesfürchtigen Staatsbürgern werden läßt. Wer Näheres wissen möchte, lasse sich Informationsmaterial kommen und besuche uns.

 

Ein großes Anliegen ist mir die Aufarbeitung der hinter uns liegenden nationalsozialistischen Zeit. Damals wurde die Jugend gelehrt, daß das jüdische Element schuld an allem Unglück sei. Ich aber war in einem christlichen Haus groß geworden, in dem die Bibel Alten und Neuen Testaments etwas galt und ich gelehrt wurde, dem jüdischen Volk Liebe und Hochachtung entgegenzubringen. Bevor in mir, aus diesen beiden sich widersprechenden Seiten ein Konflikt erwuchs, wurde ich zur Wehrmacht eingezogen und dann kam ja auch der Krieg. (Darüber mehr im letzten Kapitel mit der Überschrift „Orientierung“, das wir hier im Internet nicht mehr veröffentlichen. Es geht um die Vorhersagen der Propheten für das Volk Israel.)

 

Es war und ist mir stets ein Anliegen, jedes Tun gut und ordentlich auszuführen. Während des Krieges war es mir deshalb ein Anliegen, mit meinem ganzen Sinnen und Trachten mitzuhelfen, daß der Krieg - natürlich zu unseren Gunsten, wie ich damals dachte - zu Ende gehe. Als schließlich ein ahnendes Gefühl in mir aufstieg, der Krieg könne für uns verloren sein, entschloß ich mich zu dem Einsatz, der in diesem Buch beschrieben ist. Die Hitlerzeit ist von unserem deutschen Volk bis zum heutigen Tag noch nicht aufgearbeitet und bewältigt; das plötzliche Wirtschaftswunder verhinderte die geistige Bereinigung dieser Epoche. Sie muß aber geschehen, um in eine gesicherte Zukunft gehen zu können.

 

Die von mir ins Leben gerufene BRUDERSCHAFT SALEM hat neben dem sozialen Aspekt der Hilfe für notleidende Mitgeschöpfe, sei es der Mensch, das Tier, die Pflanze, die Luft, die Erde oder das Wasser, die Aufgabe, im besten Sinne des Wortes politisch wirksam zu sein. Nicht in der Art der Parteienpolitik, sondern so, wie es das Wort sagt: der Stadt, der "polis", Bestes zu suchen.

 

So soll in und durch Salem etwas Neues geschaffen werden: eine innerlich und äußerlich gesunde, saubere Jugend, die mit ihrem Wesen, Handeln und Wandeln wie ein Sauerteig die Umgebung durchdringt, die Vergangenheit in ihren Höhen und Tiefen ruhig betrachtet und daraus ihre Lehren zieht: Böses zu bereinigen und Böses nicht mehr zu tun, Hohes und Hehres als etwas Heiliges zu betrachten, es sich zu eigen zu machen und dies auszustrahlen, um so unser deutsches Volk wieder zu dem werden zu lassen, was es schicksalhaft sein soll: Ein Licht, das in die weite Welt hinausstrahlt.

 

In den langen Jahren schwerer Gefangenschaft habe ich über all dies nachgedacht und danke Gott dafür, daß ich es nun verwirklichen kann. Es war Gottes Güte, mich während der schlimmsten Kriegszeit in "Schutzhaft" zu nehmen. So wurde weder ich getötet, noch hatte ich Gelegenheit, irgend jemand ein Leid zuzufügen oder gar zu töten.

 

Ramzi starb geistig umnachtet. Bis zum Schluß hat er mir und auch unserem deutschen Volk die Treue gehalten. Sein Schicksal liegt schwer auf meiner Seele. Ich muß daher in meinem Erdenleben ein doppelt Maß an Leistung vollbringen, damit ich vor Gottes Thron mit einem doppelten Maß an Früchten erscheinen kann: für mich selbst und für Ramzi.

 

Gottfried Müller

Stadtsteinach, Ende August 1979

 

Salem-Hilfswerk: Adresse usw.

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