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Palästinenser gegen individuellen Terror

27.1.2009

Israel – Palestine News - Chronik (multilingual)
Palästina quo vadis?
(ebenfalls Chronik)
ETIKA-Gerechtigkeitsplan für Palästina

Der Fall Taher Musa – Deutsche sollen Wiedergutmachung leisten - Nicht Unschuldige töten!

 

Es ist höchst an der Zeit, daß die deutsche Bundesregierung umdenkt und eben so viel Geld wie nach Israel an die Palästinenser schickt, damit diese einen palästinensischen Staat gründen und aufrechterhalten können. Siehe dazu den ETIKA-Plan. Viel hat Deutschland an den Palästinensern gutzumachen. Wir denken nicht nur an die beschämende einseitige Parteinahme gegen die Palästinenser bei der Beschießung der Städte im Gazastreifen Anfang 2009 mit den blutigen Verlusten unter Zivilisten, sondern auch an Geschehnisse der Vergangenheit. Die Palästinenser wurden in vielen Ländern, nur weil kleine Gruppen terroristische Akte begingen, in ihrer Gesamtheit zu Unrecht als Terroristen angesehen, was dem Straftatbestand der Volksverhetzung entspricht. Dabei haben sich sehr viele Palästinenser gegen jede Form des Terrorismus ausgesprochen. Sie haben ein Recht auf einen eigenen Staat und ein Ende der Besatzung.

Wir appellieren aber nicht nur an die deutsche Bundesregierung, sondern auch an die Palästinenser selbst. Araber, seht ein, daß der Weg der Gewalt zu nichts führt, außer dazu, daß die Weltöffentlichkeit zum x-ten Mal auf das Problem aufmerksam gemacht wird. Die sogenannte, in Wirklichkeit gar nicht existierende Weltgemeinschaft hat bisher nichts für die Palästinenser getan, tut nichts und wird nichts tun, am wenigsten die arabischen Staaten (mit wenigen Ausnahmen). Alle Terrorakte, alle Entführungen, Flugzeugentführungen, die Beschießung jüdischer Siedlungen mit Katjuscha-Raketen und dergleichen haben nichts gebracht, nur Blut und Tränen.

Wenn Osama Bin Laden in seinem neuesten Aufruf behauptet: „Der einzige Weg zur Befreiung der Al-Aksa-Moschee und Palästinas ist der Heilige Krieg.“ (Dolomiten, 15.1.2009, dpa), dann schickt er damit nur noch mehr Menschen ins Verderben. Er hat zwar recht damit, wenn er sagt, alle Gipfeltreffen und Außenministerkonferenzen der arabischen Staaten zur Lage im Gazastreifen seien sinnlos, aber die Zukunft für die Palästinenser liegt anderswo:

Der Inder Mahatma Gandhi hat mit seiner Methode der Gewaltlosigkeit (Satyagraha = Festhalten an der Wahrheit) sein Land aus der brutalen Knechtschaft der Engländer befreit. Deshalb legen wir den Palästinensern diese Methode ans Herz. Der historischen Wahrheit zuliebe veröffentlichen wir nachstehend zwei Dokumente, auch wenn uns die Kräfte der Unterwelt daraus einen Strick drehen möchten. Wir vertrauen aber auf die Hilfe der Engel, vor allem des Erzengels Michael, des Patrons der Deutschen.

Die Wochenzeitung „Deutsche Gemeinschaft und Freie Nation, Zeitung für soziale Neuordnung und gesamtdeutsche Realpolitik“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 1. Januar 1973, 24. Jahrgang, Nr. 1, folgenden Artikel von Josef Bayer, Pseudonym für Rainer Lechner. Herausgeber der Zeitung war August Haußleiter, angesehener Frontsoldat und Mitgründer oder zumindest stellvertretender Vorsitzender der CSU, wenn wir uns recht erinnern, sodann Gründer der Deutschen Gemeinschaft (DG) und anschließend der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD, beide Parteien kamen aufgrund der Dummheit der Wähler selten über 0,2 Prozent der Stimmen hinaus; früher oder später wird wohl auch irgend jemand Ermittlungen einleiten, mit welchen Mitteln es den seit einem halben Jahrhundert in der Bundesrepublik herrschenden drei Monopolparteien gelungen ist, ihre Macht zu behaupten), suchte einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, steuerte einen Neutralitätskurs, setzte sich für die Wiedervereinigung ein, weshalb er von CDU, SPD und FDP als Utopist verlacht wurde – die Deutschen hatten und haben die Einheitsregierung, die sie verdienen -; zuletzt war er Mitbegründer der Grünen; nach deren erster Wahl in den Deutschen Bundestag durfte er als Alterspräsident die erste Sitzung in Bonn eröffnen, wenn uns unser Gedächtnis nicht trügt). Hier der Artikel:

Der Fall des Taher Musa

Wer in der Abschiebung arabischer Staatsbürger aus Westdeutschland nur eines der vielen tausend Skandälchen sieht, die die bundesdeutsche Wirklichkeit auszeichnen, täuscht sich. Diese ungeheure, durch nichts zu rechtfertigende Maßnahme unserer Behörden gegen unschuldige Angehörige eines Volkes, die in Deutschland „deutsche“ Gastfreundschaft suchten, ist vielmehr eines jener untrüglichen Zeichen, die den Anfang vom Ende unserer vielbeschworenen Idee vom „freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat“ markieren.

 

Die deutsche Justiz hat angesichts der Willkürmaßnahmen gegen Araber in der Bundesrepublik nicht die Sache der Gerechtigkeit, sondern a u s l ä n d i s c h e Interessen vertreten. Das soll der Fall Taher Musa beweisen. Der 28jährige Betriebswirt Taher Musa ist von München nach Kairo geflogen worden, weil er laut Ausweisungsverfügung „vor zwei Jahren Flugblätter gegen die Bombardierung palästinensischer Flüchtlingslager verteilt hatte“. Das stimmt. Während Taher Musa die Flugblätter vor der Mensa an seine Kommilitonen weitergab, hat der Verfasser dieses Artikels dieselben Flugblätter am Haupteingang zur Münchner Universität verteilt. Doch was stand Gefährliches in diesen mit Matrize abgezogenen Handzetteln, womit eine Ausweisung gerechtfertigt sein könnte? Hier der volle Wortlaut:

 

Massaker - Massaker - Massaker – Massaker

9. April 1948: Massaker von Deir Yasin. Grund: Vorfeier der Proklamation des Staates Israel. Fazit: Abgesehen von ein paar Männern, die es überleben sollten, um den anderen von diesem Mordakt zu berichten, damit eine große Fluchtbewegung ausgelöst würde - waren alle Bewohner des Dorfes (258 Frauen, Männer und Kinder) ermordet worden. Der Verantwortliche für dieses Blutbad: Mehrmals Mitglied des israelischen Kabinetts.

28.10.1956: Massaker von Kafr Kassem (einen Tag vor dem ersten, israelischen Sinai-Feldzug). Fazit: 50 Bauern wurden erschossen, weil sie von der Ausgangssperre nichts gewußt hatten. Verantwortlicher: Erhielt angeblich zwei Jahre Gefängnisstrafe. Nachher erfuhr man, daß er mit der Verwaltung von einem von Arabern bewohnten Gebiet beauftragt wurde.

15.2.1970: Israelische Piloten bombardierten das Abu-Saabal-Stahlwerk in Agypten. Rechtfertigung: ein technisches Versagen! (Ein technisches Versagen, das der regierenden … ((Anmerkung ETIKA: diese beiden Worte trauen wir uns angesichts der fortschreitenden Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit anno 2009 nicht mehr zu veröffentlichen)) sehr angenehm ist, da es ja: 1. ein Werk zerstört; 2. die Moral der arabischen Bevölkerung zu zerstören versucht.) Fazit: 70 Metallarbeiter wurden getötet. Verantwortlicher: Dajan.

Mittwoch vor einer Woche: 8.4.1970: eine ägyptische Volksschule wird bombardiert. Rechtfertigung Dajans: „Es sei vielleicht eine Schule, die aus der Luft nicht erkennbar ist" ! ! Fazit: 30 Kinder und ein Zivilist, 46 Verwundete. Verantwortlicher: Dajan.

Diese systematisch durchgeführten Massaker dienen dazu: 1. Die Moral der arabischen Massen zu zermürben, 2. die regierende israelische Oberschicht von ihrer Angstpsychose zu befreien, indem man beweist, daß Israel über die militärische Überlegenheit verfügt. 3. die arabischen Staaten zu ähnlichen (Vergeltungs-)Aktionen zu veranlassen und den Krieg im Nahen Osten zu eskalieren, um weitere Gebiete für Israel zu gewinnen ( … ) ((Anmerkung ETIKA: aus Angst gestrichen))

Die Augen der Öffentlichkeit sollen auf diese verbrecherischen Massenmorde gerichtet werden. Die bürgerliche westdeutsche Presse berichtet kaum von den Massakern. Man sollte da kritischer sein, ohne zu befürchten, als Antisemit verdächtigt zu werden. Die Menschlichkeit darf nicht teilbar sein. Die moralische oder die finanzielle Unterstützung Israels bedeutet nicht nur die Ermunterung zu solchen Verbrechen, sondern auch die Teilnahme daran.

Soweit der Text des Flugblattes. Verständlich, daß er den Herrschenden des Landes Israel ein Dorn im Auge gewesen ist.

Verständlich, daß sie sich rächen wolllten. Nun, sie haben es getan. Aber sie haben es mit Mitteln getan, die einer freiheitlichen Demokratie unwürdig sind. Taher Musa war damals Versitzender der Münchner Gruppe der General-Union Palästinensischer Studenten. Als solcher, aber auch privat, hat er sich immer gegen die Anwendung von Terrormaßnahmen gewandt, einerlei von welcher Seite. Als Beweis dafür mag ein Brief dienen, den er an einen Freund, ein Münchner AUD-Mitglied, am 15.2.1970 geschrieben hat, kurz nach dem Überfall palästinensischer Freischärler auf eine El-Al-Maschine im Flughafen Riem. In diesem Brief schrieb Taher Musa:

„Wir, die palästinensischen Studenten in München, können die Tat an sich und die Art ihres Begehens nicht billigen. Sicher sind israelische El-Al-Maschinen keine zivilen Maschinen - denn sie transportieren immer wieder Kriegsmaterial aus Europa und Amerika nach Israel; in Deutschland, wo man absolut pro-israelisch ist, kann ich mir nicht erlauben, so etwas zu tun. Damit meinen wir nicht, daß wir also nichts unternehmen sollen. Wir müssen zunächst einmal sehr viel auf der politischen Ebene arbeiten, die öffentliche Meinung mobilisieren - ich weiß, daß es verdammt schwierig ist - und dadurch können wir Israel mehr schaden als durch ein Bombardement in einem ausländischen Flughafen. Ich glaube auch, daß solche Taten der palästinensischen Revolution mehr schaden als nutzen. Die Tat war von einer Außenseiterorganisation begangen, die mit El-Fatah nichts zu tun hat; und wir haben gemerkt, wie die manipulierte Meinung bei Euch alle palästinensischen Bewegungen in einen Topf wirft und sie zu diffamieren versucht."

Der Vorwurf, den Taher Musa hier erhebt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Wie die Ereignisse nach den Olympischen Spielen in München gezeigt haben, besteht er zu recht. Jeder verantwortungsvolle Deutsche kann sich für die araberfeindlichen Maßnahmen seines Staates nur schämen. So werden Probleme geteilter, unterdrückter oder vertriebener Völker nicht gelöst. Wohin soll Taher Musa nun gehen? In seine Heimat, einem Dorf nördlich von Jerusalem, wird ihm die Einreise verweigert. Aus dem Land, in dem er eine zweite Heimat zu finden hoffte, hat man ihn mit Schimpf und Schande davongejagt. Was tun?

 

Bleibt anzumerken, daß das Vorlesungsverzeichnis der Universität München um eine Kuriosität ärmer ist. In den vergangenen fünf Jahren enthielt es nämlich stets (die) Rubrik „Palästina", dahinter die Zahl 1. Dieser eine war Taher Musa, der sich ungeachtet seines jordanischen Passes zu seiner Heimat Palästina bekannte. Gewiß kein Terrorakt, sondern wohl eher ein kleines, bescheidenes Zeichen der Vaterlandsliebe, ein Zeichen der Hoffnung. Wenigstens diese Hoffnung wird man den Palästinensern nicht nehmen können.

Gegen den individuellen Terror

Soweit der Artikel in der „Deutschen Gemeinschaft“. Im Gegensatz zu den tonangebenden Medien war die Stimmung unter den meisten Studenten an der Ludwig-Maximilians-Universität in München damals (als R. L. studierte, 1968 – 1972) pro-palästinensisch. Aber nicht pro Terror, sondern pro Unterdrückte. Die Münchner Studenten-Zeitung widmete am 27. Mai 1970 fast ihre ganze Seite 6 dem Problem. Unter der Überschrift „Arabische Guerillas (FPDLP): Zum individuellen Terror“ war anläßlich eines Terroraktes unter anderem zu lesen

 

Für den Überfall auf den israelischen Schulbus hat sich wieder einmal die „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (FPLP) – nicht zu verwechseln mit der FPDLP – verantwortlich erklärt. Diese terroristische, kleinbürgerliche Vereinigung sabotiert systematisch die notwendige Entwicklung des Volksbefreiungskampfes. Statt das politische Bewußtsein der Massen zu vertiefen …  stattdessen gaukeln diese Terroristen dem Volk vor, „heroische“ Einzelaktionen könnten mit einem Schlag sein Schicksal verändern. … die drei Angriffskriege, in jüngster Zeit die Napalm-Morde an 70 ägyptischen Arbeitern und 30 Schulkindern. Wer aber wie die FPLP vorgibt „Rache zu üben für ihr Blut“, pflanzt den arabischen Völkern nur reaktionäre Ideen ein, die sie zum Anhängsel der herrschenden arabischen Cliquen machen. … Die individualistischen Aktionen (z. B. gegen Flugzeuge) stützen sich auf die Propagierung des individuellen Terrors. Solche Aktionen schaden letzten Endes der palästinensischen Widerstandsbewegung … Der Klassenkampf gegen den Klassenfeind wird damit auf den Kampf gegen Individuen reduziert. … Lenin … Aber diese Aktionen fürchtet der Feind nicht. … Die Stützen des Imperialismus sind die in den arabischen Ländern herrschenden Klassen, die direkt oder indirekt mit ihm verbunden sind. (Anmerkung ETIKA: Wohl nicht alle, Syrien würden wir aus dieser Liste ausklammern.) … Der individualistische Terror führt die Massenbewegung in eine Sackgasse.

 

Wir verkennen nicht, daß diese Marxisten den individualistischen Terror nur deshalb ablehnen, weil sie auf den revolutionären Volkskrieg hinarbeiten. Aber vielleicht steht hinter ihren Überlegungen doch ein klein wenig auch die Stimme ihres Gewissens, das heißt die Erkenntnis, daß es ungerecht ist, Unschuldige zu töten, wie dies bei so vielen Selbstmordanschlägen zum Beispiel auf Märkten im Irak und auch bei den Katjuscha-Angriffen der Hamas auf israelische Siedlungen der Fall ist.

Palästinenser, wegen Eurer Zerstrittenheit erleidet ihr dasselbe Schicksal wie die Kurden. Ihr kommt nie und nimmer zu einem eigenen Staat, wenn ihr auf Waffen der Zerstörung eure Hoffnung setzt. Kämpft mit den Waffen des Geistes. Studiert Gandhi – und ihr werdet siegen und mit allen Nachbarn in Frieden leben können! (www.etika.com , Informationsdienst, 20.1.2009)

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