ETIKA

RUSSLAND

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2.10.2002

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Die religiöse Wiedergeburt Rußlands

Tatjana Goritschewa, Viktor Antonow

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Gut und Böse eng beieinander

Tatjana Goritschewa am 4.5.2000 in Meran

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Tatjana Goritschewa hielt am 4.5.2000 im Haus des Lebens in Meran einen Vortrag. Nachstehend Aufzeichnungen eines Zuhörers über die zweite Hälfte des Vortrags, der bei der Bewegung für das Leben (E-Mail bfl@dnet.it) auf Tonband erhältlich ist.

Alle Kirchen in Rußland sind überfüllt.

Das Böse und das Gute sind in keinem Land so dicht zusammengedrängt wie in Rußland.

90 Prozent der Russen sind arm.

Die Zahl der registrierten Klöster ist von 18 beim Ende des Kommunismus auf 500 angestiegen.

So viele Wunder, Charismen habe ich in keinem Land der Welt gesehen. (Es folgen Beispiele, etwa:) Eine Freundin von mir wurde beim ersten Sprung in ein kaltes Heilwasser von Brustkrebs geheilt.

Der heilige Wahnsinn ist immer da.

Viele gefährliche Sekten gibt es. Schwarze Messen überall (mit furchtbaren, hier unbeschriebenen Greueltaten). Gorbatschow holte den Sektenführer Moon, um eine Eisenbahn zu bauen.

Was kann uns Rußland anbieten?

Geld macht uns kaputt. Vom Geld sind wir dumm geworden.

Abtreibung

Im Durchschnitt macht jede russische Frau fünf bis acht Abtreibungen. Lenin hat alle möglichen Verhütungsmittel verboten, aber die Abtreibung zugelassen. Heute ist es noch schlimmer geworden. Die Abtreibung eines Kindes mit sieben Monaten ist fast gratis. Embryonen, Föten werden verkauft, meist nach Amerika "für wissenschaftliche Zwecke". Wir Christen haben protestiert. Keine Reaktion. Es ist großes Geld. Die Kommunisten haben wenigstens ihre Grenzen gekannt. Eine Million Russen verschwindet jedes Jahr.

Man kann überleben. Gott hilft.

Ich versuche den Ärmsten der Armen zu helfen, den Straßenkindern (in St. Petersburg) etc.

In Deutschland zerfällt jede zweite Familie. In Rußland ist es schlimmer. Man lebt bei den Eltern, kleine Wohnung, wo alles erschwert wird. Scheidung. Kind wird verwöhnt. Für die Mutter ist das Kind alles. Kenne sehr wenige Familien, die "in Ordnung" sind.

Zwischen Deutschen und Russen gibt es eine besondere Beziehung. Zum Beispiel waren alle Prinzessinnen, die die Zaren als Frauen geholt haben, Deutsche. Der russische Adel war zu 50 Prozent deutsch. Menschlich unerklärbar: Es besteht eine ganz tiefe Verbindung zwischen Russen und Deutschen, trotz Hasses gegen das Bürgerliche und den Stumpfsinn der Deutschen. Die ersten russischen Heiligen waren Deutsche. Deutsche Kaufleute spielten eine große Rolle.

Das Fernsehen bestimmt alles

Wie bei Ihnen. Hier werden etwa die albanischen und tschetschenischen Frauen als gut hingestellt, die serbischen als schlecht.

In fünf Minuten ändert man seine Meinung. Kritisch sein! Die Dummheiten im Fernsehen nicht hinnehmen! Die Russen sind genauso naiv wie die Leute hier.

Die Besessenheit in der Welt wächst, die satanische Besessenheit. Immer mehr, sogar viele Kinder trifft es. Vor 20 Jahren gab es das nicht. Unschuldige Kinder - eine besondere Qual. Nicht jeder Priester kann Dämonen austreiben. Ich selbst habe Angst. Wir haben Spione zu Scientology geschickt. Zu den Satanisten ist niemand gegangen, weil kein Segen erteilt wurde. Dämonen in den besten Klöstern: Die Leute schreien unmenschlich während der ganzen Liturgie. (Es folgt eine Geschichte von drei Frauen, die so schrieen, daß sich Kosaken bekehrten.)

Die Klöster: sie haben zuviel Geld wegen der Heilungen, weil die Geheilten viel spenden.

Fatima

Habe als erste Russin Schwester Lucia gesehen. Junges Gesicht, klein von Gestalt. Sie sagte zu mir:

"Tatjana, die Muttergottes liebt Rußland so sehr, aber man muß geistig viel arbeiten."

Maria verbindet uns.

Die heutige Zeit ist zynisch. Geld, keine Werte. Wir wollen keine Politik machen. Das Wichtigste ist, in der Stille zu sein. Wir können nichts ändern in dieser Welt, in der alles verdorben ist.

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Leiden reinigt die Seelen

Dolomiten-Interview
25.5.2000

Titel: Rußland: Leiden reinigt die Seelen
Untertitel: Tatjana Goritschewa: Volk von der Politik enttäuscht - Rückkehr zu den inneren Werten

Meran/Paris (le) - Die russische Philosophin Tatjana Goritschewa (52) sprach kürzlich in Meran über die religiöse Renaissance in ihrer Heimat. Die Bewegung für das Leben hatte die frühere kommunistische Dozentin eingeladen, die zur Dissidentin geworden und nach vielen Verhaftungen ausgewiesen worden war. Die "Dolomiten" stellten der orthodoxen Christin, die heute in St. Petersburg und Paris lebt und zahlreiche Bücher veröffentlicht hat, vier Fragen:

"Dolomiten": Rußland erlebt eine religiöse Renaissance. Wird es sich aus seiner jetzigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krise erheben?

Tatjana Goritschewa: Ich glaube, der russische Mensch braucht immer eine Idee (und eine große Idee). Er wird sich niemals wegen des Geldes bemühen (wohl besser: einspannen) lassen. "Menschenrechte", menschliche Gesetze sind ihm oft auch nur Demagogie.

Nur Gott, nur die höchsten religiösen Werte können ihn beleben. Dann kann er alles opfern. Man öffnet heute viele Klöster und Kirchen in Rußland. Das von der Politik enttäuschte Volk lernt allmählich, gläubig zu sein. In der Kirche wird man ein neuer Mensch. Das ist unsere Hoffnung. Wenn man die Würde (in Gott) findet, wird man auch in dieser Welt wieder kein Räuber, kein Dieb, sondern Diener und Arbeiter sein.

"Dolomiten": Sie waren oft in sowjetischen Gefängnissen. Gibt es etwas, was unter dem Kommunismus besser war als unter dem heutigen Neoliberalismus mit seiner Korruption?

Tatjana Goritschewa: Der Kommunismus war für uns eine bessere Zeit. Alle haben alles umsonst gehabt. Den Hunger hatte man nicht. Die sowjetische Bildung war eine der besten in der Welt (auch umsonst). Wenn man verhaftet war (wie ich, z. B.), hat man gewußt warum. Jetzt werden die Menschen auf der Straße erschossen und niemand weiß, wer der Täter ist. Hunderttausende verschwinden spurlos. Die Gefängnisse sind überfüllt mit Unschuldigen (vor allem), die Verhältnisse dort sind schlimmer als in der Zeit des Kommunismus. An die Stelle des Nihilismus ist der grausame Zynismus getreten.

"Dolomiten": Können Christen gemeinsam die Welt verändern? Oder sollen sie sich aus der Politik heraushalten?

Tatjana Goritschewa: "Ich glaube, daß die Christen, wenn sie zusammenhalten, unsere Welt ständig verändern und besser machen. Die Politik ist immer weniger christlich und immer mehr korrupt. Aber wenn man auch in der Politik erwas Gutes machen kann, darf man diese Möglichkeiten nicht (aus dem Auge) verlieren (oder: ungenutzt lassen).

"Dolomiten": Was kann Rußland der Welt geben?

Tatjana Goritschewa: Rußland geht weiter den Weg des Leidens. Das macht die Menschen klüger. Sie wissen, daß allein ihr himmlischer Vater ihre Rettung ist, deswegen sind sie stark im Gebet, im Vertrauen und in der Reue.

Die westliche Welt ist durch Wohlstand und Bequemlichkeit (Komfort, Luxus) oberflächlich geworden. Das Geld kann alles, nur nicht das einzig Wichtige - die Liebe, die Freundschaft, das Leben, die Wahrheit, die Freiheit, die Schönheit haben keinen Preis.

Ich bitte Sie alle, für mein Land Rußland zu beten. Wir können auch nur mit Gebet und Liebe antworten.

Ihre Tatjana Goritschewa

Bücher von Tatjana Goritschewa:

Die Kraft der Ohnmächtigen - Weisheit aus dem Leiden, Brockhaus, 112 Seiten

Unverhoffte Freude - Erfahrungen einer christlichen Philosophin, Brockhaus, 120 Seiten

Nur Gott kann Rußland retten - Aufzeichnungen in bewegter Zeit, Herder, 140 Seiten

Von Gott zu reden ist gefährlich - Meine Erfahrungen im Osten und im Westen, Herder, 128 Seiten

Unaufhörlich sucht der Mensch das Glück, Eine Reise der Seele, Herderbücherei 1772, 176 Seiten

Die Rettung der Verlorenen - Bekenntnisse, Brockhaus, 96 Seiten

Heilige Mutter Erde, Kösel Verlag, 128 Seiten, gebunden

Hiobs Töchter, Herder Frauenforum, 144 Seiten

Die Kraft christlicher Torheit - Meine Erfahrungen, Herder, 128 Seiten

Broschüren:

Die Gottesmutter in Ost und West - ihre Hilfe bei der Überwindung des Kommunismus und beim Wiederaufblühen der Kirche, 16 Seiten
Die Starzen als Herausforderung an den Westen, 24 Seiten

Die Starzen als geistliche Väter, 64 Seiten

Religiöser Aufbruch in der Sowjetunion, 32 Seiten

Befähigt zum Zeugnis in dieser Welt, Kirchenerfahrung in Ost und West, 32 Seiten

Gedanken über das Leiden und das Märtyrertum, 30 Seiten

Der Kommunismus ist out - was kommt danach?, 12 Seiten

Bedeutung russischer Zentralfiguren aus Werken Dostojewskis, Tolstois und Gontscharows

Zu beziehen beim:

Sekretariat Tatjana Goritschewa,
Sieglinde Fiedler
Königsberger Str. 11
D-67071 Ludwigshafen

Spenden für Straßenkinder:

Diözese Speyer

Aktion - T. Goritschewa -

Postbank Ludwigshafen

Konto Nr. 1748 51-679, Bankleitzahl 545 100 67

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Die religiöse Renaissance Rußlands

Viktor Antonow in Bozen;
gelegentlich

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