ETIKA

RUSSLAND

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2.10.2002

5R504

Russen über den Krieg und die Deutschen

 

Igrinjow, Juri: Russen über den Krieg und die Deutschen

Verlag Werner Symanek,Postfach 1826, D-55388 Bingen. 106 Seiten

Endlich eine gerechte Sicht des II. Weltkrieges, in dem nicht die einen die Bösen und die anderen die Guten sind. Der Verfasser ist Redakteur und hat Briefe gesammelt, die an den Moskauer Rundfunk geschickt wurden. 51 Mütter, Väter, Töchter wenden sich in Briefform an Menschen aus Deutschland, an die sie sich nach 50 Jahren noch erinnern. Juri Igrinjow ist zu derselben Sicht der Dinge gelangt, die auch den Eltern des Rezensenten eigen ist, die beide während des Krieges in Rußland waren und von den Russen eine hohe Meinung haben; von ihnen hat der Letztgenannte auch seine Liebe zur russischen Literatur.

A. Tschmel aus der Siedlung Shasminny im Gebiet Saratow erzählt (Brief Nr.7): "Es geschah im Mai oder Juni 1942 im besetzten Charkow. Unsere Schwägerin ging zum Markt, um einige Sachen zu verkaufen. Der Tag war um, aber es gelang ihr nichts umzusetzen. Zu Hause kein Essen und zwei kinder, ich und der Neffe. Also geht sie heim und weint. Ein Deutscher hielt sie an und fragte: Warum weinst du? Sie antwortete nicht und schleppte sich weiter. Der Deutsche hinterher. Er trat mit ein. Schaute sich um, sah uns Kinder uns ging. In etwa einer halben Stunde war er wieder da - mit einem Laib Brot und zwei Schüsseln mit Marmelade und Butter. Er blieb eine Weile sitzen und sagte, er heiße Harry. Er wäre in Afrika einberufen ... Dieser Brotlaib und die Schüsseln mit Marmelade und Butter waren seine Tagesration ... Mama sagte damals noch: Er hat uns vor dem Hungertod gerettet."

Dies ist der Weg zur Völkerverständigung: Wahrheit - Gerechtigkeit - Barmherzigkeit. Wieviel eint doch Deutsche und Russen, besonders in der jetzigen tödlichen Bedrohung durch den aus dem Westen kommenden Kapitalismus, der nichts anderes ist als brutaler Egoismus und menschenverachtender Materialismus. Gott oder der Mammon!

Briefwechsel mit Deutschen sucht Oxana aus Jekaterinburg. Wir veröffentlichen ihre Bitte unter ETIKA Sympathie.

Wie schön, daß Juri Igrinjow sein Buch unter ein Motto aus der Feder Friedrich Schillers, des größten deutschen Dichters, stellt:

Dem Schlechten mag der Tag gehören,

dem Wahren und Guten gehört die Ewigkeit.

Index 5