ETIKA

TIROL

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10.1.2003 – 25.6.2009

5ST1796

Herz-Jesu-Bund

Die Stimme, Michael Forscher: Tirols Geschichte in Wort und Bild

Zusammenfassung:

Die Tiroler haben den Bund mit dem heiligen Herzen Jesus 1796 gegen die Bedrohung durch die Freimaurer geschlossen. Und aufgrund dieses Bundes und der Volksfrömmigkeit ist das Wort vom Heiligen Land Tirol entstanden. Verteidigen wir Tirol bzw. Südtirol nicht nur gegen die äußeren Feinde, sondern viel mehr noch gegen die Feinde im Innern. Der größte Feind ist der Abfall von Gott und vom katholischen Glauben.

 

Jedes Jahr im Juni wird in ganz Tirol das Herz-Jesu-Fest gefeiert, mit festlichen Gottesdiensten und Prozessionen. Auf den Bergen werden Herz-Jesu-Feuer abgebrannt, oft in Form von Herzen oder Kreuzen, auf Nord- und Osttiroler Seite am Samstagabend, auf Südtiroler Seite am Sonntagabend. Warum eigentlich nicht einheitlich?

 

In der von Elmar Leimgruber herausgegebenen gut katholischen Zeitschrift „Die Stimme“ (Postfach 36, I-39050 Girlan) erschien 1996 ein Sonderteil zum 200jährigen Herz-Jesu-Jubiläum. Um geschichtliche Irrtümer auszuräumen und um auf die wahren Feinde des heiligen Landes Tirol zu verweisen, übernehmen wir nachstehend den dort veröffentlichten Beitrag von Dr. Peter Paul Rainer:

 

Das Herz-Jesu-Gelöbnis aus historischer Sicht

Als Beweis für eine frühe, wenn auch nicht allgemein verbreitete Herz-Jesu-Verehrung kann man das Herz-Jesu-Bild in der Kirche zu Mellaun bei Brixen sehen. Es stammt bereits aus dem Jahre 1464.

 

Die heutige Verehrung des Herzens Jesu geht jedoch auf die vier großen Visionen der hl. Margarethe Maria Alacoque zurück. Im Kloster von Paray Le Monial wies Jesus sie auf seine große Liebe zu den Menschen hin:

 

"Seine Liebe war so groß, daß er das Kreuz für deren Schuld auf sich geladen hat, aber meist dafür nur Undank erntete. Deshalb wünscht er die Verbreitung der Verehrung seines heiligsten Herzens als Wiedergutmachung der vielen Gotteslästerungen, die ständig begangen werden."

 

Als Papst Clemens XII. 1765 gestattet, das Herz-Jesu-Fest mit einer eigenen Meßfeier zu begehen, beginnen die Jesuiten mit Hilfe ihrer häufigen Volksmissionen die Verehrung in ganz Tirol zu verbreiten. So schreiben die Missionare 1768:

 

" ... man kann es als Sieg dieses Herzens ansehen, daß so viele sich zu einer gründlichen Bekehrung entschlossen und unzählige andere Lebensbeichten abgelegt haben."

 

In der Dreifaltigkeitskirche in Innsbruck wird ein Herz-Jesu-Bild zur Verehrung ausgestellt. Es wird eine wahre Volksandacht daraus. Aber bereits 1773 wird der Orden der Jesuiten aufgehoben, und 1782 untersagt, über das Herz Jesu zu predigen bzw. Andachten zu halten. Eine neue Zeit war angebrochen: Der "Josephinismus" Kaiser Josephs II. greift tief in das religiöse Leben ein: das Staatskirchentum als Folge der Aufklärung

·       verbietet jede Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung,

·       alle Bruderschaften werden aufgelöst,

·       Herz-Jesu-Bilder aus den Kirchen entfernt bzw. übermalt.

·       Auf Verbreitung von Schriften stehen hohe Strafen, sogar Kerkerhaft.

 

Wenn also die in Bozen versammelten Bozner Landstände am 1. Juni 1796 ein Gelöbnis an das Herz Jesu abgeben, so darf dies nicht bloß im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Angriff der französischen Revolutionstruppen gesehen werden, sondern als klare und nachträgliche Antwort auf den Geist der Aufklärung, der die Gefühle des Tiroler Volkes zutiefst verletzt hatte.

 

In der Stunde der Bedrängnis nehmen sie gerade zum Herzen Jesu Zuflucht, dessen Verehrung der Staat mit allen Mitteln zu unterdrücken und lächerlich zu machen versuchte.

 

Die Tiroler Freiheitskämpfe wären ohne dieses Gelöbnis "für das ganze Land und für alle Zeiten" nicht denkbar. Sie geben den Willen des Volkes wieder, ihren Glauben und ihre Freiheit gegen alle inneren und äußeren Feinde zu verteidigen. So entwickelt sich im Verständnis der Tiroler ein Bund zwischen dem Volk und Gott, da man sich einem klaren Auftrag verpflichtet fühlt. So werden in Tirol der Monat Juni als Herz-Jesu-Monat und das Herz-Jesu-Fest als höchster Landesfeiertag begangen.

 

In den letzten 198 Jahren, meist in Zeiten der Not und Gefahr, wurde der Bund des öfteren bekräftigt, zuletzt besonders feierlich 1946.

 

·       Heute wie 1796 hat das Gelöbnis dieselbe Aussage, nämlich Volk und Heimat mit der Hilfe Gottes vor inneren und äußeren Gegnern des katholischen Glaubens zu schützen und zu verteidigen.

Dr. Peter Paul Rainer

 

Dies bestätigt im Gegensatz zu so vielen anderen und sogar offiziellen Publikationen auch der Historiker Michael Forcher in seinem im Gedenkjahr 1984 erschienen, auch für die Schulen zugelassenen Werk „Tirols Geschichte in Wort und Bild“ (Haymon-Verlag Innsbruck) auf Seite 116:

 

„Bezeichnend für die Stimmung der Tiroler ist das am 1. Juni 1796 von den Volksvertretern in Bozen beschlossene Gelöbnis, das Herz-Jesu-Fest in allen Tiroler Pfarren besonders feierlich zu begehen. Die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu war seit Mitte des 18. Jahrhunderts vor allem von den Volksmissionaren gefördert worden, wurde jedoch später von besonders eifrigen staatlichen und kirchlichen Aufklärern wieder möglichst unterdrückt, ja sogar mit Verboten belegt, was allgemein viel Unmut auslöste. Trotzdem hob die Regierung alle Herz-Jesu-Bruderschaften auf, setzte auf die Verbreitung von Herz-Jesu-Bildern und Herz-Jesu-Büchern schwere Strafen, ließ das Fest des Herzens Jesu aus den Kalendern streichen. Aus manchen Kirchen wurden Bilder des göttlichen Herzens entfernt.

 

Der Widerstand der Tiroler gegen diese Maßnahmen hatte bis weit in die neunziger Jahre hinein keinen vollen Erfolg. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Herz-Jesu-Gelübde vom 1. Juni 1796, das bald schon als ein Bündnis, als "Gottesbund" im alttestamentarischen Sinn aufgefaßt wurde, eine noch tiefere Bedeutung.

 

Offenbar ging es nicht nur darum, den Beistand Gottes im Kampf gegen äußere Feinde zu erflehen. Es war auch der Höhepunkt einer Auseinandersetzung mit Andersdenkenden im eigenen Land und an der Spitze des österreichischen Staates. In der Beschlußfassung durch die Landstände wird auch ausdrücklich vor einer Behinderung bei der Erfüllung des Gelübdes gewarnt.“

Anmerkung: Was keiner der Autoren zu sagen wagt, wir wagen es: Mit den Worten „Josephinismus“, „Geist der Aufklärung“, „Aufklärer“, „Andersdenkende im eigenen Land“ sind natürlich die Freimaurer gemeint.

Siehe auch Eva Klotz: Georg Klotz

Nachstehend die beiden wichtigsten Texte für diesen Tag:

Gelöbnis zum heiligsten Herzen Jesu
Erneuerung in allen Teilen Tirols am Herz-Jesu-Sonntag vorgeschrieben

V Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, wahrer Gott und Mensch zugleich! Dir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.

A Du sitzest zur Rechten des himmlischen Vaters und wirst in großer Macht und Herrlichkeit kommen mit allen Engeln zum Gericht der ganzen Welt. Bis dahin bist du als guter Hirt und Beschützer deiner Gläubigen wahrhaft bei uns gegenwärtig im heiligsten Sakrament des Altars zur Speise der Seelen.

V Unsere Väter haben in großer Not deinem heiligsten Herzen die Treue gelobt für alle Zeiten.

A Wir erneuern dieses Gelöbnis mit aufrichtigem Herzen und versprechen, dir zu dienen, deine Gebote zu halten und die Ehre deines Namens zu fördern, der so vielfach gelästert und entheiligt wird.

V Auf dich allein setzen wir unser Vertrauen.

A Wende dein göttliches Herz uns zu, auf dass wir in der Kraft deines Armes den Anfechtungen unseres Glaubens widerstehen, in Gerechtigkeit und Frieden dir dienen und unsere Heimat als christliches Land den Nachkommen erhalten. Amen.

(Abgedruckt unter anderem im Gotteslob, Bischöfliches Ordinariat Bozen-Brixen, 1988, Diözesanteil-Ergänzung, Nr. 956, Seite 1024f.)

Herz-Jesu-Bundeslied

Auf zum Schwur, Tiroler Land,
heb zum Himmel Herz und Hand!
Was die Väter einst gelobt,
da der Kriegssturm sie umtobt:
Das geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!
Das geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!

Fest und stark zu unserm Gott
stehen wir trotz Hohn und Spott;
fest am Glauben halten wir,
unsres Landes schönster Zier.
Drum geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!
Drum geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!

Auf dem weiten Erdenrund
gibt es keinen schönern Bund.
Lästern uns die Feinde auch,
Treue ist Tiroler Brauch.
Drum geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!
Drum geloben wir aufs neue:
Jesu Herz, dir ew´ge Treue!

(Text Josef Seeber 1896. Melodie Ignaz Mitterer 1896. Abgedruckt unter anderem im Gotteslob, Bischöfliches Ordinariat Bozen-Brixen, 1988, Diözesanteil-Ergänzung, Nr. 852, Seite 935)

Andreas Hofer, kämpfe für dein Tirol vom Himmel aus!

 

22hoferandreasvonmartinpöll2009 (2).JPG

 

Andreas Hofer, Holzskulptur von Martin Pöll, im Gedenkjahr 2009

 

Siehe auch: Bund mit dem Herzen Jesu gebrochen

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