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Andreas Hofer: Christlicher Held

22.2.2008

 

"Er besiegte den Feind, siegtrunkene Scharen, sich selber: Hoffnung, Lenker und Hort, Opfer und Leuchte Tirols!“
(P. Benitius Mayr, Priester des Servitenordens, Universitätsprofessor und Freund Andreas Hofers)

Ein Mann „der als christlicher Held zum Tode ging und ihn als unerschrockener Märtyrer erlitt“.
(Propst Manifesti)

Gedenkjahr 2009. Alles Gute, Wertvolle, was mit Heimat zu tun hat, wird zersetzt: in Film und Fernsehen, in der Literatur.

In Südtirol wurde dem Zeitgeist entsprechend ein Autorenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem es untersagt ist, den Führer des Tiroler Freiheitskampfes für Glauben und Heimat zu glorifizieren.

Wir aber halten uns an die geschichtlichen Tatsachen. Ignoriert die modernen Schmierfinken und Schwätzer und greift zu Werken wie denen von Karl Paulin und Bernhard Wurzer (Tirols Heldenzeit 1809. Mit vielen Abbildungen. Verlagsanstalt Athesia Bozen, 1959). Es gibt viel verläßliche Literatur; siehe Paulin 216 – 218.

Wie das 70 Seiten starke Bändchen Wurzers gibt das Standardwerk „Das Leben Andreas Hofers und der Tiroler Freiheitskampf 1809 – Nach geschichtlichen Quellen erzählt von Karl Paulin einen hervorragenden Überblick. Es ist ebenfalls mit zahlreichen zeitgenössischen Bildern ausgestattet. Inn-Verlag Innsbruck. Mindestens drei Auflagen von 1951 bis 1958/1959.

Wir können hier nur an einige Fakten und typische Episoden erinnern.

Die Vorfahren Andreas Hofers stammten aus Hofe oder Hofa, der untersten Höfegruppe in Ulfas in Hinterpasseier. Dort lebten im 16. Jahrhundert die Stammeltern Gallus Hofer und Agnes Tscharf. (Sepp Haller, „Dolomiten“, 20. Juni 1996) Die Familie Hofer wanderte dann ab in das unterhalb gelegene Magfeld und 1664 zum Sandhof zwischen St. Leonhard und St. Martin, wo heute ein Museum Fremden und Einheimischen viel zu erzählen hat.

 

Als Andreas Hofer am 22. November 1767 um Mitternacht zur Welt kam, sah die Hebamme über der Platterspitze einen Kometen in Form eines Säbels (Paulin Seite 13).

 

Die Ursache der Volkserhebung 1809 ist in den Angriffen der bayerischen Besatzer auf Freiheit und Glauben der Tiroler zu suchen. Paulin schreibt: „Im Geist der Aufklärung zerstörte das bayrische Ministerium Montgelas … die in Tirol seit jeher fest verwurzelten uralten religiösen Einrichtungen und Gebräuche“ (26). So wurden viele Klöster aufgehoben, die Christmetten verboten und ebenso das Wetterläuten und die Bittprozessionen.

 

Dreimal besiegten die Tiroler unter der Führung von Andreas Hofer die französischen und bayerischen Unterdrücker unter dem Motto „Für Gott, Kaiser und Vaterland“. Tragisch für die „deutschen Brüder“, arme Kriegsknechte in Napoleons Diensten, endete die dreitägige Schlacht der Sachsenklemme. Andreas Hofer regierte dann in Innsbruck, in aller Bescheidenheit. Studenten, die ihn hochleben ließen, antwortete er:

 

„I nöt, ös a nit, der do obn!“

 

Er war ein Mann Gottes, um Gerechtigkeit bemüht und förderte Religion und Moral, wo er konnte. Als typisches Beispiel hierfür diene sein

 

Sittlichkeitserlaß vom 25. August 1809

„Viele meiner gueten Waffenbrüder und Landesvertheidiger haben sich geärgert, daß die Frauenzimmer von allerhand Gattungen ihre Brust- und Armfleisch zu wenig, oder mit durchsichtigen Hüdern bedecken, und also zu sündhaften Reizungen anlaß geben, welches Gott und jedem christlich denkenden misfallen muß. Man hoffet, daß sie sich zu Hinterhaltung der Straffe Gottes beshern (bessern?), widrigenfalls aber sich selbst zuschreiben werden, wenn sie auf eine unliebsame Art mit Dreck bedecket werden.“ (zitiert von Paulin 110)

 

Da der Papst es nicht tut, erneuern wir diesen Sittlichkeitserlaß des Tiroler Landeskommandanten Andreas Hofer und erklären ihn für weltweit gültig. Die Apostel der letzten Zeiten AIHS. 30.1.2008

 

Doch die politische Großwetterlage war ungünstig. Hofer ließ sich gegen stärkste eigene Bedenken von Fanatikern – zwei Landsleute bedrohten ihn mit dem Tode – dazu hinreißen, noch einen vierten, aber aussichtslosen Waffengang zu wagen. Es kam zum „Novembersturm in Passeier“, der tragisch endete. Paulin berichtet: „Während nun im Passeiertal, der Wiege und dem Herd der Volkserhebung, die härtesten der Kämpfer letzte blutige Siegeslorbeeren pflückten, spannte sich das Netz feindlicher Besetzung immer weiter über das Land aus.“ (144) Der letzte größere Sieg gelang am Meraner Küchelberg am 16. November.

 

Einfühlsam schildert Hubert Gundolf (siehe Anhang) die Einsamkeit Andreas Hofers in dem strengen Hochgebirgswinter 1909/10, den er mit seinem Sekretär Kajetan Sveth auf der Pfandleralm verbrachte:

 

„Wie oft in diesen trostlosen Wochen mag er sein Leben an sich vorüberziehen haben lassen: die friedlichen Tage seiner Kindheit …, der Beruf, die Ehe, die Familie, aber auch die Politik, die Verteidigungsbereitschaft, das Beschützenwollen von Gütern, die gottgegeben waren: von Frau und Kindern, Haus und Hof, Heimat und Glaube. … Es müssen Alpträume gewesen sein, die Hofers Leben in der Pfandlalm zur Hölle gemacht haben. Ohne seinen unerschütterlichen Glauben hätte er wahrscheinlich diese Zeit nicht überstanden …“ (Um Tirols Freiheit, Pinguin-Verlag Innsbruck, 1981, S. 125)

 

Die Frau Andreas Hofers hatte sich am Schneeberg versteckt, doch erfuhren dies die Franzosen, und sie floh am Heiligabend mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn zu ihrem Mann auf die Pfandleralm. Aber dessen Versteck wurde von einem Nachbarn, Franz Raffl, verraten. Dieser führte 70 Franzosen und 30 Italiener auf die Pfandleralm.

 

Die Wachen in Saltaus hatten geschlafen, wohl vom Wein eingenebelt, und seinem Freund Josef Thaler, dem Haslerbauer, der ihn warnte, glaubte Andreas Hofer nicht, daß die Feinde schon nahe seien. Am nächsten Tag wollte er durchs Fartleis ins Sarntal und nach Wien fliehen – zu spät.

 

Andreas Hofer und sein treuer Schreiber Kajetan Sweth wurden am frühen Morgen des 28. Jänner 1810 gefangen genommen. Barfuß mußten sie ebenso wie Hofers Frau und der Sohn – diesem erfroren bei dem Marsch an jedem Fuß zwei Zehen – auf Schnee und Eis hinunter nach St. Martin. Der Schnee färbte sich blutig. In Meran wurden sie von den Siegern mit türkischer Musik empfangen.

 

Der Verräter hatte keine glückliche Stunde mehr, „der Fluch des ganzen Tales lag auf dem Judas, sein eigener Vater und die Geschwister wiesen ihm die Türe“ (Paulin 167) und wuschen damit den Namen Raffl rein, der heute in Passeier weiter verbreitet ist denn je.

 

Bernhard Wurzer erzählt: „Die Gefangenen wurden nun zunächst nach Bozen geschleppt, wo Hofers Weib und Sohn auf die Fürbitte edler Frauen endlich freigelassen wurden.“ Am Vormittag des 29. Jänner führte man Andreas Hofer von der Talferbrücke durch die Museumstraße und die Lauben zur Fronfeste St. Afra.

 

Am 30. Jänner wurde er mit Sweth in eine Kutsche Richtung Süden gesetzt, wie Paulin weiter berichtet. Die erste Rast war gegen 5 Uhr nachmittags in Neumarkt, wo er einen Brief an seine Frau schrieb und diesen seinem Freund Vinzenz von Pühler übergab (in Neumarkt gibt es ein Hotel und Restaurant „Andreas Hofer“ mit Gedenkinschrift). Dann ging es weiter über Trient (Domplatz), Rovereto und Ala bis Mantua, das am 5. Februar erreicht wurde.

 

Laut Bernhard Wurzer fand Hofer unterwegs „einmal eine schöne Gelegenheit, zu entfliehen; er benützte sie aber nicht, weil er dies für unehrlich hielt“. Hofer wurde zu vielen anderen Tiroler Freiheitskämpfern in den Al-Vaso-Turm der Citadella di Porto gesperrt. „Während seiner Kerkerkhaft zu Mantua suchte er mit seinem Gefährten Trost im Gebete, besonders im Rosenkranzgebete, das ihm von jeher besonders lieb war. Daraus schöpfte er jene bewundernswerte Seelenruhe und Charakterfestigkeit, die ihn in den schweren Stunden zu Mantua nie verließ.“ (Wurzer ebenfalls S. 46)

 

Napoleon befahl seine Hinrichtung, obwohl Vizekönig Beauharnais Hofer zur Begnadigung empfohlen hatte. (Paulin)

 

Am Morgen des 20. Februar 1810 hörte Andreas Hofer sein Todesurteil, beichtete, bekam die letzte Wegzehrung und schrieb seinen letzten Brief, in dem es heißt:

 

„Ade mein schnede Welt, so leicht khombt mir das sterben for, das mir nit die augen naß werden.

Geschrieben um 5 urr in der frue, und um 9 urr Reiss ich mit der hilfe aller heillig zu gott.“

 

Tirol wurde am 28.2.1810 in drei Teile zerrissen, nämlich aufgeteilt auf die Königreiche Bayern, Italien und Illyrien. Napoleon selbst gab den Bayern die Hauptschuld an der tirolischen Volkserhebung, wie Wurzer (S. 49) schreibt, und sagte:

 

„Die Bayern haben es nicht verstanden, Tirol zu regieren; sie sind dieses tapferen Volkes, dessen Gegenwehr mir Achtung einflößt, gar nicht wert!“

 

1813 wurde Südtirol befreit. In Lienz und Umgebung sammelte nach einem Aufruf von Feldzeugmeister Hiller aus der Steiermark Feldmarschall-Leutnant Franz Philipp Fenner von Fennberg (Fennberg gehört zu Margreid im Südtiroler Unterland) die Patrioten. Freiwillige bildeten laut Wurzer zwei Schützenkompanien. Das Fenner’sche Freikorps zog bis Brixen und zum Brenner. Der aus dem Exil zurückgekehrte Kapuzinerpater Haspinger rief wie andernorts andere Freiheitskämpfer erneut zu den Waffen, und von Saltaus aus zog er mit Passeirern nach Meran, wo er etliche Verhaftungen vornahm. Dieses letzte Verdienst Haspingers wird immer vergessen, denn er wird in der Regel einseitig als Fanatiker dargestellt, der Hofer ins Unglück gestürzt habe. Beim Jüngsten Gericht werden wir in allen Einzelheiten erfahren, wie es damals zugegangen ist. Jedenfalls wurde Tirol am 14. Juni 1814 wiedervereinigt – für 105 Jahre.

 

Erfreulicherweise würdigt Karl Paulin in seinem Buch auch zwei weitere deutsche Freiheitskämpfer von 1809: Ferdinand von Schill und Friedrich Wilhelm Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Oels. Beide starben im Kampf gegen Napoleon den Heldentod, der erste am 31. Mai 1809, der zweite am 16. Juni 1815.

 

Paulin erinnert auch an die 40.000 Tiroler, die im ersten Weltkrieg ihr Leben für das bedrohte Vaterland opferten, und die „Neuordnung“ von 1919 gegen jedes völkische Selbstbestimmungsrecht, nämlich die Zerreißung Tirols.

 

Glaubt den Geschichtsverfälschern von heute nicht! Es gibt der Wissenschaft verpflichtete Historiker, und es gibt linke und liberale Historiker, die ihren Beruf mißbrauchen, um ihre Ideologie zu verbreiten. Lest gute Bücher von früher! Es gibt sie noch.

 

Andreas Hofer im Himmel,

du hast gegen die Feinde von außen gekämpft,
wir müssen auch gegen die Feinde im Innern kämpfen.

Hilf uns, erflehe uns die Unterstützung des Königs der Könige, des Herren über alles, was ist!

Möge Er Seine Engel schicken, damit das Heilige Land Tirol auch in der Endzeit Gottes Hort bleibt!

Und möge Er uns ein ewiges Tirol im Himmel schenken!

Jesu Herz, Dir ew’ge Treue!

 

Tips:

Das Grab Andreas Hofers befindet sich seit 1823 in der Hofkirche zu Innsbruck.

Am Sandhof vor St. Leonhard im Passeier lädt ein sehenswertes Museum zum Besuch ein. Mehrere Gaststätten der Umgebung, darunter das „Lamm“ (Mitterwirt) unter der Kirche von St. Martin sowie der „Brühwirt“ in St. Leonhard neben der Kirche und dem Friedhof (wo im Eck ein anderer Südtiroler Freiheitskämpfer, Georg Klotz, begraben liegt), sind von Andreas Hofer oft besucht worden.

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin wird in der Abteilung „Von der Französischen Revolution 1789 bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871“ eine permanente Schau gezeigt: „Die Tiroler Erhebung 1809 und Andreas Hofer“.  Darüber berichteten die „Dolomiten“ am 8.1.2007 auf einer ganzen Seite.

Zur Literatur:

Karl Paulin: „Das Leben Andreas Hofers“. Der Verfasser wurde in Brixen geboren, wuchs in Bozen auf, ließ sich in Aachen und Wien zum Buchhändler ausbilden und wurde nach dem Ersten Weltkrieg Schriftleiter der „Innsbrucker Nachrichten“ und der „Neuesten Zeitung“ sowie der Monatszeitschrift „Das Bergland“. Er gab auch den Kalender „Alpenbote“ heraus und setzte sich für das „ungeteilte Tirol“ ein. 1951 wurde er zusammen mit Kanonikus Michael Gamper Ehrenmitglied der Universität Innsbruck; auch mit „Dolomiten“-Schriftleiter Anton Romen war er befreundet. („Dolomiten“, 11.2.2008, eljoka) Er hat einen ähnlich markanten Tiroler Schädel wie der nachgenannte Journalist.

Hubert Gundolf: „Um Tirols Freiheit“. Pinguin-Verlag Innsbruck. 1981. 216 Seiten. Für die „Dolomiten“ rezensierte „le“ am 15.12.1983:

„Durch die Geschichte Tirols zieht sich ein roter Faden: Die Freiheitsliebe. Immer wieder im Lauf der Jahrhunderte war das Volk gezwungen, sich gegen äußere Feinde zu verteidigen. Ein Meister hat es unternommen, diesen Kampf um Selbstbehauptung spannend darzustellen. Und zwar ein Meister jener selten Kunst, in kurzen Sätzen mehr auszudrücken als andere in den kompliziertesten Bandwurmsätzen.

In die zweihundert Seiten des Buches hat der Tiroler Journalist Hubert Gundolf eine unglaubliche Fülle von Stoff gepackt; andere bräuchten mehrere Bände dazu. Nirgendwo finden sich nutzlose Abschweifungen. Dichtgedrängt sind Tatsachen und Namen. Alles bleibt lesbar. Aus dem Sprachgebrauch gekommene Begriffe wie Aufgebot, Bann, Lehen, Regalien, Sidonie oder Laieninvestitur werden erklärt. Dazu hat der Autor eindrucksvolle Abbildungen ausgewählt, von einem Faksimile des Landlibells von Kaiser Maximilian über stimmungsvolle Gemälde und Stiche von Schlachten und Zeitereignissen bis hin zu Porträts bedeutender Tiroler wie P. Haspinger, Sepp Innerkofler und – welcher Mut – sogar der jüngsten Vergangenheit. (Anmerkung ETIKA: Luis Amplatz und Georg Klotz auf Seite 168)

Gundolf betrachtet die Ereignisse mit den Augen des überzeugten Tirolers, Österreichers und Demokraten. Dabei kommt nach den ausführlichen Abhandlungen über die Entstehung des Landes und die Freiheitskriege das 20. Jahrhundert nicht zu kurz. Viele Leser dürfte überraschen, welch weitverzweigtes Netz die Widerstandsbewegung in der NS-Ära aufgebaut hatte. Namen aus jenem Kapitel entdeckt man sogar in dem anderen, das die Anschläge der sechziger Jahre behandelt. (Anmerkung: Molden, Heuberger u. a.)

Zwei winzige Unkorrektheiten: Köpenickiade (es geht um den Marsch Mussolinis auf Bozen und die Absetzung Bürgermeister Perathoners am 2. Oktober 1922, Seite 180) schreibt man mit ck und den Angehörigen der österreichischen Widerstandsgruppe „05“ und fränkischen Prinzen Dr. Hubert Hohenlohe-Schillingsfürst nicht ohne s in der Mitte (Seite 195).

Zum Schluß warnt der Verfasser vor einer Verwechslung: Unter Freiheit versteht der Tiroler etwas anderes als jene Jugendliche, die mit Transparenten „Frei sein, high sein, Terror muß dabei sein“ durch die Straßen ziehen. (le)

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