ETIKA

SÜDTIROLER UNTERLAND

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20.12.1998

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Die Welt der Väter

Franz Hauser

Franz Hauser: Die Welt der Väter, Bilder vom Leben und von der Arbeit im Südtiroler Unterland und im Überetsch, Tappeiner Verlag Lana © 1994 ISBN 88-7073-178-2

Ein kleines Haus, ringsum ein kleiner Acker, eine Kuh, ein paar Ziegen, Hühner, einige Obstbäume, ein Garten - dies ist der Besitz eines Kleinhäuslers. Alles andere mußte dazuverdient werden.

Ein Leben für die Arbeit, Arbeit fürīs Leben

Die Moidl von Aldein bei der großen Wäsche

Beim Proschgletführen

Beim Türggtschillen. Das war eine gesellige Arbeit, bei der Nachbarn und Freunde sich trafen.
Den Mädchen bot sich daher eine besonders gute Gelegenheit, sich einen jungen Burschen einzufangen.

Zeiten des Wandels: Seit den sechziger Jahren ist der Süden Südtirols ein riesiges Obstanbaugebiet. Nach und nach haben die Apfelbäume die Türggäcker (Anmerkung: Maisäcker) aus dem Landschaftsbild verdrängt. Doch auch die einzeln stehenden großen Obstbäume sind mittlerweile verschwunden; vorherrschend sind nun gerade Reihen dicht stehender, niederer Bäume, die die maschinelle Pflege und die Ernte erleichtern.

Ein Kleinod in Margreid

Nur eine Viertelstunde Gehzeit südlich des Margreider Ortskerns liegt zu Füßen der steil abfallenden Fennberger Felsen der Weiler Lafot, und einige Steinwürfe oberhalb von ihm steht auf einem lauschigen Plätzchen das Bildstöckl der heiligen Lucia. Dort hinauf pilgern am 13. Dezember, dem Fest der hl. Lucia, Gläubige aus Margreid und den umliegenden Dörfern.

Die heilige Lucia starb als jungfräuliche Märtyrin im Jahre 304 zu Syrakus. Sie hatte die Liebe zu Christus der Liebe eines heidnischen Jünglings vorgezogen, und dieser ließ sie dafür enthaupten. Wegen ihres Heldenmuts wurde Lucia schon früh von der ganzen Christenheit verehrt. Kein Wunder, daß man ihr zu Ehren auch hierzulande Bildstöcke oder Kapellen errichtete. Daß sie als Helferin für Augenleidende gilt, hat wohl mit ihrem Namen zu tun, der "die Leuchtende" bedeutet (lateinisch lux: das Licht).

Über die Entstehung des Bildstöckls in Margreid berichtet die Legende folgendes:
Ein Kalkbrenner fiel in den Kalkofen, wobei ihm ungelöschter Kalkstaub in die Augen drang. Der Mann betete innig zur hl. Lucia und versprach, falls ihm das Augenlicht erhalten bliebe, zu Ehren der Heiligen ein Bildstöckl zu errichten. Er wurde erhört und hielt sein Versprechen.

Das Bildstöckl ist heute noch zu bewundern. Die Leute, die es besuchen, zünden Kerzen an, verharren in stillem Gebet und sprechen nur im Flüsterton miteinander, um dem heiligen Ort die Ehrfurcht zu erweisen, die ihm gebührt. Manche legen auch etwas Opfergeld in die Nische hinter den brennenden Kerzen.

Die in der Nähe des Bildstöckls wohnenden Familien feiern den Tag der hl. Lucia wie einen kleinen Kirchtag, und den vorbeikommenden "Pilgern" wird gern Speis und Trank angeboten - ein schöner Brauch, der hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Text und Fotos: Franz Hauser

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