ETIKA

SÜDTIROL

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24.6.2003

5ST5AK1

Gedenken an Luis Amplatz und Georg Klotz

 

Zum Gedenkkreuz unter der Europabrücke / Stubai

Brenner-Autobahn oder Staatsstraße: Ausfahrt Schönberg Richtung Stubai. Bevor man nach Fulpmes kommt, vor Telfes rechts ab ins Tal. Auto links oder rechts vom Ruetzbach stehen lassen. Talabwärts wandern, zunächst eben durch Wiesen, dann aufwärts durch Wald. Am Gallhof vorbei bis zur Abzweigung Telfer Wiesen und geradeaus weiter, bis ein großes rot-weißes Schild zu sehen ist. Dort rechts hinunter durch Fichtenwald bis zum Bach. Hin- und Rückweg vom Schild zur verfallenen Hütte ca. 40 Minuten. Daneben Gedenkkreuz mit verblichenen Schützenbändern.

Ein paar Stunden muß man einplanen. Wer Zeit hat, kann den dreimal so langen Weg über Telfes gehen, indem er auf dem Rückweg an der Abzweigung Telfer Wiesen rechts aufwärts über die Wiesen und dann vor dem Wald links geht. (Pfingsten 2003)

Sepp Mitterhofer: Ist ihr Opfer umsonst gewesen?

Erhebende Gedenkmesse 35 Jahre nach dem Attentat auf die Anführer der Südtiroler Freiheitskämpfer

Der Weg war steil und glatt nach dem vorangegangenen Regen, doch rund 150 Personen aus allen Landesteilen fanden im wallenden Nebel von Saltaus, dem Eingang ins Passeier, hinauf zu den Brunner Mahdern (1567 m). Die weiß-rote Tiroler Fahne und die grün-weiße Schützenfahne wehten über dem Ort, wo alle fünf Jahre der Ermordung des Südtiroler Freiheitskämpfers Luis Amplatz gedacht wird. Man sah viele herzerfrischende Tiroler Gesichter, junge und alte - eine doch immer seltenere Zierde dieses gottgesegneten Landes - und nur wenige verdächtige Typen.

Für festliche Stimmung sorgte die Bläsergruppe Saltaus. Schützen aus dem Burggrafenamt standen Spalier; jene aus Bozen-Gries, zu denen Luis Amplatz gehört hatte, fehlten wie immer. Alle Ansprachen zeugten von Mut und Idealismus. Der Bezirksobmann des Südtiroler Heimatbundes, Roman Öttl, hieß die jungen und alten Tirolerinnen und Tiroler mit herzlichen Worten willkommen. Im Mittelpunkt der Feier stand der Gottesdienst, den Pater Rainald Romaner, selbst ein Schütze, zelebrierte. In seiner Predigt würdigte er das schwere Opfer, das Luis Amplatz, Georg Klotz und die anderen Südtiroler Freiheitskämpfer für ihr Land gebracht haben. Er bat um Verständnis für jene Männer, die aus Liebe zu ihrer Heimat ihrem Gewissen gefolgt seien.

Die offizielle Heldenehrung nahm der Schützenmajor des Bezirks Burggrafenamt, Hans Staffler, vor. Er wandte sich gegen Pläne, die von den Faschisten eingeführten künstlichen italienischen Ortsnamen zu belassen. Auch wenn offiziell beide Versionen Geltung hätten, so würde man doch im Ausland immer nur Bolzano, Merano und Burgraviato (für Burggrafenamt) hören.

Noch mehr politische Brisanz hatte die Rede von Sepp Mitterhofer, dem Bundesobmann des Südtiroler Heimatbundes, in dem sich die ehemaligen politischen Häftlinge zusammengeschlossen haben. Er erinnerte zunächst daran, daß Luis Amplatz aus Gries von einem gedungenen Mörder im Schlaf erschossen wurde. Jörg Klotz kam mit einer schweren Verwundung davon. Luis Amplatz habe seine Liebe zur Heimat mit dem Tod seines jungen Lebens bezahlt.

Sepp Mitterhofer weiter: "Wenn wir den heutigen Trend der Mehrheitspartei in der Südtirolpolitik analysieren, dann müssen wir uns wirklich fragen, ob der Opfertod von Luis Amplatz und seinen Kameraden nicht umsonst war. Wenn zum Beispiel eine Sammelpartei, welche vorgibt, eine von der fortschreitenden Assimilierung bedrohte und um ihre Identität ringende Volksgruppe zu vertreten, sich dem Staatsvolk öffnen will, dessen Regierungen uns jahrzehntelang um unsere Rechte betrogen haben, dann ist die Frage wohl berechtigt, ob die Anschläge mit all ihren Opfern und Leiden nicht umsonst waren.

Was nützen uns die vielen Milliarden und der Wohlstand, wenn dabei aber ausschlaggebende Werte wie Idealismus, der Wille zum Volkstumskampf und die Tiroler Identität verloren gehen? Auch wir begrüßen den Wohlstand, wenn er bewußt gelebt wird, aber wenn er zum Schaden eines Volkes gereicht, dann ist er verwerflich. Wir haben vor bald 40 Jahren für die Wiedervereinigung Tirols gekämpft und den Kopf hergehalten - und nicht für die Autonomie, wie Durnwalder voriges Jahr beim 40jährigen Schützenbund-Jubiläum im Meraner Kursaal behauptet hat. Diese Autonomie ist zwar als Übergangslösung brauchbar, aber unser Ziel bleibt nach wie vor die Wiedervereinigung Tirols. Wenn aber unsere Autonomie so gehandhabt wird, daß sich die negativen Seiten des Wohlstands so auswirken, daß die Tiroler Identität geschwächt wird, dann kann sich der Milliardensegen zum Fluch eines Volkes auswirken.

Wir müssen die Flamme der Freiheit hochhalten, es wird wieder eine Zeit kommen, wo man uns braucht und unsere Zielsetzung einen Wert bekommt, und dann müssen wir gerüstet sein. Ein altes Sprichwort sagt: "Dem Mutigen gehört die Welt". Ich will nun mit den sinnvollen Worten abschließen, welche auf dem Grabstein von Luis Amplatz zu lesen sind:

"Freund, der Du die Sonne noch schaust, grüß mir die Heimat, die ich mehr geliebt als mein Leben."


Nach der Feier rekonstruierte Eva Klotz, Tochter des Schützenmajors Georg Klotz und Landtagsabgeordnete, an Ort und Stelle den Tathergang. Jörg Klotz lag, wenn man vom jetzigen Hütteingang hineinschaut, in der linken hinteren Ecke, neben dem hochgelegenen "Eingang". Rechts hinten schlief Luis Amplatz. Merkwürdigerweise erinnerte sich Georg Klotz an ein Stimmengemurmel vor der Tat außerhalb der Hütte. Als er dann aber nach den Schüssen auf Luis Amplatz und sich selbst durch die Luke floh und herumhorchte, war alles totenstill. Hinter der Hütte war damals ein Jungwald, und er flüchtete dort hinab. Als die italienischen Sicherheitskräfte später kamen, feuerten sie in den Abgrund, und zwar so viele Schüsse, daß nicht einmal eine Maus überlebt hätte, wie Eva Klotz hörte. Auch in den Balken der Hütte wurden mehrere Kugeln gefunden, und man weiß nicht, ob sie während des Anschlages oder erst später abgefeuert wurden. Jedenfalls können die Schüsse aus vier Positionen gefallen sein.

Erst kürzlich hat Eva Klotz von der Wiener Polizei erfahren, daß auf dem Hemd ihres Vaters Schmauchspuren gefunden worden. Das würde bedeuten, daß der Täter das Gewehr Georg Klotz ziemlich dicht an den Leib gehalten hat.

Der in Abwesenheit in Perugia wegen des Mordes zu 22 Jahren Gefängnis verurteilte Spitzel Christian Kerbler war in London festgenommen und freigelassen worden, weil der italienische Auslieferungsantrag zu spät gestellt war. Dann wurde er angeblich in Südafrika gesichtet - eine Überprüfung der betreffenden Person brachte allerdings keine Klarheit. Die letzte Nachricht: Kerbler, der auch bei der französischen Fremdenlegion gewesen sein soll, hat sich angeblich zweimal in Livorno mit einem deutschen Geistlichen getroffen, den er aus seiner Pfadfinderzeit* her kennt. Der Monsignore streitet aber diese Begegnungen ab. Kerbler wird immer noch international gesucht. Mord verjährt nicht.

Eva Klotz beschrieb auch die abenteuerliche Flucht ihres schwer verwundeten Vaters. In 43 Stunden, blutend und verfolgt, hatte sich Georg Klotz über Moos, Stuls und den Schneeberg zur österreichischen Siegerlandhütte durchgekämpft. Leute, die ebenfalls dort übernachteten, hörten sein Röcheln. Die vom Hüttenwirt daraufhin verständigte Gendarmerie nahm ihn fest. Er wurde sofort ins Krankenhaus Wörgl gebracht. Die Kugel wurde ihm dort herausoperiert, was seine Rettung war.

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Siehe auch "Dolomiten", 8.9.1999, Seite 21 Meran, www.dolomiten.it

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Anmerkung: Kerbler soll homosexuell sein, und so langsam geht uns der Hut hoch, was sich alles in Pfadfinderkreisen abspielt; wir denken auch an eine frühere Episode in Südtirol; Gerichte in Großbritannien und Nordamerika haben den Homosexuellen den Weg in diese ehrenwerte Vereinigung geebnet, in der bisher der Jugendschutz hochgehalten wurde; nun dürfen Homosexuelle sogar Kinder und Jugendliche ausbilden; eine ähnliche Entwicklung bahnt sich in der deutschen Bundeswehr an. In Innsbruck wurde der 51jährige frühere Pfadfinderführer Robert N. mit "lätenter pädophiler homosexueller Neigung" (Gerichtspsychiater, Staatsanwalt) wegen Mordes zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte einen zwölfjährigen ehemaligen Pfadfinder-Schützling von den Eltern entfremdet und gefügig gemacht, mit ihm angeblich den gemeinsamen Selbstmord vereinbart und den Buben beim Selbstmord unterstützt. (Zeitungen vom 13.8.1999 APA)

Amplatz-Mörder Christian Kerbler darf wieder nach Italien, Österreich und Deutschland einreisen, ohne verhaftet zu werden. Aufgrund Verjährung. (tageszeitung, Bozen, Mitte oder Anfang Juni 2003)

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