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SÜDTIROL

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Georg-Klotz-Weg

Stand 19.7.2009

Der Familie Klotz und allen Tiroler Schützen gewidmet

Quellen für die nachstehende Beschreibung des Georg-Klotz-Fluchtweges:

·       Eva Klotz: Georg Klotz – Freiheitskämpfer für die Einheit Tirols. Eine Biographie. 350 Seiten, mit Fotos und Wegskizze. Molden Verlag, Wien. 2002

·       Teilnahme an erster Begehung des Weges nach 42 Jahren durch den Afrikamissionar P. Adolf Pöll (geb. 1940, Bericht über sein 40jähriges Priesterjubiläum am 14.8.2006 in den „Dolomiten“, S. 10), damals Führer von Georg Klotz, am 31. 8. (UlfasPasser) und 1. 9. 2006 (Gewaltmarsch Hochalm – Windachscharte in 8 Stunden; P. Adolf war in Hochform, in der Woche darauf bezwang er den Ortler)

·       Mehrmaliges Abgehen der Strecke und dabei erhaltene Auskünfte durch Zeitzeugen und Ortskundige

Zusammenfassung: Der bei einem Mordanschlag schwer verwundete Südtiroler Freiheitskämpfer Georg Klotz legte bei seiner legendären 42stündigen Flucht durch die Texelgruppe und über die Ötztaler Alpen folgende Wegstrecke zurück:

Montag, 7. September 1964, gegen 2 Uhr früh, Brunner Mahder (1567 m) oberhalb Saltaus zwischen Meran und St. Martin. Der Verräter Christian Kerbler ermordet den Südtiroler Freiheitskämpfer Luis Amplatz und schießt Georg Klotz an. Der schwer verwundete Klotz flieht über Valtelehof, Pfarrer und Ulfaser Alm nach Ulfas. Von dort führt ihn der Theologiestudent Adolf Pöll links an Platt vorbei hinunter zur Passer, die sie auf einem schlüpfrigen Baumstamm überqueren. Unterhalb vom „Zoll“ aufwärts bis Stuls und zu den Stuller Mahdern. Hinüber in die Nähe der Egger-Grub-Alm und der jetzigen Hochalm. Dann Richtung Norden vermutlich über den Sattel Gföll (2300 – 2400 m) ins Tal des Schönauer Baches hinab (ca. 1800 m) und drüben wieder hinauf, unterhalb des Schneeberghauses vorbei und hinauf zur Karlscharte (2632 m). Weniger wahrscheinlich erscheint heute, daß sie den Weg über das Kreuzjoch (2535 m) und die östliche Talseite nehmen. An der Karlscharte kommen als Führer zusätzlich Franz und Hans dazu. Weitermarsch zum Großen Schwarzsee (2505 m) und zur Windachscharte (2844 m). Dort verabschieden sich am Dienstag, 8. September, zwischen 19 Uhr und 20 Uhr die Helfer und steigen ab zur Timmelsbrücke. Georg Klotz geht allein weiter zur Siegerland-Hütte (2710 m) auf österreichischem Staatsgebiet.

Genaue Wegbeschreibung:

Brunner Mahder (ca. 1525 m, heute Gedenkstätte, Zufahrt von Saltaus    zwischen Meran und St. Martin i. P. — mit Pkw möglich bis Larcher, 1083 m, dann auf neuem Luis-Amplatz-Steig empor). Georg Klotz springt nach den Schüssen barfuß in die neben dem Heugaden (Heuhütte) liegende Schlucht, quert kleine Täler, geht einmal im Bach, um Spur zu verwischen, umgeht Magdfeld, bleibt am Waldrand, watet durch den eiskalten Kalmbach, erreicht Almberg, wo er rasten darf und erste Hilfe bekommt. Weiter zum Valtelehof (ca. 1100 m), wo ihm in der Mühle ein Notverband angelegt wird. Über die Hochmure und durch die steile, zerklüftete Bergflanke (abenteuerliche Strecke) setzt er den Weg fort bis zum Pfarrer (Gegend um die Waaler Hütte, 1520 m); von dort erreicht er über die Ulfaser Alm (1601 m) um 20 Uhr den Pichl-Hof in Ulfas. Dort wird er (laut Albin Pöll) in der Waschküche eines heute noch bestehenden kleinen Häusls neben dem Bauernhaus weiter versorgt und für seinen langen Marsch ausgerüstet.

Um 21 Uhr verlassen Georg Klotz und sein Führer, der Theologiestudent Adolf Pöll, den Hof. Sie gehen über Wiesen schräg hinunter zum Waldrand, wo damals eine Mühle stand. Wenn man den gleichen Weg heute gehen will, benutzt man den überwachsenen Kirchweg, quert die asphaltierte Straße und geht auf einem Feldweg schräg abwärts. Nach einem Holzgatter kommt man auf dem rotweiß markierten Waldweg oberhalb des Pfeiferhofes vorbei, bis zu einer asphaltierten Straße. Auf dieser geht man weiter. Durch den Wald rechts an Tasach vorbei. Ein Steig führt aufwärts zurück, dann geht es schräg steil abwärts durch den Wald, bis man zu einem Pfad am Waldrand gelangt, der abwärts führt zu einem Bildstöckl vor Tasach. Man geht die Straße hinunter und erreicht über einen Pfad im Wald unterhalb der Straße nach Ulfas eine neue Siedlung von Platt, geht durch die Häuser hindurch zu dem Steig, der links am letzten Haus vorbeiführt. Dann geht es steil hinab durch den Wald zum Ortseingang von Platt. Damals stiegen Georg Klotz und Adolf Pöll über die Wiesen ab. Heute benutzt man besser den Steig, der vom Ortseingang über Stufen abwärts führt, geht dann aber nicht nach links zu dem Haus an der Kurve, sondern geradeaus abwärts am Waldrand entlang noch hundert oder 200 Meter links, steigt dann (ungefähr unterhalb von Bad Sand) durch die Wildnis abwärts, bis man den größten Felsen dieser Gegend findet, über den Georg Klotz damals in der Finsternis abrutschte, und steht dann nach zehn oder 20 Metern an der Passer. Der Baumstamm könnte vielleicht dort gelegen haben, wo heute die Mauer eines Kraftwerkes die Passer bändigt.

Tip für Wanderer: Den genauen Weg von Georg Klotz nachzuverfolgen ist sehr mühsam. Von den Brunner Mahdern steigt man am besten wieder auf dem Weg 6 ab bis zum Larcher, geht auf der Straße weiter bis zur Kurve und benutzt dann nordwärts den Meraner Höhenweg Nr. 24, vorbei am Schaffler (1004 m) bis Magdfeld und Matatz (Almberg und Valtelehof liegen etwas oberhalb des Wanderweges; das Gasthaus Valtelehof ist auf jeden Fall den kurzen Abstecher wert, Tel. 0473 64 13 29). Wer es eilig hat, kann auf dem Meraner Höhenweg bis Ulfas wandern, allerdings über Christl (wo Klotz nicht vorbeikam), und von dort auf der Straße oder Abkürzungen hinunter nach Platt und Moos. Wer Zeit hat, steigt (nicht zu früh, da Gelände steil und unwegsam!) etwa oberhalb von Flon ohne Weg (oder von Christl, 1183 m, auf Weg 3, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit von Ostern bis Ende Oktober) auf zur einsamen Waaler Hütte (1520 m, Pfarrer, Einkehrmöglichkeit) und gelangt auf dem herrlichen Waalweg (mit einer längeren Unterbrechung) bis zur Ulfaser Alm (1601 m, viel besucht, Einkehrmöglichkeit). Von dort auf der Forststraße und asphaltierten Straße abwärts am Parkplatz vorbei und durch eine Häusergruppe, bis links ein Sträßchen abzweigt zu den Pichl-Höfen. Wem die im vorigen Absatz beschriebene Strecke zu kompliziert ist, der bleibt einfach auf der Straße, stattet dem schönen Ulfaser Kirchlein (1369 m) einen Besuch ab, das dem hl. Korbinian geweiht ist (Ulfas, seit dem 7. Jahrhundert bajuwarisch, gehörte als Alpe von Kuens seit 1026 dem Hochstift Freising; Korbinian, der Bischof von Freising, lebte als Einsiedler in Kuens und besuchte vielleicht auch Ulfas, wie P. Adolf in der Predigt zum Patrozinium am 9. 9. meinte), blickt auf die untere Höfegruppe Hofe, von welcher die Vorfahren von Andreas Hofer stammen, und geht von der Kirche an der aufschlußreichen Informationssäule vorbei den Weg nach Platt und Moos (in beiden Orten Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, ebenso danach in Stuls).

Dienstag 8. September. Klotz und Pöll gehen auf der anderen Seite der Passer entlang, bis sie zur Straße Moos — St. Leonhard aufsteigen können. Sie verfehlen den Steig nach Stuls zwischen dem ersten und zweiten Tunnel und müssen deshalb zeitraubend auf der gefährlichen Straße zum „Zoll“ (ein Gebäude an einer Kurve, 885 m) und weiter abwärts, bis es ihnen gelingt, links nach Stuls aufzusteigen. Sie gehen am Tonigerhof vorbei durch Stuls zu Wiesen oberhalb der Kirche und hinauf zu den Stuller Mahdern. In einem Gaden (kleiner Heustadel) läßt Adolf Georg Klotz zwei Stunden schlafen. Im Morgenlicht sehen sie, wie es auf der gegenüberliegenden Talseite auf dem Pichl-Hof von Uniformierten wimmelt. Nach Sonnenaufgang (etwa halb sieben Uhr Normalzeit) gehen sie weiter bergan, wohl auf dem heutigen Weg 15 oder 15b.

Tip für Wanderer: Zur gegenüberliegenden Seite der Passer kann man heute, wenn man will, von Moos her auf einer Straße hinuntergehen, etliche hundert Meter abwärts gehen und dann, sobald es das Gelände erlaubt, links hinaufsteigen zur Straße und auf dieser zum „Zoll“ (885 m). Einfacher ist es, von Moos auf der Asphaltstraße direkt zu dem Haus am „Zoll“ zu marschieren. Weitere 400 Meter abwärts in Richtung St. Leonhard zweigt links in einer Mauer der Weg Nr. 8 (nicht in der Tabacco-Karte eingezeichnet; keine Landkarte ist lückenlos und fehlerfrei) nach Stuls ab. Auf diesem empor ins Dorf, hinter der Kirche auf Weg 15 oder 15b aufwärts zu den Stuller Mahdern. Ist man oben auf der Almstraße (Weg 15a) angelangt, auf dieser links etwas absteigend weitergehen und dann auf Weg 12a das kurze Stück hinauf zur Egger-Grub-Alm (1929 m, ganzjährig bewirtschaftet) und zur Hochalm (2174 m, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit, eine der 13 Hütten der Aktion www.13h.de, wo man einen Stempel bekommt). Inschrift eines Kreuzes südwestlich der Egger-Grub-Alm: „Im schönen Tempel der Natur siehst du des großen Gottes Spur. Willst du Ihn noch größer sehn, so bleib bei seinem Kreuze stehn.“

In der Nähe der Egger-Grub-Alm, wo das Gelände abbricht, setzen die beiden vermutlich den Weg nach Norden fort. Vielleicht sind sie unterhalb oder von der Treggnerjochalm aus (die alte Kaser, deren Ruine man von der Hochalm aus sieht, wurde schon 1952 aufgelassen) auf einem nicht mehr existierenden Weg in das Waldgebiet oberhalb von Hahnebaum gewechselt und dann dort drüben jenseits des Grabens aufgestiegen. Früher war der obere Teil dieses Hangs nicht bewaldet, sondern wurde noch beweidet. Darauf deutet die Aussage auf S. 231: „Kein dichter Wald mehr. Nur die Lärchen hielten noch eine Weile aus.“ Möglicherweise sind sie aber auch vor der Kante empor gestiegen zu der Stelle, wo heute die Berghütte Hochalm steht und der Pfad zum Kreuzjoch beginnt. Darauf könnte folgende Passage (ebenda) hindeuten: „Gegen zehn Uhr kamen wir ganz in die Nähe einer Almhütte oberhalb der Gruberalm. … drei Berghirten, die unter der Kaser standen, .. blickten neugierig auf diese Bergwanderer hinab. Wir … bogen nach links ab, Richtung Schneeberg.“ Von einer Gruberalm weiß heute niemand etwas, vermutlich liegt eine Verwechslung mit der Egger-Grub-Alm vor. 150 Meter östlich der Hochalm stand früher die sogenannte Roßhütte, die immer schon ein Stall war. Heute ist sie eine Ruine, daneben steht eine Blechhütte. Hüttenwirt Toni Gufler (71) sagt, sein Vater, der bekannte Schmuggler Ander Gufler („Struz“) habe ihm mitgeteilt, daß er dort damals Klotz begegnet sei. - Die angegebene Uhrzeit erschwert die Rekonstruktion. Die Sonne geht auf der ihr zugewandten Seite der Stuller Mahder um diese Jahreszeit zwischen 6.15 und 6.30 Uhr Normalzeit auf; eine Stunde später bescheint sie den größten Teil dieser Bergwiesen.

P. Adolf Pöll sagt beim Lokalaugenschein: „Wir sind nicht über das Kreuzjoch gegangen.“ Klotz und Pöll suchen vielleicht einfach irgendwo einen Übergang ins Tal des Schönauer Baches und finden ihn. Entweder gehen sie über den Sattel und Gföll – laut Toni Gufler, der dort schon mit neun Jahren Ziegen gehütet hat, ist es wegen der Platten gar nicht einfach, dorthin zu gelangen — in das parallel zur Passer verlaufende Tal oder sie gehen ein Stück auf dem Grat, der vom Kreuzjoch herführt (P. Adolf erinnert sich an einen Grat), und steigen dann zum Schönauer Bach unterhalb der einsamen Schönner Alm ab (bis auf ca. 1800 m), um drüben wieder zum Schneeberg aufzusteigen. Damit ließe sich vielleicht – wenn nicht der Aufstieg zum Grat nordnordwestlich des Kreuzjochs gemeint war - die rätselhafte Bemerkung erklären: „Es ging zwischen Kreuzjoch und Schneeberg steil bergauf.“ Außerdem spricht für diese Version, daß die beiden von der Stelle, wo sie die Schönner Alm gut sehen können (die untere Schönauer Alm heißt heute Untere Gostalm), vor sich einen weiten Kessel haben, den sie queren müssen (S. 232). Diese Bezeichnung Kessel trifft auf die Gegend um die Fössalm zu, von wo sie dann direkt Richtung Gürtelspitz und Karlscharte aufsteigen müssen.

Möglicherweise (dem Vernehmen nach eine Idee von E. K.) sind die beiden von der Hochalm aus gar nicht aufgestiegen, sondern links um Ganderberg, Itlspitz und Pfauses herumgegangen, also immer schön in Deckung im Wald bzw. lockeren Lärchenwald, dann abgestiegen durch den Nörderwald zum Bach und auf der anderen Seite aufgestiegen in der Nähe der Hütten Fössalm oder Modegess (heute die Edelweißhütte?), am Eingang des Karlstollens vorbei Richtung Karlscharte.

Weniger wahrscheinlich erscheint nunmehr, daß die beiden über das Kreuzjoch gehen und dann ungefähr den heutigen Wanderweg 27 benutzen; allerdings würde dies mit der Bemerkung „über die Jöcher“ übereinstimmen, denn unterhalb der Zirmaidspitz ist ein weiteres Joch zu bewältigen.

Wenn Hubschrauber und Aufklärungsflugzeuge das Gelände absuchen – viele Tausende Soldaten machen im Passeier Jagd auf den Verwundeten – gehen die beiden in volle Deckung. Daher vielleicht auch die Zeitverluste. Westlich, also unterhalb des Schneeberghauses steigen sie in Richtung Karlscharte auf. Franz aus Moos, Freund und Studienkollege von Adolf, kommt ihnen im Bereich der Karlscharte entgegen, um sie weiter zu führen, und dann ist auch Adolfs Bruder Hans gleich da. Sie sind von der Timmelsbrücke zur „Schwarzscharte“ (heute Windachscharte) aufgestiegen, um zu schauen, ob die Grenze sicher ist, und dann dem Flüchtling entgegengegangen.

Tip für Wanderer: Weil alles zugewachsen ist, dürfte der Weg von der Treggnerjochalm in den Wald oberhalb Hahnebaum ausscheiden. So bleibt, wenn man nicht den normalen Wanderweg über die Hochwart (2608 m) wählen will, nur folgende Route: direkt hinter der Hochalm auf einem verkümmerten Pfad mehr oder weniger eben bis zu einer Rinne gehen (jetzt notdürftig ausgebessert), diese queren und dann weitermarschieren bis zu einer weiten, teils mit Blöcken übersäten Mulde, die „Chor“ heißt. Der Hügel in der Mitte trägt den Namen „Choreck“. Hier müßte man für eine Markierung sorgen, meint Toni Gufler. Nun entweder nördlich auf gut Glück geradeaus zu dem Durchlaß zwischen den zwei Bergkämmen – oben stößt man auf einen Pfad - und zum Gföll, dann auf Almwiesen gemütlich hinab zum Schönauer Bach (1800 m) und hinauf zum Schneeberghaus (2355 m). Oder aber nach der weiten, teils mit Blöcken übersäten Fläche östlich auf dem Grat hinauf zum Kreuzjoch (2535 m), drüben hinab und das Talschlußbecken (oft mit Schneeresten, etwas morastig) queren, um den herrlichen, aber langen Wanderweg 27 zu erreichen, der von der Hochwart (2608 m, damals gab es diesen Weg noch nicht, weil man in der Regel das Kreuzjoch benutzte) nordwärts zum Schneeberg führt, also auf der anderen Seite des Tales. Dieser im Buch von Eva Klotz skizzierte Weg hat den Vorteil, daß man keinen so gewaltigen Höhenverlust in Kauf nehmen muß wie auf der von P. Adolf angegebenen Strecke. Nur einmal muß man eine Scharte hinauf und hinunter. Die letzte Einkehrmöglichkeit vor der Grenze ist im Schneeberghaus mit seinem Erlebnisbergwerk (Tel. 0473 647 045 oder 0473 656 306). Ausgenommen man kehrt vom Schwarzsee zurück in Richtung Timmelsbrücke an der Straße zum Timmelsjoch; dann kommt man an der zum Verweilen einladenden Timmelsalm (1979 m) vorbei.

Von der Karlscharte (2632 m) gehen die Vier hinüber zum Großen Schwarzsee (2505 m) und hinauf zur Windachscharte (2844 m). Dort verabschieden sich am Dienstag, 8. September 1964, zwischen 19 Uhr und 20 Uhr Adolf Pöll sowie Hans und Franz. Georg Klotz beschließt den Weg seines Martyriums allein, erreicht bald die Siegerland-Hütte (2710 m), die auf österreichischem Gebiet liegt, wird dann in Sölden verhaftet und nach Wien in ein Krankenhaus gebracht.

Tip für Wanderer: Vom Schneeberghaus auf Weg 29 kurz absteigen, hinter den Gebäuden den Bach überqueren und links hinauf zur Karlscharte, dann schräg abwärts zu dem Bach ober Oberkrumpwasser (Markierung nicht verlieren!, unterwegs schöner Blick auf Mäander), hinauf zum idyllischen Großen Timmler Schwarzsee, links daran vorbei und vom aufwärts führenden Weg 30 bald links abbiegen auf Weg 33, auf dem man die Windachscharte erreicht.

Später lebt Georg Klotz im Exil in einer von der Tiroler Landesregierung aufgestellten Köhlerhütte am Ruetzbach fast unterhalb der Europabrücke am Eingang ins Stubai, wo er anstrengender Holzarbeit nachgeht. Er stirbt dort am 24. Jänner 1976. Man lese im Buch von Eva Klotz das ergreifende Gedicht von Gabriele von Pidoll auf S. 341 und besuche das Grab in der Nordecke des Friedhofes von St. Leonhard in Passeier. Inschrift: „Dem furchtlosen Kämpfer für unser Tirol“. Geboren ist Georg Klotz am 11.9.1919, gestorben am 24.1.1976. Sein Leitspruch stammt von Friedrich Schiller: „Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben.“ Gott sei seiner Seele gnädig!

Auf dem Weg zur Windachscharte steht (etwa in 2570 m, keine Garantie für diese Höhenangabe) ein Bildstöckl mit Foto und Inschrift:

Geb. am 7.12.1955. Abgestürzt am 11.7.2004.
Hier verloren wir unseren treuen Kameraden
Oblt. Franz Bazzanella
Sein Einsatz galt einem freien Tirol
Die Schützenkompanie Salurn

Die Salurner, getäuscht durch ihr im Sommer südländisches Klima, hatten den Marsch ein paar Wochen zu früh angetreten. Wegen des vielen Schnees war die Kompanie in dem steilen Gelände in Schwierigkeiten geraten.

Der Josefsmissionär P. Adolf Pöll ist Anfang Oktober in seine zweite Heimat Kenia zurückgekehrt, wo er in einem gefährlichen Umfeld – der Islam hat weite Teile jenes Landes wie des ganzen Erdteils erobert – den Glauben an den wahren Gott Jesus Christus predigt. Möge Gott sein Wirken und die Afrikaner, die dem christlichen Glauben treu bleiben, segnen!

Landkarte:

Passeiertal. Topographische Wanderkarte Blatt 039. Tabacco. 1: 25.000

Zusätzlich empfohlen: Heinz Widmann: Passeiertal. 58 Bergwanderungen und 11 Klettertouren. 144 Seiten. Viele Fotos und Grafiken. Tappeiner Verlag Lana 1997. Erhältlich im Schneeberghaus und in Geschäften.

Literatur:

Eva Klotz: Georg Klotz – Freiheitskämpfer für die Einheit Tirols. Eine Biographie. 350 Seiten, mit Fotos und Wegskizze. Molden Verlag, Wien. 2002

Georg Klotz. Der Schicksalsweg des Südtiroler Schützenmajors 1919 – 1976. Dokumentation von Robert H. Drechsler. 300 Seiten. Eine Veröffentlichung des Südtirol-Informations-Zentrums der Volksbewegung für Südtirol, Wien, 1976.

Karl Springenschmid: Der Jörg. Aus dem Leben des Südtiroler Freiheitskämpfers Georg Klotz. Preußisch Oldendorf, 1980.

Günther Obwegs: Freund, der du die Sonne noch schaust… Luis Amplatz – Ein Leben für Tirol. 168 Seiten. Verlagsanstalt Athesia Bozen, 2004. Zu bestellen bei www.athesiabuch.it oder buchverlag@athesia.it

Otto Scrinzi (Hrsg.): Chronik Südtirol 1959 – 1969. Von der Kolonie Alto Adige zur Autonomen Provinz Bozen. 736 Seiten. Mit umfangreichem Personenregister. Leopold Stocker Verlag, Graz – Stuttgart, 1996.

Links:

Gedenken an Luis Amplatz und Georg Klotz

Tourismusverein Hinterpasseier, Dorf 78, I-39013 Moos i. P. (BZ), Tel. 0473 643 558, www.hinterpasseier.com

www.schneeberg.org

Zum Gedenkkreuz für Georg Klotz unter der Europabrücke / Stubai

Brenner-Autobahn oder Staatsstraße: Ausfahrt Schönberg Richtung Stubai. Bevor man nach Fulpmes kommt, vor Telfes rechts ab ins Tal. Auto links oder rechts vom Ruetzbach stehen lassen. Talabwärts wandern, zunächst eben durch Wiesen, dann aufwärts durch Wald. Am Gallhof vorbei bis zur Abzweigung Telfer Wiesen und geradeaus weiter, bis ein großes rot-weißes Schild zu sehen ist. Dort rechts hinunter durch Fichtenwald bis zum Bach. Hin- und Rückweg vom Schild zur verfallenen Hütte ca. 40 Minuten. Daneben Gedenkkreuz mit verblichenen Schützenbändern.

Ein paar Stunden muß man einplanen. Wer Zeit hat, kann den dreimal so langen Weg über Telfes gehen, indem er auf dem Rückweg an der Abzweigung Telfer Wiesen rechts aufwärts über die Wiesen und dann vor dem Wald links geht. (verfaßt Pfingsten 2003)

Jeder Südtiroler, der seine Heimat und das Wandern liebt, sollte einmal in seinem Leben zumindest eine Teilstrecke des Georg-Klotz-Weges abgehen.

Herzlicher Dank gilt allen Personen, die mir freundlich Auskunft gegeben haben, und jenem Stuller Bauern, der uns bis zur Poß Mott mitgenommen hat. Vergelt´s Gott „in Himmel aui“!

Nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt von Rainer Lechner


Noch ein paar Tips für Gäste in Passeier:

Andreas Hofer besuchte öfters nachstehende Gasthäuser:

Brühwirt (gutbürgerliche Küche, Ruhetag Montag) in St. Leonhard neben der Kirche und dem Friedhof, wo Georg Klotz begraben liegt

Mitterwirt / Lamm in St. Martin, gegenüber der Kirche (Tiroler Atmosphäre, ausgezeichnete Küche, vor allem fleischlose Spezialitäten); der Bruder des Wirts führt die Pizzeria Martiner Hof mit eigener Brauerei; dort gibt es ab mittags bis abends Pizza

Passeier birgt viele Schätze. Die Berge und die Almen sowie die Bauern und ihre Höfe sind die größten. Auch die Gastronomie bietet etliche Überraschungen. Noch ein paar kurze Hinweise für Schnellreisende: Pizzeria Frick mitten in St. Leonhard; selbstgebrautes Bier beim Brückenwirt unterhalb von St. Leonhard; Dorfcafé in St. Martin; Bio-Käserei Passeier zwischen St. Martin und St. Leonhard.

Und niemand sollte den Besuch des Andreas-Hofer-Museums am Sandhof zwischen St. Leonhard und St. Martin versäumen. Sehenswert der ergreifende Andreas-Hofer-Film des Volkskundlers Harald Haller, hörenswert die echte Volksmusik aus der Quellmalz-Sammlung vom 2. Weltkrieg (SS-Ahnenerbe), als Südtirol dem Oberkommando der Deutschen Wehrmacht unterstellt war. Näheres über jene Zeit in dem empfehlenswerten Buch der unabhängigen Historikerin Margareth Lun: NS-Herrschaft in Südtirol – Die Operationszone Alpenvorland 1943 – 1945, Studienverlag Innsbruck, 612 Seiten, 2004.

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