ETIKA

Kanonikus Michael Gamper

www.etika.com

5ST5KG1

Tirol und sein Schutzherr
Der Sargnagel

3.5.2009

 

Tirol und sein Schutzherr

Leitartikel (des „Volksboten“?)  am 10. Juni 1920, abgedruckt in dem Artikel von B. W.: Zwei "Kämpfer der alten Garde", Dolomiten, 19.7.1988, Seite 20:

Wenn wir unentwegt festhalten am Väterglauben, an der guten alten Tiroler Art, an dem Herz-Jesu-Bund, diesseits des Brenners ebenso wie jenseits, dann ist Tirol nicht verloren, ganz bestimmt nicht.

 

Es wird über kurz oder lang wieder erstehen in seiner Einheit, in neuem Glanz und fester denn je zusammenwachsen. Vielleicht dauert es bis dahin nur kurze Zeit, vielleicht ziemlich einige Zeit. Vielleicht erleben es gar manche von uns nicht mehr; aber auf den einzelnen kommt´s  nicht an, sondern auf das Ganze, auf das Volk. Und das Volk erlebt´s, unfehlbar! Davon bin ich so felsenfest überzeugt, als ob ich es schwarz auf weiß, mit Siegel und Unterschrift vor mir hätte. Das Herz Jesu verläßt uns nicht, wenn wir uns nicht von ihm abkehren. Es hält mit seiner Hilfe wohl eine kleine Weile zurück, aber dann kommt diese Hilfe um so gewaltiger und herrlicher. Drum noch einmal, Mut und Vertrauen und Eifer!

Durch´s ganze Land soll es gehen wie eine Lösung:

"Heute wie gestern und morgen wie heute/ ... Geloben wir aufs neue / Jesu Herz, dir ew´ge Treue!"

Unerschütterliche Hoffnung muß uns aber alle erfüllen, daß das Recht schließlich doch siegreich bleiben und Tirol Tirol bleiben wird.

 

Wenige Monate später, am 30. September 1920, schrieb Kanonikus Gamper anläßlich der offiziellen Annexion Südtirols im "Volksboten" folgenden Leitartikel:

 

Der letzte Sargnagel

... Am vergangenen Sonntag hat nun der italienische König den letzten Sargnagel eingeschlagen. An diesem Tag wurde nämlich die Annexion Südtirols an Italien vom König mit Siegel und Unterschrift bestätigt.

Tirol ist eingesargt. Und nun soll der Eingesargte mit großem Pomp zu Grabe getragen werden...

Wieder einmal ist wie vor 115 Jahren (1810) unsere Heimat zerrissen und aufgeteilt. Wiederum hat wie damals fremde Machtgier dem Lande das Totenglöcklein geläutet.

"Und die Feinde sprachen: Tirol ist tot / Denn das Kommende war noch verborgen."

Ja, noch ist es verborgen, aber wir setzen unsere ganze Hoffnung auf dieses Kommende. Wir glauben an eine Wiederauferstehung und Wiedervereinigung von Nord und Süd unserer Heimat. Und wir setzen diese Hoffnung nicht etwa auf die Gewehrkolben und die Spitzen der Bajonette. Nein, nicht darauf, sondern wir vertrauen einzig und allein auf unser Recht. Jedes an den Völkern begangene Unrecht wird schon auf Erden gerächt.

Unsere Landeseinheit konnte man zerschlagen, unser Recht mit Füßen treten, aber töten konnte man dieses Recht nicht - es lebt, und einmal wird es wieder zur Geltung kommen... so sicher und gewiß wie Regen und Sonnenschein, so wird auf die Einsargung Tirols seine Wiederauferstehung folgen - wenn die Tiroler sich nicht selbst aufgeben. Und dafür sind Gott sei Dank keine Anzeichen vorhanden.

 

Ja, Tirol, Südtirol darf sich nicht selbst aufgeben! Darauf kommt es an. Und zur Stunde, da die Freimaurer - denn diese sind die eigentlichen Totengräber - unserer Landeseinheit das Grab schaufeln, geloben wir aufs neue, Tiroler, ganze Tiroler zu bleiben für alle Zukunft.

 

Der Geist Tirols soll leben und über unsere(r ) Felsenheimat schweben, wenn auch die äußere Form des Landes zerschlagen ist. Wir wollen nie und nimmer lassen von der alten Tiroler Art. Festhalten wollen wir an unseren alten Sitten und Gebräuchen und sie unversehrt und unverfälscht an die kommenden Geschlechter weitergeben. Festhalten an unserer Sprache. Lassen wir nicht von der deutschen Schule, der Pflanzstätte echten Tirolertums für alle Zukunft. Dem Kampf um die deutsche Schule ist ein heiliger, und kein Mißerfolg, keine noch so fein gesponnenen Ränke sollen uns darin erlahmen lassen. Das Land von Salurn bis zum Brenner ist deutscher Boden und soll es bleiben für alle Zukunft...

Südtirol aktuell - Index 5