ETIKA

Operationszone Alpenvorland:
Fakten II

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Südtirols Kirche in der NS-Zeit

12.6.2009

Teil I: Warum verbot Gauleiter Franz Hofer die NSDAP und holte NS-Gegner in die höchsten Ämter?

Allgemein: „Im Christentum ist die Größe jener alttestamentlichen Männer und Frauen, die in Notzeiten zu Rettern ihres Volkes wurden, keineswegs versunken, sondern überhöht. Das Heil ist allen Völkern geschenkt. … Der Versuch, eine Sprache zu unterdrücken, steht gegen Gottes Schöpfungsordnung. … Es ist daher kein Wunder, daß die hohe Berufung, für das eigene Volk, seine Kultur und Sprache, sich einzusetzen, auch an Christen ergeht, an Priester und Laien ….“ Dies schreibt Univ.-Prof. Dr. Karl Amon zum Geleit für Eulers Buch und meint, daß das Verhalten der Würdenträger „in der Südtirolfrage sicher kein Ruhmesblatt der Kirchengeschichte bildet“ (8).

Der Oberste Kommissar Franz Hofer traf verschiedene kirchenfeindliche Maßnahmen, doch nicht in dem Maße wie bei der Kirchen- und Ordensverfolgung in Nordtirol; Lun meint, wohl dank „dem taktischen und diplomatischen Vorgehen von Fürstbischof Johannes Geisler“ (248). Freilich wurde etwa ein Dutzend unbotmäßige Südtiroler Priester 1944 inhaftiert (Lun 248). Abgesehen vom „Antichrist“ Franz Hofer und diversen fanatischen „Hitler-Gläubigen“ – wir wissen, dass nicht wenige Deutsche den „Führer“ an die Stelle Gottes setzten - „scheint es, so Martha Verdorfer, ,durchaus auch von Seiten der lokalen Nationalsozialisten den Respekt vor religiösen Einstellungen der Menschen gegeben zu haben´“ (Lun 247). Die Brixner Kurie verhielt sich „der NS-Herrschaft gegenüber rücksichtsvoll“ (ebd).

Papst zur Option: Latour teilt mit, der „Papst habe die Geistlichen in Südtirol angewiesen, bei der Option der Mehrzahl ihrer Gemeinden zu folgen.“ (68)

Johannes Geisler, Fürstbischof von Brixen, war gebürtig aus Mayrhofen im Zillertal. Er wurde am 25.5.1930 in Rom zum Bischof geweiht. Am folgenden Tag leistete er dem italienischen König den vorgeschriebenen Treueid. (Anmerkung ETIKA: Wir hatten gedacht, daß ein Jünger Jesu nur Gott fürchten und lieben und ihm treu sein müsse, aber in Italien laufen die Uhren anscheinend anders. Noch heute müssen die Bischöfe Italiens auf die Verfassung schwören, obwohl Jesus das Schwören verbietet.) Am 27. Mai weilte Geisler bei Papst Pius XI., am 28. Mai gewährte ihm der „Duce“ eine zehnminütige Audienz. („Dolomiten“ 20.5.2005 Prof Josef Gelmi) Bei seiner Inthronisation in Brixen erklärte er am 3. Juni über Mussolini: „In der Brust jenes Mannes, der Stein und Eisen zu sein scheint, schlägt ein vornehmes Herz, so weit, daß darin auch die Bürger deutscher Muttersprache Platz finden.“ Parteli berichtet: „In der Bevölkerung verbreitete sich Resignation und ein tiefer Schmerz, als der Inhalt dieser Grundsatzrede … bekanntgeworden war.“ (312)

Später aber scheint Geisler seine Meinung geändert zu haben, denn Gelmi schreibt: „Unter dem Einfluß seines neuen Generalvikars Alois Pompanin erwies sich Geisler in der Folgezeit als mutiger Kämpfer gegen den Faschismus.“ („Dolomiten“ 25.5.2005) Josef Innerhofer charakterisierte den Fürstbischof wie folgt: „Geisler trat sein Amt an mit bestem Willen, ein tragbares Verhältnis zur Staatsmacht zu finden, um dem Volk besser helfen zu können. Doch auch Geisler geriet bald in Konflikt mit den Faschisten. Überall wurde er kontrolliert. Bei der Option fuhr er persönlich nach Rom, um von Mussolini die Versicherung zu bekommen, daß die Dableiber nicht nach Italien hinunter verpflanzt würden. Obgleich er tagelang wartete, bekam er keine Audienz. So mußte er den Eindruck gewinnen, daß am besagten Gerücht etwas Wahres sei.“ (Kath. Sonntagsblatt 12.3.1989)  Auf die Interventionen Geislers bei Volksgruppenführer Peter Hofer hin kam der Priester Josef Ferrari, führender Dableiber, nach ein paar Monaten „Schutzhaft“ frei (Posch nicht!), ebenso der verhaftete Pfarrer von Albeins (Lun 244).

Geislers Sekretär (Namen leider nicht genannt) schrieb am 16.9.1990 im Kath. Sonntagsblatt: „Das innerste Geheimnis dieses Bischofs war Liebe. …Wenn Priester verfolgt wurden, blutete dem Bischof das Herz. … Wenn auch der größte Teil des Klerus sich für das Bleiben entschied, so liebten die Priester doch ihren Bischof.“ Als Geisler für Deutschland optierte, war dies „für Italien geradezu ein Skandal“, zitiert der Sekretär den Kirchenhistoriker J. Gelmi: Die Brixner Bischöfe in der Geschichte Tirols (Bozen 1984, S. 278) und kommentiert: „Der eigentliche Skandal in der Geschichte Italiens war der faschistische Terror in Südtirol: das Verbot der deutschen Schule und der Muttersprache im Verkehr mit den Ämtern; die Abschiebung der deutschen Lehrer und Beamten nach Süden; die Verfolgung der ,Katakombenschulen´ und die diesen Lehrern verhängten Verbannungsstrafen; die Schläge mit Gummiknüppeln auf Kinder und Jugendliche, wenn sie deutsche Volkslieder sangen (selber verabreicht erhalten).“

Wie das Kath. Sonntagsblatt am 7.5.1995 berichtete, wollte der Oberste Kommissar Franz Hofer vor Kriegsende auch Geisler und Pompanin dazu bringen, „den Plan von der ,Alpenfestung´zu unterstützen und die Bevölkerung zum Widerstand aufzurufen“. Über ein Treffen am 5. April 1945 im Bergheim in Gries verfaßte Hofkaplan Johannes Untergasser einen Bericht. Geisler war dagegen, Südtirol zum Kriegsschauplatz zu machen, worüber Hofer „sehr ungehalten“ war. Er „drohte sogar mit Standgericht und Erschießung von Geistlichen“.

Im August 1945 verlangte Bischof Geisler in einer Petition an den englischen Premierminister Attlee Selbstbestimmung für Südtirol. Er setzte sich laut Kath. Sonntagsblatt auch für die Rücksiedlung der ausgewanderten Südtiroler ein. „Undgezählte Hilfssendungen ließ er an die Hungergebiete Deutschlands versenden und an Südtiroler Kriegsgefangene verteilen.“ (7.5.1995)

Generalvikar Alois Pompanin war Ladiner aus Ampezzo und „starker Befürworter der Option für Deutschland“ („Dolomiten“ 25.5.2009 Prof. Josef Gelmi). Er übergab Präfekt Karl Tinzl und den deutschen Behörden eine Denkschrift, in dem er die Probleme der Kirche aufzählte. (Lun 244) Der Oberste Kommissar hatte laut Lun den Religionsunterricht in den Mittel- und Oberschulen verboten, und einzelne Lehrer hatten in vielen Klassenzimmern das Kruzifix durch ein Führerbild ersetzt (aaO 245). Trotz der „kirchenfeindlichen Maßnahmen“ Franz Hofers zeigten sich Geisler und Pompanin „den Nationalsozialisten gegenüber sehr vorsichtig und kompromissbereit“ (ebd), um diese „nicht zu reizen und keinen Anlaß zu weitergehenden Sanktionen zu bieten“ (Lun 246). In einem Appell der Diözesanleitung an den Klerus im „Brixner Diözesanblatt“ 1944/45 heißt es: „Aber auch außerhalb der Pfarrschule, auf der Kanzel und im Gespräch soll der Klerus eine durchaus loyale Haltung einnehmen und alles meiden, was als gegen Deutschland und den Endsieg gerichtet ausgelegt werden könnte.“ (ebd) Zusammen mit Karl Tinzl bekam Msgr. Alois Pompanin, ehemaliger Generalvikar und Dompropst in Brixen, am 20.2.1958 das Ehrenzeichen des Landes Tirol. „In diesen beiden Persönlichkeiten wurde das ganze Land Südtirol geehrt“, schrieben dazu die „Dolomiten“ vom 22.2.1958, zit. 12.3.2008 eljoka)

Kanonikus Gamper (siehe Teil I). Hinzugefügt sei aber, daß er sich als guter Christ nach Kräften um die Versöhnung der Angehörigen beider Lager bemühte. „Seinem scharfen Gegner aus der Optionszeit, Karl Felderer, reicht der Kanonikus nach dem Krieg die Hand.“ (Ebner/Flies 89). (Anmerkung R. L. : Gott machte dem Verfasser die Freude, den Dichter des Südtiroler Heimatliedes „Wohl ist die Welt so groß und weit …“ und seine Frau in ihrer Wohnung in Bozen noch persönlich kennenlernen zu dürfen.) Wie Kardinal von Galen und P. Maximilian Kolbe durchschaute Kanonikus Gamper nicht nur die Nationalsozialisten, sondern auch die gottlosen Verschwörer unter ihren Gegnern. Das ganze Geflecht von Absichten, angewandten Mitteln und erreichten Zielen der diversen Akteure, vor allem der geschwänzten, wird beim Jüngsten Gericht allen Augen offenbart werden. Nachstehend eine Kostprobe, wohin die Richtung geht.

Auf die besondere Rolle des Christentums in Tirol kommt Prof. Dr. Franz Hieronymus Riedl, seit 1946 Redakteur der „Dolomiten“, zu sprechen, leider etwas umständlich, dafür um so origineller, für heutige Ohren fast unglaublich: „Des tiefgläubigen und in seinem Heimatvolk ebenso innig wie in seiner katholischen Kirche verwurzelten Kanonikus Michael Gamper erste Sorge galt der Förderung des religiösen Lebens und Festigung des Daseins seiner deutschen Volksgruppe im überlieferten und sie sichernden christlichen und deutschen Wesen. Tatsächlich richtete sich mit der Zerreißung Tirols gegen das Südtiroler Deutschtum nicht allein der Versuch einer Umvolkung zu Sprachitalienern, sondern auch das Bemühen des italienischen Antiklerikalismus und Laizismus auf eine Volksgruppe, die aus der Sicherheit als Teil des staatsführenden deutschen Volkes im ungeteilten Tirol und der Habsburgermonarchie jählings zur Minderheit in einer übermächtigen anderen Staatsnation geworden war; und zwar in einem laizistischen Staat, wo … Staat und Kirche getrennt und seit 1870 die kirchenfeindlichen Kräfte einflußreich waren.“ („Dolomiten“ 7.2.1985, Sonderteil über den Kanonikus)

Der letzte Sargnagel. So lautete die Überschrift des Leitartikels von Michael Gamper im „Volksboten“ vom 30.9.1920. Wir entnehmen daraus folgende Sätze:

„Am vergangenen Sonntag hat nun der italienische König den letzten Sargnagel eingeschlagen. An diesem Tag wurde nämlich die Annexion Südtirols vom König mit Siegel und Unterschrift bestätigt. Tirol ist eingesargt. … Wieder einmal ist wie vor 115 Jahren unsere Heimat zerrissen und aufgeteilt. Wiederum hat wie damals fremde Machtgier dem Lande das Totenglöcklein geläutet. „Und die Feinde sprachen: Tirol ist tot! Denn das Kommende war noch verborgen.“ (M. v. Buol) Ja, noch ist es verborgen … Wir glauben an eine Wiederauferstehung und Wiedervereinigung von Nord und Süd unserer Heimat. Und wir setzen diese Hoffnung nicht etwa auf die Gewehrkolben und die Spitzen der Bajonette. Nein, nicht darauf, sondern wir vertrauen einzig und allein auf unser Recht. Jedes an den Völkern begangene Unrecht wird schon auf Erden gerächt. … Tirol, Südtirol darf sich nicht selbst aufgeben! Darauf kommt alles an! Und zur Stunde, da die Freimaurer – denn diese sind die eigentlichen Totengräber – unserer Landeseinheit das Grab schaufeln, geloben wir aufs neue, Tiroler, ganze Tiroler zu bleiben für alle Zukunft. Der Geist Tirols soll leben und über unsere Felsenheimat schweben, wenn auch die äußere Form des Landes zerschlagen ist. Wir wollen nie und nimmer lassen von der alten Tiroler Art. Festhalten wollen wir an unseren alten Sitten und Gebräuchen, die wir als teures Erbe von unseren Vätern übernommen und dieselben unversehrt und unverfälscht an die kommenden Geschlechter weitergeben. Festhalten an unserer Sprache. Freuen wir uns, Deutsche zu sein … Lassen wir nicht ab von der deutschen Schule, der Pflanzstätte echten Tirolertums für alle Zukunft. … Das Land von Salurn bis zum Brenner ist deutscher Boden und soll es bleiben für alle Zukunft. … Bleibet der Heimat treu! … Die Treue wollen wir auch dem alten Tiroler Glauben halten und unserem Bundesherrn. Der Glaube war zu allen Zeiten der beste Fruchtboden für die echten Tiroler Tugenden. … Halten wir dem Herrgott die Treue, dann wird auch er uns die Treue bewahren.“ (Marzari 429ff; „Dolomiten“ 19.7.1988, B. W.)

Der aufrechte „Dolomiten“-Chefredakteur Josef Rampold würdigte Michael Gamper wie folgt: „Er erkannte, daß die staatliche Schule – mit ihren parallellaufenden faschistischen Jugendorganisationen – die deutsche Muttersprache nach und nach abwürgen würde. … Dem Angriff auf die heiligsten und natürlichsten Menschenrechte setzte er seine ganze … kämpferische Kraft gegenüber. Was hier von seiten des Staates geschah, sah er mit Recht als Unterdrückung, als Schändung der Menschenrechte; für ihn war Sünde, was hier geschah, und die Sünde war ihm nicht zulässig. … „Notschule“ … Der Name Gamper zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Gewebe der Selbstverteidigung unserer Muttersprache.“ (7.2.1985 Gedenkausgabe)

Übrigens fand Gamper nach dem Ende von Faschismus und Nationalsozialismus noch immer nicht zur Ruhe. Er prägte den Begriff „Todesmarsch der Südtiroler“ für die Entwicklung seit 1945. „Die gewollte Unterwanderung unseres Volkes geht unaufhörlich weiter“, hieß es am 29.11.1985 bei einer Gedenkveranstaltung in Tisens bei Prissian, wo Gamper 100 Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt hatte. Und die Teilnehmer hörten den schönen Satz: „Wer das Evangelium wirklich verkündet, bringt lebendige Unruhe in einen oft lahmen Frieden.“ (Notizen des „Dolomiten“-Berichterstatters le).

Mögen sich Papst, Kardinäle, Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die jetzt tagtäglich für die multikulturelle Gesellschaft Propaganda machen, diese wahre Erkenntnis zu Herzen nehmen! Auch Vaterlandsliebe gehört zur Gottes- und Nächstenliebe, wie wir von Kanonikus Gamper lernen können. Auf Erden ist es nun einmal so, daß es überall solche und solche gibt. Bischöfe machen da keine Ausnahme. So wollen wir der verehrten Leserschaft nicht verheimlichen, daß Geislers Nachfolger als Bischof, genannt der walsche Seppl, mit seiner proitalienischen Einstellung Kanonikus Gamper so zugesetzt hat, daß er ihn ein Jahr seines Lebens kostete (was bisher wohl nirgends zu lesen war, aber wir haben es aus zuverlässiger Quelle). Aber ja, im Kath. Sonntagsblatt vom 19.11.2006 berichtet Josef Gelmi von einer solchen Auseinandersetzung: „Der Bischof (Josef Gargitter) befürchtete, daß die zunehmende politische Radikalisierung viele Jugendliche in ein unverantwortliches Abenteuer hineinreißen würde. Er schrieb deshalb dem Kanonikus 1953 einen sehr ernsten Brief und appellierte an ihn, diesen radikalen Trend in seiner Zeitung nicht mehr zu unterstützen. Gamper war über den Inhalt dieser Zeilen sichtlich betroffen. … Er war … zutiefst überzeugt, dass jede Unterdrückung eines Volkes ein Frevel gegen die von Gott gewollte Ordnung ist.“

Und aus einer anderen Quelle, ebenfalls aus der unmittelbaren Umgebung des Kanonikus, haben wir erfahren, daß Gamper den führenden Politiker jener Zeit so wenig schätzte, daß er ihn einen h.w. T.s. nannte. (Wegen der nebulösen Privacy-Gesetze darf man heute ja nicht mehr die Wahrheit schreiben, deshalb sind wir vorsichtig. Aber der Geschichtsschreibung und der Glaubwürdigkeit der Presse sind diese Gesetze höchst abträglich; sie schützen in erster Linie die Interessen der Politiker und Prominenten, wagt der Verfasser zu meinen.)

Gamper liebte die Wahrheit und Gerechtigkeit, so in den „Dolomiten“ vom 3.9.1955: „ Neun Jahre nach dem Gruber-Degasperi-Abkommen: Eine Bilanz enttäuschter Hoffnungen. Der völkische Charakter Südtirols trotz Pariser Vertrag schwer bedroht“. „Sein Kampf galt auch der seit Kriegsende immer stärker einsetzenden Zuwanderung aus dem Süden. ,Das Lebensrecht einer Volksgruppe ist heilig, Volksmord kennt verschiedene Methoden, eine davon heißt Zuwanderung.´“ („Dolomiten“ vom 30.10.1954, zit. von if in der Gedenkausgabe vom 7.2.1985) (Anmerkung ETIKA: Wer so etwas heute behaupten würde, wäre sofort Opfer der multikulturellen Überwachungsstellen und fände sich rasch hinter Gittern wieder. Man sieht, wie weit sie es gebracht haben. Ja, selbst schon der Vatikan behauptet, etwa am 19.5.2009 im RAI Sender Bozen, die Einwanderer seien für die europäischen Länder unverzichtbar – welcher Hohn für die Millionen Arbeitslosen!)

Schönere Worte hätte kein Redner finden können wie der Journalist Franz Berger, 1948 Redaktionsgehilfe, später Gerichtsberichterstatter und unser langjähriger Wanderkamerad, wenn er seinen Artikel „Als wär´s der eigene Vater gewesen … Der Kanonikus aus der Sicht eines Mitarbeiters – Gearbeitet bis der Morgen graute“ schließt mit dem Absatz:

„Sein Erbe wird am Ende, wenn die Stunde der Freiheit nach Gottes Willen gekommen ist, groß und klar und einfach an den Tag treten. Dort wird sich auch enthüllen, warum das zerrissene Tirol seinen Leidensweg hat gehen müssen. Dort wird sich offenbaren, daß der Kanonikus nach seinem Sterben nie aufgehört hat zu wirken – in Gottes Kraft und Liebe. Dort wird sein Ziel Wahrheit werden: Tirol wird wieder Tirol sein.“ („Dolomiten“ 7.2.1985 und 15.4.2008)

Otto Schwienbacher, mutiger Kämpfer für Gottes Reich, spezialisiert auf Apokalypse und Antichrist (Anm.: er segnete den ETIKA-Computer), * 10.8.1912 in St. Gertraud/Ulten. Priesterweihe 1937 in Trient. Kooperator in Tiers, St. Pauls, Kurtatsch (wie übrigens auch Posch), Latsch und Villanders. 1944 in St. Pauls von der Gestapo verhaftet. Er hatte von der Kanzel der Kirche gepredigt: „Die Führer werden zu Volksverführern.“ Neun Monate in den Gefängnissen von Bozen, Meran und Schlanders. Nur dank einem gütigen, katholischen NS-Funktionär vor dem Transport in ein KZ bewahrt. Wirkte dann 29 Jahre in Villanders, ab 1976 war er Kurat von St. Oswald bei Seis am Schlern, erlitt am Heiligen Abend 1997 einen Schlaganfall und starb am Ostersonntag 1998.

ETIKA-Fazit:

Zum x-ten Male sei es gesagt: Die wirkliche Front verläuft nicht zwischen Italienern und Deutschen, Nationalsozialisten und Faschisten (das sind alles nur vorgeschobene Fronten zur Verwirrung), sondern zwischen oben und unten. In allen Völkern, Parteien, Truppen und Gruppen gibt es solche und solche, damals wie heute. Am Tag, als der Verfasser die Erstfassung ergänzte, berichtete Josef Innerhofer im RAI Sender Bozen (17.5.2009, 7.55 h), wie die Alliierten das Benediktinerkloster Monte Cassino in Grund und Boden bombardierten, obwohl sich in diesem keine Truppen der Wehrmacht und Kriegsgerät befanden. Tapfere deutsche Soldaten hatten an den Tagen zuvor die Kunstschätze des Klosters vor den Barbaren in Sicherheit gebracht und in die Engelsburg in Rom geschafft.

Und es gibt noch schlimmere Verbrecher als jene, die die Körper von Menschen töten, nämlich jene, die die Seelen töten, indem sie die Gewissen verwirren, Gut für Böse erklären und die Ideale der Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in Frage stellen. Es gibt Südtiroler, die schlimmer gegen Südtirol wüten als es Mussolini und Hitler getan haben, nämlich jene alten und jungen Intellektuellen, die heute in den Medien ungestraft und zur Gaudi aller Linken Andreas Hofer und das Tirolertum in den Dreck ziehen, lächerlich machen, sie mit Gift und Galle bespeien. (Am gleichen Tag im Sender Bozen gehört.) Während Massenmörder in der achten Hölle braten, ist für Verräter an ihrer Heimat und ihrem Vaterland die neunte Hölle bestimmt, jedenfalls wenn es so zugeht, wie es Dante im „Inferno“ und Vicente F. Delmonte in dem Roman „Jedem nach seinen Taten“ verkünden.

Und alle, die Gerechte und Wahrheitsliebende verfolgen, werden noch auf Erden vom Herrn gestraft werden, so daß es alle sehen voll Schaudern – zum Zeichen, daß er ein lebendiger Gott ist, der die Seinen liebt.

Den Südtirolern aber geben wir zum Schluß unvergängliche Worte von Kanonikus Michael Gamper mit:

„Nicht Kleinmut und Verzagen, nicht Trauer und Verzweiflung kann unser Volk retten, sondern der Glaube an das gute Recht, die Einigkeit aller Südtiroler und grenzenloses Gottvertrauen. … Volk von Südtirol, hilf dir selbst!“ („Volksbote“ vom 19.8.1920, Was nun?, nach der Annexion Südtirols durch Italien am 9.8.1920. Nochmals abgedruckt in den „Dolomiten“ vom 20.4.1956, Südtirol nahm Abschied von seinem Kanonikus. Anmerkung ETIKA: Um die Einigkeit ist es leider immer schlechter bestellt, wenn wir an Leute wie Josef Feichtinger, Reinhold Messner und all die Gegner des Tirolertums denken, die im Gedenkjahr 1809-2009 wie Pilze aus dem Boden schießen.)

„Ein Volk, das um nichts anderes kämpft als um sein natürliches und verbrieftes Recht, wird den Herrgott zum Bundesgenossen haben.“ (Telegramm an die Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei, „Dolomiten“ 16.4.1956)

Andreas „Hofer ist der Tiroler, wie es kein anderer vor ihm und nach ihm war. In ihm sehen wir alles verkörpert, worin wir das Ideal des Tirolers erkennen: Der Bergbauer, der an seiner Scholle hält, der an Haus und Hof, an Weib und Kind hängt, der seiner Heimat in Liebe und Aufopferung zugetan ist, der ihre Freiheit als das höchste Erdengut erkennt, dem Herrgott und Vaterland ineinanderfließen und der, wenn es nottut, bereit ist, für beide Blut und Leben zu geben.“ („Dolomiten“, 20.2.1952, zit. Marzari 427)

Wenn im Diesseits nichts mehr daraus werden sollte, dann eben im Jenseits.

Quellenangaben

„Dolomiten“, Tagblatt der Südtiroler, Bozen

Ebner/Flies = Kanonikus Michael Gamper. 1885-1956. Ein Leben für Südtirol. Sonderdruck zur heutigen Dolomiten-Ausgabe (Datum nicht angegeben, 2006). Haupttext Moritz Windegger. Bildtexte: Irmgard Flies, Toni Ebner.

Euler = Michael Gamper. Hirte und Herold von Südtirol. Eine Dokumentation von Alois Euler. Herausgegeben von Robert H. Drechsler. Erarbeitet im Zusammenwirken mit dem „Südtirol-Informations-Zentrum der Volksbewegung für Südtirol, Wien, 1976

Forcher = Michael Forcher: Tirols Geschichte in Wort und Bild. Haymon-Verlag, Innsbruck, 1984

Gundolf = Hubert Gundolf: Um Tirols Freiheit. Pinguin-Verlag, Innsbruck, 1981

Latour = Conrad F. Latour: Südtirol und die Achse Berlin-Rom 1938-1945. Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1962

Lun = Margareth Lun: NS-Herrschaft in Südtirol. Die Operationszone Alpenvorland 1943-1945. Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Band 22. Studienverlag, Innsbruck, 2004

Marzari = Walter Marzari: Kanonikus Michael Gamper. Sein Leben für Glauben und Heimat gegen Faschistenbeil und Hakenkreuz in Südtirol. Mit dem erstmals veröffentlichten GROSSEN MEMORANDUM GAMPERS an die alliierten Siegermächte 1944. Herausgegeben von der Österreichischen Landsmannschaft, Wien, 2006. (Zu ihrer Schande sei es ausposaunt: Weil eine interne Kommission das Buch als nicht förderungswürdig einstufte, verweigerte das Landesamt für Kultur und Familie selbst einen bescheidenen Beitrag, während es in das Museum für moderne Kunst in Bozen, das den abscheulichen gekreuzigten Frosch ausstellte, Millionen Euro steckte. Quelle: Leserbrief in den „Dolomiten“ vom 16.1.2007; weitere Leserbriefe hierzu vom 12. und 23.1. sowie 9.2.2007. Auch im Mittelalter malte man schon Frösche, aber an einem anderen Ort. Könnte es übrigens sein, daß der Frosch anno 2008 die Rache des Schicksals war?)

Obwegs = Günther Obwegs: Freund, der du die Sonne noch schaust … Luis Amplatz. Ein Leben für Tirol. Verlagsanstalt Athesia, Bozen, 2004

OP = „Dolomiten“, 9.9.1993. 1943: Südtirol zwischen den Fronten. Nach Joch der Diktatur Operationszone Alpenvorland / Statt Aufbruch Scherbenhaufen. Verfasser: OP (= Othmar Parteli) Die beste Zusammenfassung auf einer Seite.

Parteli = Geschichte des Landes Tirol. Band 4/I. Othmar Parteli: Südtirol (1918 bis 1970). Verlagsanstalt Athesia, Bozen, Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 1988

Tyrolia = TyroliaAthesia. 100 Jahre erlebt / erlitten / gestaltet. Ein Tiroler Verlagshaus im Dienste des Wortes. Redaktion Dr. Hanns Humer. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck. Verlagsanstalt Athesia, Bozen. 1989

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