ETIKA

SÜDTIROL / BERGSTEIGEN

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9.10.2003 – 25.9.2007

5ST7P2

Ausdauertest Hinterpasseier

 

Nur geübten Wanderern, die Bergerfahrung, eine "Bombenkondition" und eine gute Ausrüstung haben sowie trittsicher sind, empfiehlt etika.com nachstehenden Ausdauertest. Damit lernen sie gleichzeitig die schönsten Teile von Hinterpasseier kennen. Nur bei optimalen Wetterbedingungen, sonst örtlich Lebensgefahr! Für den Gletscher bei der Zwickauer Hütte und den teils ausgesetzten Höhenweg zumindest Eispickel erforderlich, ebenso für den Weg zur Siegerlandhütte. Es sind anstrengende Ganztagestouren, nicht die üblichen 5- bis 6-Stunden-Wanderungen. Empfehlung: Alles langsam angehen, viele Pausen machen mit kleinen Mahlzeiten, viel trinken. Zeit: 1. Juli bis Ende September.

1. Tour Timmelsalm - Großer Schwarzsee - Siegerlandhütte

Auto an der Timmelsbrücke (ca. 1750 m) stehen lassen, zwischen Moos und Timmelsjoch. 40 Minuten zur Timmelsalm (1979 m). Empfehlung: dort Frühstück einnehmen. Weiter auf Weg 30 und 29 zum Großen Schwarzsee, links halten. Links hinter dem Schwarzsee (2514 m) Aufstieg zur Windach-Scharte (2844 m). Schneefelder, evtl. Eis. Oben 100 Meter rechts bergauf und dann der Markierung folgend abwärts durch Geröll und über Schneefelder - von dem auf den Karten eingezeichneten Östlichen Scheiblehn-Ferner (Ferner = Gletscher) sind infolge Treibhauseffekt nur Reste übrig) zur Siegerlandhütte (2710 m).

Tip für ein andermal: Dort Abstieg nach Sölden im Ötztal möglich oder Weiterweg zur Hildesheimer Hütte. Von dort nach Auskunft eines Wanderers Richtung Pfaffenjoch und Sulzenauferner.

Hinweise: Auf der Kompass-Wanderkarte 044 von Fleischmann, Auflage 03a-92, ist der Weg vom Schwarzsee zur Siegerlandhütte falsch eingezeichnet. - Die Markierung zwischen Schwarzsee und Schneeberghütte läßt zu wünschen übrig: Rot-weiß ist oft nicht in Wegrichtung aufgemalt, sondern quer.

Historische Erinnerung: 8.9.1964: Georg Klotz schleppte sich nach dem am 7.9. um 2.30 Uhr oberhalb Saltaus (dort beginnt Passeier) begangenen Attentat, bei dem Luis Amplatz getötet wurde, schwer verwundet bis zur Staatsgrenze und von dort in einer halben Stunde zur Siegerlandhütte. 42 Stunden hatte seine Flucht gedauert. Am 9. 9. gegen 11 Uhr marschierte er in vier Stunden nach Sölden. Eine Stunde später wurde er festgenommen und am 10. 9. im Krankenhaus Wörgl von dem Beretta-Geschoß unter seiner rechten Achselhöhle befreit. Nach seiner Genesung mußte Klotz nach Wien. (Quelle: Robert H. Drechsler: Georg Klotz, Wien 1976, Seite 131f.)

Wir wandern zum Schwarzsee zurück und über die Timmelsalm zum Auto.

In der Schutzhütte Schneeberg Übernachtungsmöglichkeit. Museum. Zweistündige Führung mit dem St. Leonharder Mittelschullehrer, Buchautor und Hobby-Geologen Heinz Widmann um 12.30 Uhr durch das stillgelegte Bergwerk - mit seiner reinen Luft und hohen Luftfeuchtigkeit wohltuend auch für Asthmatiker. Donnerstag und Samstag anstrengende Abenteuertour durch den Carlstollen, seit 1660, 1000 Höhenmeter, mit Stollenfahrt. Voranmeldung zwei Tage vorher notwendig Tel. 0473 / 64 70 45.

2. Tour Faltschnal - Spronser Seen - Andelsböden

Auto in Pfelders (1622 m) abstellen. Vom Parkplatz aus links am Dorf vorbei. Bald kommt die Abzweigung zur Faltschnal-Alm (1872 m). Empfehlung: dort Frühstück. In angenehmer Wanderung das Faltschnaltal empor bis zum Faltschnaljöchl (2419 m). Weiter bis zum Spronser Joch (2581 m). Herrlicher Blick auf die darunterliegenden Spronser Seen. Hinunter zum Schiefersee, Grünsee (2338 m) und Langsee (2377 m). Hinauf zu den Milchseen. Rechts fast senkrecht hinauf - Sicherungsseile vorhanden - zur Milchseescharte (2707 m), neben dem das Biwak Guido Lammer aufgestellt ist. Von dort abwärts auf neuem, markiertem Steig zu den Andelsböden und weiter geradeaus auf Weg 40 bis zur Lazinser Alm (1860 m), evtl. bei der Andelsalm rechts hinunter auf teils schmutzigem Steig, noch dazu in rückwärtiger Richtung, hinunter zum Tschingelsbach und über die Lazinser Alm bis Pfelders.

Hinweis: Auf der Kompass-Wanderkarte 043 (Auflage 04-95) ist der so markante Dreitausender Tschigat (3000 m) schlichtweg vergessen worden.

3. Tour Zwickauer Hütte - Planferner - Pfelderer Höhenweg

Fast 1400 Meter schweißtreibender Aufstieg von Pfelders (1622 m) auf Weg 6A in 3 1/2 bis 4 Stunden bis zur Zwickauer Hütte (2980 m). Wer eine Erfrischung oder Stärkung braucht, besonders wenn die Sonne vom Himmel brennt, mache Pause in der Schneid-Alm (2159 m). Ein Muß - falls keine Spalten drohen - ist oben der Gang über den Planferner, denn linker Hand bietet sich der schönste Anblick der Tour: die zwei gewaltigen Eiswände des Gletschers. Vom Rotmoos-Joch (3055 m?) aus blickt man hinunter auf den ausgedehnten Rotmoosferner auf österreichischer Seite. Im Hintergrund die Hütte Hohe Mut.

Nach verdienter Rast von der Zwickauer Hütte wieder abwärts bis zur Abzweigung auf 2700 Meter Höhe. Dort beginnt der Pfelderer Höhenweg zur Stettiner Hütte (2875 m). Einer der schönsten Abschnitte dieser Tourenserie. Auf dem teils ausgesetzten Steig quert man mehrere Schluchten, die mit Schnee oder Eis gefüllt sind, zwischen denen Schafe weiden. Eispickel unerläßlich. Bevor man zur tiefsten Stelle des Höhenweges, etwa auf 2300 Meter, kommt, führt links ein neuer Weg hinunter nach Lazins. Diesmal halten wir uns links und erreichen über Zepbichl Pfelders. Am Wege zwei Kapellen mit Darstellungen des Fegefeuers.

Tip: Zum Hinteren Seelenkogel (3470 m) ist es von der Zwickauer Hütte nicht weit. Man kann auch über das Rauhe Joch sehr weit Richtung Timmelsjoch wandern, durch das Seewertal mit dem wunderschönen Seewersee. Endstation ist das Gasthaus Hochfirst an der Timmelsjochstraße. Darüber gibt der in den Hütten erhältliche Führer "Von Hütte zu Hütte" Auskunft.

Historische Erinnerungen:
Die vor 100 Jahren 1899 von der DOeAV-Sektion Zwickau (Sachsen) erbaute Zwickauer Hütte wurde nach dem Ersten Weltkrieg an den italienischen Alpenverein CAI übergeben. 1933 brannte sie ab. Wiederaufbau 1960. 1965 vom italienischen Militär beschlagnahmt. 1967 in die Luft gesprengt. Vom CAI wieder aufgebaut. Materialseilbahn. 28 Betten und 44 Matratzenlager. Bewirtschaftet vom 1. Juli bis 30. September.

Die in Wien festgehaltenen Südtiroler Georg Klotz und Luis Amplatz fuhren am 27.8.1964 unter Mißachtung der Auflage, sich zweimal bei der Polizei zu melden, nach Nordtirol. Am 28. 9. fuhren sie nachts ins Ötztal. Von Obergurgl aus stiegen sie auf und biwakierten am Gletscherrand. Am Abend des 29. 8. überschritten sie die Staatsgrenze, vorbei an der Zwickauer Hütte. Die Nacht verbrachten sie oberhalb von Pfelders. Ein gewaltiges Unwetter ging nieder. Um 12 Uhr mittags trafen sie bei der Überquerung des Tales auf Finanzer. Klotz schoß einen Uniformierten an. Es gelang den beiden, Hunderten von Finanzern und Soldaten zu entkommen. Sie fanden in einer Almhütte bei St. Martin Unterschlupf und marschierten am 31. August in Richtung Inner-Riederberg, wo sich die Situation zuspitzte. (Quelle: Robert H. Drechsler: Georg Klotz, Wien 1976, Seite 124f.)


Achtung: die Strahlung in der Höhe wird immer gefährlicher!
Alles mitnehmen, was notwendig ist, aber nichts Überflüssiges.

Empfohlene Ausrüstung

Gute Wanderschuhe, am besten mit Einlegesohlen. Hut mit breiter Krempe, Kniebundhose, Kniestrümpfe (Fußsohlen vorher einpudern), Hemd mit langen Armen, Pullover. Gletscherbrille. Gamaschen. Anorak. Regenumhang. Handschuhe. Taschentücher. Biwaksack. Als Ersatz im Rucksack: Unterwäsche, Hemd, Strümpfe. Kleines Handtuch.
Verstellbare Wanderstöcke, z. B. Makalu Leki. Eispickel. Karabiner (zum Befestigen der Wanderstöcke). Steigeisen können bei der Zwickauer-Hütten-Route und vielleicht auch auf dem Weg zur Siegerlandhütte notwendig sein. Trillerpfeife. Taschenmesser. Evtl. Seil. Höhenmesser und Kompaß. Taschenlampe, z. B. Stirntaschenlampe.
Gute Landkarte 1: 25.000, von Tabacco,Freytag-Berndt, Alpenvereinskarte.
Handlicher Führer von Heinz Widmann: Passeiertal für Bergfreunde, 58 Bergtouren und 11 Klettertouren, Tappeiner Verlag Lana 1997, 144 Seiten, 15.000 Lire, z. B. auf der Schneeberghütte erhältlich.
Papier für Notizen. Kugelschreiber. Pflaster. Sicherheitsnadel. Sonnenschutzmittel z. B. Faktor 26.

Getränk, z. B. in leichter 0,5-Liter-Mineralwasser- (oder Fanta-) Plastikflasche. Etwas zum Essen, Brot (ein frisches, wohl mundendes "Paarl" von der Bäckerei Albert in Platt), Apfel, Studentenfutter, Schokolade (oder Früchteriegel aus dem Reformhaus).

Als überflüssig erwiesen sich die von uns Ende Juli wegen des unbekannten Geländes vorsichtshalber mitgeschleppten Eishammer und Rohreisschrauben; die Gletscherspalten hatten sich noch nicht geöffnet, im Schnee sank man nur wenig ein.

An den beiden ersten Abenden empfiehlt sich ein Kneipp Wacholder-Ölbad zur Muskellockerung.

Literatur:

Christoph Gufler: Passeier, Südtiroler Gebietsführer 36, Verlag Athesia Bozen

Giovanna Koch: Südtirol für Bergwanderer, Band 2, Texelgruppe, Pfelderer und Ridnauner Berge, Tappeiner Verlag

Heinz Widmann: Passeier, Tappeiner Verlag
Von Hütte zu Hütte zwischen Brenner und Meran. Faltblatt mit Weg- und Hüttenbeschreibungen.

Pit Schubert: Alpine Eistechnik, Bergverlag Rudolf Rother, München, Alpenvereinslehrschrift des OEAV

Zusatz 2007: Da sich in den vergangenen vier Jahren niemand gemeldet hat, erklären wir die Aktion (Punktevergabe, Urkunde) für beendet und überholt.

Teilnehmer erhalten eine Urkunde, wenn sie sich in die Hüttenbücher der Siegerland- und der Zwickauer Hütte eingetragen haben und zwei Fragen zur Runde über die Spronser Seen (auf diesem Weg ist keine Hütte) richtig beantworten.
Punktevergabe:
Innerhalb von sieben Tagen alle drei Touren: 100 Punkte
Innerhalb von sechs Tagen: 1 Zusatzpunkt
Innerhalb von fünf Tagen: 2 Zusatzpunkte
Innerhalb von vier Tagen: 3 Zusatzpunkte
Innerhalb von drei Tagen: 4 Zusatzpunkte
Auf dem Rückweg von der Siegerlandhütte über die Schneeberghütte: 1 Zusatzpunkt
Von den Spronser Seen über den Tschigat (3000 m) zum Halsl-Joch und zu den Andelsböden: 1 Zusatzpunkt
Von der Zwickauer Hütte zum Rotmoosferner, 100 Höhenmeter absteigen bis 2900 m, und zurück: 1 Zusatzpunkt
Von der Zwickauer Hütte den ganzen Höhenweg 44, vom tiefsten Punkt 2300 m wieder aufsteigen bis 2600 m, unterhalb der Stettiner Hütte, und dann bis dorthin oder absteigen zur Lazinser Alm und Pfelders: 1 Zusatzpunkt
Familien: Jedes Familienmitglied 1 Zusatzpunkt
Alleingänger: 1 Zusatzpunkt
Einen vollständigen Rosenkranz beten: 1 Zusatzpunkt (wird nur einmal gewährt).
Höchstpunktezahl: 110 Punkte.
Bisherige Teilnehmer:
1., aus Südtirol, 100 + 4 (drei Tage 24.-26.7.1999) + 1 (Rotmoosferner) + 1 (ganzer Pfelderer Höhenweg) + 1 (allein) = 107 Punkte
2. du?

Prospekte und Zimmervermittlung: Tourismusbüro Hinterpasseier, I-39013 Moos i. P. (BZ), Tel. von D aus: 0049 / 0473 / 64 35 58. Fax 0049 / 0473 / 643880
Wir hatten an dieser Stelle einen Hinweis auf die Leistungen der Teilnehmer im Wettbewerb um die Drei-Hütten-Trophäe geplant. Der Sieger ist seit Mai jeden Tag auf die Schneeberghütte gelaufen, 139 mal. Außerdem rannte er 14 mal zur Zwickauer und 50 Mal zur Stettiner Hütte. Viele andere eiferten ihm nach...

Tip: http://www.pfelders.it www.passeiertal.org

Verkehrsinformation: Südtiroler Verkehrsmeldezentrale Tel. 0471 / 20 01 98
Tageszeitung Dolomiten auf der Seite Heute

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