ETIKA

SÜDTIROL / Passeier

www.etika.com

5ST7P8

Liebener Spitz (3389 m)

22.8.2009. Mit Fotos

FBZ-Tagesrunde 2 mit Hilfe öffentlicher Verkehrsmittel: zu Fuß, per Bus oder/und Zug

Ulfas – Platt – Pfelders – Biwak – Liebener Spitz – Biwak – Imestalm – Innerhütt – Ulfas
Nur für geübte, durchtrainierte Bergsteiger. Rundtour kann auch in Pfelders oder Innerhütt oder Platt beginnen

Montag, 17.8.2009, 6 h: 1 Liter lauwarmes Wasser trinken. Abwaschen mit kaltem Wasser. Gymnastik. Frühstück: ein Apfel in Scheiben, gestückelt, mit Sonnenblumenkernen, Rosinen sowie Beeren. Aufbruch in Ulfas gegen 8 h –  Bus ab Platt um 8.29 h, an Pfelders um 8.44 h – Gasthaus Edelweiß: Latte macchiato und Apfelstrudel

Start um 9 h in Pfelders (1628 m) hinter dem Gasthaus Edelweiß. Weg 6a. Bevor der Berichterstatter bald rechts auf den Weg 6b abzweigt, trifft er ein schwäbisches Ehepaar, das zur Zwickauer Hütte geht. Dies sind die einzigen Menschen, die er den ganzen Tag über sieht, bis Innerhütt. Ansonsten nur Ziegen, Schafe, Kühe und Murmeltiere sowie Vögel und Insekten. Unterdessen stürmen derzeit täglich etwa 50 Leute den Ortler, wie Bergführer Olaf Reinstadler am 19.8.2009 morgens im RAI Sender Bozen mitteilte. (Die Schweinshaxe mit ein paar Maß Bier danach machen den ganzen gesundheitlichen Wert wieder zunichte.)

10.00 h Hütte auf 2110 m. 10.20 h Kreuzung Schneidalm auf 2290 m. 10.35 h auf 2420 m nicht weiter auf dem Weg 6b, der zur Imestalm führt, sondern bei der Abzweigung aufwärts zum Kreuzjoch. – Tagesgetränk: Wasser, in Passeier überall vorhanden, welcher Segen.

Gerade das Barfußgehen wiederentdeckt. Wegen der Konzentration auf das Vermeiden spitzer Steine übersehe ich die Abzweigung zum Rauhjoch und folge der Markierung 44 in die falsche Richtung nach links. ½ h Zeitverlust.

11.15 h wieder an der Abzweigung in der Nähe des Kreuzjochs. 12.00 h erreiche ich auf dem Weg 44 das blitzsaubere, nagelneu wirkende Josef-Pixner-Biwak. Wie warm ist es innen dank der Sonneneinstrahlung! Hauptbestandteile des Mittagessens: viel grüner Salat von der Nachbarin, zwei Bergsteigerbrötchen vom Bäcker in Platt. Mittagsschläfchen auf der Holzbank.

13 h beim Biwak aufwärts auf manchmal erkennbaren Spuren. Sehe 3 Steinmänner. Um 14.10 h erreiche ich das höchste Steinmandl auf dem Grat zum Südlichen Seewerferner, das von unten aus gut sichtbar ist. Der unzuverlässige Höhenmesser der Uhr zeigt 3111 m an. Weiter nach links auf ausgetretenem Pfad. Um 14.40 h stehe ich vor dem majestätischen Hochfirst, der von hier relativ unnahbar aussieht. Wende mich nach links, lasse mich nicht abschrecken vom Anblick des zackigen Kamms, der zum Liebener Spitz führt. In der Tat ist der Pfad, auf dem man nicht stolpern sollte, mit ein paar Ausnahmen recht eben. Ein Schneefeld am Anfang rechts verleiht ein Gefühl von Sicherheit.

Um 15.25 h stehe ich auf dem Liebener Spitz (3389 m). Es ging leichter als es aussah. Der Liebener Spitz ist ein fast unbekannter, aber herrlicher Berg über Gletschern und kühnen Zacken. Er ist nur 14 Meter niedriger als der mächtige Hochfirst, aber höher als der Granatkogel, die Hohe Weiße und der Lodner. Genieße die atemberaubende Rundumsicht bis 15.55 h.

Um 16.45 h bin ich wieder beim Steinmandl, das nach der Korrektur des Höhenmessers am Gipfel jetzt 3170 m hoch ist. Wie schmal wirkt doch von hier aus der Granatkogel! Der Rückweg ist von oben her leichter zu finden, aber nicht im unteren Abschnitt. Um 17.40 h bin ich wieder beim Rauhjoch-Biwak (2745 m), errichtet im Juli 2002 zu Ehren des Passeirer Bergpioniers und Wirts der Zwickauer Hütte, Josef Pixner. Das Biwak ist nur für Menschen in Bergnot! Es ist nicht erlaubt, vom Biwak aus auf den Hinteren Seelenkogel zu gehen, denn man kann ja in der Zwickauer Hütte übernachten. Und weh dem, der dieses wunderschöne Biwak missbraucht!

Um 18.10 h nehme ich noch vor dem Kreuzjoch die oft von Ziegen begangene Abzweigung nach links unten zur Focknlacke, ein schmaler Pfad. Ab 18.25 h, gegenüber der Sefiarspitze, gehe ich wieder barfuß bis zu einem 2 m hohen Steinmandl über der verfallenen alten Imestalmhütte. 18.30 h Focknlacke, 2435 m. Um 18.55 h bei der verfallenen Imestalmhütte, 2250 m. Wie schön und ausgedehnt ist die Imestalm, eine Augenweide, mit der Seiser Alm vergleichbar! Es hat einen besonderen Reiz, am Abend zu wandern. Himmlische Ruhe.

19.00 h Kreuzung Oberstein/Pfelders und Innerhütt. Wer nach Pfelders muß, geht rechts. Ich gehe links nach Innerhütt. Es ist leider zu spät, um nochmals die Schuhe auszuziehen. Ja, es geht nicht anders, auf der ganzen Strecke sind weit über 2000 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Wohl dem, der sich auf Stöcke stützen kann (ein Lob gilt der Marke Leki Makalu). Vielleicht erbarmt sich einmal jemand der unschönen Wegstrecken im unteren Teil. Der Berichterstattung muß eine Abzweigung ganz unten übersehen haben, denn er macht einen unnötigen Umweg bei den Zaglhöfen. Tatsache ist, daß von unten her, von der asphaltierten Straße links nur ein Weg 8 nach Moos abzweigt, aber noch nichts von Imestalm steht.

20.05 h Innerhütt (1444 m). Schon der zweite Apfelstrudel heute und zwei große Apfelsaftschorlen. Letzte Etappe bei fortschreitender Finsternis durch den Wald bis auf 1300 m. Ankunft in Ulfas um 21.45 h. Gesamtzeit für diese Runde also fast 14 Stunden. Wer von Pfelders oder Innerhütt aus startet, spart sich ein paar Stunden. Das Wetter war herrlich. Zwar gaben Wolken mittags zu Besorgnis Anlaß, doch das Vertrauen in den optimistischen Wetterbericht lohnte sich diesmal. Endlich war Stabilität eingekehrt, und die Hitzewelle mit 35 Grad Celsius im Tal erreichte ihren Höhepunkt.

Warum diesen einsamen Gipfel bekanntmachen? Damit endlich die Jugend wieder Freude daran findet, auf die Berge zu steigen statt zu vergammeln oder zu verkommen.

 

Tabacco-Wanderkarte Passeiertal Blatt 039. Es gibt jetzt auch eine Kompass-Karte im Maßstab 1:25 000, auf der sogar das Biwak eingezeichnet ist. Höhenangaben im Bericht mit größtem Vorbehalt. Differenzen manchmal 50 bis 100 Höhenmeter. Nachstehend Fotos:

5stpsüdlseewerferner20090817.JPG

Blick vom Steinmandl hinunter auf den Südlicher Seewerferner

5stphochfirst20090817.JPG

Vor uns erhebt sich majestätisch der Hochfirst.

5stpliebenerspitz20090817.JPG

Wir aber schauen nach links und peilen den Liebener Spitz rechts hinten an.

5stpgaisferner20090817.JPG

Um dorthin zu gelangen, müssen wir auf den Grat, der sich über dem Gaisbergferner (Nordtirol) mit seiner Randkluft erhebt. Links der Hangende Ferner (Südtirol)

5stpvliebenerzhintseelenkogel20090817.JPG

Blick vom Liebener Spitz nach Südwesten zu dem genau 100 Meter höheren Hinteren Seelenkogel (Mitte). Links darunter die Zwickauer Hütte

5stpgranatkogelvliebener20090817.JPG

Auf dem Rückweg kann der Berichterstatter den Granatkogel (3302 m), an dem er so oft gescheitert ist, von hinten studieren …

5stphochfirstvliebener20090817.JPG

… und noch gründlicher den Hochfirst (3403 m).

hochfirst20090817.JPG

Die Südostseite des Hochfirst wirkt für Amateurbergsteiger ohne Seil und Haken und ohne Klettererfahrung noch unnahbarer,
und auch die Gletscherspalten schrecken ab, besonders wenn man allein unterwegs ist.

Siehe auch das Bild vom Liebener Spitz, vom Hochfirst aus aufgenommen

Alle Fotos: Rainer Lechner, etika.com

Index 5