ETIKA

SÜDTIROL / Passeier

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5ST7P9

Hochfirst (3403 m)

22.8.2009, mit Fotos

Vorbemerkung: Keiner von den Leuten, die er traf, konnte dem Berichterstatter genau sagen, wo man auf den Hochfirst geht, ob über den Südgrat oder vom Gletscher aus durch die Rinne oder von unten her. Deshalb nahm er Steigeisen und Eispickel mit, um alles ausprobieren zu können. Die Vorsehung wollte es, daß er kurz vor dem Hochfirst auf zwei richtige Bergsteiger traf, die soeben den Liebener Spitz als auch den Hochfirst bestiegen hatten und ihm mitteilten, daß der Weg auf den Hochfirst über den Grat führe. Siehe die Bilder auf ETIKA 5ST7P8 Liebener Spitz. Es sei „griffiger Fels“.

Donnerstag, 20.8.2009. Start um 7.45 h in Ulfas (1300 m). Bus Platt 8.29 h. Abmarsch in Pfelders um 8.45 h, diesmal bis Oberstein. Von dort nicht so steiler Weg wie am Montag direkt von Pfelders zum Kreuzjoch. 9.05 h Abzweigung 2. Um 9.40 h auf 2000 m auf der herrlichen Imestalm, einem Idyll nicht nur für Barfußgeher. 10.15 h bei der verfallenen Imest-Almhütte (2198 m). Tip: Rechts auf dem Weg 2 gehen bis kurz vor das Rauhe Joch und dann links zum Biwak. Ein Hirte sagt, das sei kürzer. Der Berichterstatter stieg jedoch erneut auf dem Weg 6B zum 2-m-Steinmandl auf, passierte die Focknlacke und stieg nach einem ebenen, sumpfigen Stück Wiese schräg empor Richtung Kreuzjoch. Um 11.20 h gelangte er auf den Höhenweg 44 und wanderte rechts weiter zum Biwak, das er wie am Montag auf die Minute um 12.00 h erreichte. Pause bis 13 h.

Aufstieg direkt vom Biwak und dann links und wieder aufwärts. (Man sieht den grünen Rest des Gletschers unter dem Ebner First, links neben der Schwarzen Wand.) Oft verliert man die Spur. Um 14.05 beim Steinmandl auf dem Grat, 20 Minuten später auf dem Seewerspitz.

15.00 h am Gaisbergjoch (3233 m). Unsicherheit über richtige Route – nur manchmal kleine Steinmänner – sowie viele gefährliche Stellen drücken aufs Gemüt des Alleingehers. Mehrmals werden akrobatische Leistungen verlangt. Blicke auf den viele Hundert Meter tieferen Gletscher würzen das Abenteuer. Viele lockere Steinchen, andrerseits griffiger Fels. Für Profis sicher kein Problem, gewöhnliche Wanderer müssen Todesmut mitbringen. (Was ein Einheimischer später im „Tannenhof“ bestreitet: Die Besteigung des Hochfirst sei nicht „zach“ (besonders anstrengend und gefährlich), sonst hätten er und andere nicht das Gipfelkreuz hinaufgetragen. Ihnen gebührt allerhöchste Hochachtung.)

Um 16.05 auf dem Gipfel. 16.35 h Beginn des Abstiegs. Genau eine Stunde später wieder am Gaisbergjoch. Zehn Minuten später holt er auf dem Seewerspitz die niedergelegten Steigeisen und den Eispickel – Dinge, die man meist nicht braucht, wenn man sie dabeihat. Um 18.10 h beim Steinmandl auf dem Grat, von dort Abstieg. Um 18.38 h Rutschen auf Schneefeld. Oberhalb des Biwaks stolpert der Wanderer und verliert seine Uhr mit dem ungenauen Höhenmesser. Er riskiert den Heimweg, findet den oben erwähnten neuen Weg 2 nicht, steigt senkrecht über steile Wiesen mit Sümpfen und Löchern ab zur verfallenen Imestalm und setzt den Weg bei fortschreitender Dämmerung fort nach Innerhütt, wo er kurz nach 21 Uhr eintrefft. Dann wandert er auf der Asphaltstraße weiter bis Ulfas, wo er um 10.45 h eintrifft. Noch immer ignorieren Gemeinde- und Landesverwaltung den Wunsch, neben geteerten Straße Kieswege für Wanderer und Radfahrer anzulegen. Insgesamt fast 15 Stunden unterwegs – eine Tour, die man nicht zweimal macht.

Ohne einen Stock als dritten Fuß wäre der Berichterstatter vielleicht nicht mehr lebendig heruntergekommen. Solange niemand einen leichteren Weg auf den Hochfirst findet, rät der Berichterstatter von der Besteigung dieses von der Timmelsjochstraße so imposant aussehenden Bergriesen ab. Landkarte: Kompass 044 Passeiertal 1: 25 000. Fotos:

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Ein kleiner Teil der idyllischen Imestalm. Links die verfallene Hütte

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Hier rechts muß man hinauf klettern. Eine luftige Angelegenheit, aber immer noch angenehmer als die vielen schrägen, rutschigen Stellen aus Erde und Steinen, bei denen man nie weiß, ob man noch auf dem richtigen Weg ist oder schon das Jenseits ansteuert. Wie die Einheimischen wohl das schwere Gipfelkreuz hier emporgehievt haben?

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Jetzt sind wir bald am Ziel, vorausgesetzt, wir klettern unfallfrei wie Gemsen.

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Vom Hochfirst aus werfen wir zunächst einen Blick auf den nur 14 Meter niedrigeren Nachbarberg Liebener Spitz. Dazwischen der Gaisbergferner

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Und wir lassen den Blick ein wenig weiter rechts schweifen, unter anderem zum Rotmoosferner. Ein Gletscherparadies!

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Hier der auslaufende Gaisbergferner auf Nordtiroler Seite

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Zuletzt der benachbarte Granatkogel (3302 m)

Alle Fotos: Rainer Lechner, etika.com

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