ETIKA

WANDERPARADIES SÜDTIROL

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Junge nicht abschrecken!

4./16.10.2007
Offene Briefe an Thomas Widmann und Walter Meister

Offener Brief an den Landesrat für Tourismus, Dr. Thomas Widmann, Landhaus, 39100 Bozen

So darf es im Wanderparadies Südtirol nicht bleiben:
Junge werden abgeschreckt und ältere Wanderer vergrault
Erfahrungsbericht eines einfachen Wanderers

1. Gefahren nicht verharmlosen!

Wie es nicht sein soll. Am 14.9.2007 wollen zwei ältere Wiener von der Magdeburger Hütte zur Tribulaunhütte. Je höher sie steigen, desto mehr macht Schnee den Weg Nr. 7 unsichtbar. Die Markierung ist oft unter dem Weiß verschwunden. Öfters kommen die beiden vom Weg ab. Mühsam kämpfen sie sich hoch und gelangen unter der Weißwandspitze (3016 m) auf ein Felsband. Vorsichtig stapfen sie zwischen der Wand und dem Abgrund durch den schräg aufgehäuften Schnee. Kommen sie zehn Zentimeter zu weit links, sinken sie bis zu einem Meter tief ein. Ja, einmal versinkt einer der Wiener bis zum Hals im weißen Element. Andrerseits: Ein paar Zentimeter zu weit rechts, und es gibt kein Halten mehr, denn dort klafft ein tiefer Abgrund. Die beiden gelangen glücklich ans Ende.

In ihren Spuren stapft ein paar Stunden später ein einheimischer Wanderer. Der Schnee ist weich infolge der starken Sonneneinstrahlung. Mit den Stöcken tastet sich der einsame Wanderer langsam vor. Jeden Augenblick kann der Schnee abrutschen – und er mit, in die schwindelnde Tiefe. Nur mit dem Gedanken an den Schutzengel und Gebet überwindet er die Anfälle von Todesangst. Ein paarmal möchte er aufgeben, darf es aber nicht, denn der Rückweg ist genauso gefährlich. In einer Felsnische in 2867 m stärkt er sich, sammelt neue Kraft    und dann hat er es geschafft.

Danach liest er noch einmal die Beschreibung des Weges in dem Faltblatt „Von Hütte zu Hütte“:

„Der Weg an sich birgt eigentlich keine großen Schwierigkeiten. Zwischen Hohem Zahn (2924 m) und Weißwand (3018 m) muß allerdings ein Felsband gequert werden, wo bei Schnee größte Vorsicht empfohlen wird.“

Der Wanderer denkt: „Es müsste heißen: Begehbar nur für Schwindelfreie und nicht bei Schnee oder Eis!“

Später trifft er in der Tribulaunhütte auf die beiden Wiener. Sie hatten – kein Wunder – ganze sieben Stunden gebraucht bei der anstrengenden Suche nach dem Weg und dem Stapfen im teils tiefen Schnee.

Und als er wieder zuhause ist, entdeckt er in dem Buch von Hanspaul Menara „Die schönsten 3000er in Südtirol“ (Athesia Bozen 2007) auf Seite 147 einen doppelten Hinweis auf das Querband unter der Weißwandspitze:

„eine ausgesetzte, bei Schnee oder Vereisung unter Umständen undurchführbare Querung“. Und: „Manchmal kann Schnee oder Eis die genannte Querung sogar unmöglich oder zumindest sehr gefährlich machen.“

 

2. Korrekte Zeiten für Durchschnittswanderer angeben!

Der einsame Wanderer hat 4 Stunden und 20 Minuten gebraucht, die Wiener sieben Stunden. Im Faltblatt heißt es: 3 Stunden.

Er erinnert sich an andere unkorrekte Zeitangaben, etwa für den Weg von der Grohmannhütte (2252 m) zur Teplitzer Hütte (2586 m): ½ Stunde. Eine halbe Stunde für 300 Höhenmeter. Welcher Durchschnittswanderer schafft das schon? Der Berichterstatter selbst hatte mit seinem schweren Rucksack eine Dreiviertelstunde gebraucht. Und er macht sich Gedanken über die tatsächliche Zeit, die der Durchschnittswanderer braucht. Was ist alles zu berücksichtigen?

·        Der ortsunkundige Wanderer muß sich oft erst orientieren. Er sucht den Weg, wenn die nächste Markierung nicht zu sehen ist, und muss vielleicht einen falschen Weg zurückgehen. Manchmal muss er die Landkarte aus dem Rucksack holen und diese evtl. nach dem Kompaß ausrichten.

·        Jeder muss diverse Kleinigkeiten erledigen, die summa summarum Zeit kosten. Er muss seine Haut eincremen, die Sonnenbrille aufsetzen und manchmal putzen wegen des Schweißes, den Anorak oder Pullover an- oder ausziehen, die Mütze aufsetzen, die Stöcke verstellen, Gamaschen anlegen, etwas zum Essen oder Trinken aus dem Rucksack holen, sich dazu ein passender Plätzchen suchen usw.

·        Mancher macht sich Aufzeichnungen, braucht Zeit für Fotos, wartet auf Nachzügler, macht einen kurzen Erfahrungsaustausch mit anderen Wanderern, betrachtet die kleinen Wunder am Weg, genießt die Aussicht – das sind alles normale Zeitverluste.

Wie geistig minderbemittelt muss einer sein, der nur nach der Zeit schielt und das Leben verpasst.

Es ist auch selbstverständlich, dass man in den Hütten am Weg Ruhepausen einlegt. Oder soll der Wanderer auf den Besuch der Hütten verzichten, um die Zeiten einhalten zu können? Das liegt wohl nicht im Sinne des Fremdenverkehrs.

Im Wanderer steigt Ärger hoch, wenn er das angegebene Zeitlimit nicht schafft. Er fühlt sich alt. Die Hüttenwirte und Herausgeber von Prospekten und Wanderbüchern können nichts Dümmeres tun, als ihre eigenen Gehzeiten anzugeben. Kaum etwas nervt die Urlauber so – von fehlenden Markierungen und Asphaltwegen abgesehen – wie zu kurze Zeitangaben auf Tafeln und in Führern.

·        Wie sollen die Jungen aus Deutschland – die wichtigsten Gäste der Zukunft – ins Wanderparadies Südtirol gelockt werden, wenn sie mit utopischen Zeitangaben abgeschreckt werden?

Kapieren denn die einheimischen Nutznießer des Tourismus nicht, dass ein schwachbrüstiger oder fettleibiger Schüler oder Student aus Deutschland, Österreich, Italien oder auch Südtirol, der einem immer brutaleren Leistungsdruck ausgesetzt ist und kaum Zeit und oft kein Interesse am Sport hat, einen Berg nicht in derselben Rekordzeit hinaufrennen kann wie ein kraftstrotzender Bauernbursch, der sich nicht mit geistigen Anforderungen herumplagen muss, sondern seine Kraft in seinen eigenen Körperbau investiert?

Wenn da nicht bald Rücksicht genommen wird, schaut sich die neue TV- und Computergeneration die Berge nur mehr am Bildschirm an. Fazit:

·        Der Wanderer will nicht die reine Gehzeit von Profis wissen, sondern wie lange er selbst zu einem Ziel braucht inklusive aller Pausen.

Kommt er nicht in der angegebenen Zeit ans Ziel, ist er enttäuscht, vielleicht sogar zornig. Der ganze Tag ist ihm vergällt, und mancher beschließt, in eine solch ungastliche Gegend nicht wieder zu kommen.

Denn wie sieht der derzeitige Durchschnittswanderer aus? Dieser Tage erzählten vier junge bundesdeutsche Wanderer auf einer Berghütte, in ihrem Sporthotel im Tal kämen sie sich vor wie in einem Altersheim. In der Tat ist der Durchschnittswanderer von heute zwischen 50 und 70 Jahre alt, oft beleibt, zwar weitgereist und welterfahren, aber nicht immer mit der nötigen Kondition ausgestattet. Er ist verwöhnt vom Allgäu und den bayerischen sowie österreichischen Alpen. Manch einer hat einen schweren Rucksack, ist beruflich gestresst oder gar gesundheitlich angeschlagen (er kommt ja ins Gebirge, um sich zu erholen und Kraft zu tanken, bringt sie also selten mit). Es ist Nonsens, ja Wahnsinn, auf den Tafeln die Höchstleistungen einiger weniger Einheimischer (ja, denn viele Einheimische sind gar nicht zu ganztägigen Wanderungen im Hochgebirge imstande!) anzugeben.

·        Ein Schüler oder Student läßt das Wandern nach der ersten Enttäuschung ganz sein – weil er nicht mithalten kann und sich blamiert.

·        Damit aber sägen diejenigen, die zu kurze Zeiten angeben, um Leute anzulocken, kurzsichtig selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen.

Aber auch die anderen Wanderer sind ungehalten. Nicht wenige haben sportliche Ambitionen und wollen die Zeiten unterbieten. Wenn es ihnen gelingt, haben sie ein Erfolgserlebnis,  freuen sich und kommen wieder.

·        Deshalb sollte man bei jeder Stunde reinen Gehzeit (des Durchschnittswanderers) mindestens 10 Minuten dazugeben: also 1 h + 10 min.

Nicht zu vergessen, dass falsche Zeiten die Wanderer zu Fehlentscheidungen veranlassen, ja sie in Lebensgefahr bringen können, wenn sie die Rückkehr nämlich nicht mehr bis zum Einbruch der Nacht schaffen. Schon Ende September ist der Tag kurz.

Frage: Sollten jene, die falsche Angaben machen, nicht zu Schadenersatz herangezogen werden, wenn etwas passiert? Wenn jemand eine Dreiviertelstunden-Strecke in einer halben Stunde absolvieren will, weil das auf dem Hinweisschild steht, und dabei einen Herzinfarkt bekommt, so hätten die Angehörigen des Toten zumindest einen moralischen Anspruch auf Schadenersatz, denke ich.

3.   Idiotensicher markieren!

Fast bei jeder Wanderung trifft der Verfasser dieser Zeilen auf fehlende oder falsche Markierungen. Auffallend oft fehlen schon an den Hütten Hinweistafeln, wo ein Weg beginnt; das ist recht ärgerlich. Manchmal sind die rot-weißen Streifen nicht in der Wegrichtung angebracht, sondern deuten in eine andere Richtung. Viele Markierungen auf weniger begangenen Wegen sind blass geworden und zu erneuern. Pfosten mit Hinweistafeln sind bisweilen verdreht und damit unbrauchbar.

·        Markierer sollten die Strecken mit ortsunkundigen Touristen abgehen und idiotensichere Markierungen anbringen.

Vorschläge: Jedermann kann irreführende Angaben auf Hinweistafeln, Landkarten usw. an eine zentrale Stelle beim Landesamt für Tourismus melden per Brief, Anruf oder E-Mail. Dieses leitet die Beschwerde an die Zuständigen weiter: Verkehrsvereine, Gemeinden, Alpenverein, Verlage.

Auch hier wieder das Thema Schadenersatz: Wenn sich ein Wanderer wegen einer fehlenden Markierung verirrt und dann erfriert oder abstürzt, warum sollte dann nicht derjenige, der schlecht markiert hat, zusammen mit den anderen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden? Dies müsste auch für die Hersteller fehlerhafter Wanderkarten gelten. …

Anmerkung: Nachdem der Verfasser in der Presserundschau des Senders Bozen vom 16.10.2007 die Feststellung eines gerade zu 50.000 Euro Schadenersatz verurteilten Journalisten gehört hat, dass Richter immer recht haben, zieht er den folgenden Satz zurück (betrifft Fall Mathà).

4.   Schöne, bequeme Wege!

Am meisten zu tun ist an den Wegen. Denkt denn niemand daran, die vielen Steine wegzuräumen, die Tausende Wegkilometer so beschwerlich machen? Manche Wege sind Katastrophen, unfreiwillige Bußwege. Und so viele unnötige Auf und Ab! Würde sich die Landesregierung ernstlich um den Fremdenverkehr kümmern, würde sie einen Stab einrichten, der alle Wanderwege auf unnötige Höhenunterschiede überprüft. So viele ebene Wege wie möglich! Die im Lande Verantwortlichen sollen sich einmal den total ebenen Felspfad nördlich von Sanzeno bis vor San Romedio anschauen. Die Trentiner sind zweifellos oft eine Nase voraus. Man denke nur an den schönen Rundwanderweg um den Tovelsee und die Lösung des Parkplatzproblems.

Und bitte, wie schon früher angeregt, mehr Rundwege! Und Barfußpfade!

Ein Ärgernis ersten Ranges sind asphaltierte Wanderwege. Viele Bürgermeister und Gemeinderäte müssen in ihrem Wahnsinn gestoppt werden, die Wege zu jedem Bauernhof, jedem kleinen Kraftwerk, jedem Sendemasten zu asphaltieren. Bitte unnötige Asphaltierungen rückgängig machen, andere Trassen für Wanderer anbieten oder mindestens einen Meter breite Randstreifen aus Kies anlegen.

So wie die Steuergelder des Landes Südtirol derzeit verteilt werden, wird es wohl 100 Jahre dauern, bis ein Jung und Alt begeisterndes Wanderwegenetz Wirklichkeit wird.

·        Es ist eine Arbeit für Generationen, „das schönste Land der Welt“ zum schönsten Wanderland der Welt zu machen.

Ein optimaler Zustand der Wanderwege garantiert das wirtschaftliche Wohlergehen Südtirols. Aber mit vernachlässigten Wegen wie Nr. 7 von St. Anton in Pflersch bis zur Tribulaunhütte, noch dazu mit einem plastifizierten Zaun aus China statt eines gebirgsüblichen Holzzaunes, müssen wir uns schämen.

Zum Glück gibt es noch vielerorts eine unverschandelte Natur mit reicher Flora und Fauna, geistige Lichtblicke wie das kleine Holzkreuz auf dem Hohen Zahn mit der Inschrift „Jesus Christus Rex Montium“ (König der Berge), freundliche Hüttenwirte und -wirtinnen sowie Bauern und Hirten sowie vereinzelte kulinarische Köstlichkeiten, z. B. die Kasnocken der Oma des Wirts der Teplitzer Hütte oder die Schlutzkrapfen der freundlichen Wirtin der Tribulaunhütte.

Vorschlag: Es gibt unzählige Stellen, die unnötig gefährlich oder steil sind. Warum nicht Bauern, Studenten, Pensionisten und andere Freiwillige unbürokratisch im Zuge einer für sie steuerfreien Landesumweltaktion anstellen, die als Wegmacher mit Schaufel und Pickel allzu schmale Pfade verbreitern, Steine entfernen, Wege ebener machen und und und.

5. Ordentliche Hütten!

Es geht nicht an, dass sich in einer Hütte Dutzende Übernachtungsgäste ein WC mit einem einzigen Waschbecken fürs Waschen, Rasieren usw. teilen müssen.

Andererseits gibt es schöne Hütten, die von der Atmosphäre her fast mit der uralten Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen konkurrieren können, etwa die Teplitzer Hütte, in ihrer Schlichtheit mit dem hellen Holz und der hervorragenden Ausstattung ein kleines Schmuckstück.

Faule Hüttenwirte, die erst um 8 Uhr Frühstück anbieten (nicht auf dieser Route, aber in den vergangenen Jahren anderswo in Südtirol erlebt) sollten früher aufstehen und den Tag nutzen, um Steine von den Wegen wegzuräumen.

6. Öffentlicher Nahverkehr im Halbstundentakt!

Das Bahnnetz ausbauen, nicht nur ins Überetsch, sondern auch nach Passeier und in andere Täler. Auch Seilbahnen fördern. In allen 116 Gemeinden Südtirols Bahn oder Bus oder Minibus im Halbstundentakt zu niedrigen Preisen. Dann verzichten viele gern auf Autofahrten.

Übrigens: Habe rund um die Bushaltestelle in St. Anton in Pflersch vergeblich nach einem Hinweisschild Richtung Gossensaß gesucht. Gibt es etwa gar keinen Fußweg?

7. Schluss mit der Hundeplage!

Hunde, welche die Wanderer bedrohen, haben auf öffentlichen Wegen nichts zu suchen. Die Grundbesitzer sollen sie entweder anketten oder durch einen Zaun von der Wanderwegen fernhalten. Wenn ein Hund zubeißt, sind saftige Strafen sowie natürlich Schadenersatz angebracht. Nicht zu vergessen: Aus Angst vor den Bären habe ich meinen Traum , auf längeren Touren im Freien im Schlafsack zu übernachten, vorerst begraben müssen. In Kanada hat vor Jahren ein Bär einen Camper in seinem Zelt gefressen. Also Schluss mit dem Unsinn, grausame Raubtiere in unserem himmlischen Wanderparadies anzusiedeln! Wozu haben wir denn Jäger? Das sage ich als Tierschützer.

Könnte dieser Erfahrungsbericht eines einfachen Wanderers nicht vielleicht eine aus Steuergeldern bezahlte teure Studie eines Marktforschungsinstituts ersetzen?

 

Detaillierte Beschreibung der 3-Tages-Tour

Donnerstag, 13.9.2007 Timmelsjochstraße – Teplitzer Hütte
7.30 h (ca. 1660 m): Auto abgestellt nahe der Schneebergbrücke an der Straße zum Timmelsjoch. Weg 31.

Auf ca. 1900 m geht eine Forststraße links, eine rechts. Welche nehmen? Keine Markierung auf dem dortigen Felsen. Der rechte Weg ist der richtige. Falls es eine Abkürzung gibt, muss sie sehr unauffällig gekennzeichnet sein.

9.20 – 9.40 h Schneeberghaus (2355 m). Weg 28 zum Kaindljoch (2660 m), dort um 10.40 h.

Ein paar Hundert Höhenmeter Abstieg Richtung Poschalm. Keine Abzweigung zu den 7 Seen erkennbar. Gehe aufs Geratewohl und finde Weg 33b, der zu 33 wird. Erst beim Rückweg 2 Tage später finde ich ein Holzschild, das am Boden liegt und in die richtige Richtung zeigt; aber jeder Vorübergehende könnte es anders legen. Vorbei am Kleinen Egetensee und Moarer Egetensee.

12.50 h oben angelangt bei der Abzweigung (2677 m). Links geht es zu den 7 Seen. Ich gehe gerade aus auf Weg 33, rechts am Trüben See vorbei, hinunter auf 2130 m, überquere auf der Brücke den tosenden Bach, der vom Übeltalferner herunterkommt, und steige wieder auf zur Grohmannhütte (2254 m, 10 Betten) und Teplitzer Hütte (2586 m, 30 Betten, 50 Matratzenlager). Dort um 16.20 h. Oma des Hüttenwirts bereitet köstliche Kasnocken zu. Schöne, freundliche Zimmer in hellem Holz. Waschraum geheizt, mit heißem Wasser. Allein im Zimmer - herrlich geschlafen. Für Übernachtungen empfohlen.

Freitag, 14.9.2007 Teplitzer Hütte – Magdeburger Hütte – Tribulaunhütte
Frühstück um 6.30 Uhr. Aufbruch um 7.30 h. Schließe mich zunächst einem freundlichen, erfahrenen Italiener, Ex-Präsident einer CAI-Ortsgruppe in der Provinz Vicenza, an, der auf die Aglsspitze (3194 m) geht. Wir kommen nach links vom Weg ab und müssen eine Weile empor klettern, bis wir wieder auf eine Markierung treffen. Wir trennen uns, ich gehe nach links und bin um 9.30 h auf der Magdeburger Scharte (3080 m). Auf dem Feuersteinferner auf der Ostseite ist Gott sei Dank eine Spur im Schnee, und ich kann alle Gletscherspalten umgehen. Die Steigeisen brauche ich nicht. Bevor der Gletscher stark abfällt, geht links ein Pfad in die Felsen hinauf. Im Faltblatt wird er als „ziemlich ausgesetzter Klettersteig“ beschrieben. Auf der Schattenseite des Kammes sinke ich dann oft im Schnee ein. Aber glücklich erreiche ich um 12.15 Uhr die Magdeburger Hütte (2423 m, 35 Bettern, 20 Matratzenlager, 10 Notlager). Wirt sagt, es seien zwei Langsame unterwegs zur Tribulaunhütte, die würde ich wohl noch einholen.

Abmarsch um 13 Uhr. Mühsames Stapfen durch Schnee. Schon aufwärts Markierung nur stellenweise ersichtlich. Stoße aber immer wieder auf die Spur meiner Vorgänger, gottlob auch ganz oben. Fast wäre ich weiter aufwärts gestiegen Richtung Gipfel, doch da erscheint in letzter Minute die nach rechts führende Spur.

Und nun beginnt das Abenteuer. Ich bin auf dem Felsband. Atemberaubendes Stapfen in den teils tiefen Spuren der Vorgänger mit ständiger Angst davor, dass der weiche Schnee abrutscht. Eine Art Höllenvision. (Beschreibung oben.)

Um 15.45 Uhr auf dem nahen Nachbarberg Hoher Zahn (2924 m). Kleines Holzkreuz „Jesus Christus Rex Montium“. Dann abwärts bis zur Tribulaunhütte (2369 m). Brauche 4 h 20 min statt der angegebenen 3 h. Treffe in der Hütte auf die beiden älteren Wiener, ohne deren Spur ich umgekehrt wäre.

Samstag, 15.9.2007 Tribulaunhütte – St. Anton in Pflersch. Bus bis Ridnaun. Maiern – Aglsbodenalm – Maiern – Poschalm – Schneeberghaus – Schneebergbrücke

8 h ab Tribulaunhütte. 10.30 Kirche St. Anton (1260 m). In der Knappenkapelle sind vier arme Seelen im Fegfeuer abgebildet mit der Bitte: „Erbarmet euch meiner! wenigstens ihr meine Freunde!“ 1 Stunde Warten auf Bus. Noch vor 12 Uhr in Sterzing. Um 12.15 h weiter nach Ridnaun. Um 12.55 h in Maiern (1420 m). Um 13.50 h bei der überlaufenen Aglsbodenalm (1720 m). 14.05 h zurück zum Bergbaumuseum, dort um 14.45 h. Später fährt ein Bus hinauf, aber ich gehe zu Fuß Richtung Poschalm, immer in der Angst, am Abend den Weg nicht mehr zu finden.

Um 15.08 h teilt sich die Straße an einer Brücke. Kriminelle Beschilderung: Rechts steht: Weg 28 A, Schneeberg 4 h 30 und weitere mir unbekannte Namen. Links: Weg 28, Schneeberg mit einem Radfahrersymbol, und Moarerbergalm. Nirgends ein Hinweis auf die Poschalm. Schwere Entscheidung. Ein Blick auf die Landkarte: Nur Weg 28 ist eingezeichnet. Wer weiß, wohin der Weg 28 A führt. Gehe deshalb links.

Übrigens haben die meisten Wanderer alte Karten, und die aktuellen sind nicht auf dem neuesten Stand.

Um 15.45 h fährt ein Bus an mir vorbei. Hatte ich die Auskunft im Bergbaumuseum falsch verstanden?

Um 16.40 h auf der Moarerbergalm. Sie ist identisch mit der Poschalm. Um 16.50 h weiter aufwärts zum Kaindljoch (laut eigenem Höhenmesser 2660 m, laut Karte 2700 m). Dort um 18.30 h. Abwärts. Um 18.56 h, bei 2442 m Höhe, geht die Sonne unter. Um 19.08 h in der Schneeberghütte. Um 20 h auf 2000 m Höhe. Es wird immer dunkler. Gehe ohne Taschenlampe als Augenübung. Um 20.40 h beim Auto (1672 m) nahe der Schneebergbrücke an der Timmelsjochstraße.

Dank und Lob sei Gott, dem Herrn, Rex Montium.

Ziel erreicht: die fehlenden Stempel für „Von Hütte zu Hütte zwischen Brenner und Meran (Pflersch – Ridnaun – Passeier – Burggrafenamt)“ – jetzt fehlt nur noch jener vom Becherhaus, wo ich schon mehrmals gewesen bin, doch ist dessen Stempel auf einer anderen Karte, also 2008 zum achten Mal über den Übeltalferner

Hauptproblem: der schwere Rucksack mit Steigeisen, Ersatzkleidung und viel Proviant für evtl. Notsituationen

Ernährung: natürlich vegetarisch, kein Alkohol, erst am Ende im Schneeberghaus ein Radler

Höhenangaben: teils Landkarten und Prospekt „Von Hütte zu Hütte“, teils Höhenmesser der Armbanduhr

Landkarten: Von Hütte zu Hütte. 13 Hütten zwischen Brenner und Meran (Pflersch – Ridnaun – Passeier – Burggrafenamt). 5. Auflage. - Passeiertal 1:25 000, Tabacco Verlag, Blatt 039, neu. - Passeiertal 1:35 000, Kompass Verlag, Karte Nr. 044, alt. - Alpenvereinskarte Stubaier Alpen – Hochstubai 1:25 000. Nr. 31/1. 1972. Gletscherstand 1937. Freytag-Berndt und Artaria, Wien.

Diverses:

Die Steigeisen habe ich nicht gebraucht. Es hätte in dem Sportgeschäft auch ganz leichte gegeben, aber natürlich nicht für die Schuhe, die ich fünf Minuten vorher in einer anderen Abteilung gekauft hatte.

Wie die Zukunft des Fremdenverkehrslandes nicht aussehen sollte: Auf einer Alm, für die unten im Tal ein buntes Plakat wirbt, entblößt eine hübsche, junge Wirtin zwar ihre tätowierten Lenden, die Frage nach einem Apfelstrudel oder Kuchen aber verneint sie: Es ist „gar nichts da“.

Die Vorsehung waltet überall: Der Verfasser wollte schon am Dienstag, 12. 9.2007, zu der Tour aufbrechen. Doch am Vortag ruft ihn sein früherer Kollege Günter Heidegger an. Er solle am Dienstag um 17 Uhr in Bozen baskische Studenten auf spanisch über Südtirol und die „Dolomiten“ informieren. Als Dank bekam er das Buch von Hanspaul Menara: „Die schönsten 3000er in Südtirol – Bildwanderbuch mit 70 Hochtouren“, Verlagsanstalt Athesia Bozen, 2007. Wäre er schon am Donnerstag statt am Freitag von der Magdeburger Hütte weggegangen, wäre es ihm gleich ergangen wie den anderen Bergsteigern an diesem Tag. Ein Wanderer erzählte nämlich am Samstagabend in der Schneeberghütte, daß am Donnerstag alle, die von der Magdeburger über das Felsband zur Tribulaunhütte wollten, wegen des Schnees umgekehrt waren. Dank der beiden Wiener aber gelang das Abenteuer am Freitag.

 

 


Rainer Lechner, Ulfas

Hinterpasseier, den 10.10.2007

Offener Brief an den
HGV-Präsidenten Walter Meister
Landesrat für Tourismus, Dr. Thomas Widmann
Tourismusverband für Meran und Passeier
Dr. Reinhold Marsoner, SMG
(korrigiert)

 

Sehr geehrte Herren!

1. Entweder Schluss mit dem Gerede vom Ganzjahrestourismus – oder Sie tun etwas dafür!

Ein Beispiel von vielen: Gestern, bei strahlendem Sonnenschein, milden Temperaturen und herrlichen Blicken auf steile Wiesen mit Bäumen im bunten Herbstkleid wandere ich auf dem Meraner Höhenweg und möchte unterwegs einkehren. Erste Station 9.25 h Christl oberhalb St. Leonhard: Tür zugesperrt. Zweite Station 10.20 h Gasthaus Weiherhof: Tür zugesperrt, Schild: „Geschlossen“. Dritte Station 10.30 h Valtelehof. Tür zugesperrt.

Also bleibt nichts anderes übrig, als die mitgebrachte Karotte und Tomate zu verzehren und über die mehr als zwei Stunden entfernte Ulfaser Alm, wo ich mit Kasnocken und einem reichhaltigen Salat verwöhnt werde, zurückzukehren. Ab Allerheiligen gibt es dann aber gar nichts mehr, denn dann sagen sich Fuchs, Hase und Bär in Hinterpasseier gute Nacht – ähnlich wie in vielen anderen Tourismusgebieten in Südtirol – und Reisende und Wanderer ohne Selbstverpflegung sind verloren.

2. Südtirols Bevölkerung und Tourismus leiden immer unerträglicher unter dem Verkehr. Es gibt nur eine Lösung: Endlich weg vom luftverpestenden Automobilverkehr hin zu den verschiedenen Bahnen! Wie? Den Transit radikal einschränken, die Güter auf die Schiene verlagern, den Brennerbasistunnel bauen und, wo es geht, den Automobilverkehr verbieten und die Leute auf die Schiene zwingen. Statt Unmengen Steuergelder in Straßen, in die Verbreiterung der Autobahn, Umfahrungen, Autotunnels, den Flugplatz usw. zu stecken: landesweit ein Bahnnetz im Halbstundentakt anbieten, also investieren in die Eisenbahn (nicht idiotischerweise den Bozner Bahnhof aus dem Zentrum verlegen!), Schnellbahnen bauen (unbedingt auch nach Passeier), Seilbahnen und dergleichen fördern, die modernste Lösung für die Städte suchen. Am idealsten wäre die Einführung einer Individualkabinenbahn (wie früher von MBB entwickelt).

3. Mehr tun für das Wanderwegenetz! Wo bleibt das Projekt „Ebene Wege“? Die heutigen Generationen, vor allem die ältere, wollen ja in kurzer Zeit viel erleben, brauchen deshalb gut ausgebaute, nicht mit Steinen übersäte Höhenwege, um genug Zeit und Kraft für die Besteigung von Gipfeln zu haben. Dazu Anlage: „So darf es im Wanderparadies Südtirol nicht bleiben: Junge werden abgeschreckt und ältere Wanderer vergrault“.

Gibt es denn im Land nur Redner und Geschäftemacher, aber niemanden, der handelt?

Hochachtungsvoll,

R. L.

HGV will konstruktiven Beitrag berücksichtigen

Am 22. Oktober 2007 antwortete der Direktor des Hoteliers- und Gastwirteverbandes, Hansjörg Dariz:

„… wir bedanken uns für die wertvollen Anregungen. Nicht alle Ihre Vorschläge können unmittelbar umgesetzt werden. Auf jeden Fall aber werden wir Ihren konstruktiven Beitrag berücksichtigen und in jene Entscheidungsfindungsprozesse einfließen lassen, an denen wir beteiligt sind.“

Danke fürs Ernstnehmen. Natürlich erwarten wir nicht, daß der HGV sich hinter die Forderung nach Schadenersatz bei Unfällen stellt. Dies war auch mehr zur Abschreckung gedacht (aufgrund der Reaktion eines Einzelnen). Wir wollen den Markierungswarten keine schlaflosen Nächte bereiten. (12.11.2007)

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