ETIKA 60KA3

TIERE

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21.1.2001

 

Kurze Winke für Katzenbesitzer

Merkblatt des Deutschen Tierschutzwerbedienstes Berlin und Hilchenbach. Ungefähr aus den Jahren 1966 - 1968

Provisorische Fassung, wird in ein paar Monaten mit eigenen Vorschlägen ergänzt

Herausgabe: Deutscher Tierschutzwerbedienst Berlin und Hilchenbach (vorm. Berliner Tierschutz-Verein E. V. für die Länder deutscher Sprache), Hilchenbach i. Westfalen, Bruchstr. 28. Merkblatt Nr. 420. Man gebe dieses Merkblatt weiter! Nachdruck mit Quellenangabe erwünscht. – Wir bekamen das Merkblatt von einem Mitglied des Frankfurter Katzenschutzvereins, unserer treuen Mitstreiterin Frau Martha Kieling

Kurze Winke für Katzenbesitzer

Ein neuer Hausgenosse

Wer eine Katze zu sich nehmen will, bedenke vorher, daß er damit die Verantwortung für dieses Tier übernimmt, die Verpflichtung, es ausreichend zu ernähren, körperlich und seelisch zu betreuen, in Krankheitszeiten zu pflegen, überhaupt Freuden und Leiden mit ihm zu teilen und es zu behalten.

Zumeist werden möglichst junge Tiere bevorzugt. Da überlege man rechtzeitig, ob man gewillt ist, alle entstehenden Mühen auf sich zu nehmen. Das Kätzchen ist zwar reizend, verspielt und an unsere Wünsche anpassungsfähiger als ein älteres Tier, es bringt aber viel Unruhe ins Haus, weil es immer herumtollen, beschäftigt werden und nie allein sein will und den Pfleger vollauf beansprucht. Kätzchen können eine ganze Menge Unfug anrichten und sie wie alle Jungtiere Krankheiten mehr ausgesetzt als ältere Tiere.

Die halberwachsene oder ausgewachsene Katze ist ruhiger, verständiger, ausgeglichener und hat schon einen gewissen Charakter, der sie jedoch nicht hindert, sich in eine neue Umgebung einzufügen und sich dem Menschen anzuschließen, der ihr mit Liebe und Freundlichkeit begegnet. Auch die erwachsene Katze spielt noch gern und besitzt die ganze Anmut ihres Geschlechts.

Ernährung

Die Katze braucht nicht verwöhnt zu werden, aber sie kann nicht von Abfällen leben, sondern muß ordentlich und regelmäßig gefüttert werden. Dies gilt auch für die Nutzkatze, die ausschließlich als Mäuse- und Rattenfängerin gehalten wird. Ihre Leistungen werden durch gewissenhafte und ausreichende Fütterung nicht vermindert, sondern gesteigert.

Die Katze wird am besten mit gekochten, von den Gräten befreitem Fisch ernährt und, wenn man es sich leisten kann, mit gekochtem oder rohem Fleisch und inneren Teilen wie Milz, Leber, Lunge. Sie braucht etwas Gemüse und kann auch Nährmittel erhalten. Frisches Grün – Gras, Schnittlauch, Kresse und dergleichen – muß für sie immer erreichbar sein, denn es ist eine Art Medizin für die Katze.

Zum Trinken braucht sie stets frisches Wasser oder Milch, die aber nicht säuerlich sein darf. – Essen und Trinken soll lauwarm in stets sauberen Näpfen gegeben werden. Kalte Milch wird von den meisten Katzen verschmäht.

Schlafplatz

Es ist gut, wenn die Katze einen bestimmten Platz zum Liegen und Schlafen hat, nicht unmittelbar auf dem Fußboden und vor Zugluft geschützt, in einem trockenen, nicht kalten Raum. Am besten eignet sich dafür eine Kiste oder ein Korb mit einem Kissen in waschbarem Bezug.

Sauberhaltung

Die Hauskatze soll gewöhnt werden, ihre Geschäfte an einem bestimmten Platz innerhalb der Wohnung zu verrichten. Dorthin stellt man die bekannten flachen verzinkten Katzenbleche oder genügend große Näpfe aus Steingut oder Emaille, die man mit Streu oder trockenem Torfmull oder Sand belegt. Die Katze muß diese Plätze kennen lernen. Diese "Örtchen" müssen nach jedem Gebrauch gereinigt werden.

Körperpflege

Die Katze ist ein besonders reinliches Tier. Sie treibt ihre eigene Fellpflege mit ihrer kleinen rauhen Zunge. Dazu benötigt sie nur ein Schälchen stets frischen Wassers zum Trinken. Baden ist der Katze wegen der Beschaffenheit ihres Haares nicht zuträglich.

Wir unterstützen ihre selbstgeübte Körperpflege durch tägliches Bürsten und verhindern dadurch gleichzeitig die Verbreitung ihrer uns lästigen Haare in unserer Wohnung, durch regelmäßiges vorsichtiges Reinigen ihrer Ohren mit einem trockenen Wattebausch, durch Sauberhaltung ihres Schlafplatzes sowie durch regelmäßiges Lüften und Sonnen von Decke und Kissen.

Ist eine Katze stark von Ungeziefer (Flöhen, Läusen) befallen, so kann man sie durch vorsichtiges Einstreuen eines geeigneten Pulvers davon befreien. Bei der Wahl sei man sehr vorsichtig, da die falsche Sorte die Katze krank macht oder wie unter anderem alle DDT-Präparate tödlich wirken kann. Wirksam und garantiert unschädlich ist für Katzen "Kontra" (Anm.: jetzt nach Jahrzehnten kaum mehr auf dem Markt). Das Pulver wird, vom Hals beginnend, gründlich in das Fell eingerieben, wobei Augen, Nase und Ohren sorgfältig zu schützen und der Kopf am besten ganz frei zu lassen ist. Der Körper kann danach evtl. für 5-10 Minuten in ein Tuch eingewickelt werden. Dann muß das Pulver gründlich herausgebürstet werden, wobei der Kopf wieder besonders zu schützen ist.

Krallenschärfen

Das ist eine für den Menschen lästige, für die Katze jedoch notwendige Angelegenheit. Man sorge deshalb dafür, daß sie dazu geeignete Gegenstände, z. B. einen Küchenstuhl, eine kiste oder ein für diesen Zweck hergerichtetes Brett, das mit einem Stück Stoff bespannt sein kann, vorfindet und benutzt.

Ausgehen

Jungtiere lasse man niemals allein, erwachsene Katzen zum ersten Mal nicht vor Ablauf von 4 Wochen ausgehen. Wer seine Katze richtig ausgehen läßt, gewöhne sie an bestimmte Ausgehzeiten und halte sie nachts unbedingt im Hause. Damit sie rechtzeitig zurückkehrt, gebe man ihr immer um dieselbe Zeit – vielleicht 10 Uhr abends – einen Leckerbissen (Fleisch oder Fisch). Tiere haben die Uhr im Kopf, sie stellen sich zur gewohnten Zeit ein, notfalls auf einen Ruf.

Vermehrung

Die unkontrollierte Vermehrung der Katzen hat sich unheilvoll ausgewirkt; hierin liegt die Ursache, daß es so viele heimatlose Katzen gibt, die dem Elend mit allen sich ergebenden Folgen (Vogelraub, Katzenfeindschaft usw.) ausgesetzt sind. Die Vermehrung der Katzen muß unbedingt eingeschränkt werden. Deshalb sollte jeder Kater, der nicht planmäßig als Zuchtkater dienen soll, kastriert werden. Das geschieht am besten im Alter von 6-8 Monaten, selbstverständlich nur durch einen Tierarzt. Es kann aber auch später nachgeholt werden. Ein unkastrierter Kater kann auch gar nicht in der Wohnung gehalten werden, weil er unsauber wird, schlecht riecht und sich herumtreiben möchte. Auch weibliche Tiere können vom 6. Monat ab sterilisiert werden.

Die Kätzin kann, wenn sie hitzig ist, ohne Schaden zu Hause gehalten werden. Kommt sie aber zum Werfen, so sollen nicht mehr als ein, höchstens zwei Kinder am Leben bleiben. Die anderen werden am besten gleich nach dem Werfen, spätestens in den ersten drei Tagen danach, warm eingepackt und einem Tierarzt zum schnellen Töten übergeben. Ertränken ist Tierquälerei und wird auf Anzeige bestraft.

Erkrankung

Die Katze ist zäh nur in bezug auf äußere Verletzungen. Krankheiten sind immer ernst zu nehmen. Man hole rechtzeitig Rat und frage einen Tierarzt, ehe es zu spät ist. Krankheitszeichen sind: Appetitlosigkeit, quälendes und häufiges Erbrechen (leichtes und einmaliges Erbrechen kommt häufig vor und ist kein Grund zur Beunruhigung), Durchfall, eitrige Augen, Ohren und Nase, übler Geruch aus dem Mund, Husten, Fieber, Frieren.

Katzen können verschiedene Würmer haben, besonders wenn sie ausgehen. Man versäume es nicht, eine Wurmkur zu machen, jedoch nach tierärztlicher Anweisung. Es gibt Wurmmittel, die für Katzen durchaus ungeeignet und schädlich sind.

Oliven- und Paraffinöl sind wichtige Heil- und Vorbeugungsmittel, Rizinusöl ist schädlich. Desinfektionsmittel sind mit größter Vorsicht anzuwenden, da die meisten für Katzen giftig sind. Vetroform und Chlorpräparate sind unschädlich.

Eine unheilbar kranke Katze lasse man von einem erfahrenen Tierarzt einschläfern.

Weitergabe

Eine gut eingewöhnte Katze soll nach Möglichkeit nicht weitergegeben werden. Die Umgewöhnung ist eine harte seelische Belastung und stellt große Ansprüche an das Tier. Liegen jedoch zwingende Gründe vor, so erleichtere man den Wechsel dadurch, daß man dem neuen Katzenbesitzer kurze Aufzeichnungen über die besonderen Eigenschaften und Gewohnheiten des Tieres (z. B. Lieblingsspeisen) mitgibt.

An Unbekannte darf eine Katze niemals weitergegeben werden, da man nicht wissen kann, welchen Zwecken sie dienen wird (Versuchstier, Fellverwertung).

Findlinge

Ein ersichtlich heimatloses, frierendes, hungerndes Tier, das uns um Hilfe anspricht, sollten wir niemals unbeachtet lassen. Wir nehmen die Katze mit, bringen sie in dem einfachsten Raum unter, stellen ein Blech mit Streu hinein, machen einen warmen Schlafplatz zurecht, ein Tellerchen mit Essen, nicht zuviel, und geben zunächst abgekochtes Wasser oder Tee zu trinken. Möglichst umgehend melden wir das gefundene Tier mit genauer Beschreibung der nächsten Stelle einer Katzenschutzorganisation. Ist eine solche nicht vorhanden, so melden wir den Findling der Polizei oder dem nächstgelegenen Tierschutzverein. Vielleicht wird er dort oder an anderer Stelle schon lange gesucht. – Wollen oder können wir die Katze nicht behalten, so teilen wir dies der gleichen Stelle mit, setzen sie aber unter keinen Umständen wieder hinaus, sondern behalten sie solange, bis sie abgeholt wird. Bevor sie mit anderen Katzen zusammenkommt, sollte die gefundene Katze ein Woche allein gehalten und beobachtet werden bzw. bei Beobachtung von Krankheitserscheinungen von einem Tierarzt untersucht werden.

Tötung

Beim Töten von Tieren müssen Quälereien unter allen Umständen vermieden werden. Sie stellen eine strafbare Handlung im Sinne des Tierschutzgesetzes dar. Man wende sich deshalb zwecks Tötung einer Katze – ob jung oder alt – an einen Tierarzt, den Tierschutzverein oder an eine des Tötens kundige Person. Das Ertränken von Katzen ist Tierquälerei!

Vogelschutz

Hat man einen Garten, in dem Vögel nisten, so schütze man die Nester durch Stacheldraht, Dornenreisig oder besondere Vogelschutzgürtel, die man um den Stamm der Bäume legt.

Man beachte zum Wohle der eigenen Katze auch die zum Schutze der Vögel erlassenen Vorschriften. Da hiernach Katzen, die ein fremdes Grundstück betreten, unter bestimmten Bedingungen weggefangen werden dürfe und der Polizeibehörde abgeliefert werden müssen, halte man seine Katze sorgfältig im Hause, mindestens aber während der Brutzeit der Vögel (15. März bis 15. August) und solange der Schnee den Boden bedeckt. Auch lasse man sie möglichst nur unter Aufsicht ins Freie. Wer dies tut, schützt seine eigene Katze vor Verfolgung und Mißhandlung und trägt dazu bei, den unwürdigen Streit zwischen Vogelfreunden und Katzenhaltern zu beenden.

Dr. Klara Swarzenski

Ergänzungen:

Ein reflektierendes Halsband schützt Katzen im Straßenverkehr. Und mit dem dazugehörigen Glöckchen hören hungrige Vögel am Futterplatz die Minitiger besser, wenn diese sich anschleichen. Das Halsband mit Sicherheitsverschluss gibt es in allen Freßnapffachgeschäften. www.fressnapf.de (Aus: Ein Herz für Tiere, Europas größtes Tiermagazin, Nr. 1/2001 www.herz-fuer-tiere.de )

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