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Rätsel Tierseele

Basilius. 14.6.2014

Das Problem der Raubtiere verfolgt uns zeitlebens. Aber auch die Frage, welche Tiere in den Himmel kommen. Dazu hat sich ja der Apostel Paulus geäußert. Es gibt auch ein Buch „Da Tiere eine Seele haben“. Beim Kirchenlehrer Basilius dem Großen sind wir auf eine vielsagende Stelle gestoßen:

Basilius verfasste neun Homilien über das Hexaemeron (Sechstagewerk). Die achte Homilie über Geflügel und Wassertiere beginnt er wie folgt:

„Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor eine lebendige Seele nach ihrer Art, vierfüßige, Kriechtiere und wilde Tiere nach ihrer Art.“ (Gen. 1, 24.) … Oben hieß es: „Es bringen die Wasser kriechende Tiere mit lebendigen Seelen hervor.“ (Ebd. 1, 20-21.)

(Zitiert aus: Bibliothek der Kirchenväter. Des heiligen Kirchenlehrers Basilius des Grossen Bischofs von Cäsarea ausgewählte Homilien und Predigten.  Aus dem griechischen Urtext übersetzt von Dr. Anton Stegmann, Stadtpfarrer in Heilbronn. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, München, 1925, S. 122f

Da hat Erzbischof Basilius (gestorben am 1.1.379) eine völlig andere Bibel gehabt als wir heute. Man liest nur noch von „lebendigen Wesen“ oder „lebendigem Getier“. Basilius präzisiert aber später (auf S. 125):

„Da nach der Schrift eines jeden Tieres Seele sein Blut ist (Lev. 17, 11.), das Blut aber sich verdichtet und in Fleisch verwandelt, das Fleisch aber verwest und in Erde sich auflöst, so ist die Tierseele natürlich erdhaft.  … Glaub nicht, sie sei älter als ihre Leibessubstanz, oder sie werde nach der Auflösung des Fleisches fortbestehen!“

Levitikus 17,11 lautet in der Einheitsbibel: „Die Lebenskraft des Fleisches sitzt nämlich im Blut“, bei Luther „Denn des Leibes Leben ist im Blut“.

Demgegenüber berichtet Jesaja in seinem 11. Kapitel vom künftigen Friedensreich des Messias:

„Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern … Kühe und Bären werden zusammen weiden, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder …“

Warum rief Jesus in Markus 16,15 seine Jünger auf:

„Predigt das Evangelium aller Kreatur“?

Wozu lesen wir in Römer 8, 12:

„Denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.“

Wenn das wahr ist, dann wartet auch auf die Schöpfung, jedenfalls auf einen Teil davon, das Paradies. Denn was wäre das Paradies ohne Blumen, schattige Bäume, Wasserquellen, Tiere und so weiter?

Die modernen Theologen können uns darüber keine Auskunft geben. Aber nach dem Jüngsten Gericht werden wir es erfahren. Alle Rätsel werden aufgelöst.

Worum geht es uns hier? Um Barmherzigkeit mit den Tiergeschwistern. Basilius weist darauf hin, dass Tiere nicht gefühllos sind:

„Vernunftlos sind ja freilich auch die Landtiere; aber gleichwohl bekundet doch jedes durch seinen Naturlaut mannigfache seelische Regungen: Freude und Trauer, Kenntnis von der Geselligkeit und Bedürfnis nach Nahrung, Absonderung von ihren Weidegenossen und unzählige Gemütsbewegungen lassen sie in der Stimme verlauten.“ (S. 124)

Tiere spüren den Schmerz. Wann hören wir menschlichen Barbaren endlich auf, Tiere grausam zu töten und sie in Tierversuchen zu foltern?

Guami, 14.6.2014

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