ETIKA

TIERSCHUTZ

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2.3.2002

61A1OE

Schächten in Österreich

Mitteilung vom 23.2.2002
Wir danken für die Abdruckerlaubnis

Grausames Schächten

 

Verein gegen Tierfabriken, www.vgt.at

22. bis 24. Februar: Tage des Schächtens

 

Von NÖ bis Vorarlberg – im ganzen Land werden dieser Tage zigtausende „Nutz“-Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen) aufgrund des 3-tägigen muslimischen Opferfestes „Kurban Bayram“ grausam geschächtet, d.h. ohne jegliche Betäubung geschlachtet und bei vollem Bewußtsein die Kehlen durchgeschnitten, bis sie dann minutenlang qualvoll ausgeblutet sind. Tierschützer aus allen Bundesländern führen seit Jahren einen verzweifelten Kampf dahingehend, daß die Tiere wenigstens vorher betäubt werden – doch die Situation hat sich wegen verschiedener höchstgerichtlicher Urteile bzw. der EU-Gesetzgebung aufgrund der „Religionsfreiheit“ in den letzten Jahren noch mehr verschlimmert.

 

NÖ: Eine Anzeige eines entsetzten Nachbarn eines „Bauern“ in Bromberg, Bez. Neunkirchen beim VgT – Verein gegen Tierfabriken, daß seit gestern hier die LKWs mit Rindern zum Schächten ein- und ausfahren, führt zur Verständigung des zuständigen Amtstierarztes Dr. Zundl aus Aspang. Dieser sieht jedoch keinen Anlaß einzuschreiten, da angeblich alles „ordnungsgemäß angemeldet“ und vom zuständigen Fleischuntersuchungs-Tierarzt kontrolliert sei. Dieser Hof-Tierarzt aus Bromberg heißt Dr. Mustafa Hadi-Abdou, ist selbst Syrer und spielt angeblich mit dem Schächt-Bauern regelmäßig Karten. Vor Jahren bereits soll er (laut Angaben des anzeigenden Nachbarn), um die damals vorgeschriebene, aber nicht erfolgte Betäubung zu kaschieren, den bereits abgetrennten Rinderkopf nachträglich mit einem Bolzenschuß versehen haben...

Inzwischen hat die nö. Landesregierung, ohne Einbindung des Landtages, die Schlacht-Verordnung im NÖ Tierschutzgesetz (wo bis 1997 eine „vollkommene allgemeine Betäubung“ vor jeder Schlachtung ausnahmslos vorgeschrieben war) dahingehend „nachgebessert“, als nun „aufgrund bestimmter religiöser Riten besondere Schlachtmethoden angewendet werden“ dürfen. So ist nun – mangels genauerer Vorschriften - praktisch alles erlaubt, was zu den unbeschreiblichen Gemetzeln in diesen Tagen führt und die Amtstierärzte zum Nichts-Tun veranlaßt.

 

Salzburg: Ein Zeuge beobachtete, wie in einer Garage eines Gollinger Bauern zwei Schafe

von türkischen Muslimen zerlegt wurden. Die Schafe waren zu diesem Zweck auf einem Baumast aufgehängt. In Salzburg ist das Schlachten ohne Betäubung – laut der Verordnung vom Juni 1999 – nach wie vor ausnahmslos verboten. Der Bauer, der durch die Zurverfügungstellung seiner Garage und seines Grundes für verbotene Handlungen mitverantwortlich war, fungierte inzwischen als Aufpasser in eigener Sache.

Der Zeuge zeigte daher diese Vorgänge telefonisch beim Gend.-Posten Golling an. Die Beamten kamen nach etwa 15 Minuten, besichtigten sich den Ort des Gemetzels und gingen dann in das Innere des Bauernhauses. Der Zeuge fotografierte inzwischen den Ort des Geschehens und die riesigen Blutlachen, die der Wiesenboden nicht mehr schlucken konnte. Der Bauer räumte da und dort kleine Fleischstückchen, Teile des Felles sowie restliche Gedärme weg und warf sie auf den Misthaufen. Einer der Türken brachte mit einem Schubkarren die Innereien der getöteten Schafe in den Bauernhof. Auf einem Holzstoß an der hinteren Garagenmauer lagen die Felle von ca. 20 geschächteten Schafen.

Der Bauer wurde angezeigt, weil er von den illegalen Vorgängen nicht nur gewußt hat, sondern diesen auch noch durch die Zurverfügungstellung seiner Räume und Grundstücke Vorschub geleistet hatte. Daraufhin wurde der Zeuge bedroht und des Platzes verwiesen, obwohl es um einen öffentlichen Weg handelte. Die Kennzeichen der beteiligten Personen wurden notiert und ebenfalls angezeigt.

 

 

Vorarlberg: Tierschützer besetzten Schlachthof

Humanitas”-Aktion hatte Teil-Erfolg: Schafe wurden zuerst betäubt. Ein Dutzend Tierschützer protestierten gestern in Hohenems gegen das Schächten von Schafen ohne vorherige Betäubung. Der Dornbirner Amtstierarzt Norbert Greber konnte erfolgreich vermitteln.

Kurz nach 5 Uhr früh schlichen sich gestern zwölf Tierschützer der Tierschutzorganisation Humanitas zu einem Hohenemser Bauernhof. Als die ersten Kundschaften zum Schlachthof fuhren, wurde dieser gestürmt – die Tierschützer wollten das Schächten ohne Betäubung verhindern. Mit Erfolg. Stundenlang wurde zuvor im Dunkeln und in der Kälte ausgeharrt, bis die ersten muslimischen Gläubigen beim Hof nahe dem Hohenemser Flugplatz eintrafen.

Aneinandergekettet

Auf Kommando ging die Besetzung gegen 8.30 Uhr los. Eine Gruppe kettete sich aneinander und blockierte so die Zufahrt. Drei weitere Aktivisten stürmten den Schlachthof, drangen in die Metzgerei ein und ketteten sich dort an. Der Metzger zeigte sich verärgert, ebenso mehrere Dutzend Muslime. „Wir wollen nur unser Opferfest feiern“, waren sie ratlos. „Dazu gehört, daß ein Tier unbetäubt geschächtet wird“, sagten sie beim „VN“-Lokalaugenschein.

„Wir wurden bespuckt“

Danach werden die drei Tierschützer vom Bauern und seinen Metzgern wüst beschimpft. „Zuerst versuchten sie mit einem Bolzenschneider die Handschellen aufzuschneiden. Als dies nicht gelang, wurden wir bespuckt und von oben bis unten mit kaltem Wasser beschüttet“, klagt der Obmann Alf Waibel.

Kurz vor neun Uhr trifft die Gendarmerie am Hof ein. Bauer Nenning ist aufgebracht, droht mit einer Klage wegen Besitzstörung und Geschäftsschädigung. Denn in seinem Stall stehen rund 200 bis 300 Schafe zum Schächten bereit.

Regelrechter Ansturm

Nun wird der Hof von den gläubigen Muslimen regelrecht gestürmt. Aus allen Landesteilen strömen Hundertschaften „mit Kind und Kegel“ herbei, um auf dem Hof ein totes Schaf zu kaufen. Im Stall wird dann das Opferschaf ausgesucht. An einem dünnen Strick angebunden geht es auf die Waage und dann zum bezahlen. „Manche versuchen dann hier auch noch zu feilschen“, so ein Helfer zur NEUEN.

 

Rituelles Schächten

Mit viel Kraftaufwand wird das Schaf dann in den Schlachtraum gezerrt. Kräftige Helfer drücken das Schaf zu Boden. Die Familie des neuen Besitzers ist ringsum versammelt. Das Familienoberhaupt schneidet mit einem Messer die Kehle des Tieres durch, ohne vorherige Betäubung. So wolle es der Koran, betont der bärtige Mann. Dazu spricht er rund eine Minute lang ein Gebet, während das Blut des Tieres auf den gefliesten Boden ausrinnt. An der Wand die drei angeketteten Aktivisten, die den blutigen Schächtvorgang jedesmal mitverfolgen.

Weiter geht es in einen Nebenraum, wo der Metzger im Kreise der Angehörigen das Tier zerlegt. In Plastiksackgröße portioniert wird das frisch geschlachtete Fleisch schlußendlich im Kofferraum verstaut. Als gegen 10 Uhr Amtstierarzt Norbert Greber auf dem Hof erscheint, breitet sich Unmut unter den türkischen Anwesenden aus. Heftig und lautstark wird in kleinen Gruppen diskutiert, wild gestikuliert. Eigentlich ist auch in Vbg. das Betäuben vor der Schlachtung vorgeschrieben, nach dem umstrittenen VfGH-Urteil jedoch laut Landesveterinär Dr. Schmid „in zugelassenen Betrieben unter Aufsicht eines Amtsveterinärs erlaubt“. Die Tierschützer wollten das aber nicht akzeptieren. „Erst wenn die Tiere vor dem Schächten mit einem Elektroschock betäubt werden, ziehen wir ab.“

Da aber einzelne islamische Glaubensrichtungen die Betäubung der Tiere für zulässig halten, kam es nach der Intervention von Dr. Norbert Greber doch noch zu einer Lösung. Die Muslime akzeptierten die Betäubung, deshalb beendeten die Tierschützer gegen 10.30 Uhr ihre friedliche Aktion und zogen unter einem Großaufgebot der Gendarmerie ab. „Wir haben erreicht, was wir wollten“, zogen sie frierend, aber glücklich Bilanz. „Und auch wir können mit dieser Lösung leben“, waren die Kundschaften schließlich wieder beruhigt.

                    

Bilder vom ersten Tag (22.2) des mehrtägigen Opferfestes aus dem Hohenemser Schlachthof:

http://www.t0.or.at/~tierschutz/bilder/unschuldige/opfer.html

 

Rückfragehinweis: Dr. Franz-Joseph Plank, Verein gegen Tierfabriken, www.vgt.at

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