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61A3

Bärenplage in Südtirol

25.3.2012

ETIKA 61A3 Bärenplage in Südtirol www.etika.com 19.3.2012

Raubtierplage in Südtirol: Bären und Wölfe fressen Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen

Wann frisst ein Bär in Südtirol den ersten Urlauber?
Wann gibt der autonome Landeshauptmann das Kommando: Feuer frei!?

Über die Bärendiskussion in Südtirol haben wir bereits eine dicke Mappe mit Zeitungsausschnitten aus den „Dolomiten“ gesammelt. Ganz erstaunlich, dass sogar eine bekannte Katzen- und Hundeschützerin aus St. Leonhard i. P. (die wir beim Brühwirt trafen) in einem Leserbrief die Gefahr verharmloste und darauf hinwies, dass ein Bär ja das halbe Jahr schlafe. Wörtlich sagte sie: „Ein angenehmeres Tier gibt es doch gar nicht.“ (15.10.2011 S. 11) Gewisse „Tierschützer“ sind so fanatisch, dass sie kein Mitleid mit gerissenen Tieren haben. Nachstehend eine Auswahl an Bären- und Wolfsmeldungen aus den „Dolomiten“:

Ein Bär reißt drei Schafe aus dem Stall des Proveisers Johann N. in Rumo und plündert Bienenstand. (17.11.2011).

Viehbesitzer im Kaukasus von Bär getötet. Karatschai-Tscherkessien. (22.10.2011)

Wer dem Bären auch nur ein Haar krümmt, muss mit einer Haftstrafe zwischen drei Monaten und einem Jahr sowie einer Geldbuße zwischen 1032 und 6197 Euro rechnen. Darüber wacht Umweltministerin Stefania Prestigiacomo. (20.10.2011)

„Überall anders wird Meister Petz gejagt“. Heinrich Aukenthaler, Geschäftsführer des Jagdverbandes, warnt vor Bären, die die Scheu verlieren. (20.10.2011)

Wolf reißt in Tonna oberhalb von Laurein Ziegen. Drei Muttertiere. Gezielte Kehlbisse. Der Besitzer: „Die Leute haben Angst.“ (19.10.2011)

Meister Petz taucht im Funkloch unter. Nicht mehr zu orten.  Dazu eine schöne Grafik von J. Markart mit einem Steckbrief des Braunbären (Ursus arctos). Ein Bär erreicht eine Geschwindigkeit von 50/60 km/h. Zum Vergleich: Ein Sprinter, der für 100 Meter zehn Sekunden benötigt, läuft mit 36 km/h. Und klettern kann er auch, hat schon manchen Zweibeiner, darunter eine geflüchtete Joggerin, vom Baum geholt und verspeist. Daneben stand eine Zusammenstellung von zehn kürzlichen Bärenattacken in Europa unter dem Titel „Alles andere als Kuscheltiere“. (19.10.2011) Dies offenbar als Antwort auf die dreiste Behauptung des Landesamtsdirektors Heinrich Erhard, dass in den vergangenen 150 Tagen kein einziger Mensch von Bären angegriffen oder getötet worden sei. Generell seien Bären in Europa für Menschen ungefährlich, behauptete Erhard. (14.10.2011) 

„Falsch verstandene Tierliebe. Tierschutz ist ein Prinzip, das nicht in Frage gestellt werden darf. Doch auch die Schafe, die qualvoll verenden, spüren Schmerz. Wir dürfen nicht anfangen, den Lebensraum des Menschen jenem des Bären unterordnen zu wollen.“ (Bravo, Lukas Benedikter! Kommentar am 17.10.2011)

„30 Bären leben schätzungsweise im Trentino und den Nachbarprovinzen. Das Projekt Life Ursus ist 1999 gestartet worden. … Bär aus Slowenien“ (15.10.2011)

Alle Bären in Südtirol sollte man abschießen… Dann ist endlich Ruhe.“ (P. A., P., Leserbrief, 15.10.2011) Agrarlandesrat Hans Berger: „Dieser Bär gehört entnommen.“ (13. und 15.10.2011)

„Ich mache seit 20 Jahren in Südtirol Urlaub – seit zwei Jahren komme ich wegen der Bären im Winter nicht mehr. Wir haben auf dem Ritten Bärenspuren fotografiert – im Februar …“ (Urlauber aus Bielefeld, Leserbrief, 15.10.2011)

Ultner Bären wüten weiter. Sieben Schafe in zwei Tagen gerissen. Auf der Weide des Rauthofes oberhalb von St. Nikolaus hat der Bär besonders heftig gewütet. (13.10.2011)

Auge in Auge mit Meister Petz. In drei Tagen ist ein Bär in Ulten Menschen dreimal so nahe gekommen, dass den Ultnern langsam angst und bange wird. Erst Warnschuss schlägt Tier in die Flucht. Der Jäger Ferdinand K.: „Es war ein extremer Schock.“ Die Reaktion von Giorgio C. vom Amt für Jagd und Fischerei. Er warnt vor Panik. „Von Problembär kann noch keine Rede sein. Gehen derzeit von Häufung von Zufallsereignissen aus“. (Dolomiten 12.10.2011) 

Projekt „Life Ursus“. Sechs Bären immer wieder in Südtirol unterwegs. „Territorium groß genug für 50 Bären“, sagt der Leiter des Projekts in Trient. (Dolomiten 12.8.2011 uli) Bauernbund fordert bärenfreie Zone.

Proveis, Deutschnonsberg: Ein Bär riss am Maritscherberg eine anderthalbjährige Haflingerstute sowie auf der Kesselbergalm ein neunmonatiges Jungrind. (Dolomiten 10.8.2011) Damit haben es sich die Bären endgültig mit dem Berichterstatter verdorben. In diesem Gebiet ging er nämlich fünf Jahre lang an ungezählten Wochenenden wandern. Dazu ein Exkurs:

Der Lektor des Athesia-Verlages hatte ihn sogar gebeten, einen Gebietsführer zu schreiben, da er sozusagen jeden Stein dort kannte, was er aber aus Zeitgründen ablehnte (wandern oder auch noch in der Freizeit schreiben). Wäre er doch dort geblieben! Doch alles ging zu Ende mit einem aufgefangenen Blick. Erstaunlich, wie ein kurzer Blick zwei Leben und jene der ihnen Nahestehenden in eine völlig andere Richtung schicken kann.

Wie war es doch schön, mit der Dorfjugend auf dem einzigen ebenen Platz vor dem Haus der Carabinieri Fußball zu spielen, obwohl die Bauern murrten, weil ihnen die Buben bei der Arbeit helfen sollten. Wie wehmütig machen die Erinnerungen an die unvergeßliche Josefina Mitterer Thaler, die sich für ihre Kinder aufopferte; an den alten Steff in Mazlaun, der über seinem Bett einen Regenschirm aufspannen musste, und das H.; es Jockele mit seiner verbotenen Dauerbemerkung „H…“; das Äpfelklauben und das Schwimmen im Puntoverde in Cles; die harten, schneereichen Winter in einer Welt von anno dazumal, welcher der Zugewanderte in einem Reimmichl-Kalender der achtziger Jahre ein Denkmal setzte.

Sicher wäre auch etwas aus der Umweltschutz-Aktionsgruppe geworden, deren einziges Mitglied mit dabei war bei Florin Florineths Gründung des Südtiroler Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. Langwierig war der Kampf um die Verbindungsstraße dieser Exklave nach Südtirol, damals geplant über Castelfondo, jetzt dank Robert Gampers genialem Projekt über die Hofmahd nach Ulten; der Berichterstatter selbst hatte auch diese Trasse im Kopf gehabt, was aber einen Wirt in Ulten wegen der befürchteten Invasion walscher Schwammerlsucher gar nicht gefreut hatte (etwa 1978 oder 1979). Und gerade wegen dieser Straße, für die er sich so energisch eingesetzt hatte, musste er wegen eines falsch ausgelegten Satzes vor den Kadi zusammen mit Chefredakteur Dr. Josef Rampold. Doch bei einem von Rechtsanwalt . vorgeschlagenen Mittagessen für die Gegenpartei in der Grieser „Post“ wurden die Meinungsverschiedenheit gütlich beigelegt und ein Schuldspruch im Bozner Justizpalast vermieden.

Summa summarum: eine einmalig schöne Welt, genauso unglaublich wie damals Rojen (2000 m), das Leben der Indianer in 4500 Meter Höhe in den Anden (oberhalb Charazanis, damals zehn Lastwagenstunden hinter La Paz; Raulito, was ist nur aus dir und deiner Familie geworden, nachdem dir ein Unglück beim Kochen in der Hirtenhütte das halbe Gesicht und den Arm verbrannt hat?) und das magische Indien.

Im neuen evangelischen Gesangbuch stoßen wir auf Seite 1093 auf folgende Sätze von Helder Camara:

„Sag ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichte machen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben, ja, vielleicht deinem Leben. Sie sind kein Zufall. Laß dem himmlischen Vater die Freiheit, selber den Verlauf deiner Tage und Jahre zu bestimmen.“

Und auf Seite 281 rät Selma Lagerlöf:

„Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird und kann noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat.“

Zurück zu den Bären. Der Verfasser dieser Übersicht hält es wieder einmal mit dem Kommentator der „Dolomiten, Günther Heidegger. Dieser schrieb mutig am 13.10.2011, nachdem mehrere Landsleute Meister Petz ins feuchte Auge geschaut hatten: „Ich hätte dem braunen Gevatter sicherheitshalber gleich eins auf den Pelz gebrannt. Auch auf die Gefahr hin, dass ich dann erst recht Probleme bekommen hätte. Mit dem Bären, den Behörden, den Tierschützern und allen übrigen Raubtier-Verstehern samt ihrem Lieblingssatz: „Wir Menschen passen nicht ins Beuteschema der Bären.“ Toll! Aber weiß das auch der Bär? Sie, die Klugredner, die vermutlich bereits bei einer antrabenden Kuh das Fracksausen bekommen, sind in ihren Büros auf jeden Fall sicher. Aber was ist mit den Menschen draußen? Diese haben Angst. Richtige Angst. Deshalb muß der Bär weg. Bevor es alle schon immer wussten. Und es zu spät ist.“

Der Verfasser dieser Chronik ärgert sich genauso, denn er wollte nach seiner Pensionierung 2005 bei langen Bergtouren dort, wo es keine Hütten gibt, im Freien im Schlafsack und evtl. im Einmannzelt übernachten, hat diesen Plan aber aus Angst vor den bis ins Sarntal umherstreifenden Bären aufgegeben. Denn wenige Journalisten werden so viele Meldungen über Angriffe von Bären auf Menschen gelesen haben wie er in vier Jahrzehnten im Ressort Aus aller Welt bzw. Weltchronik. In Kanada fraß ein Bär sogar einen schlafenden Mann im Zelt, der ihm nichts getan hatte.

Wann frisst ein Bär in Südtirol den ersten Menschen? Wir tippen auf einen Urlauber, der die erste Urlaubsregel missachtet hat, dass er sich nämlich an Ort und Stelle in der örtlichen Tagespresse (hier im Tagblatt der Südtiroler, den „Dolomiten“) über Land und Leute und eventuelle Gefahren bei Wanderungen unterrichtet.

Die Interessengemeinschaft Tierschutz der Ethischen Bewegung (vor allem mit Tierschutzschriften an die Öffentlichkeit getreten) und die Südtiroler Umweltschutz-Aktionsgruppe (Nucleo Ecologico Sudtirolese, SUA/NES, bekannt durch ihre Anti-Pelz-Karten „Mode darf nicht grausam sein – La moda non deve essere crudele, nochmals Dank an C.) halten es angesichts der imminenten Bedrohung für ethisch richtig, wenn Jäger oder Schützen den Schutz der Bevölkerung, der Touristen sowie der Schafe, Ziegen usw. in die eigene Hand nehmen.

Vielleicht rafft sich sogar der so beredete autonome Landeshauptmann, selbst Jäger, dazu auf, die von ihm so oft verteidigte und beschworene Autonomie Südtirols in Anspruch zu nehmen, indem er das Kommando gibt:

Feuer frei auf Bären und Wölfe in Südtirol!

Aber Achtung: Vorher Karl Mays Bärenkapitel lesen!

Vor Gott jedenfalls ließe sich ein Abschuss rechtfertigen. Beim Umfang der derzeitigen Autonomie wäre er freilich strafbar, weil es die Römer so befehlen. Vielleicht sollten die Südtiroler Landespolitiker mehr Asterix lesen; „Dolomiten“-Vizechefredakteur und Chef vom Dienst Günther Heidegger hat ihn ja ins Südtirolerische übersetzt

Und viele Trentiner Tiroler Landsleute (Gruß an St.) wären auch erleichtert und dankbar.

Rainer Lechner, etika.com, 19.3.2012

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