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ETIKA |
Tierschutz |
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621J4 |
Jüdische
Tierfreunde |
19.2.2008 |
Es gibt edle Menschen
in allen Völkern, Rassen, Religionen. Das Mitleid mit den Tieren, diesen
ärmsten Kreaturen, kennzeichnet sie.
Unermeßliches Leid hat
den Tieren die Einbildung des Menschen, er müsse ihr Fleisch essen, gebracht.
Und grausame Qualen hat den Tieren die Einbildung des Menschen, er müsse
irgendwelchen Göttern Tiere opfern und dabei schmerzhafte Rituale wie das
Schächten anwenden, beschert.
Arthur Schopenhauer,
Giacomo Leopardi und andere Philosophen verzweifelten
angesichts des Elends in der Menschen- und Tierwelt. Verständlich.
Andererseits hat es
immer wieder Menschen gegeben, die kein versteinertes Herz besaßen, sondern
Barmherzigkeit walten ließen, wo sie konnten. Zu den größten dieser Menschen
zählen der heilige Franziskus von Assisi, Leo Tolstoj, Mahatma Gandhi und
Albert Schweitzer.
Jesus Christus wird
beim Jüngsten Gericht nicht richten nach Juden oder Germanen, Schwarzen oder
Weißen. Er wird sie richten nach dem, ob sie gut oder böse waren, ob sie
barmherzig oder grausam waren, ob sie gehorsam oder ungehorsam waren, ob sie an
Gott glaubten oder nicht, ob sie seine Gebote befolgten oder nicht.
Und so nehmen wir mit
Freuden zwei Bücher entgegen, die uns ein Freund zugesandt hat und in denen uns
Kunde von verschiedenen Juden wird, die Mitleid mit Tieren empfunden haben.
Rosa Luxemburg: Un po’ di compassione. Con
testi di Karl Kraus, una ignota lettrice della „Fackel“, Franz Kafka, Elisa
Canetti, Joseph Roth. A cura di Marco Rispoli. Adelphi Edizioni, Milano, 2007.
Abgekürzt: RL
Paolo De Benedetti: Teologia degli animali, a cura di Gabriella Caramore. Editrice Morcelliana,
Brescia, 2007. Abgekürzt: PB
Einige tierfreundliche
Juden werden auch in dem Buch von Hans
Schumacher zitiert: Die armen
Stiefgeschwister des Menschen, Das Tier in der deutschen Literatur.
Artemis-Verlag Zürich, 1977. Abgekürzt: HS
Einige Namen wollen
wir hier aufführen:
Rosa Luxemburg: „Oh, mein armer Büffel, mein
armer, geliebter Bruder, wir stehen hier beide so ohnmächtig und stumpf und
sind nur eins in Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht.“ (Brief an Sophie Liebknecht aus dem Gefängnis in Breslau, Mitte
Dezember 1917, HS 134, RL 21)
Karl Kraus: „Penso che l’umanità che guarda
all’animale come a un amato fratello abbia assai più valore della bestialità
che trova sollazzevole una cosa del genere ...” (RL 30)
Franz Kafka: “Per un’ora io rimasi disteso
sul pavimento in un angolo del mio laboratorio, e mi ammucchiai addosso tutti i
miei vestiti, le coperte e i guanciali pur di non sentire i muggiti di quel bue
che in nomadi assalivano da ogni parte per strappargli coi denti brandelli di
carne viva.” (Una vecchia pagina, in: Un
medico condotto, RL 37. Elias
Canetti verweist auch auf Kafkas
“lettera della talpa” an Brod 1904, RL 42, sowie an: Ricordo della ferrovia di
Kalda, 1914, RL 44)
Joseph Roth: “Scene dal
mattatoio di St. Marx. … un mondo crudele
… C´è odore di sangue rappreso,
qui da ottant’anni scorre sangue per il benessere dell’umanità.”
(RL 46–51)
Gustav Landauer: affetto perfino per una mosca;
“corde della simpatia che ci traggono verso tutti gli animali e verso tutto il
mondo” (RL 56)
Groß angelegt ist
trotz des spärlichen Umfangs das Gespräch von Gabriella Caramore
mit Paolo De Benedetti über eine
Theologie der Tiere. Es geht um die Solidarität zwischen allen Lebewesen. De
Benedetti ist Dozent für Judaismus an der Facoltà Teologica dell’ Italia Settentrionale di Milano
und lehrt auch an den Universitäten von Urbino und
Trient.
Auch andere Experten
werden zu Rate gezogen. Die Gespräche gehen in die Tiefe. So wagt Gabrielle Caramore die Frage an Luisella Battaglia, Dozentin für Moralphilosophie an der Universität
Genua und Direktorin des Italienischen Instituts für Bioethik: “Warum gibt es
eigentlich eine ,Universelle Erklärung der Tierrechte’ (Anmerkung: der UNO, auch wir haben sie um 1980 herum aus Versehen
propagiert), wenn es nicht auch eine ,juridische Reglementierung’, wenn man
so sagen kann, des Verhaltens der Tiere gibt? … Können wir nicht eine Katze
auffordern, uns nicht mit ihren Krallen zu verletzen …?“ Battaglia
redet sich auf eine „Asymmetrie der Ethik“ hinaus, wonach in der menschlichen
Ethik die Fürsorge für Schwache, Kinder, Neugeborene, im Koma Liegende höher
steht als wohltätiges Verhalten, das auf Gegenseitigkeit beruht. (S. 17f)
Die Frage Caramores,
ob es nicht einer Gerechtigkeit auch für die Tiere bedürfe, verneint Paolo De
Benedetti. Er hält es für erforderlich, den Begriff „Nächster“ auf alles
Geschaffene auszuweiten („il mio ,prossimo’ è tutto
il creato“, S. 19) Nach Ansicht einiger hebräischer
Meister seien auch die Bäume mein Nächster, „auch der Baum leidet“ (ebd).
Was das Fleischessen
betrifft, stellt Luisella Battaglia
nüchtern fest: „Wir können entweder Vegetarier sein oder Quäler“ (21).
Nun kommt die große Enttäuschung: Auf das rituelle Schlachten angesprochen meint
Paolo De Benedetti, die diesbezüglichen Vorschriften in Bibel und Torà hätten als Ziel, Exzessen Grenzen zu setzen; so würden
sie in erster Linie die Zahl der eßbaren Tierarten reduzieren. Dies sei zwar
kein Trost, aber immerhin eine Beschränkung. Eine der Regeln verbiete den Genuß
des Blutes. „Das Tier darf .. nicht leiden. Wenn es
leidet, ist es verboten, (dieses Fleisch) zu essen.“ (26) Wird das eingehalten?
Nun die nächste
Enttäuschung: Die Herausgeberin Gabriella Caramore
stellt die vollkommen unverständliche, absurde, irreführende Frage: „Aber ist
es wahr, daß das rituell, das heißt mit nur einem Schlag (con un colpo solo) getötete Tier,
dessen Blut in einem einzigen Augenblick ausströmt, tatsächlich nicht leidet?“
Diese Formulierung
können wir nicht akzeptieren. Sie verdreht
die Tatsachen vollständig und verharmlost das täglich millionenfach
praktizierte grausame Schächten der Juden und Moslems. Diesbezüglich verweisen
wir auf:
·
die aufrüttelnden, schaudererregenden Artikel über das Schächten
in der Zeitschrift des Bundes gegen den Mißbrauch der Tiere, München, aus den
50 er Jahren.
·
den verzweifelten Kampf, den wir zusammen mit dem
oberösterreichischen Tierschutz-Dachverbandspräsident Dr. Friedrich Landa gegen das Schächten geführt haben. Siehe ETIKA 61A1 und weitere Artikel.
·
die Stelle in dem Buch von Vicente F. Delmonte „Jedem nach seinen Taten“ auf Seite 203, wo einem
Artikel der „Jungen Freiheit“ zufolge beim Schächten folgendes geschieht: „Der Schächtschnitt
durch die Hals-Weichteile bis auf die Wirbelsäule ist äußerst schmerzhaft …
Dabei werden nur zwei der sechs Halsarterien durchtrennt, die das Gehirn
versorgen … Die Tiere erleiden … noch zusätzliche Todesangst durch
Erstickungsanfälle … Bereits bei der Vorbereitung, beim Fesseln und
Niederwerfen erleidet das unbetäubte Tier Todesängste …“ (E. G., „Junge
Freiheit“, 52/1906)
Das ist es ja eben,
was wir verhindern wollen: den grausamen, schmerzhaften, minutenlangen
Todeskampf des unbetäubten Tieres. Deshalb lauten die von uns formulierten
Ethischen Gesetze:
6 . Quäle kein Tier und laß nicht zu, daß Tiere
gequält werden!
7 . Grausame
Tierversuche sind eine Schande für die Menschheit und verboten; dasselbe gilt
für das betäubungslose Schächten.
8 . Töte kein
Tier, außer wenn es notwendig ist, und dann nur möglichst schmerzlos, in einem Augenblick.
Gerade das
Durchschneiden der Kehle ist so entsetzlich grausam, daß man hier doch nicht
von einem „colpo“ (Schlag) sprechen kann. Ein „colpo“ wäre ein Schlag auf den Kopf, der dem armen Tier das
Lebenslicht in Sekundenschnelle auslöscht. Und Luisetta
Battaglia versteigt sich auch noch zu der Bemerkung,
daß das rituelle Schlachten „jedenfalls ein Ausdruck des Respekts, Zeugnis
einer Aufmerksamkeit für das Tier ,Kreatur’ ist“ (27).
Sie meint, das Leiden entstehe vor allem bei der industriellen Schlachtung, und
es bräuchte eben eine Betäubung, damit das Tier nicht leide. Sie tut so, als ob
es nur bei der Massenschlachtung ein Leiden der Tiere gebe, nicht beim
Schächten eines einzelnen Tieres. Das ist unglaublich, bei einem Menschen ihrer
Position, bei ihrer Geistesschärfe.
Alles, was danach in
dem Büchlein kommt, alle philosophischen und ethischen Erwägungen über
Tierliebe und Tierschutz, über „atheistische und gläubige Katzen“, über
Osterlämmer, die Gleichstellung der Tiere mit den Menschen bei Moses, in den
Psalmen und bei Jona sowie ein Blick auf die indische Tradition durch den Turiner
Sanskrit-Dozenten Alberto Pelissero, Zitate von Luise
Rinser, Martin Luther, Albert Camus und Jiménez („Platero und ich“), das gottgleiche Verzeihenkönnen
von Menschen und Tieren sowie die Tiere im Paradies kommen uns nach diesem
peinlichen Hinweggehen über eines der schändlichsten Verbrechen der Menschen
gegenüber der Kreatur als nunmehr unglaubwürdige Plauderei und Heuchelei vor,
so intellektuell hochstehend und einfühlsam auch alles dargeboten wird. Wir
betonen: Wer nicht Barmherzigkeit walten läßt, hat von Gott auch keine
Barmherzigkeit zu erhoffen.
Nichts anderes bleibt uns nun übrig, als Gott zu bitten:
·
Herr, erwecke in allen Christen
das Mitleid mit den Tieren! Laß sie im Geiste des hl. Franziskus zu Vorkämpfern
für den Tierschutz werden!
·
Herr, erwecke in den
Angehörigen aller Religionen das Mitleid mit den Tieren!
·
Herr, erleuchte Juden und
Moslems zur Barmherzigkeit, damit sie das grausame Schächten abschaffen! Daß
auch im christlichen Abendland immer mehr Deiner ärmsten Kreaturen
betäubungslos mit einem Schnitt in die Kehle getötet werden, erfüllt uns mit
Entsetzen. Mühsam haben unsere Vorfahren in Jahrhunderten eine Zivilisation
aufgebaut, die Tierquälereien verbietet; dulde nicht, daß mit der von Deinen
Feinden propagierten multikulturellen Gesellschaft auf einmal alles Barmherzige
zunichte gemacht wird.
Wir glauben nicht, daß
die sensible Rosa Luxemburg mit dem grausamen Schächten einverstanden war, und
rufen alle ihre Glaubensgenossinnen und -genossen auf, dafür einzutreten, daß
Tiere nur getötet werden dürfen, wenn es notwendig ist und schnell, in einem
Augenblick, und möglichst schmerzlos erfolgt. Derselbe Aufruf ergeht an die Moslems.
Alle Leser fordern wir
auf, das Kapitel „Zoo der Tierquäler“ in dem Buch von Vicente
F. Delmonte zu lesen. Wir sind sicher, daß die dort
beschriebenen Höllenstrafen Wirklichkeit werden. Deshalb warnen wir alle
Tierquäler erneut davor, daß sie alle Qualen, die sie anderen zufügen, im
Jenseits selbst erleiden müssen.
Das Buch ist in diesem
Jahr 2008 noch zu bestellen beim Verlagshaus Monsenstein
und Vannerdat.
Roman von Vicente F. Delmonte:
Jedem nach
seinen Taten
270 Seiten. 16,80 Euro. ISBN
978-3-86582-461-5
Bestelle gleich direkt oder in einer
Buchhandlung oder per Brief beim
Verlagshaus Monsenstein
und Vannerdat, Am Hawerkamp
31, D-48155 Münster
(Rechnung anfordern und voraus zahlen besser als die übliche Nachnahme)
Wache der
Barmherzigkeit, Guami, 16.2.2008, www.etika.com