ETIKA

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7.12.1999

68LC3097

Wie´s den Wilderern geht

Johann Adolf Heyl: Volkssagen aus Tirol, 1897, III Eisacktal, 97

In Afers erzählen die alten Leute Folgendes:

Wenn einer gar so versessen ist aufs Wildern, und er ist schon ein alter Mann und hat viel, viel Wild zusammengeschossen und fürchtet sich im Wald vor dem Teufel nicht, so g´schieht ihm schon einmal was Wunderlichs.

Kann sein, er sieht einen Rehbock oder einen schönen Pfalzhahn und schießt drauf, aber das Thier fällt nicht, und er thut´s noch ein paarmal und weiß, dass der Stutzen gut ist und er noch nie gefehlt hat, - das Thier steht aber fest und schaut ihn eindringlich an, und zuletzt fließt aus dem Büchsenlauf das Blut, soviel er vergossen hat sein Lebtag, das Thier rennt oder fliegt davon und bleibt heil und gesund...

Dann hat der Wilderer, der alte, einen Tag, den er sein Leben nimmer vergessen kann.

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