ETIKA

Die Weisheit der Welt

www.etika.com

68LS1

TIERE

23.9.2016

Angst
… jede Existenz gleicht der meinen: Sie hat Angst vor dem Vernichtetwerden, sie fühlt Schmerz, sie sucht Wohlbefinden und Glück.
Albert Schweitzer, Arzt und Theologe, Ansprache in Paris am 6.11.1959, zitiert im 36. Rundbrief

Das tierische Leben gipfelt in der Angst.
Ortega y Gasset, spanischer Philosoph, zit. bei Skriver, Verrat, 78

Christen
Die Christen schalten die riesengroße und entsetzliche Not der Tierwelt einfach aus ihrem Wohlstandsbewußtsein und ihrer Verantwortung vor Gott aus und passen sich den brutalen Ausbeutungsmethoden der gottlosen Menschheit in Politik und Wirtschaft an, ohne versöhnend und heilend mit einer christlichen Botschaft in diese Bereiche anzugriefen.
Carl Anders Skriver: Der Verrat der Kirchen an die Tieren, Starczewski-Verlag München, 1967, S. 19 … vornehmste Pflicht: Schutz der Schwachen… 87

Ehrfurcht vor dem Leben
Die unmittelbare Tatsache im Bewußtsein des Menschen lautet: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“
Als gut gilt ihm (dem Menschen) alsdann: Leben erhalten und fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Stand bringen. Als böse gilt ihm nun: Leben schädigen oder vernichten, entwickelbares Leben an der Entwicklung hindern. Dies ist das absolute und denknotwendige Grundprinzip des Sittlichen. durch die Ehrfrucht vor dem Leben kommen wir in ein geistiges Verhältnis zur Welt.
Albert Schweitzer, der Urwalddoktor von Lambarene, im 30. Rundbrief

Erziehung
Es gibt keine wahrhaft gute Erziehung ohne das Mitleid mit den Tieren.
Lord Erskine

Ethik
Ich rufe die Menschheit auf zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben.  Diese Ethik macht keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem, höherem und niederem Leben.
Albert Schweitzer: Mein Wort an die Menschen, zit. im 30. Rundbrief

Fleischverzehr
Wenn viele Menschen auf das Essen von Fleisch schon nicht verzichten wollen, sollen sie wenigstens dafür sorgen, dass die Tiere schmerzlos getötet werden, in einem Augenblick, nicht wie heute üblich ungenügend betäubt in den Schlachthäusern und beim minutenlangen Schächten.

Furcht
„… his eyes suffused with horrifying and brutal fear, like an animal’s when you raise a whip.“ (S. 270)
„… seine Augen waren erfüllt von Furcht und Grauen wie bei einem Tier, wenn man die Peitsche hebt“
Graham Greene: The Case for the Defence. Der Entlastungszeuge.
In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993. Seite 271

Gebote

Wie mögen wir halten die Zehn Gebot:
Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen!
Wenn uns nicht mahnet ein elftes Gebot:
Du sollst kein lebendes Wesen quälen!
Peter Rosegger, 1843-1918, Dichter

Geheimnis
Wir kamen in ein Gespräch über die Schönheit dieser Gotteswelt und ihr großes Geheimnis. Jedes Gräschen, jeder Käfer, die Ameise und die goldene Biene, alle kennen sie, daß man staunen muß, ihren Weg, ohne Vernunft zu besitzen, und zeugen von dem Geheimnis Gottes, indem sie es ohne Unterlaß selbst erfüllen … Jedes Blättchen strebt zum Wort, singt Gottes Ruhm, weint zu Christo, sich selber unbewußt, allein schon durch das Geheimnis seines sündenlosen Daseins.
Fjodor M. Dostojewskij (1821-1881): Die Brüder Karamasoff, Von der Heiligen Schrift im Leben des Staretz Sossima, 394

Das Wozu und Warum jeglicher Existenz bleibt Geheimnis. Alle Dinge, alle Tiere, alle Menschen. Gemeinsam ist uns das Rätsel des Seins. Die Welt ist ein Rätsel.
Braun: Ahimsa, 114

Grausamkeit
Die Grausamkeit gegen die Tiere und auch schon die Teilnahmslosigkeit gegenüber ihren Leiden ist meiner Ansicht nach eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechtes.
Romain Rolland, zitiert in einem Buch über Gandhi

Mein größter Wunsch ist es zu sehen, wie eine Maus eine Katze bei lebendigem Leibe frißt. Sie soll aber auch lange genug mit ihr spielen.
Elias Canetti, 1905-1994, Schriftsteller, Reclam, Aphorismen

Hilfsbereitschaft
Wahrhaft ethisch ist der Mensch nur, wenn er der Nötigung gehorcht, allem Leben, dem er beistehen kann, zu helfen, und sich scheut, irgend etwas Lebendigem Schaden zu tun.
Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, S. 378f

Kirchenlehre
Tiere sind Geschöpfe Gottes „und unterstehen seiner (des Menschen) fürsorgenden Vorsehung … Schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen sie Gott“.
(Katechismus der katholischen Kirche, 1993, Kap. 2416)

Laborratten
Diese unschuldigen, schmächtigen, kleinen zuckenden Körper, die von so unerhörter Grausamkeit heimgesucht wurden … (Qualen wie Hölle)
Braun: Ahimsa 97

Liebe
Liebet die ganze Schöpfung Gottes, das ganze Weltall wie jedes Sandkörnchen auf Erden. Jedes Blättchen, jeden Lichtstrahl Gottes liebet. Liebet die Tiere, liebet die Gewächse, liebet jegliches Ding. Erst wenn du jedes Ding lieben wirst, wird sich dir das Geheimnis Gottes in den Dingen offenbaren. …Liebet die Tiere; ihnen hat Gott den Anfang des Denkens und harmlose Freude gegeben. Trübet sie ihnen nicht, quält sie nicht, nehmt ihnen nicht die Lust am Dasein, handelt nicht den Gedanken Gottes zuwider. Du Mensch, sei nicht überheblich den Tieren gegenüber: sie sind sündlos, du aber in all deiner Herrlichkeit, du versetzest die Erde in Fäulnis und Eiter mit deinem Erscheinen auf ihr und läßt hinter dir die Spur der Verwesung zurück – und leider tut das fast jeder von uns.
Fjodor M. Dostojewskij (1821-1881): Die Brüder Karamasoff, Staretz Sossima, 427

Jeder unbefangen denkende Mensch kann nicht anders, als die Liebe nicht nur den Menschen, sondern auch der Kreatur gegenüber zu betätigen. Wir werden durch das in unseren Herzen und Denken enthaltene und von Jesus ausgesprochene Gebot der Liebe gezwungen, unserem natürlichen Mitempfinden gegen die Geschöpfe freien Lauf zu lassen und ihnen, soweit wir es nur immer können, Hilfe zu bringen und Leiden zu ersparen.
Albert Schweitzer: Philosophie und Tierschutzbewegung

Menschen
Die Menschen sind die Teufel auf der Erde und die Tiere die geplagten Seelen. – Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.
Arthur Schopenhauer, Philosoph, bei Skriver, Verrat, 97 und 102

Menschlichkeit

Ist nicht des Tieres Schöpfer
dein Schöpfer ebenfalls?
Der Schöpfer aller Welten,
des großen Weltenalls?
Drum spare doch den Tieren
unnöt´ge Grausamkeit,
behandle stets dieselben
als Mensch – mit Menschlichkeit.
Karl Gerok, 1815-1890, Dichter

„Menschlicher“ Löwe
Da konnte man den Löwen sehen, wie er sich zu Boden warf, ihr (der hl. Märtyrerin Thekla) die Füße leckte und dadurch gleichsam bekannte, daß er den geweihten Leib der Jungfrau nicht verletzen könne. Das wilde Thier verehrte seine Beute, und der eigenen Natur vergessend, nahm es die Natur (Menschlichkeit) an, welche die Menschen aufgegeben hatten. Da konnte man in einer gewissen Verkehrtheit der Natur Menschen sehen, welche Wildheit angenommen und dem Raubthier Grausamkeit zumutheten; und das Thier sehen, wie es die Füße der Jungfrau küßte und dadurch lehrte, was die Menschen thun sollten.
hl. Ambrosius, zit. Alban Stolz, Legende, 23. September, Herder Verlag Freiburg, 1859, S. 169

Mitleid

Hab Mitleid mit dem armen Tier!
Der liebe Gott vergilt es dir.

„Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, dass, wer gegen Tiere grausam ist, kein guter Mensch sei.“
Arthur Schopenhauer

Religionen
Wir müssen kämpfen gegen den Geist der naiven Grausamkeit, mit dem wir mit den Geschöpfen verfahren. Die Religionen und die Philosophie haben sich nicht mit diesem Problem unseres Verhaltens gegen die Geschöpfe beschäftigt, sondern nur mit dem dem Menschen gegenüber. … Aber die Kreatur ist auch dem Leiden unterworfen in derselben Weise wie wir.
Albert Schweitzer am 16.7.1965 beim Kongreß der Weltkoalition gegen die Vivisektion in Zürich

Schlachten

Schlachten, Schächten grausam sind.
Ob sie sich rächen, Schwein und Rind?

Schläge
4. Mose 22 Und die Eselin sah den Engel des Herrn auf dem Wege stehen mit einem bloßen Schwert in seiner Hand. 27 Und als die Eselin den Engel des Herrn sah, fiel sie in die Knie unter Bileam. 28 Da tat der HERR der Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam: Was hab ich dir getan, daß du mich nun dreimal geschlagen hast? 32 Engel: Warum hast du deine Eselin nun dreimal geschlagen?
2 Petrus 2,16Das stumme Lasttier redete mit Menschenstimme und wehrte dem wahnwitzigen Vorhaben des Propheten.

Schlangen
… monstruos y fiéras infernales … en el anima del que está en pecado moran víboras , dragones y serpientes, que es la muchedumbre de los espíritus malignos que en ella hacen su habitación, como dice el Salvador por San Mateo.
Luis de Granada: Guía de Pecadores, 300f
In der Seele dessen, der in der Sünde ist, wohnen Vipern, Drachen und Schlangen …

Matthäus 12,34 Ihr Otterngezüchte (Schlangenbrut), wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid?

Schmerz wie ein Riese
Der arme Käfer, den dein Fuß zertritt,
fühlt körperlich ein Leiden ganz so groß,
als wenn ein Riese stirbt. (Isabella)
William Shakespeare (1564-1616), englischer Dramatiker, Maß für Maß III, 1

Stierkampf
Und seltsam, während sich die Spanier alles dessen zu schämen scheinen, was sie von ihren Vorfahren überkommen, während man ihr Volkskostüm und ihre reizenden Nationaltänze fast nur noch auf den Theatern sieht, halten sie mit Enthusiasmus an ihren Stiergefechten fest. Ein Volk, bei dem so viel von Fortschritt und Zivilisation die Rede ist, sollte sich doch solcher empörenden und barbarischen Lustbarkeiten schämen.
Adolf Friedrich Graf von Schack, 1815-1894, Dichter und Gelehrter, Erinnerungen, 376

Tiergötzen

Ägyptens Götter: Frösche, Fliegen.
Wie dreist sind doch des Teufels Lügen.

Töten
Ehrfurcht vor dem Leben ist Abscheu vor dem Töten.
Magnus Schwantje

Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei.
Leo Tolstoi, 1828-1910, russischer Dichter und Schriftsteller, zit. von Skriver, Verrat, 36

Vegetarismus
„Der Leib, der mit Fleischspeisen beschwert wird, wird von Krankheiten heimgesucht. …Die Dünste der Fleischspeisen verdunkeln das Licht des Geistes. …Man kann schwerlich die Tugend lieben, wenn man sich an Fleischgerichten und Festmahlen erfreut.“
Basilius der Große, Kirchenvater, Erzbischof von Cäsarea, geb. 329, in: Das Evangelium des vollkommenen Lebens, 240

Wissenschaft
In der Geschichte ist viel zu wenig von Tieren die Rede. Die Wissenschaft hat sich verraten, indem sie sich zum Selbstzweck gemacht hat. Sie ist zur Religion geworden, zur Religion des Tötens … Es ist nicht gut, dass die Tiere so billig sind.
Elias Canetti, Schriftsteller

Wilde Tiere
Ezechiel/Hesekiel 14,21 Denn so spricht Gott der Herr: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh. (Vergleiche Weisheit 12,8-10)

Wurm
Celano schreibt, dass Franziskus in das Geheimnis der Geschöpfe eindrang. „In jedem Lamm sah er das Lamm Gottes und ertrug es nicht, daß es geschlachtet würde; auch im Wurm erblickte er den Christus des Kreuzes, der vom Propheten als Wurm bezeichnet wird. So ist es wahr, daß er in den letzten Jahren, fast blind, einen Gefährten wollte, um ihn zu führen, um zu verhindern, daß er die Würmer auf dem Weg zertrat.
San Francesco oggi, 19

Index 4