ETIKA

NOTWENDIGKEIT UND BARMHERZIGKEIT

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25.10.1997

69TO3

Darf der Mensch Tiere töten?

Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere, Braunschweig 1913, S. 59ff.

Antwort A:

Es geschah. Die sorglosen Tiere, die hier vermutlich niemals gestört worden waren, gingen ohne alle Furcht bei dem Baume, hinter dem Robinson sich versteckt hatte, vorbei nach dem Wasser, und als eins von ihnen, und zwar ein Junges, ihm so nahe kam, daß er es erreichen konnte, so schlug er es mit seinem Beile so nachdrücklich in den Nacken, daß es augenblicklich zur Erde stürzte.

L o t t e. O pfui! Wie konnte er das nur tun? Das arme Schäfchen!

M u t t e r. Und warum sollte erīs denn nicht tun?

L o t t e. Ja, das arme Tierchen hatte ihm ja nichts zuleide getan, und so hätte erīs ja wohl können leben lassen!

M u t t e r. Aber er gebrauchte ja das Fleisch dieses Tieres, um davon zu essen; und weißt du nicht, daß Gott uns erlaubt hat, die Tiere zu gebrauchen, wozu wir sie nötig haben?

V a t e r. Ohne Not ein Tier zu töten oder zu quälen oder auch nur zu beunruhigen, wäre grausam, wäre Sünde; und das wird auch kein guter Mensch zu tun imstande sein. Aber sie zu gebrauchen, wozu sie gut sind, sie zu schlachten, um ihr Fleisch zu essen, das ist uns unverwehrt. Wißt ihr nicht mehr, daß es sogar für die Tiere selbst gut ist, daß wir es mit ihnen so machen?

J o h a n n e s. Ach ja! Wenn wir die Tiere nicht gebrauchten, so würden wir auch nicht für sie sorgen, und dann würden sie es lange nicht so gut haben als jetzt, und dann würden im Winter viele von ihnen vor Hunger sterben müssen.

D i e t r i c h. Ja, und sie würden viel mehr leiden müssen, wenn sie nicht geschlachtet würden, sondern an Krankheiten und vor Alter sterben, weil sie sich einander nicht so helfen können, wie die Menschen sich einander helfen.

V a t e r. Und dann müssen wir auch nicht glauben, daß der Tod, den wir den Tieren antun, ihnen so viel Schmerz verursache, als es uns wohl vorkommt. Sie wissen nicht vorher, daß sie geschlachtet werden sollen, sind daher ruhig und zufrieden bis auf den letzten Augenblick, und die Empfindung des Schmerzes, während sie getötet werden, ist bald vorüber. Überdies ist nun einmal kein anderer Rat: wir müssen entweder die T i e r e essen, oder sie essen u n s , weil sie, wenn wir ihre Zahl nicht täglich verminderten, sich dergestalt vermehren würden, daß für uns auf Erden weder Platz noch Nahrung bliebe. Auch würden manche, die uns jetzt kein Leid zufügen, z. B. die Hunde, durch Hunger gezwungen, uns anfallen, töten und auffressen müssen.

Antwort B: Albert Schweitzer
Antwort C: Jordi Mota, Traurige Weihnacht,
68B2

 

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