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18.10.2004

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Die nach Erlösung seufzende Kreatur

 

 

Im Vertrauen – In confidenza – Cunfidenzielmënter
Herausgeber: Caritas Diözese Bozen-Brixen
Verlagsanstalt Athesia Bozen 2004, Seite 133

 

Mein schönstes Zitat aus der Bibel

Römer 8,19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. 21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.

 

Diese Worte sind Sprengstoff, bilden mit die Grundlage für die Anklage Leo Tolstois gegen die Gesellschaft und die Amtskirchen. Der russische Revolutionär wirft ihnen Christentum ohne Moral vor. Er hält das Töten und Essen unserer Brüder und Schwestern aus der Tierwelt für nicht vereinbar mit dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit. Doch Tolstoi, Franziskus von Assisi, Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, laut Vatikan ein "Apostel christlicher Tugenden", sind tot.

 

Und so klammern sich jene Christen, die Mitleid mit der gequälten Kreatur empfinden, in ihrer Verzweiflung an obiges Wort aus den Paulus-Briefen. Während die Einheitsbibel lediglich kommentiert "Die Leiden dieser Zeit können im Blick auf die verheißene Vorstellung ertragen werden", hoffen jene, die kein Fleisch essen, auf ein Wunder. Dass nämlich durch göttliche Erleuchtung die Bräuche von Osterlamm, Weihnachtsgans und Silvesterkarpfen, die Tierversuche, das Schächten und das Töten überhaupt abgeschafft werden. Damit Franziskus ohne schlechtes Gewissen singen darf:

 

"Alle Kreaturen, lobet den Herrn!"

 

Die "Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers" belehren uns:

 

„Das geheimnisvolle Seufzen der Kreatur ist das innere Gebet. Es ist in allem und in allen enthalten."

Rainer Lechner, Journalist „Dolomiten“

Etika Index 7