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ETIKA-Dokumentation
Kabinenbahn |
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Die autoblinde
Gesellschaft
Weichen neu stellen!
Als Deutschland die Chance verpaßte:
Stuttgarter Zeitung, 13.11.1970, S. 22, Verfasser W. P. Schaefer:
Eine
Revolution des Massenverkehrs?
München
will ein zukunftsträchtiges Projekt unterstützen: die
Kleinkabinen-Einschienenbahn
MÜNCHEN
(Eigener Bericht). "Das ist die Revolution des städtischen
Massenverkehrs", sagte ein Stadtrat erfreut, als die Firma
Messerschmidt-Bölkow-Blohm-GmbH (MBB) im Münchner Rathaus ein
zukunftsträchtiges Projekt darlegte: die elektrische
Kleinkabinen-Einschienenbahn. Dieses neuartige Beförderungsmittel könnte in
nahezu idealer Weise die Annehmlichkeiten des Individualverkehrs mit den
Vorteilen der innerstädtischen Massenverkehrsmittel kombinieren.
Es
erscheint geeignet, das bisher hoffnungslose Problem der
Straßenverstopfungen zu lösen und der zunehmenden Luftverpestung durch
Autoabgase Einhalt zu gebieten. Leider ist das revolutionäre
Kabinenbahnsystem, das auch in Amerika und Japan erprobt wird, für uns noch
Zukunftsmusik. München soll die erste Stadt der Bundesrepublik sein, in der es
eingeführt wird. Jahre der Erprobung und Entwicklung sind aber noch notwendig.
Frühestens
im Jahre 1980 werden die Münchner durch ihre Stadt gondeln können - in einer
heute noch traumhaft erscheinenden Bequemlichkeit und Schnelligkeit. Bei den
von Messerschmitt-Bölkow-Blohm konzipierten Kabinen handelt es sich um kleine
Kunststoffahrzeuge, die auf weichen Polstersesseln zwei bis drei Personen
Platz bieten. Angetrieben von sogenannten Linearmotoren laufen diese Kabinen
auf einer stromführenden Schiene.
Die
Möglichkeiten, diese Schienen innerhalb der Stadt zu verlegen, sind nahezu
unbegrenzt. Sie können zu ebener Erde verlaufen, zum Beispiel auf dem
Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen der Ausfallstraßen. Verkehrsreiche
Kreuzungen können sie über- oder unterqueren, an Masten hängend oder in kleinen
Tunnels. Sie können an Häuserfronten entlanglaufen oder auch Häuserfronten
durchbrechen und einfach durch sie hindurchführen.
Auf
diesem Schienensystem sollen die kleinen Gondeln flitzen, die kein Rotlicht,
kein Verkehrsknäuel, kein sonstiges Hindernis aufhalten kann. Ihre
Geschwindigkeit soll 50 Stundenkilometer betragen. Kein anderes
Verkehrsmittel erreicht in der Großstadt dieses Tempo. Zum Vergleich: eine
U-Bahn fährt einen Schnitt von 35 Stundenkilometern, und die Straßenbahn
erreicht (allerdings nur laut Fahrplan) 15 bis 20 Stundenkilometer. Omnibusse
und Personenkraftwagen müssen sich in den Hauptverkehrszeiten mit vier bis fünf
Stundenkilometern begnügen.
Daß
die Kabinenbahn ihren hohen Reisedurchschnitt einhalten kann, hat einen
besonderen Grund: Sie hält nirgends an. Der Fahrgast wird, wenn er
eingestiegen ist, ohne jeglichen Aufenthalt dorthin gebracht, wohin er will.
Ermöglicht
wird dies durch einen Computer und sonstige elektronische Raffinessen. Der
Fahrgast stellt an einem Fahrkartenautomaten das gewünschte Ziel ein und erhält
ein Ticket, das er in einen anderen Automaten, der in der kleinen Gondel ist,
"einfüttert".
Diese
Gondeln stehen auf den "Kabinenbahnhöfen" auf Nebengleisen
bereit - ähnlich wie Wagen einer Achterbahn auf dem Rummelplatz. Bei Bedarf
werden sie in den Verkehrsstrom auf dem Hauptgleis eingeschleust. Der
zentrale Computer steuert das einzelne Fahrzeug nach dem Programm auf der
Fahrkarte und stellt nun alle Weichen bis zum gewünschten Ziel, wo die
Gondel wiederum auf ein Nebengleis gelenkt wird und für andere Fahrgäste
bereitsteht. Das alles soll so schnell gehen, daß die einzelnen Kabinen in
einem Sicherheitsabstand von nur zehn bis zwanzig Metern fahren können. Die
maximale Beförderungskapazität auf einer Strecke beträgt 4000 Personen pro
Stunde. Über den Fahrpreis bestehen noch keine Vorstellungen.
Der
Münchner Stadtrat beschloß, das Projekt von Messerschmitt-Bölkow-Blohm
"nach besten Kräften zu unterstützen", das an sich noch ziemlich
nichtssagend ist. Aber Oberbürgermeister Dr. Vogel richtete bereits einen dringenden
Appell an bonn, ein solches, der Allgemeinheit dienendes Vorhaben doch
mindestens finanziell ebenso zu unterstützen wie etwa die Weltraumforschung und
die Entwicklung von Raketen und neuen Kampfflugzeugen.
Münchner
Merkur, 31.5./1.6.1972, Seite 3
Die
Zukunft: ein Auto auf Schienen
Jeder
kann sich seine eigene Kabine kaufen - Mobilität gewährleistet
Für
den Auto-Tod in der Stadt sind nur Radikallösungen möglich. Sie kosten
allerdings viel Geld und werden technologisch erst in Jahren ausgereift sein.
Die "Transpo 72" in Washington zeigt, wie die Radikalkur aussehen
kann. Nahezu 100 revolutionäre Vorschläge sind auf dieser Ausstellung in
Modellen zu sehen; eines, das zu den meistdiskutierten gehört, kommt aus
München: das computergesteuerte "Cabinentaxi" des
Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Konzerns in Ottobrunn, das auch von der Demag
mitentwickelt wird. (Wir haben verschiedentlich darüber berichtet.)
Dieses
"CAT", das in vier Jahren in Freiburg auf einer Probestrecke fahren
soll, gleitet über Schienen im 30-km-Tempo (Busse und Autos schaffen heute in
der Innenstadt nur noch etwa die halbe Geschwindigkeit) auf Trassen über die
Straßenschluchten hinweg, an Häuserfassaden entlang oder durch Warenhäuser und
Bahnhöfe hindurch.
Experten
halten das "CAT" deshalb für erfolgsträchtig, weil es dem
Bedürfnis des Verkehrsteilnehmers nach Individualität Rechnung trägt und zudem
äußerst umweltfreundlich ist.
Geplant
ist die "CAT"-Reise so: Der Passagier besteigt vor seiner Wohnung
eine Cabine - bei weitergehenden Planungen ist vorgesehen, daß er sich seine
Privatcabine kaufen oder mieten kann. Das Taxi bietet Platz für drei Personen
und reichlich Gepäck. Dann drückt der Passagier die Computer-Zieltaste, und wie
von Geisterhänden gesteuert schwebt das Gefährt dem Zielpunkt zu, wobei der
Computer die allgemeine Verkehrslage erfaßt und Umwege einplant, wenn sie
zeitlichen Gewinn für den Fahrgast bringen.
Süddeutsche
Zeitung, München, 9./10.6.1971, S. 37
Gelder
für Schienenbau statt Straßenbau
Trotz
noch so großen Wehklagen: Die Mittel müssen umverlagert werden
Es
mag ein noch so großes Wehklagen geben - aber die Mittel des Verkehrshaushaltes
müssen umverlagert, müssen vom Ausbau der Straßen auf den Ausbau der
Schienenwege verlagert werden, zumal sich hier wesentlich größere Effekte
erreichen lassen. Bei einem Vergleich der Investitionen müssen den Straßen
schließlich auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Verkehrsunfälle
zugerechnet werden, die weit über zehn Milliarden Mark im Jahr ausmachen
dürften.
Eine
solche Verlagerung der Finanzmittel wird den Widerspruch der Autofahrer
herausfordern; den scheut der Verkehrsminister. Er weiß, warum. Die
Umverlagerung eines Teils des Straßengütervekehrs auf die Schiene konnte Leber
nur deshalb so erfolgreich durchstehen, weil er dem Pkw damit freie Bahn
schaffte, die Autofahrer damit auf seiner Seite hatte. Doch diese Taktik
nutzt jetzt nichts mehr. Wir müssen uns, auch aus Gründen des Umweltschutzes,
der Verkehrssicherheit, der Rettung von Landschaft und Städten, auf das
Massenverkehrsmittel konzentrieren.
Süddeutsche
Zeitung, München, 29.7.1970, Seite 17
Bayerischer
Kredit für Brenner-Autobahn
Staatsregierung
genehmigt 50 Millionen Mark für Bau der Strecke vom Paß bis Modena
München
(SZ) - Der bayerische Staat will mithelfen, daß die Autofahrer schneller in den
Süden kommen. Der Ministerrat hat am Dienstag beschlossen, 50 Millionen Mark
als Darlehen für den zweiten Ausbau der Brennerautobahn zwischen der Paßhöhe
und der norditalienischen Stadt Modena zur Verfügung zu stellen. Für den
Kredit, den die Brenner-Autobahn AG in Trient erhält, übernimmt die bayerische
Staatsregierung eine 50prozentige Ausfallbürgschaft. Das Kabinett begründete
seine Finanzhilfe mit der zunehmenden Bedeutung des Handels zwischen Bayern und
Italien.
Dolomiten,
Bozen, 13./14.3.1993, Seite 3
Ersatz
für das Auto notwendig
Grenze
erreicht - Pferdekutsche genauso schnell - Alternative: Magnetschwebebahn
Wien/Laxenburg
- Die Zeit ist reif für die Entwicklung eines neuen Transportsystems. Staus in
Städten, auf Autobahnen, im europäischen Luftraum und wachsende
Umweltbelastungen zeigen die Grenzen weiteren Wachstums bestehender
Verkehrsnetze aus. Nur völlig neue Ansätze wie die Magnetschwebebahn
könnten dem stark gewachsenen Bedürfnis der Menschen nach Mobilität und
Freiheit auf umweltverträgliche Weise gerecht werden.
Kommentar
der Dolomiten: Schon vor Jahrzehnten hatte Messerschmitt-Bölkow-Blohm
in München eine Cabinenbahn entwickelt, die auf den individuellen Bedarf
zugeschnitten war. Aus Kostengründen hatten die Politiker das Projekt
fallengelassen und die Gelder dafür in den Ausbau des Straßenverkehrs gesteckt.
Eine verhängnisvolle Entscheidung! le
Welche Politiker und Parteien in Bundesregierung und
Bundestag haben das Projekt Kabinenbahn/Autos auf Schienen sabotiert,
niedergestimmt, totgeschlagen? Sie sind für die heutige Misere
mitverantwortlich, für unzählige Erkrankungen und Todesfälle aufgrund der Luftverschmutzung,
vom Asthma über Allergien bis zum Lungenkrebs. Es wird Zeit, daß - zumindest
moralisch - Anklage erhoben wird. Und daß die Verantwortlichen wenigstens ein
bißchen (freiwillig) Wiedergutmachung leisten.
Schluß mit dem Autowahn:
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