ETIKA

SCHIENENAUTO

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14.12.2003

81AU3

ETIKA-Dokumentation Kabinenbahn

 

Die autoblinde Gesellschaft

Weichen neu stellen!


Als Deutschland die Chance verpaßte:
Stuttgarter Zeitung, 13.11.1970, S. 22, Verfasser W. P. Schaefer:

Eine Revolution des Massenverkehrs?

München will ein zukunftsträchtiges Projekt unterstützen: die Kleinkabinen-Einschienenbahn

MÜNCHEN (Eigener Bericht). "Das ist die Revolution des städtischen Massenverkehrs", sagte ein Stadtrat erfreut, als die Firma Messerschmidt-Bölkow-Blohm-GmbH (MBB) im Münchner Rathaus ein zukunftsträchtiges Projekt darlegte: die elektrische Kleinkabinen-Einschienenbahn. Dieses neuartige Beförderungsmittel könnte in nahezu idealer Weise die Annehmlichkeiten des Individualverkehrs mit den Vorteilen der innerstädtischen Massenverkehrsmittel kombinieren.

Es erscheint geeignet, das bisher hoffnungslose Problem der Straßenverstopfungen zu lösen und der zunehmenden Luftverpestung durch Autoabgase Einhalt zu gebieten. Leider ist das revolutionäre Kabinenbahnsystem, das auch in Amerika und Japan erprobt wird, für uns noch Zukunftsmusik. München soll die erste Stadt der Bundesrepublik sein, in der es eingeführt wird. Jahre der Erprobung und Entwicklung sind aber noch notwendig.

Frühestens im Jahre 1980 werden die Münchner durch ihre Stadt gondeln können - in einer heute noch traumhaft erscheinenden Bequemlichkeit und Schnelligkeit. Bei den von Messerschmitt-Bölkow-Blohm konzipierten Kabinen handelt es sich um kleine Kunststoffahrzeuge, die auf weichen Polstersesseln zwei bis drei Personen Platz bieten. Angetrieben von sogenannten Linearmotoren laufen diese Kabinen auf einer stromführenden Schiene.

Die Möglichkeiten, diese Schienen innerhalb der Stadt zu verlegen, sind nahezu unbegrenzt. Sie können zu ebener Erde verlaufen, zum Beispiel auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen der Ausfallstraßen. Verkehrsreiche Kreuzungen können sie über- oder unterqueren, an Masten hängend oder in kleinen Tunnels. Sie können an Häuserfronten entlanglaufen oder auch Häuserfronten durchbrechen und einfach durch sie hindurchführen.

Auf diesem Schienensystem sollen die kleinen Gondeln flitzen, die kein Rotlicht, kein Verkehrsknäuel, kein sonstiges Hindernis aufhalten kann. Ihre Geschwindigkeit soll 50 Stundenkilometer betragen. Kein anderes Verkehrsmittel erreicht in der Großstadt dieses Tempo. Zum Vergleich: eine U-Bahn fährt einen Schnitt von 35 Stundenkilometern, und die Straßenbahn erreicht (allerdings nur laut Fahrplan) 15 bis 20 Stundenkilometer. Omnibusse und Personenkraftwagen müssen sich in den Hauptverkehrszeiten mit vier bis fünf Stundenkilometern begnügen.

Daß die Kabinenbahn ihren hohen Reisedurchschnitt einhalten kann, hat einen besonderen Grund: Sie hält nirgends an. Der Fahrgast wird, wenn er eingestiegen ist, ohne jeglichen Aufenthalt dorthin gebracht, wohin er will.

Ermöglicht wird dies durch einen Computer und sonstige elektronische Raffinessen. Der Fahrgast stellt an einem Fahrkartenautomaten das gewünschte Ziel ein und erhält ein Ticket, das er in einen anderen Automaten, der in der kleinen Gondel ist, "einfüttert".

Diese Gondeln stehen auf den "Kabinenbahnhöfen" auf Nebengleisen bereit - ähnlich wie Wagen einer Achterbahn auf dem Rummelplatz. Bei Bedarf werden sie in den Verkehrsstrom auf dem Hauptgleis eingeschleust. Der zentrale Computer steuert das einzelne Fahrzeug nach dem Programm auf der Fahrkarte und stellt nun alle Weichen bis zum gewünschten Ziel, wo die Gondel wiederum auf ein Nebengleis gelenkt wird und für andere Fahrgäste bereitsteht. Das alles soll so schnell gehen, daß die einzelnen Kabinen in einem Sicherheitsabstand von nur zehn bis zwanzig Metern fahren können. Die maximale Beförderungskapazität auf einer Strecke beträgt 4000 Personen pro Stunde. Über den Fahrpreis bestehen noch keine Vorstellungen.

Der Münchner Stadtrat beschloß, das Projekt von Messerschmitt-Bölkow-Blohm "nach besten Kräften zu unterstützen", das an sich noch ziemlich nichtssagend ist. Aber Oberbürgermeister Dr. Vogel richtete bereits einen dringenden Appell an bonn, ein solches, der Allgemeinheit dienendes Vorhaben doch mindestens finanziell ebenso zu unterstützen wie etwa die Weltraumforschung und die Entwicklung von Raketen und neuen Kampfflugzeugen.


Münchner Merkur, 31.5./1.6.1972, Seite 3

Die Zukunft: ein Auto auf Schienen

Jeder kann sich seine eigene Kabine kaufen - Mobilität gewährleistet

Für den Auto-Tod in der Stadt sind nur Radikallösungen möglich. Sie kosten allerdings viel Geld und werden technologisch erst in Jahren ausgereift sein. Die "Transpo 72" in Washington zeigt, wie die Radikalkur aussehen kann. Nahezu 100 revolutionäre Vorschläge sind auf dieser Ausstellung in Modellen zu sehen; eines, das zu den meistdiskutierten gehört, kommt aus München: das computergesteuerte "Cabinentaxi" des Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Konzerns in Ottobrunn, das auch von der Demag mitentwickelt wird. (Wir haben verschiedentlich darüber berichtet.)

Dieses "CAT", das in vier Jahren in Freiburg auf einer Probestrecke fahren soll, gleitet über Schienen im 30-km-Tempo (Busse und Autos schaffen heute in der Innenstadt nur noch etwa die halbe Geschwindigkeit) auf Trassen über die Straßenschluchten hinweg, an Häuserfassaden entlang oder durch Warenhäuser und Bahnhöfe hindurch.

Experten halten das "CAT" deshalb für erfolgsträchtig, weil es dem Bedürfnis des Verkehrsteilnehmers nach Individualität Rechnung trägt und zudem äußerst umweltfreundlich ist.

Geplant ist die "CAT"-Reise so: Der Passagier besteigt vor seiner Wohnung eine Cabine - bei weitergehenden Planungen ist vorgesehen, daß er sich seine Privatcabine kaufen oder mieten kann. Das Taxi bietet Platz für drei Personen und reichlich Gepäck. Dann drückt der Passagier die Computer-Zieltaste, und wie von Geisterhänden gesteuert schwebt das Gefährt dem Zielpunkt zu, wobei der Computer die allgemeine Verkehrslage erfaßt und Umwege einplant, wenn sie zeitlichen Gewinn für den Fahrgast bringen.


Süddeutsche Zeitung, München, 9./10.6.1971, S. 37

Gelder für Schienenbau statt Straßenbau

Trotz noch so großen Wehklagen: Die Mittel müssen umverlagert werden

Es mag ein noch so großes Wehklagen geben - aber die Mittel des Verkehrshaushaltes müssen umverlagert, müssen vom Ausbau der Straßen auf den Ausbau der Schienenwege verlagert werden, zumal sich hier wesentlich größere Effekte erreichen lassen. Bei einem Vergleich der Investitionen müssen den Straßen schließlich auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Verkehrsunfälle zugerechnet werden, die weit über zehn Milliarden Mark im Jahr ausmachen dürften.

Eine solche Verlagerung der Finanzmittel wird den Widerspruch der Autofahrer herausfordern; den scheut der Verkehrsminister. Er weiß, warum. Die Umverlagerung eines Teils des Straßengütervekehrs auf die Schiene konnte Leber nur deshalb so erfolgreich durchstehen, weil er dem Pkw damit freie Bahn schaffte, die Autofahrer damit auf seiner Seite hatte. Doch diese Taktik nutzt jetzt nichts mehr. Wir müssen uns, auch aus Gründen des Umweltschutzes, der Verkehrssicherheit, der Rettung von Landschaft und Städten, auf das Massenverkehrsmittel konzentrieren.


Süddeutsche Zeitung, München, 29.7.1970, Seite 17

Bayerischer Kredit für Brenner-Autobahn

Staatsregierung genehmigt 50 Millionen Mark für Bau der Strecke vom Paß bis Modena

München (SZ) - Der bayerische Staat will mithelfen, daß die Autofahrer schneller in den Süden kommen. Der Ministerrat hat am Dienstag beschlossen, 50 Millionen Mark als Darlehen für den zweiten Ausbau der Brennerautobahn zwischen der Paßhöhe und der norditalienischen Stadt Modena zur Verfügung zu stellen. Für den Kredit, den die Brenner-Autobahn AG in Trient erhält, übernimmt die bayerische Staatsregierung eine 50prozentige Ausfallbürgschaft. Das Kabinett begründete seine Finanzhilfe mit der zunehmenden Bedeutung des Handels zwischen Bayern und Italien.


Dolomiten, Bozen, 13./14.3.1993, Seite 3

Ersatz für das Auto notwendig

Grenze erreicht - Pferdekutsche genauso schnell - Alternative: Magnetschwebebahn

Wien/Laxenburg - Die Zeit ist reif für die Entwicklung eines neuen Transportsystems. Staus in Städten, auf Autobahnen, im europäischen Luftraum und wachsende Umweltbelastungen zeigen die Grenzen weiteren Wachstums bestehender Verkehrsnetze aus. Nur völlig neue Ansätze wie die Magnetschwebebahn könnten dem stark gewachsenen Bedürfnis der Menschen nach Mobilität und Freiheit auf umweltverträgliche Weise gerecht werden.

Kommentar der Dolomiten: Schon vor Jahrzehnten hatte Messerschmitt-Bölkow-Blohm in München eine Cabinenbahn entwickelt, die auf den individuellen Bedarf zugeschnitten war. Aus Kostengründen hatten die Politiker das Projekt fallengelassen und die Gelder dafür in den Ausbau des Straßenverkehrs gesteckt. Eine verhängnisvolle Entscheidung! le


Welche Politiker und Parteien in Bundesregierung und Bundestag haben das Projekt Kabinenbahn/Autos auf Schienen sabotiert, niedergestimmt, totgeschlagen? Sie sind für die heutige Misere mitverantwortlich, für unzählige Erkrankungen und Todesfälle aufgrund der Luftverschmutzung, vom Asthma über Allergien bis zum Lungenkrebs. Es wird Zeit, daß - zumindest moralisch - Anklage erhoben wird. Und daß die Verantwortlichen wenigstens ein bißchen (freiwillig) Wiedergutmachung leisten.

Schluß mit dem Autowahn: Schienenautos! - - - - Index 8 -