ETIKA

FLEISCH

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16.3.2001

89CM2

BSE, MKS usw. - Chronik

 

Wir ersuchen um Nachsicht wegen der Druckfehler und eventueller überspitzter Formulierungen. Alles wird in Eile gemacht, und nur selten kommen wir dazu, die Texte selbst durchzulesen und zu korrigieren.

Siehe auch: Der Marsch der Lemminge
Siehe auch: Chronik 8

Angst vor globaler Bedrohung. UNO warnt. An Grenzen, auf den Flughäfen, in Schlachthöfen Seuchenteppiche. Ein EU-Land verbietet den Fleisch- und Viehimport aus einem anderen EU-Land. Importsperren für Fleisch aus der EU; (15.3.2001) in Brüssel regt man sich sogar noch darüber auf und beharrt auf dem unseligen weltweiten freien Warenhandel? Was wäre, wenn es keine Grenzen mehr gebe zum Beispiel zwischen Deutschland und Polen? Polen wäre vermutlich auch bald verseucht mit infiziertem französischem oder britischem Fleisch. Die EU verhängte sogar selbst ein Exportverbot für Frankreich, ein Importverbot für argentinisches Frischfleisch  und widerlegt damit ihre eigene Ideologie.

Maul- und Klauenseuche: Österreich will Osterurlauber kontrollieren und alle Lebensmittel der Touristen beschlagnahmen und vernichten. Gesundheitsminister Herbert Haupt (FPÖ) empfiehlt den Bauern, keine Fremden auf ihre Höfe zu lassen. (D 15.3.2001)

MKS: Keine Tierseuche ist ansteckender. Wind trägt Virus bis zu 300 Kilometer weit. Teilweise resistent gegen Desinfektion. (D 15.3.2001) Die Maul- und Klauenseuche hat es immer schon gegeben. Warum diesmal ein solches Tam-tam? Weil die freien Warenhändler in Brüssel genau wissen, dass der Wegfall der Grenzkontrollen die Gefahr der Verbreitung vervielfacht hat. Zum Beispiel hieß es vor Wochen, dass auf zwei Märkten in England, wo Tiere mit MKS aufgetrieben worden waren, mehr als 20.000 Tiere verkauft wurden, zu einem nicht unbeträchtlichen Teil ins Ausland. Die FAO sieht sogar eine „globale Bedrohung“ und fürchtet Epidemien in bisher seuchenfreien Ländern.

Mit den Folgekosten von BSE hätten wir die Futtertröge in Europas Ställen vergolden können. (Vinzenz Geier, Tramin, Leserbrief in den „Dolomiten“ vom 6.3.2001) So aber haben nur die Profiteure Villas mit vergoldetem Interieur. Vielleicht werden die Förderer von BSE und MKS, nämlich die Aufzwinger des freien Warenhandels, für die Folgekosten einmal zur Kasse gebeten.

Elias Canetti: „Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, alles Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann.“ (Leserbrief von Manuel Setter, Innsbruck, D 6.3.2001)

„Mit Rinderwahn lässt sich leben“. Fleisch war noch nie so sicher wie heute. Davon zeigte sich gestern der Züricher Veterinärprofessor Ueli Braun bei einer Tagung über Rinderwahnsinn in Bozen überzeugt. (D 3.3.2001) Zur Überschrift: Aber wie! Und nicht lange!

Tiertransporte stoppen!
Dies fordern die Tierschützer. Also: Schlachtungen dezentral, um Seuchenherde lokal begrenzen zu können. (Deutscher Tierschutzbund, D 2.3.2001)

Maul- und Klauenseuche: Erreger: Picorna-Virus, verursacht Fieber, Fress-Unlust, Versiegen der Milch, Lahmheit. Symptom: Bläschen an Klauen, Maul und Euter der Kuh. Befallen werden können Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und einige Wildarten, in seltenen Fällen auch Menschen. (D 24.2.2001) Das Virus kann leicht über Strecken bis zu 30 km getragen werden, bei Wind noch wesentlich weiter. (D 2.3.2001)

Europäern mit Wurstbroten drohen in Thailand bis zu zwei Jahre Gefängnis. (D 2.3.2001)

Zentrum für Türkeistudien ruft Moslems auf, auf das Schlachten von Schafen und Rindern zum Opferfest zu verzichten und stattdessen Geld an wohltätige islamische Organisationen zu spenden. Wegen der strengen Vorschriften in Deutschland sei das Schlachten zum Opferfest seit Jahren rückläufig und werde durch alternatives Spenden ersetzt. (Essen, D 2.3.2001) Wenn das auch geht, warum nicht immer? Wo sind die Moslems, die ein Herz für Tiere haben?

Da die Europäer aus der BSE-Krise nichts gelernt haben
und weiterhin die schützenden nationalen und regionalen Grenzen für britisches Vieh und Fleisch offen gelassen haben, ereilt sie nun die gefährliche Maul- und Klauenseuche
. MKS als neuer Prüfstein – ein neues Loch im Finanzhaus EU.
Dazu interessant: Eine Frau gegen Brüssel: Die deutsche Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) will die von EU-Kommissär Franz Fischler geplante Ausweitung des Rinder-Schlachtprogramms nicht mitmachen. (D 28.2.2001) Hoffentlich fällt sie nicht um.

Aber nichts Schlimmes, was nicht auch irgendeine gute Seite hätte: Viele jener Schafe und Rinder, die ab dem 4. März anlässlich des islamischen Opferfests grausam geschächtet werden sollten, erhalten nun einen Gnadenschuß und sterben fast schmerzlos.

Intensive Viehhaltung begünstigt Seuche. Auf engem Raum leiden Tiere unter Reizarmut und sozialem Stress. (D 28.22.2001)

 

Der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels hat seine Abkürzung von BSE in BDSE geändert. („Saar-Handel“)

 

Ein Butterbrot, das in Großbritannien gestrichen wurde, nahmen deutsche Zöllner einem Passagier weg, um es zu vernichten. (Münster, D 28.2.2001)

 

MKS: 30.000 Tiere sollen getötet werden. Viehhandel bangt um Schweine.
Deutschland „am Rand einer Katastrophe“ (die nordrhein-westfälische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn). In Großbritannien Spaziergänge verboten. Autoreifen werden desinfiziert. An diesen und an Schuhsohlen könnte das Virus eventuell verbreitet werden. (D28.2.2001)

 

EU gegen nationale Importverbote.
Briten und Deutsche beginnen mit Massentötungen auch von Schweinen und Schafen. Bauern gehen auf die Straße. In England wird das von der Maul- und Klauenseuche befallene Vieh verbrannt. Der Virus wurde vom Wind an andere Orte übertragen. (D 27.2.2001)

 

„Wenn ich schon am Essen sterben muß, dann will ich wenigstens das essen, was mir schmeckt.“ (der deutsche Altbundespräsident Roman Herzog, D 24.2.2001)

 

Bei uns finden Sie Fleisch aus Argentinien; weil wir gerne auf Nummer Sicher gehen. Das Vieh läuft frei herum, deshalb ist das Fleisch mager, gesund, aber vor allem schmackhafter. (Ganzseitige Anzeige von Despar, Eurospar, 19.2.2001) Auf einmal!

 

Die Wahl, welchen Todes man sterben will
Die Menschheit möge sich vorbereiten, denn das Ende unseres Lebens war noch nie so nahe wie jetzt – ich sehe es jedenfalls so! Denn wer nicht an Rinderwahnsinn sterben will, wird früher oder später an Hunger sterben. Wenn man kein Fleisch, keinen Käse, keine Milch mehr essen kann, was dann? Auch Eier... Da kann man nicht nut mit Rinderwahnsinn, sondern auch mit Salmonellen infiziert werden. Auch das Gemüse wird ungenießbar werden, wenn es nur mehr mit Kunstdünger gezüchtet wird. Man hat wohl nur mehr die Wahl, welchen Todes man sterben will. (Leserbrief von Luis Schweigkofler, Bozen, in den „Dolomiten“ vom 15.2.2001)

 

Verdacht
“... Den Verdacht werde ich nicht los, dass manche Politiker an dieser Krankheit leiden und der so genannte Rinderwahnsinn auf sie übergegangen ist. Nehmen wir an, in einer Familie stirbt jemand an einer schweren Infektionskrankheit. Wird da die ganze Familie umgebracht, selbst wenn diese Krankheit ansteckend war und Angehörige infiziert werden könnten?“ (Leserbrief von Roman Pola, Bozen,  in den „Dolomiten“, 13.2.2001)

 

Heuchelei
All den Bauern, Metzgern, die gegen die Tötung von Rindern demonstrieren, unterstelle ich pure Heuchelei. Ich möchte all jene an die „Herodesprämie“ erinnere und zitiere aus der „Deutschen Lebensmittelzeitung“ vom 21. November 1998: „In den kommenden zwei Jahren sollen mindestens eine Million Kälber aus dem Markt genommen werden, um so den Rindfleischmarkt zu entlasten. Eine in der EU-Kommission abgestimmte Durchführungsverordnung setzt die Herodesprämie zur Verarbeitung neugeborener Kälber bis zum Alter von 20 Tagen fest. Für die Tötung der Tiere, deren Fleisch nicht zum menschlichen Verzehr verwendet werden darf, werden bis zu 287 DM je Tier gezahlt. Da diese Prämie in Deutschland nicht angeboten wird, wurden bereits Tausende von Kälbern nach Frankreich exportiert, um die Prämie dort zu kassieren... Der Deutsche Bauernverband dazu: ,In einem Europäischen Binnenmarkt ohne Grenzen und (mit) freiem Handel sei dies zwar legal, wenn auch bedauerlich.´“   Mir wäre nicht bekannt, dass von den heutigen Protestierern jemals gegen die Vorgangsweise protestiert wurde. Auch die unsäglichen (wohl: unsäglich grausamen) Tiertransporte waren für die Bauern und Wirtschaftsverbände, auch hierzulande, nie ein Thema. (Leserbrief von Ivo Maier, Lana, in den „Dolomiten“ vom 13.2.2001)

 

Hekatomben von Nahrungsleichen in Supermärkten
Bei seiner Durchreise nach Italien war Goethe hoch entzückt von Bozens Obstmarkt, während heute Hekatomben von Nahrungsleichen sich in unseren Supermärkten auftürmen. (Leserbrief von Dr. Rudolf Reier, Terenten, in den „Dolomiten“ vom 13.2.2001)

 

BSE: Germania: Mea culpa
Deutschlands Mitschuld an der BSE-Not
An der BSE-Krise sind die Deutschen zu einem wesentlichen Teil mitschuld. Warum? Sie haben die Regierung gewählt. Die Regierung wirft den Euro-Bürokraten den größten Happen des EU-Haushalts hin und vergibt deutsche Steuergelder, ohne irgendeinen Einfluß auf die Entscheidungen der EU-Kommission zu haben. Bonn/Berlin tolerierten damit

1.    den Wahnsinn der Massentierhaltung,

2.    die verrückten EU-Subventionen für oft grausame Schlachtviehtransporte kreuz und quer durch Europa (inklusive Luftverpestung und Lungenkrebsproduktion)

3.    den von Brüssel unter Hinweis auf die EU-Verträge und den freien Warenhandel erzwungenen Import von britischem Rindfleisch (die armen Briten können ja auch nichts dafür, dass der Rinderwahnsinn ausgerechnet bei ihnen ausgebrochen ist).

Also Germania: Mea culpa.

 

Mucca pazza, indagini su farine e controlli. Nel mirino: legami tra funzionari e produttori. (Corriere della Sera, Milano, 12.2.2001, p. 17)

 

„In unsere Kühe kommt nur Wasser, Getreide und Gras.“ Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) im Deutschen Bundestag. Künast kündigt Agrarwende an. „BSE hat uns alle aus dem Alltagstrott des Massenkonsums herauskatapultiert.“ (D 9.2.2001) Da sind wir aber gespannt. Was man mit Gott unternimmt, gelingt, was ohne Gott, misslingt.

 

Fleisch für Hungernde. Caritas: „Viele Menschen regten in den letzten Tagen an, das Fleisch über Hilfsorganisationen wie die Caritas an hungernde Menschen zu verteilen. Das ist eine sehr vernünftige Idee“, sagte Franz Küberl, österreichischer Caritas-Präsident. Freilich müsse Fleisch auch innerhalb der EU an notleidende Leute verteilt werden. (D 9.2.2001)

 

Und die Schuldigen? Die bleiben wohl verborgen hinter dem Gestrüpp des so genannten Wirtschaftsliberalismus, dazu geschickt getarnt von der ständig steigenden Globalisierung. Wie lange noch? – Und was ist mit den „Östrogenschweinen, Dioxinhühnern und wurmstichigen Zuchtfischen“? Alexander Foitzik stellt in einem Leitartikel makaber fest: „Berge von Tierkadavern werden zu einem grausam perversen Opferritual geschichtet – Opfer einer skrupellosen agrarindustriellen Lobby.“ (A. Stampfl, Welschnofen, Leserbrief in den „Dolomiten“, 8.2.2001)

 

BSE-Urvater: Bauernkiller Mansholt.
Der Grund für die BSE-Krise wurde schon in den 50er und 60er Jahren gelegt. Wer ist letztlich schuld am Rinder- und Bauernsterben? Jene, die mittels der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, später EG, dann EU) nur noch die großen Bauern subventionierten und damit die kleinen Bauern ruinierten, die Monokulturen, Massentierhaltung und Agrarfabriken förderten und damit die gesunde Landwirtschaft mit vielen kranken Bazillen infizierten. Viele Bauern haben dies von Anfang an durchschaut, um nur Alfred H. aus W. in Hohenlohe zu nennen. Wir prangern in erster Linie den EWG-Agrarkommissar Mansholt an, müssen aber auch den damaligen Regierungen, Parteien  und Politikern ihr Quantum Schuld am Bauernsterben, an der Förderung tierquälerischer Haltungsmethoden und der Duldung der Lebensmittelvergiftung durch Chemie zuweisen. Denn sie haben schließlich regiert, geherrscht.  8.2.2001 etika.com (Nachdruck gestattet)

 

Dann sind wir am Ende. „Wenn sich der Konsum (bis Ende des Jahres) nicht erholt, wäre das die absolute Katastrophe.“ EU-Agrarkommissar Franz Fischler gegenüber dem „stern“. „Das könnte man weder einlagern noch entsorgen. Dann sind wir am Ende.“ (D 8.2.2001) Eine bissige Bemerkung verkneifen wir uns, aber vielleicht später einmal.

 

BSE-Risiko in mehr als 100 Ländern. Europäer haben Tiermehl von 1986 an weltweit exportiert. Etwa 100 Länder haben lebende Rinder eingeführt. (FAO, D 8.2.2001) In gewissem Sinne auch eine Strafe für die qualvollen Tiertransporte und das grausame Schächten. Wäre Gandhis swadeshi usw. angewandt worden, wären wir heute nicht in einer so prekären Lage.

 

Infektionsgefahr bisher unterschätzt. Übertragung von BSE in Schlachthöfen möglich. (Deutsches Arbeitsministerium, D 8.2.2001)

 

EU-Kommissar Franz Fischler hat eine BSE-Übertragung auf Menschen lange als Erfindung von Journalisten bezeichnet. Daran erinnerte die Grüne Irene Soltwedel-Schäfer, eine ehemalige EU-Abgeordnete. (D 7.2.2001)

 

Es ist der Gipfel der Perversion: Hunderttausende mit Subventionen geborene und aufgezogene Rinder werden jetzt voll subventioniert geschlachtet und voll subventioniert beseitigt. ... In einer Zeit, in der täglich tausende Menschen an Hunger sterben, ein Irrsinn – ethisch und moralisch verwerflich. (Dolomiten, 7.2.2001, Günther Heidegger)

 

Die BSE-Krise droht den EU-Haushalt zu sprengen. Haushaltskommissarin Michaele Schreyer schlägt Alarm. Weitere Vernichtungsprogramme hält sie nicht für ausgeschlossen. Ein klassischer Ausspruch: „Wann ein Tier geschlachtet wird – ein halbes Jahr früher oder später -, ist doch keine Frage der Ethik, sondern des Gewichts.“ (D 5.2.2001)

 

Appelle: Eßt mehr Rindfleisch! „Wenn wir alle ein Kilo mehr Rindfleisch essen würden, müsste es zur Massenvernichtung gar nicht erst kommen“, meinte der neue bayerische Minister für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz. Eberhard Sinner, CSU. (Man denke sich in die Kühe hinein, was diese wohl zu der Argumentation sagen würden.) In das gleiche Horn blies der (ausgerechnet) britische  EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne: „Wir würden den öffentlichen Verkauf von Fleisch nicht zulassen, wenn wir von der Sicherheit nicht überzeugt wären.“ (D 5.2.2001)

 

Gotteslästerung. Erste Anzeige wegen Tötung. Der Bundesverband der Tierversuchsgegner, Aachen, zeigte den Agrarminister von Sachsen-Anhalt, Konrad Keller (SPD) an. Kritik an der Massenschlachtung übte auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Seit langem das erste vernünftige Wort der nordelbischen Kirchenleitung sprach der Vorsitzende, Bischof Karl Ludwig Kohlwage (Lübeck) aus, als er das Massaker an Gottes Kreatur als „Gotteslästerung“ anprangerte. Sogar ein CSU-ler, Bayerns neuer Verbraucherschutzminister  Eberhard Sinner, ist gegen die Massentötung. (D 3.2.2001)

 

„Ein Rind ist ein Lebewesen, das schützenswert ist.“ Danke, Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP), für diese Aussage! Wenn noch mehr solche Frauen in der Politik wären, würde das nicht schaden. Aber wenn man an die Albright und die linken Damen in Deutschland, Österreich, Frankreich und in der EU denkt... Immerhin hat auch die grüne nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn im Gegensatz zur neuen grünen Landwirtschaftsministerin in Berlin ein Herz für Tiere, denn sie verweist auf Paragraph eins des Tierschutzgesetzes, wonach „wir nicht ohne vernünftigen Grund Tiere töten dürfen“. (D 2. 2. 2001)

 

Mit brennenden Kerzen und Kuhglocken marschierten 2000 Bäuerinnen durch Münster. Sie haben Existenzsorgen. In Schwerin demonstrierten aufgebrachte Bauern mit dem Schild: „Stoppt den Politikerwahn!“ (D 2.2.2001)

 

Vernichtung von getestetem Fleisch unsinnig. (Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten). (D 2.2.2001)

 

EU-Massentötungsprogramm für 1,5 Millionen gesunde Rinder

Die EU-Kommission setzt die Mitgliedsländer unter Druck, Rindfleisch zu vernichten (sprich: Rinder zu töten), um die Kosten für das Budget unter Kontrolle zu halten. (D 31.1.2001). Wir erinnern uns an die Behauptung des EU-Kommissars Franz Fischler am 18.1.2001 im ZDF („Berlin Mitte“), dass es keine Massenschlachtungen wegen BSE gebe. Niemand werde gezwungen, auch nur ein Rind zu schlachten. (Weiß Fischler noch, was er sagt?)  Immerhin gibt  Franz Fischler zu, dass die Lage  „wesentlich dramatischer“ ist als noch vor einem Monat angenommen (D 30.1.2001). Dann die Bestätigung: Das Kabinett (in Berlin) beschloss am Mittwoch die Beteiligung an einem EU-Programm zur Tötung von insgesamt etwa 1,5 Millionen Rindern in Europa. (D 1.2.2001) Dazu fällt uns nur noch der Satz eines hohen Südtiroler Politikers ein, der anno 2001 durch die Lande zieht und erklärt, eine BSE-Krise gebe es gar nicht; die sei von den Medien erfunden worden. Ansonsten enthalten wir uns bissiger Kommentare, denn vielleicht geht die Sache dumm aus: erst die unschuldigen Rinder, dann wir unliebsamen Kritiker...

 

BSE-Kosten treiben die EU in eine Finanzkrise. (Die Welt, 31.1.2001, S. 1) Aber nicht nur das: Die EU ist drauf und dran, sich selbst zu ruinieren. Sie verbietet es  Metzgern, beim Verkauf von Fleisch dazuzuschreiben, von welchem Bauernhof das Tier kommt. Ein Bozner Metzger zeigte im RAI-Fernsehen (Sender Bozen, 31.1.2001, Tagesschau) die betreffende Verordnung. Das ist geradezu unglaublich. Da verlieren auch die letzten Fleisch-Konsumenten noch das Rest an Vertrauen. Aber die EU kann nicht aus ihrer Haut. Sie ist auf Gedeih und Verderb mit dem von den USA usw. vorgeschriebenen freien Warenhandel verquickt, und wenn dieser aufgrund der Seuchen oder infolge von Konflikten zusammenbricht, dann könnte es der EU wie den Kühen gehen.   

 

Auch Muskelfleisch kann ein BSE-Risiko sein, sagte Markus Moser, Molekularbiologe aus der Schweiz. Grund: Beim Schlachten wird das Rückenmark mit einer Kettensäge längsseitig gespalten und der Sprühnebel verbreitet sich über das ganze Fleisch. (S 31.1.2001)

 

BSE-Risikomaterial in Speisefetten. Das deutsche Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin hält es für möglich, dass Gehirn und Rückenmark von Rindern zur Herstellung von Christstollen, Glasuren von Backwaren und Margarine verwendet wurden. (D 30.1.2001)

 

Fleisch solle man nur noch am Sonntag essen, empfahl der Präsident der Akademie für Ernährungsmedizin, Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm. (D 26.1.2001) Wieso ausgerechnet eine blutige Mahlzeit am Tag des Herrn? Wann erbarmt sich der Mensch endlich der Tiere, wie es viele Heilige ersehnten und der Apostel Paulus ankündigte? Wann kommt endlich der Erlösungssonntag für die gequälte Kreatur?

 

„Gott, schütze die Herden dieses Landes ... gegen den Teufel und den Rinderwahn“, beten Geistliche und Menschen im Norden Rumäniens. Bisher blieb das Land von BSE verschont (D 26.1.2001), aber sobald einmal die EU ihre langen Freihandelsarme ausstreckt, ist für nichts mehr zu garantieren...

 

T-Bone-Steaks (Rindersteaks mit Knochen, Fiorentina) im Visier. Dieses Fleisch aus der Lende ist mit dem Knochen des Rückgrats verbunden. (D 25.1.2001)

 

BSE: Rom gibt Brüssel die Schuld. Landwirtschaftsminister wirft EU Versäumnisse vor. Minister Alfonso Pecoraro beschuldigte die EU-Kommission, die Gefährlichkeit der BSE-Seuche in der ersten Phase minimiert zu haben, um unter den Konsumenten keinen Alarm auszulösen. „Sowohl Italien als auch die EU haben schwere Fehler begangen. In einem ersten Dokument über die Rinderseuche riet Brüssel den Regierungen sogar zur Desinformation, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Dafür ist nicht die jetzige Kommission verantwortlich.“ (Dolomiten 24.1.2001 Micaela Taroni) Natürlich gleich darauf die Retourkutsche: Amato critica Pecoraro. „Io sarei stato zitto“. (la Repubblica, roma, 25.1.2001, p. 3) 

 

Schweiz verbietet Import von Schweinefleisch aus Österreich. (D 24.1.2001)

 

Bayerns Sozial- und Gesundheitsministerin Barbara Stamm (CSU) ist wegen der Vorwürfe in der BSE-Krise und im Schweinemastskandal zurückgetreten. (D 24.1.2001)

 

Ohnmacht, Angst und Wut. Rindermäster werden Tiere nicht los. Keiner weiß, wie es weitergeht: Die Krise belastet die Landwirte und ihre Familien. Die Nerven liegen blank. Die BSE-Krise ist auch bei der Hattenhofer Landwirtsfamilie von Rolf und Roswitha Gallus Tag und Nacht gegenwärtig. Der Stall platzt bald aus den Nähten. In den nächsten sechs Wochen müssen sie verkaufen, gelingt dies nicht, dann weiß die Bäuerin auch nicht mehr weiter. „Hysterie“ macht Angst. – Bio-Gemüse für die Bundeswehr.  (Südwestpresse/NWZ 23.1.2001, Voralb)

 

Karikaturist Haitzinger hat es wieder erfaßt: Mann sitzt im Restaurant am Tisch. Auf Tafel sind die Worte Rind, Schwein, Schaf durchgestrichen. Mann denkt: „Esse ich eben nur noch Geflügel - zumindest solange es niemand getestet hat!“

 

Tiermehl in Wild-Futterkrippen. Von zehn im Ortenaukreis und im Kreis Rastatt gezogenen Proben waren fünf belastet. Uwe Prietzel vom Naturschutzbund NABU: „Wir brauchen die Tiere gar nicht zu füttern.“ (Südwestpresse Ulm 23.1.2001 Südwestumschau)

 

Der Wahnsinn aus dem Futtertrog. Mangelhafte Kennzeichnungspflicht und EU-interner Handel verwischen die Herkunft. Europas Fleischmehlindustrie konnte fast unbehelligt ihrem Geschäft nachgehen. Der Skandal: EU-Kommission und Regierungen schauten zu. (Südwestpresse 23.1.2001, S. 3 Im Brennpunkt) Endlich einmal ein mutiger Journalist; hier heißt er Martin Hofmann. Er liefert unter anderem folgende Einzelheiten:
„18 Minuten lang bei einer Temperatur von 136 bis 138 Grad Celsius sterilisieren.“ Nach dieser Vorschrift reinigten Mitarbeiter des tiermedizinischen Zentrallabors in Großbritannien Geräte, die mit BSE- und Scrapie-Erregern in Berührung kamen. Während die Wissenschaftler sich ihrer Risiken bewußt waren und für sich selber vorbeugten, hat die britische (Anmerkung: Links-) Regierung diese strengen Auflagen für die Produktion von Tiermehl und Tierfett bis heute nicht umgesetzt.
Allein in Baden-Württemberg wandern jährlich 350 000 Tonnen (Futter) in die Rindertröge. Kälbern, denen 0,1 Gramm der Erregersubstanz reicht, um zu erkranken, füttert man 19 000 Tonnen.. Unter dem Strich frisst ein Rind 288 Kilogramm im Jahr. Da rentiert sich für die „schwarzen Schafe“ der Branche das Zumischen billiger Importware. Selbst bei renommierten holländischen Herstellern galt die Maxime: Sauberes Material verwenden wir selbst, in die Exportware kommt der Schrott.

 

Gift im Schweinefleisch. Tierärzte stehen im Verdacht, Hunderten von Schweinemästern illegal Arznei verkauft zu haben. „Der Spiegel“ und „Straubinger Tageblatt“: Darunter seien Hormone und Impfstoffe gewesen, zudem in großen Mengen Antibiotika. Diese können für Menschen gefährlich werden, da bei Infekten die Arzneien unter Umständen nicht mehr wirken. „Das gesamte bayerische Kontrollsystem hat komplett versagt“, erklärte der SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Franz Maget. In Österreich wurden elf Mastbetriebe gesperrt wegen des Mißbrauchs von Arzneimitteln. Die Medikamente könnten nach dem Verzehr des Fleisches beim Menschen Krebs auslösen oder das Erbgut schädigen. Das Magazin „Format“ berichtete, möglicherweise sei die Hälfte aller 3,5 Millionen Schweine in Österreich mit Medikamenten behandelt. (Südwestpresse 22.1.2001) Prost Mahlzeit!

 

BSE kostet Deutschland 1,6 Milliarden Mark. Schätzung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe. (Südwestpresse Ulm, 22.1.2001, S. 1) Dreimal kurz gelacht.

 

Warum die Deutschen alles schlucken. Witzige Überlegungen von Martin Gerstner in „Sonntag Aktuell“, Stuttgart, 21.1.2001): Die Deutschen kaufen teure Autos und bauen sich große Häuser. Auf den Tisch kommt Billigfleisch aus dem Discounter. ... Warum schlucken die Deutschen lebenslang freiwillig Müll, laufen aber Sturm, wenn ein Auto beim hektischen Kurvenfahren umfällt oder ein Teppichboden schleimhautreizende Dämpfe ausschwitzt? Diese Schizophrenie ist auch für Insider schwer zu verstehen. ... Innere Umweltverschmutzung bei äußerem Wohlstand. Ernährungsberaterin Pirjo Schack von der Universität Münster: Die Kochkenntnisse bei jüngeren Frauen sind so gering wie nie zuvor. Wir müssen Kindern Spaß am Kochen und Essen vermitteln.“ Nikolai Fuchs, Geschäftsführer des Forschungsrings für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise bei Demeter: „Die Industrie versucht, die Kinder schon früh geschmacklich zu steuern.“ Den Eltern bleibt nur verzweifelte Gegenwehr. Laut Slow-Food-Geschäftsführer Andrea Arcais gilt es, Neugierde zu wecken auf den ursprünglichen Geschmack frischer und selbst zubereiteter Nahrungsmittel.

Deutsche essen 80 Prozent weniger Rindfleisch. 10 000 Jobs in Gefahr. Hält der Absatzrückgang in der Fleischwirtschaft um 40 Prozent bis zur Jahresmitte an, müsse von einem Verlust von mehr als 10 000 der 75 000 Arbeitsplätze ausgegangen werden, sagte der Chef des Verbands der Fleischwirtschaft, Manfred Härtl, auf der Grünen Woche in Berlin. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hat die BSE-Krise mehr als jeden zweiten Bundesbürger dazu bewogen, seine Essgewohnheiten zu ändern. 24 Prozent erklärte,, gar kein rundfleisch mehr zu essen. 34 Prozent erklärten, nichts an ihren Essgewohnheiten geändert zu haben. Die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben das Verwenden von chirurgischem Nahtmaterial auf der Basis von Rinderdarm verboten. Ein BSE-Risiko sei nicht auszuschließen. (Südwestpresse 20.1.2001, S. 1 AP/dpa)

 

Massaker für den Markt (oder Hilfe für Hungernde). Kommentar von Armin Käfer, Stuttgarter Zeitung, 19.1.2001, S. 1: In den vergangenen 55 Tagen haben deutsche Verbraucher vieles gelernt. Erstens: Fleisch ist kein Stück Lebenskraft, sondern Industrieware mit beträchtlichem Fett- und ungewissem Schadstoffgehalt. Zweitens: Kühe fressen nicht nur Heu, sondern manchmal auch ihresgleichen. Drittens: die Produktion von Nahrungsmitteln ist ein unappetitliches Geschäft. Viertens: in der Landwirtschaft wird selten unter idyllischen Bedingungen, aber bisweilen mit zweifelhaften Methoden gearbeitet. Und fünftens: Bauern sind keine romantiker, die aus lauter Tierliebe Kälbchen großziehen, sondern Unternehmer, denen es naturgemäß ums Geld geht. Deshalb fordern ihre Verbandsfunktionäre und Agrarbürokraten in Berlin und Brüssel vehement, 400 000 Kühe zu schlachten und zu verbrennen – um die Rindfleischpreise zu stabilisieren. Sind die denn alle wahnsinnig geworden? ... Der CSU-Politiker Michael Glos hat einen karitativen Gegenvorschlag unterbreitet: Man solle die Rinder schlachten, auf BSE testen und gesundes Fleisch günstig in die dritte Welt verkaufen. Glos erntete Schimpf und Schande. Der SPD-Ökologe Michael Müller machte „ethische Bedenken“ geltend. Die designierte Grünen-Chefin Claudia Roth unterstellte sozial verbrämte Profitgier. ... Es bleibt nur die Wahl zwischen drei Übeln: die Rinder verbrennen und sinnlos wertvolle Kalorien vernichten, während andernorts Millionen nicht genug zu essen haben und täglich Tausende den Hungertod sterben. Oder das in Europa wertlose, aber unverkäufliche Fleisch jenen Hungernden zukommen zu lassen und darob als hinterlistiger Zyniker gebrandmarkt zu werden. Dritte Möglichkeit: die Tiere schonen und damit eine Pleitewelle in der Fleischwirtschaft, ein Bauernsterben riskieren. Bei dieser Auswahl ist die Idee des Christsozialen Glos nicht die übelste von allen.

 

Tiermehl im Gartendünger. Bisher durften diverse Tiermehle wie Blutmehl, Hornmehl, Knochenmehl und Tierkörpermehl organischen und gemischten Düngemitteln beigegeben werden. Diese werden meist von Hobbygärtner benutzt, weil sie auf „chemische“ Dünger verzichten wollen. Einer Schätzung zufgolge enthalten 70 Prozent der organischen Dünger Tiermehle. (D 17.1.2001)

 

In Polen fressen die Kühe noch Heu. Die Rückständigkeit der Landwirtschaft könnte sich als Wettbewerbsvorteil erweisen. (Stuttgarter Zeitung 12.1.2001 Wirtschaft)

 

„Übertragung von BSE durch Milch sehr unwahrscheinlich“. Bundesanstalt für Milchforschung: Nach dem derzeitigen Wissensstand gibt es „keine Hinweise“. Aber: „Wir wissen sehr, sehr wenig. Ausschließen kann man grundsätzlich nichts.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.1.2001, S. 1) http://www.faz.net/

In rivolta macellai e allevatori. Prodi: “Piano d´emergenza europeo” (p. 1). Protestanto gli allevatori: è la rovina. (Corriere della Sera, Milano, 17.1.2001,. p. 1) Allevatori in rivolta: “Rimborsi ridicoli, non abbatteremo altri capi” (Il Giorno, Milano, 17.1.2001)  http://www.ilgiorno.it/

“Ci avvelenano tutti, ora basta” Tra rabbia e paura l´esercito dei consumatori cambia abitudini. (la Repubblica, Roma, 17.1.2001, p. 3) http://www.repubblica.it/

La Ue: „Il latte è sicuro”  (hätte es jemand anders gesagt als die EU-Kommission, dass die Milch sicher ist, wären wir beruhigt). Ma il governo chiede nuovi accertamenti. (p. 1)  Psicosi da Mucca pazza ma il governo rassicura. Le mani dell´ecomafia sulle bestie da smaltire. (p. 2) Aria di rivolta (Achtung auf den von den Sehern angekündigten Bürgerkrieg in Italien) nella terra delle bisteche. Pesce, agnello, pasta, legumi. Casa Italia cambia il menù. (p. 5, la Repubblica, roma, 16.1.2001) Carne, le vendite sono ai minimi storici. (Corriere della Sera, Milano, 16.21.2001, p. 5) dpa-Kommentator Peer Meinert treffend zur BSE-Krise in Italien: “Das vermeintliche Gefühl der Sicherheit, räumen Experten jetzt ein, basierte auf der simplen Tatsache, dass es so gut wie keine BSE-Tests gab. (D 16.1.2001, S. 1)

BSE: Gnade uns Gott, wenn auch noch die Milch Todesprionen enthalten sollte

EU-Bevölkerung gefährdet. In Italien ist der erste BSE-Fall bekannt geworden (RAI, 14.1.2001) , pünktlich nach Aufhebung des Embargos gegen französisches Rindfleisch, wie es die EU gefordert hatte, und zwar mit der idiotischen Begründung: BSE kenne keine Grenzen, daher müsse der Rindwahn auch EU-weit bekämpft werden. (D 13./14.1.2001) BSE hat sich ja gerade wegen des „Handels ohne Grenzen“ in Europa verbreitet. Wäre es den Briten verboten worden, Rinder und Rindfleisch zu exportieren, müssten viele Millionen Bauern in den europäischen Länder heute nicht um ihre Existenz zittern. Aber die einzigen, die nicht um ihre Existenz zittern müssen, sind die EU-Kommissare, die den freien Handel trotz der Gefahr für die Gesundheit der EU-Bevölkerung durchgeboxt haben und kurioserweise jetzt noch verlangen, dass nur sie etwas gegen BSE unternehmen dürfen und die Nationalstaaten und Regionen Extramaßnahmen gefälligst zu unterlassen haben. Crazy Europe!

Massentötung gesunder Rinder. Allein in Deutschland Vernichtung von 400.000 Rindern. Die EU-Kommission plant nach Angaben von Naturschützern im Zuge der BSE-Krise die Verbrennung von zwei Millionen Rindern im Alter von über 30 Monaten. Grund sei die schlechte Marktlage für Rindfleisch. Die Verbrennung sei billiger als die Tiere zu töten, zu untersuchen und das Fleisch einzulagern. Diese vom Bund für Umwelt und Naturschutz verbreitete Darstellung wurde von der EU-Kommission dementiert (D 13.1.2001), ist aber wohl trotzdem wahr. Dazu der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel:

„Das Vorhaben, gesunde Tiere aus Steuermitteln aufzukaufen, zu töten und zu verbrennen, illustriert die Perversion der industriellen Landwirtschaft.“

Der einzige Ausweg: Zurück zum bäuerlichen Kleinbetrieb mit Bio-Landwirtschaft: Gemüse, Getreide, Obst - und etwas Vieh, wenn es sein muß! Absatz in der eigenen Region. Exporte und Importe auf ein Mindestmaß reduzieren. Übernahme des Gandhi-Konzepts von der Selbstversorgung eines Landes. Mehr über Gandhi demnächst.

Daß Tiere beim Schlachten Schmerz empfinden, ist dem schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson klar geworden. (D 9.1.2001) So hat auch die BSE-Krise ihr Gutes.

Existenzangst am Fleischgroßmarkt Wien. BSE: 2 vor 12. (D 9.1.2001) Wie soll das erst werden, wenn auch bei Schweinen, Schafen, Ziegen usw. BSE entdeckt wird? Da bleibt nichts übrig als zurück zum Gemüseanbau. Aber bitte nicht mit tierischemKot oder Blutmehl (wie gewisse Bio-Richtungen) düngen, sonst kriegen wir wieder Creutzfeldt-Jakob.

Engländer haben BSE exportiert. Der französische Landwirtschaftsminister Jean Glavany: „Es sind unsere englischen Freunde, die dieses Übel (fleischhaltiges Tierfutter) exportiert haben. ... sie haben sich selbst den Luxus erlaubt, die Verwendung dieses Futters bei ihnen zu verbieten und dessen Ausfuhr zu erlauben.“ – Saudi-Arabien verbot die Einfuhr von Rind- und Hammelfleisch aus der EU (bisher zwei Drittel seines Bedarfs, 1999: 100.000 Tonnen). (Anm.: wenigstens ein Trost, dann bleibt den europäischen Kühen das grausame Schächten erspart.) Die deutsche Grünenchefin Renate Künast: „BSE ist das Tschernobyl der Landwirtschaft“. (D 8.1.2001)

Mucca pazza colpisce i piatti poveri. Addio trippa. Introdotto la direttiva Ue, l´intestino nella lista nera. Stretta sui farmaci. (Corriere della Sera, Milano, 6.1.2001, p. 15)

Wild darf nicht mehr mit Tiermehl gefüttert werden. (D 5.1.2001) Da erfährt man so nebenbei, was alles hinter den Kulissen vor sich geht!

Verbraucher beginnen umzudenken. Vegetarier auf Vormarsch. Manfred Heuser von der Centralen Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) sagte, der Rindfleischmarkt in Deutschland sei total zusammengebrochen. (D 4.1.2001) So hat alles auch sein Gutes!

Ein Trost: Für Haustiere wird nur gesundes Fleisch verwendet, also kein Risikomaterial wie Tiermehl oder Separatorenfleisch. Jedenfalls behauptet dies die Tierfutterindustrie. (D 4.1.2001)

Operationsfäden aus Rinderdarm (Katgut) sind in Frankreich und Österreich bereits verboten. Schließlich gibt es als Alternative synthetische Operationsfäden. (D 4.1.2001)

Auch Schweine könnten mit BSE infiziert sein. Das deutsche Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin schließt diese Möglichkeit nicht aus. (D 4.1.2001, S. 1) Wenn bisher nichts gefunden wurde, liegt dies eventuell daran, dass erstens Schweine und Geflügel jung geschlachtet werden, dass sich die Krankheit also nicht soweit entwickeln kann, dass man sie nachweisen kann (die Infektion besteht aber trotzdem, es ist wie bei den Aidsinfizierten) und dass zweitens alle Veterinäre mit der Untersuchung von Rindern beschäftigt sind und für die anderen Tierarten derzeit keine Zeit erübrigen.

Die EU hat das Tiermehl-Verfütterungsverbot aufgeweicht, das in Deutschland seit 1994 gegolten hatte, und Geflügel-, Fisch- und Blutmehl zugelassen. Dies teilte das bayerische Landwirtschaftsministerium mit. (D 3.1.2001)

Noch ein paar vermischte BSE-Meldungen 12/2000 – 1/2001, die meistens übersehen wurden:
Sportlerkraftnahrung besteht zum Teil aus Schlachthausabfällen.
Verbrannte Prionen sind möglicherweise noch gefährlich auf Deponien und als Baumaterial usw.
Der totale Wahnsinn: ein Journalist erdreistete sich zu schreiben, die EU-Kommission sei die Speerspitze im Kampf gegen den Rinderwahnsinn. Dazu fällt uns wirklich nur Gustav Freytags „Schmock“ aus dem Lustspiel „Die Journalisten“  ein.

Beim Öko-Fleisch geringeres Risiko. Nur hofeigenes Futter ist sicher. Weg von den Agrarfabriken. (D 1.12.2001)

Erreger kann auch in Böden lauern. Horrorszenario: Wenn krankhafte Prionen als Dünger auf Wiesen und Weiden kommen. Sie geraten dann über Pflanzen in die Nahrungskette des Menschen. Was ist mit Hühnern, die Würmer aus BSE-verseuchten Böden aufpicken? (D 30.11.2001)

Wohin mit dem „braunen Gold“? Gesetz läßt sofortige Verbrennung nicht zu. Biodiesel. Verheizen in Zementkraftwerken. (D 30.11.20019

Milch ist sicher. Dies erklärt die Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel. (D 30. 11.2001)

88 Briten sind an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben. 177.000 BSE-Fälle wurden an Tieren registriert. (D 30.11.2000)

Der Durchschnitts-CJD-Patient der neuen Variante ist um die 30. Sein Siechtum erstreckt sich über 14 Monate: Angstzustände, Depressionen, Psychosen, völliger geistiger Verfall (Demenz). Zuckungen. Ähnliche Krankheiten sind Kuru (Lachender Tod) bei den Menschenfressern auf Neu-Guinea, das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSSS) und die Familiäre fatale Insomnie. (D 29.12.2000)

Als Kälberfutter benutzte Milchaustauscher mit Gelatine geraten neben dem Tiermehl zunehmend ins Visier der BSE-Fahnder. (D 29.12.2000)

BSE-Boykottwelle gegen deutsches Fleisch in der EU. (Welt am Sonntag, 24.12.2000, Seite 1; dazu als Antwort – wenn es ums Geschäft geht, darf selbst ein Springer-Blatt ein bißchen deutschnationalistisch sein - eine beigelegte Sonderveröffentlichung: )  Warum Fleisch aus Deutschland sicher ist. Bei Fleisch auf deutsche Qualität setzen. Muskelfleisch vom Rind gilt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft als nicht infektiös.

Wie gefährlich Tiermehl ist, ersieht man aus der Sorge des WHO-Experten Francois Meslin vor der Verbrennung. Die Asche könnte nämlich in das Grundwasser gelangen oder von anderen Tieren gefressen werden. Der BSE-Erreger überlebt selbst sehr hohe Temperaturen. (D 23.12.2000)

Ursache des Rinderwahnsinns und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind kleine, krankhaft veränderte Eiweiße = Prionen. Diese verändern andere Eiweiße, mit denen sie in Berührung kommen, und es gibt eine Kettenreaktion. Sobald das zentrale Nervensystem befallen wird, entstehen im Gehirn schwammartige Löcher. (D 23.12.2000) 

Tierärztin Margrit Herbst mundtot gemacht. BSE-Fleisch offenbar seit Jahren im Handel.  Die deutsche Veterinärmedizinerin hatte schon vor sechs Jahren erklärt, dass BSE mit CJD in Zusammenhang steht. Daraufhin wurde sie vom zweitgrößten Schlachtkonzern Europas, der Norddeutschen Fleischzentrale in Bad Bramstedt (Schleswig/Holstein) ans Schlachtband versetzt und schließlich fristlos entlassen. (D 23.12.2000)

Schweinefleisch ist für Löwen und Tiger tabu, denn es könnte für Raubkatzen gefährliche Erreger enthalten. (D 22.12.2000) Sensationell! Also im Schweinefleisch ist etwas, was nicht gesund ist! Warum sagt das niemand? Aber halt, freilich hat es jemand gesagt. Wir haben es nicht bei der Hand, aber wenn wir uns nicht irren, war es vor vielleicht drei oder zwei Jahrzehnten Dr. Diethelm oder Dietfried Schönemann in seiner Zeitschrift NOI. (Kleines Eingeständnis: Was nützt uns das gute Langzeitgedächtnis in Sachen Gesundheit, wenn das Kurzzeitgedächtnis erschreckend nachlässt?)Und außerdem erinnern wir uns an die Sitte der Juden und Moslems, auf Schweinefleisch zu verzichten, weil es unrein ist. Das wird schon seinen Grund haben. Aber alle stürzen sich auf Schweinefleisch, und sogar das bei Kind und Kegel so beliebte Wiener Schnitzel, welches doch vom Kalb stammen müsste, ist heute oft ein schweinernes. Übrigens sind auch Hauskatzen infizierbar (23.12.2000), Hunde angeblich aber nicht.

Andrea Fischer (Grüne) ignorierte Warnung vor BSE-Wurst. Bundesanstalt für Fleischforschung: Gesundheitsministerin vor einer Woche auf Risiko hingewiesen. (Die Welt, 22.12.2000, S. 1)

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Tod binnen weniger Monate. Erste Symptome: Gedächtnislücken, Leseschwächen, Orientierungsverlust. Nervenzellen im Gehirn gehen zugrunde. Muskelkrämpfe im Todeskampf können von Ärzten gelindert werden. (D 4.12.2000, Seite 2)

Womit Kälber füttern? Vielen Bauern droht der Ruin. Ersatzfutter für Tiermehl fehlt. (D 4.12.2000)

Il grande inganno dei test sulla mucca pazza. L´Europa cancella la carne di manzo. (Il Giornale, Milano, 30.11.2000, p. 1)
Der große Betrug beim BSE-Test.

BSE-Krise: EU will Millionen Rinder vernichten. Auf Mitgliedsstaaten kommen Milliardenkosten zu. (Die Welt, 30.11.2000, Seite 1). Das ist ja noch das wenigste: Wenn die Viehwirtschaft zusammenbricht, werden viele Bauern und Metzger arbeitslos, der Staat bekommt weniger Steuern, die EU muß neue Wege suchen, ihre Subventionen an die richtigen Leute zu bringen usw. – eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen.

Fleischmarkt bricht zusammen. Konsum geht um 70 Prozent zurück. BSE-Krise schockt Verbraucher. (Die Welt 28.11.2000, Seite 1)

Keine Eilverordnung gegen Tiermehl. Wirtschaftsminister Funke (seinen Vornamen und die anderer kennt die Redaktion anscheinend nicht, wir übrigens auch nicht): „Gefahr im Verzug nicht belegbar.“ (Frankfurter Allgemeine, 28.11.2000) Mit Weitblick war dieser verantwortliche Politiker leider nicht gesegnet. Nicht einmal einen Monat später waren schon mehrere BSE-Fälle in Deutschland bekannt.

Scoperti a Torino animali nutriti con farine proibite. Allarme mucca pazza.  La Cassazione: assoluzione per chi occulta i controlli. (la Repubblica 28.11.2000, p. 10)

Auch Schweine und andere Tiere können an BSE erkranken. (der Veterinärmediziner Ernst Lücker, Leipzig, D 25.11.2000)

Verseuchtes Tiermehl gilt als Ursache für BSE bei Rindern. (D 25.11.2000)

Künftig soll es keine nationalen Alleingänge bei der Bekämpfung von BSE geben. EU-Landwirtschaftsminister ziehen an einem Strang. (D 22.11.2000) Die EU tut zu wenig gegen die von ihr selbst, wenn auch nicht absichtlich verbreitete Rinderseuche (Brüsseler Verbot des Einfuhrstopps für britische Rinder bzw. Rindfleisch), und die einzelnen Länder dürfen ihre Bevölkerung nicht mehr durch Sondermaßnahmen schützen! Alle schlucken alles, im Sinn des Wortes. Hauptsache, die EU-Euphorie hält an und das Schimpfen auf die ach so bösen und engstirnigen Nationalstaaten.

Prionen für BSE = Rinderwahnsinn verantwortlich. Ausgelöst wird die schwammartige Gehirnschädigung des Rindes (Bovine Spongiforme Enzephalopathie/BSE)  durch krankhaft veränderte Eiweiße = Prionen = Prion-Proteine. Diese zwingen gesunden Prion-Proteinen ihre veränderte Bauweise auf und vermehren sich so. Bei Rindern beträgt die Inkubationszeit 2,5 bis acht Jahre. Der erste Fall trat 1985 in der englischen Grafschaft Kent auf. (D 22.11.2000 APA/dpa)

Mucca pazza, divieti a scuola. Cresce la paura, la Ue ordina controlli su tutti i bovini adulti. (la Repubblica, Roma, 14.11.2000, p. 1)

"L´hamburger non è da cattolici". "Avvenire" contro i fast-food."L´avanza del fast food - spiega il teologo Massimo Salani - è la completa dimenticanza della sacralità del cibo. Nei McDonald´s si cerca il pasto veloce, si soddisfa la fame il più in fretta possibile per poi dedicarsi ad altro". Salani indica un altro padre per l´agnostico hamburger: Lutero, l´eretico tedesco: Conosco bene la società americana - racconta -, il rapporto individualistico tra l´uomo e Dio, instaurato da Lutero, si riflette anche sul modo di mangiare". Michael Cohen, direttore generale di Burger King (dove si mangiano hamburger) e di Spizzico (per chi preferisce la pizza), legge l´intervista perplesso: non se l´aspettava una condanna dalla Chiesa. (Corriere della Sera, Milano, 9.11.2000, p. 20)

"Fastfood ist nicht katholisch". Der Theologiedozent Massimo Salani verdammt Hamburger und gibt Luther die Schuld. Fastfood sei Ausdruck "einer individualistischen Beziehung zwischen Mensch und Gott, die auf Luther zurückgeht". (Dolomiten, Bozen, 10.11.2000)

Neben Rindern könnten auch Schafe, Schweine, Hühner und andere Tiere, die verseuchtes Kraftfutter oder Tiermehl bekommen haben, BSE-Erreger auf den Menschen übertragen. (D 3.11.2000)

Belgisches Futter mit Dioxin: EU fürchtet um Geflügelmarkt. (1.6.1999) Aber auch Schweine und Rinder wurden mit Dioxin

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