ETIKA

APOKALYPSE

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8.8.1997

90A5

Hölle auf Erden - Der Antichrist

 

Überwindet!

Francisco schritt mit seinem Gefährten auf schmalem Waldpfad bergauf. Es war im Februar 1996. Die beiden Freunde hatten die Millionenstadt Barcelona mit den Autonarren auf der verstopften achtspurigen Diagonale hinter sich gelassen. Auf dem Montseny, dem heiligen Berg der Katalanen, atmeten sie nun die Freiheit. Die Welt mit ihren Sorgen und Greueltaten verschwand im Dunst.

Die beiden sahen nur den Wald, die Vögel, den Himmel und die Sonne. Ihr Denken war klar, und an diesem seligen Tag schenkte ihnen der Herr die Gnade einer tiefen Einsicht in die Zusammenhänge von Ordnung und Zerstörung, Leiden und Erlösung.

Gerónimos Lungen füllten sich mit der reinen Bergluft, und vom Asthma, das ihn in letzter Zeit Tag und Nacht gequält hatte, spürte er nichts mehr.

"Die letzten Tage waren die Hölle für mich, dieses Tiefdruckgebiet mit dem vielen Regen...", seufzte er.

 

"Die Hölle", sagte Francisco zu seinem Freund, "die Hölle ist etwas ganz anderes. Höre:

Du erinnerst dich an die Bildstöcke in Tirol mit dem heiligen Sebastian, der von Pfeilen durchbohrt wird. Wisse, daß dieser zu Tode gefolterte Soldat die wirkliche Hölle nicht erlebt hat.

Du kennst auch die Geschichte der 14jährigen Eulalia, die im Jahre 304 in Barcelona zum Statthalter Dacianus ging und ihn aufforderte, seine Grausamkeiten gegen die Christen zu beenden. Daraufhin hatte der Machthaber den Leib des zarten Mädchens mit Geißeln zerfleischen lassen. Eulalia wurde mit Fackeln gesengt, mit Haken zerrissen, mit geschmolzenem Blei begossen, die Henkersknechte gossen Essig in ihre Wunden und brannten ihre Augen aus. Ich sage dir, daß diese heilige Jungfrau von der wirklichen Hölle wenig weiß.

Denn sie ist freiwillig, mit unvergleichlichem Mut in die Höhle des Löwen gegangen, war erfüllt von Gottes Auftrag, und ihre Grundstimmung erlaubte ihr, das Schlimmste zu ertragen. ,Schlagt nur, solange ihr wollt, ich empfinde eure Streiche nicht, Gott ist mit mir, Gott stärkt mich.’ Ihr war bewußt, daß dieses Leiden vorübergehen würde, und sie sagte es ihren Peinigern ins Gesicht: ,Die Macht der Menschen währet nur eine kurze Zeit, so wie der Mensch heute ist und morgen stirbt. Aber die Macht Jesu Christi, unseres Herrn, nimmt nie ein Ende, sie dauert ewig, wie Er selbst ewig ist!’

 

Wenn wir diese Grundstimmung haben, Gerónimo, dann ertragen wir hier auf Erden alles, was kommt. Nur eines ist nicht zu ertragen: die eigene Sünde. Denn etwas in uns ahnt die unheimliche Gefahr, die mit der Sünde verbunden ist: daß wir mit einer bösen Tat vielleicht unser Schicksal festlegen in alle Ewigkeit.

Deshalb pocht doch Gott, der gute Vater, unablässig an unser Herz, schickt uns seine Boten, um uns vor dem Verhängnisvollen zu warnen. Selbst jenen, die zutiefst ins Böse verstrickt sind, gibt er bis zu ihrem letzten Atemzug die Chance umzukehren. Umkehr heißt nicht nur Reue und Buße, sondern ist hier wörtlich zu nehmen: Der Sünder ist nämlich auf dem Weg zum Ort des Verderbens, steht am Abgrund, und wenn sein Wille, sein Trotz nicht vom eigenen Gewissen gebrochen wird, dann ist der Sturz in die Finsternis nicht zu verhindern.

 

Notorische Sünder tun das Böse, wollen das Böse und verdammen sich selbst dazu, vom Bösen nie ablassen zu können. Denn das Böse, an dem sie hängen, begleitet sie, und wenn sie sich hier auf Erden an all die Schlüpfrigkeiten und schmutzigen Genüsse gewöhnt haben, so gehen diese in ihr Fleisch und Blut über, und sie denken in alle Ewigkeit nicht daran, sich von ihren liebsten Gefährten zu trennen.

 

Wer hier auf Erden Gottes Rufe und Gebote verschmäht und stattdessen seine Zeit und Lebenskraft den Götzen Egoismus, Sex und Mammon opfert, wird von diesen Süchten nicht mehr loskommen, in der Hölle schon gar nicht. Denn ihre Werke folgen ihnen nach, heißt es, und diese Gottlosen sind eingetaucht in all das Schandbare, das sie mit ihrem freien Willen hier zu Lebzeiten gewählt haben.

Ausschweifung, Pornographie, Prostitution, Sadismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Not des Nächsten und Grausamkeit kennzeichnen hier oben auf der Erde wie vielleicht unten in ihrem kochenden Innern die Gottesferne, wenn auch in teilweise anderen Formen.

 

Hier wollen sie nicht davon lassen, unten können sie nicht davon lassen.

Denn wo anders als in der Hölle sollten all diese Abarten des Bösen versammelt sein? Freilich gekoppelt mit der Strafe, einer mehrfachen Strafe:

  1. dem Entzug, wie es Jesus von dem reichen Geizhals erzählt, der den armen Lazarus vergebens um einen Tropfen Wasser anfleht;
  2. damit, daß der Täter in die Rolle des Opfers schlüpft, möglicherweise unendliche Male, und gerechterweise all dessen Qual selbst empfinden muß, was natürlich auch für die Tierquäler gilt;
  3. den Unannehmlichkeiten, die mit dem Ort, an dem er sich befindet, verbunden sind, wie Finsternis, Hitze, Gestank, Ungeziefer usw.;
  4. den Quälereien der Dämonen;
  5. dem Wurm des Gewissens, der unaufhörlich im Inneren bohrt und bohrt;
  6. der Gottesferne, das heißt dem ewigen Entferntsein vom Vater, von allem Guten, von der Liebe, von Freunden."

 

"Aber Gott ist die Liebe und er straft niemand,

hört man heute oft aus religiösen Kreisen", warf Gerónimo ein.

"Nein, guter Gerónimo", fuhr Francisco fort, "die Theorie, daß Gott nur Liebe sei und folglich nicht zulassen könne, daß jemand für eine kurze Zeit der Sünde ewig gepeinigt wird, ist unbiblisch und unlogisch.

Denn jene, die alles Gute über Bord geworfen haben, wollen es selbst so, weil ihnen das Böse, das sie hier vollbringen, zur neuen, zur zweiten Natur wird. Deshalb schmähen sie Gott und sich selbst und alle, die sie nicht gewarnt haben, und ihre nunmehrigen Begleiter, die scheußlichen Dämonenfratzen.

Daß Gott mit den von ihm Abgefallenen, ihn ununterbrochen Schmähenden Erbarmen haben muß, ist dummes Geschwätz moderner Theologen und ihrer ahnungslosen Opfer. Denn die Bösen, Kinder des Teufels, weisen ja gerade jetzt und morgen und bis an ihr Lebensende und danach die Barmherzigkeit Gottes bewußt von sich.

 

Wie es im Höllenfeuer zugeht, darüber haben genügend Heilige und Seherinnen berichtet. Denke nur an die Vision der heiligen Theresia von Avila von dem engen, dunklen, stickigen Verlies, in dem sie sich nicht einmal richtig rühren konnte.

 

Schlimmer als die Hölle

Daß es aber auch hier auf Erden eine Hölle gibt, eine, die die Schrecken des wirklichen Hades sogar übertrifft, das will ich dir nun schildern. Da sind einmal die Millionen von unschuldigen Mädchen und Jungen, die von Vätern, Verwandten oder Fremden sexuell mißbraucht werden und deswegen den Glauben an das Gute, an die Liebe, an Gott verlieren und die Hoffnung aufgeben, einmal eine Familie gründen zu können, was sie zu Entwurzelten macht. Dies habe ich in meinem Buch "Kinder retten die Welt" ja ausführlich beschrieben.

Es gibt aber noch eine ebenso schlimme Hölle, die alles Erträgliche weit übertrifft: die Hölle derer, die in den Hallen der Verzweiflung herumirren und schier den Verstand verlieren,

weil sie um ihre Lieben fürchten."

 

Inzwischen waren die Freude unterhalb eines verfallenen Klosters angekommen, das auf unerklärliche Weise hier am Hang des Montseny gebaut worden war, denn es gab keinerlei Fahrweg, nur einen schmalen Fußpfad. Ebenfalls aus unerklärlichem Grunde war es aufgelassen worden. Aber anders als ein Kloster, das Francisco ein paar Tage zuvor in den verlassenen Gebirgen Teruels, in der Einöde von Calanda, besucht hatte, war dieses nicht mit häßlichen Sprüchen und den Namen zahlreicher Dummköpfe verunziert, die dieses Naturparadies im Sommer unsicher machen.

Gerónimo hatte der Schilderung seines Freundes mit gemischten Gefühlen gelauscht Viele Einzelheiten, die Francisco zu erzählen wußte, erschütterten ihn. Aber er wußte, daß Francisco diese Fragen gründlich studiert hatte und daß er bewußt nie etwas Unwahres sagte.

"Stell dir vor", fuhr dieser nun fort, "was ein bisher biederer Ehemann empfindet, der kein schlechter Mensch ist, der aber von Kollegen bei einem Betriebs- oder Vereinsausflug mit in ein Nachtlokal genommen wurde.

Es gibt so viele Arten, wie man sich heute anstecken kann. Er braucht nicht einmal mit einer Bardame ,intim geworden’ zu sein, nein, es ist nicht nur theoretisch denkbar, daß er an der Bar sitzt und einer jener Damen ein Getränk spendiert, daß die Gläser verwechselt werden und er unversehens aus dem Glas der Dame trinkt. Diese stammt — heutzutage keine Seltenheit — aus einem exotischen Land, ist wie die meisten ihres Gewerbes aidsinfiziert, ihr Speichel klebt am Glasrand, und der Mann hat zufällig Zahnfleischbluten oder einen winzigen Riß in der Mundschleimhaut.

Wie dem auch sei, ob mehr oder weniger schuldig, nach einiger Zeit fühlt er ein seltsames Fieber in sich aufsteigen, hat nachts Schweißausbrüche, die Lymphknoten schwellen an. Voller Scham geht er zum Arzt, und dieser ordnet einen Aids- oder Syphilistest an. Male dir die Verzweiflung dieses Mannes aus, der seine Frau und Kinder gern hat. Auf einmal schwebt ein Schwert über ihm: über seinem Leben, seinem Beruf, seiner Familie.

Er liest immer mehr über diese teuflischen Krankheiten, spürt, wie die in den Büchern beschriebenen Symptome auf ihn zutreffen, ahnt den beginnenden Verfall seiner Existenz. Schleichend, aber unabänderlich nahen sich ihm Siechtum und Tod, so denkt er.

Dann die Angst vor dem Ergebnis der Blutuntersuchung, der Gang zur Klinik, alles heimlich, niemand darf etwas wissen. Mit seiner Not ist er allein, nicht einmal seinem besten Freund macht er eine Andeutung.

Aber nicht sein eigenes Schicksal ist es, was ihn zentnerschwer drückt und ihm den Angstschweiß aus den Poren treibt. Nein, es ist die Angst vor der Entdeckung, daß seine Frau die Wahrheit herausfindet. Was wird sie tun? Wird sie ihn verlassen, verstoßen? Wie werden seine Eltern reagieren auf die Nachricht von der Schande?

Aber noch viel, viel schlimmer ist die Angst um seine Frau und die Kinder. Er hat sie doch so lieb, und nun soll einer ,Dummheit’ wegen alles vorbei sein?

 

Was ist, wenn er sie ansteckt mit diesem unheilvollen Virus,

über ein Handtuch, auf der Toilette, über ein Trinkglas, eine gemeinsam benutzte Tasse? Sorgsam vermeidet er nun jede Berührungsmöglichkeit.

Seine Familie wundert sich über seine unverständlichen Warnungen, nimmt ihm seine Worte übel, denn sie ahnt ja nichts. Er selbst ist nahe daran, in Hysterie zu verfallen, wenn er sieht, wie leichtfertig seine Nächsten (ja, jetzt sind sie ihm nah, damals waren sie ihm fern, er hatte sie vergessen) alle Hygienevorschriften mißachten.

Wenn seine Kinder am Sonntagvormittag zu ihm ins Bett kriechen wie bisher, zittert er und steht unter einem Vorwand auf. Wenn seine Frau sein Badehandtuch zum Abtrocknen eines Kindes benutzt, schreit er sie an, und sie schreit zurück. Wenn ein Kind den Löffel seinem Suppenteller nähert, um zu probieren, stößt er ihn brüsk weg.

Dies ist keine Theorie, dies ist bittere Wirklichkeit. Nicht nur in eine Familie, in viele Tausende ist diese Furcht vor dem schleichenden Tod eingezogen. Die immer häufigeren Nachrichten über den unaufhaltsamen Vormarsch der Mikroben und das Fehlen von Gegenmitteln oder die schwindende Kraft vieler Arzneimittel (Antibiotika) tun ein übriges.

Und wenn dann die Blutprobe ,positiv’ ausfällt, das heißt negativ? Das Elend ist nicht mehr auszumalen. Die Seele wird von Panik erfaßt, nackter Horror herrscht. Kurzschlußhandlungen sind häufig. Ein hoher Prozentsatz derartiger Situationen verbirgt sich hinter den Familientragödien, die tagtäglich gemeldet werden. Arme Mörder, arme Selbstmörder, arme Opfer... "

 

"Entsetzlich, eine Apokalypse im Kleinen",

pflichtete ihm Gerónimo bei.

"Ja, die Apokalypse. Unser Freund, der Kurat von ..., hat mir ein Büchlein von Kardinal Newman über den Antichrist geliehen, und darin findet sich ein Gedanke, der mir an dieser Stelle passend erscheint: Newman zählt zuerst die Arten der Verfolgung der frühen Christen auf:

Sie wurden, wie Paulus im Hebräerbrief schreibt, gequält, ausgepeitscht, gesteinigt, zerhackt, zerstochen, durchs Schwert getötet, man legte ihnen rotglühende Eisenplatten auf die zartesten Stellen ihres Körpers, sie wurden vor wilde Tiere geworfen, von ihnen zerrissen, Henkersknechte geißelten sie und schnitten ihnen ihre Gliedmaßen ab.

 

Dies waren die ersten Verfolgungen, beispielsweise unter dem römischen Kaiser Julian Apostata. Aber die letzte, so schreibt John Henry Newman 1838, wird schauerlicher und wütender sein als irgendeine der früheren."

 

"Wie soll ein Christ von heute imstand sein, noch Schrecklicheres auszuhalten?"

fragte Gerónimo.

"Das Ganze ist unvorstellbar, aber wahr, denn Jesus selbst sagt, es wird eine Zeit der Trübsal sein wie nie zuvor. Doch um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. Die Rede ist von den dreieinhalb Jahren Herrschaft des Antichrist. Ich habe mir diese Stelle abgeschrieben und kann sie dir vorlesen, denn sie ermutigt uns, trotz allem Unheil, das prophezeit ist, durchzuhalten und auf Gottes Hilfe zu hoffen.

Newman zitiert zunächst den Kirchenvater Cyrillus (Katechesen, 15, 16f.): ,Bereite dich deshalb vor, o Mensch, du hörst von den Zeichen des Antichrist, erinnere dich nicht bloß an sie, sondern teile sie deiner Umgebung mit. Wenn du ein Kind hast nach dem Fleisch, zögere nicht, es zu unterrichten. Wenn du ein Lehrer bist, bereite auch deine geistlichen Kinder vor, damit sie nicht das Falsche für das Wahre nehmen, ,denn das Geheimnis des Bösen arbeitet schon jetzt’. Ich fürchte die Kriege der Völker. Ich fürchte die Spaltungen unter den Christen. Ich fürchte den Haß unter Brüdern.’

Newman meinte ebenfalls, es sei sicherlich von Nutzen, über die letzte Verfolgung nachzudenken, ,wiewohl wir uns im einzelnen sehr irren mögen’. Und nun kommt der Satz, Gerónimo, auf den ich meine Hoffnung setze:

 

,Beispielsweise handelt es sich vielleicht schließlich nicht um eine Verfolgung in Blut und Tod, sondern nur in List und subtiler Tücke

— nicht in Wundern, sondern in natürlichen Taten und Kräften menschlicher Kunst, in menschlichen Errungenschaften in den Händen des Teufels.’ Soweit Newman.

Und siehst du, lieber Freund, haben wir nicht selbst oft gesagt, wenn uns die schlechten Nachrichten überwältigt haben, daß dies oder jenes apokalyptisch sei?

Denk an den letzten Satz Newmans. Ist nicht die Atombombe etwas Apokalyptisches, da mit ihr die ganze Menschheit vernichtet werden könnte, oder das von uns erzeugte Ozonloch, das uns alle an Hautkrebs sterben lassen und blind machen könnte, oder der Treibhauseffekt, der die Temperaturen unerträglich machen und alles verdorren lassen könnte, oder die Vergiftung der Luft durch Autos und Flugzeuge, die Verseuchung der Flüsse, Meere und des Grundwassers? Enthalten unsere Lebensmittel nicht immer mehr Schadstoffe, sind wir nicht den Röntgenstrahlen der Computer und elektromagnetischen Feldern ausgesetzt und können ihnen nicht ausweichen?

Ja, sterben nicht täglich fast 40.000 Kinder vor Entbehrung, geht nicht ein Viertel oder Fünftel der Menschheit langsam und elend zugrunde, weil die reichen Brüder und Schwestern nicht mit den Verhungernden und Verdurstenden teilen wollen?

Die Armen wissen doch bereits, was die Apokalypse ist, für sie geht die Welt schon heute unter."

"Dies ist der physische Tod", spann Gerónimo den Gedanken fort. "Aber ist es bei uns besser als in der Dritten Welt? Es gibt Schlimmeres als Armut. Wer kann hier schon ein gutes Gewissen haben? Wir in den ,zivilisierten’ Ländern leben von den Waffen, die wir exportieren, darunter die abscheulichen Minen, die viele Millionen Menschen getötet und verstümmelt haben und täglich neue Schmerzen, neue Trauer bringen."

"Und Straßenkinder werden umgebracht, damit wohlhabende Amerikaner und Europäer ihre Nieren und Augen bekommen", fuhr Francisco fort. "Immer mehr Kinder verschwinden spurlos, sogar in Europa. Die einen werden zu Bettlern oder Sklaven gemacht, andere werden in Bordelle oder Harems verschleppt, manche werden bei schwarzen Messen geopfert. Geiselnehmer und Amokläufer schrecken vor Kindern nicht zurück. Die Not der Kinder, aber auch vieler Väter und Mütter schreit zum Himmel."

"Die Gesellschaft jedoch hat sich an die Grausamkeiten gewöhnt", stellte Gerónimo lapidar fest.

"Sie toleriert alles:

auch die furchtbaren Qualen, die wahnsinnige Forscher Millionen Versuchstieren zumuten, die Vivisektion, das erbarmungslose Schächten nach jüdischem und moslemischem Ritus und all die anderen Tierquälereien. Man könnte aus der Haut fahren.

Aber die Gesellschaft will nichts wissen von Moral und Ethik, Barmherzigkeit und Gottes Geboten. Sie schaufelt sich ihr eigenes Grab. Sie sieht zu, wie immer mehr Verbrecher durch die Lande streifen, viele getarnt als Flüchtlinge.

Im Zeichen freimaurerischer Toleranz betreiben die der Öffentlichkeit unbekannten Hintermänner des Weltgeschehens, nicht wenige Politiker und sogar irregeleitete Kirchenleute die Zerstörung der göttlichen Ordnung nach Völkern und Familien.

Mit dem Schlagwort von einer sogenannten multikulturellen Gesellschaft wollen sie die Kulturen der Völker zerschlagen, ihre Traditionen, die Religion.

Die Multikultur ist in Wirklichkeit Antikultur und Wegbereiterin des Antichristen.

Über das Fernsehen tragen die geheimen Verführer das Böse hinein in jedes Wohnzimmer. Sie mißbrauchen auch die Idee des Minderheitenschutzes und bringen Millionen Moslems nach Europa, um das Christentum zu schwächen. Sie provozieren rassistische Reaktionen, tragen Unsicherheit bis in die Dörfer hinein. Ihr Ziel ist das Chaos, um dann mit dem Einverständnis der Massen die Diktatur errichten zu können."

"Vergiß nicht: Daß wir jetzt diese Einwanderungswellen haben, liegt nicht nur daran, daß sie vielleicht künstlich gesteuert sind, siehe Martelli- und EU-Gesetze", entgegnete Francisco. "Wir haben sie auch selbst verschuldet, weil wir nämlich nicht rechtzeitig mit den Armen in der Dritten Welt geteilt haben.

Noch schlimmer: Parallel zur Auflösung der Völker schreitet der Zerfall der Familien und der Sittlichkeit fort. Wichtige Werte werden vielfach schon in der Schule zerstört, der Glaube wird zerstückelt und verfälscht, die Menschen in die Süchte getrieben und dadurch zu anonymen, leicht manipulierbaren Massenmenschen umerzogen. Das Fernsehen zerstört die Seelen, am schnellsten die der Kinder.

Die Pornographie ist zur Herrin der Welt geworden; sie ähnelt der großen Hure Babylon,

,die Verderben brachte über die Erde mit ihrer Unzucht’ und von deren Becher alle Völker getrunken haben."

"Aber alle Warnungen werden in den Wind geschlagen, leider auch von denen, die es gut meinen", sagte Gerónimo. "Niemand will erkennen, wie ernst die Lage ist. Und bei den Menschen, die anständig geblieben sind, schwört jeder auf das eigene Rezept, will nur seine eigene Gruppe fördern, keiner will etwas vom anderen annehmen. Daß sich alle Guten zusammenschließen, ist nicht mehr als ein frommer Wunsch. Gibt es überhaupt noch Gute? Klingt doch das Wort aus der Bibel so düster: Nicht einen einzigen Gerechten habe ich gefunden..."

"Einen Abfall vom Guten hat es in einem solchen Ausmaß noch nie in der Geschichte der Menschheit gegeben", bekräftigte Francisco, wobei er auch auf die zahlreichen Priester "auf Abwegen" verwies, die mit schuld seien am Glaubensschwund und der sich ausbreitenden moralischen Hemmungslosigkeit.

"Und dieser Abfall, gleicht der nicht dem von Newman angesprochenenen

überaus schauererregenden und unvergleichlichen Ausbruch des Bösen,

der von Paulus Apostasie genannt wird? Kann es denn etwas Böseres, etwas Entsetzlicheres geben als das Leid eines von seinen Eltern vergewaltigten Kindes oder die Verzweiflung des Aidsinfizierten, der um seine Liebsten fürchtet?

Ist nicht das heutige Elend in den Städten, die Massenprostitution armer Frauen und Mädchen eine Schande für das ganze Menschengeschlecht?

Und der Wahnsinn vermessener Genforscher, die innerlich zerrissene Geschöpfe zusammensetzen, wohl bald mehr Monster als Menschen?

Vielleicht stehen wir bereits mitten in dieser Apostasie und wissen es nicht, weil gerade unsere Familien durch Gottes Gnade noch verschont sind von dem Schleier des Bösen, der sich auf die Erde gesenkt hat. Vielleicht sind wir nur blind, um die Offenbarung verstehen zu können, weil wir nämlich zu wenig nach dem Evangelium gelebt haben und gar nicht mehr die Höhen erklimmen können, die Franziskus von Assisi und die Heiligen der Vergangenheit erklommen haben. Wir müssen endlich aufwachen und aufstehen, um nicht schmählich unterzugehen, müssen uns wehren, müssen kämpfen."

"Mit welchen Waffen?" fragte Gerónimo.

"Mit dem Gebet, mit den Sakramenten der Kirche, mit guten Schriften, mit Taten! Es gibt keine stärkere Macht im ganzen Universum als das Gebet, denn es bringt uns die Hilfe des Allmächtigen. Seine Gnade stärkt uns, und Seine Engel kämpfen mit und für uns!

Ich selbst habe angefangen, das Einfache Brevier des Franziskus auswendig zu lernen. In der kommenden Verfolgung des Antichrist werden nicht nur die Gottesdienste verboten, sondern auch christliche Bücher beschlagnahmt werden. Kinder werden ihre gläubigen Eltern den Behörden ausliefern. Aber merke:

Die geistigen Schätze, die wir im Gedächtnis haben, wird uns niemand nehmen können,

nicht das Vaterunser, nicht das unablässige Gebet "Jesus Christus, hilf uns, rett uns!", nicht den Rosenkranz. Gerade die Gebete von Franziskus geben Kraft zum Ausharren in der bösen Zeit. Nimm nur den Lobpreis Gottes, in dem es heißt:

,Du bist der Beschützer. Du bist unser Wächter und Verteidiger.’ Und am Abend betete Franziskus: ,Wenn ich Dich rufe, fliehen meine Feinde. Komm und hilf mir, Herr, Gott meines Heils.

Und daran, lieber Freund glaube ich, daß uns das Gebet auch in der kommenden Verfolgung helfen wird, und daß auch unsere Lieben gerettet werden. Gott wird uns nicht unerhört lassen.

Sein Sohn Jesus Christus würde sonst sein Versprechen nicht halten: ,Um was immer ihr bitten werdet (den Vater) in meinem Namen, das werde ich tun.’ (Johannes 14,13). Gott wird uns helfen, auch wenn er die ganze Welt für eine Zeitlang dem Bösen ausliefert zur Strafe für den begangenen Verrat und Abfall.

Tun wir, was wir können, bereiten wir uns vor auf die Herrschaft jenes furchtbaren Menschen der Sünde, des Gegenspielers Christi. Alles, was wir in diesem Augenblick wissen können, steht in den Büchern der Offenbarung, der Kirchenväter und so weiser Männer wie Alfons von Liguori, Newman, Benson (Der Herr der Welt), Spirago und Solowjew.

Da das Ende nach den meisten Prophezeiungen vor dem Jahr 2000 kommen soll,

müßte der Antichrist schon in den kommenden Monaten aus dem Nichts auftauchen,

spätestens im Juni, sonst wäre die dreieinhalbjährige Zeitspanne nicht einzuhalten. Wenn nicht, dann wird die Welt über das Jahr 2000 hinaus bestehen, und unser Überlebensprogramm ETIKA 2001 hätte noch einen Sinn."

"Was sollen wir tun", fragte Gerónimo.

"Wenn wir uns klar geworden sind, wie eine hoffentlich mögliche Gegen- oder auch nur Überlebensstrategie der Guten aussehen müßte, werden wir unsere Freunde informieren. Aufmerksam werden wir das Geschehen in Nahost verfolgen, denn wenn die Prophezeiungen recht haben, müßte der Antichrist die zerstrittenen Völker der Juden und der Araber miteinander versöhnen (Achtung auf die Hamas, auf Beirut und Damaskus!). Er würde ebenso von den Europäern zu ihrem Präsidenten gewählt und schließlich von allen Staaten, vermutlich über die UNO. Dann würde er seine dreieinhalbjährige Schreckensherrschaft antreten. Jerusalem und Rom werden seine Hauptstädte sein, wenn nicht Rom schon vorher zerstört wird. Wir Christen werden, wenn wir nicht imstande sind, den Tyrannen aufzuhalten und ihm Widerstand zu leisten, uns verbergen müssen."

"Ja, bereiten wir uns vor. Luis und der Kurat und M. und die anderen werden uns helfen", sagte Gerónimo mit Mut und Gottvertrauen.

"Wer ausharrt, wird gerettet. Denn der Antichrist wird die Schlacht verlieren.

Der Erzengel Michael wird ihn bei seiner Himmelfahrt in den höllischen Abgrund schleudern. Die Juden und alle Völker werden sich zu Christus bekehren, eine mehr oder weniger lange Zeit des Friedens wird dem Jüngsten Gericht vorausgehen. Alle werden erkennen, daß die Ideologien, vom Liberalismus über den Kommunismus bis zum Nationalsozialismus, nur Unheil gebracht haben und allein Gott gerecht und gut ist.

Das Gute wird siegen.

Jesus Christus, hilf uns, rett uns!"

 

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