ETIKA

DAS BÖSE

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1.1.2004

90B6

Wie das Böse in die Natur gekommen ist - Der Mensch unterjocht und gefesselt

Katharina Emmerich. -
Wir danken B. M. für den Text.

Der Sündenfall
Aus: Katharina Emmerich - ihr Leben und ihre Visionen, nach Karl Wagner, Wien.
Entnommen den Aufzeichnungen des Clemens von Brentano. Als Manuskript gedruckt 1969.

Seite 58: Ich sah, daß Eva nun Adam mit der Frucht nahte und sie ihm gab... Durch das Genießen der verbotenen Frucht war die Sünde nicht vollendet; aber diese Frucht von dem Baume, der seine Zweige in die Erde sinkt und immer wieder auf solche Weise neue Pflanzen austreibt, die ebenso tun auch nach dem Falle, enthielt den Begriff eigenmächtiger Fortpflanzung, eines sinnlichen von Gott trennenden Einpflanzens in sich. So ging aus ihrem Genusse mit dem Ungehorsame das Trennen der Kreatur von Gott und das Pflanzen in sich und durch sich und die selbstische Begierde in die menschliche Natur. Der in der Nießung in sich aufgenommene Begriff der Frucht hatte als seine Folge die Umkehrung, die Erniedrigung der Natur und die Sünde und den Tod.

Seite 59: Es wurde die Beschneidung als Strafe und Sühne eingesetzt. Wie aus dem Weinstock der erste Zweig geschnitten wird, auf daß der Wein nicht wild, sauer und unfruchtbar werde, so mußte es ähnlich am Menschen geschehen, als er wieder veredelt werden sollte. Als mir einmal die Heilung des Falles in Bildern gezeigt wurde, da sah ich Eva, aus Adams Seite hervorsteigend, schon den Hals nach der verbotenen Frucht hin verlängern
Seite 60: und schnell nach dem Baume hineilen und ihn umfassen.

Ich sah aber in einem Gegenbilde Jesus von der unbefleckten Jungfrau geboren gleich nach dem Kreuze laufen und seinen Stamm umfassen und sah, wie die durch Eva verfinsterte und sich zersplitternde Nachkommenschaft durch das Leiden Christi gereinigt wurde, und daß mit den Schmerzen der Buße die finstere Eigenlust aus dem Fleische herausgearbeitet werden muß. ...

Vor der Sünde waren Adam und Eva ganz anders beschaffen, als wir elende Menschen es jetzt sind. Mit der verbotenen Frucht aber nahmen sie ein Form- und Sachewerden in sich auf, und was geistig war, ward Fleisch, Sache, Werkzeug, Gefäß. Sonst waren sie Eins in Gott; sie wollten sich in Gott; jetzt sind sie getrennt im eigenen Willen, und dieser Eigenwille ist Eigenlust, Sündenlust, Unreinheit. Durch den Genuß der verbotenen Frucht wendete sich der Mensch von seinem Schöpfer, und es war, als nehme er die Schöpfung in sich selber auf. Alle Kräfte und Wirkungen und Eigenschaften und deren Verkehr mit einander und mit der ganzen Natur wurden im Menschen zu körperlichen Sachen von allerlei Gestalten und Verrichtungen.

Zuvor war er aus Gott und der Herr der ganzen Natur; jetzt war in ihm alles zur Natur geworden, er war ein von seinem Diener unterjochter und gefesselter Herr und muß nun mit ihm ringen und kämpfen. Ich kann es nicht recht aussprechen: es war, als hätte der Mensch
Seite 61: den Grund und den Mittelpunkt aller Dinge vorher in Gott gehabt und nun in sich selbst hineingebracht, und das sei nun Meister über ihn geworden.

Der Mensch ist geschaffen, um die Reihen der gefallenen Engel auszufüllen. ... Es ist mir gewiß, daß die Welt nicht eher untergehen wird, bis nicht die Zahl der gefallenen Engel erfüllt und aller Weizen aus der Spreu geerntet sein wird.

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