|
ETIKA |
DAS BÖSE |
www.etika.com |
|
90B6 |
Wie das Böse in die Natur gekommen ist - Der Mensch unterjocht und
gefesselt |
Katharina
Emmerich. - |
Der Sündenfall
Aus: Katharina Emmerich - ihr Leben und ihre Visionen, nach Karl Wagner, Wien.
Entnommen den Aufzeichnungen des Clemens von Brentano. Als Manuskript gedruckt
1969.
Seite
58: Ich sah, daß Eva nun Adam
mit der Frucht nahte und sie ihm gab... Durch das Genießen der verbotenen
Frucht war die Sünde nicht vollendet; aber diese Frucht von dem Baume, der
seine Zweige in die Erde sinkt und immer wieder auf solche Weise neue Pflanzen
austreibt, die ebenso tun auch nach dem Falle, enthielt den Begriff
eigenmächtiger Fortpflanzung, eines sinnlichen von Gott trennenden Einpflanzens
in sich. So ging aus ihrem Genusse mit dem Ungehorsame das Trennen der
Kreatur von Gott und das Pflanzen in sich und durch sich und die selbstische
Begierde in die menschliche Natur. Der in der Nießung in sich aufgenommene
Begriff der Frucht hatte als seine Folge die Umkehrung, die Erniedrigung der
Natur und die Sünde und den Tod.
Seite 59: Es wurde die Beschneidung als Strafe und
Sühne eingesetzt. Wie aus dem Weinstock der erste Zweig geschnitten wird,
auf daß der Wein nicht wild, sauer und unfruchtbar werde, so mußte es ähnlich
am Menschen geschehen, als er wieder veredelt werden sollte. Als mir einmal die
Heilung des Falles in Bildern gezeigt wurde, da sah ich Eva, aus Adams Seite
hervorsteigend, schon den Hals nach der verbotenen Frucht hin verlängern
Seite 60: und schnell nach dem Baume hineilen und ihn umfassen.
Ich sah aber in einem Gegenbilde
Jesus von der unbefleckten Jungfrau geboren gleich nach dem Kreuze laufen und
seinen Stamm umfassen und sah, wie die durch Eva verfinsterte und sich
zersplitternde Nachkommenschaft durch das Leiden Christi gereinigt wurde, und daß
mit den Schmerzen der Buße die finstere Eigenlust aus dem Fleische
herausgearbeitet werden muß. ...
Vor der Sünde waren Adam und Eva
ganz anders beschaffen, als wir elende Menschen es jetzt sind. Mit der
verbotenen Frucht aber nahmen sie ein Form- und Sachewerden in sich auf, und
was geistig war, ward Fleisch, Sache, Werkzeug, Gefäß. Sonst waren sie Eins in
Gott; sie wollten sich in Gott; jetzt sind sie getrennt im eigenen Willen, und dieser Eigenwille ist Eigenlust,
Sündenlust, Unreinheit. Durch den Genuß der verbotenen Frucht wendete sich der
Mensch von seinem Schöpfer, und es war, als nehme er die Schöpfung in sich
selber auf. Alle Kräfte und Wirkungen und Eigenschaften und deren Verkehr mit
einander und mit der ganzen Natur wurden im Menschen zu körperlichen Sachen von
allerlei Gestalten und Verrichtungen.
Zuvor war er aus Gott und der Herr
der ganzen Natur; jetzt war in ihm alles zur Natur geworden, er war ein
von seinem Diener unterjochter und gefesselter Herr und muß nun mit ihm
ringen und kämpfen. Ich kann es nicht recht aussprechen: es war, als hätte der
Mensch
Seite 61: den Grund und den Mittelpunkt aller Dinge vorher in Gott
gehabt und nun in sich selbst hineingebracht, und das sei nun Meister über ihn
geworden.
Der Mensch ist geschaffen, um die
Reihen der gefallenen Engel auszufüllen. ... Es ist mir gewiß, daß die Welt
nicht eher untergehen wird, bis nicht die Zahl der gefallenen Engel erfüllt und
aller Weizen aus der Spreu geerntet sein wird.