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SÜNDE

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Die freiwillige läßliche Sünde

Hl. Teresa von Avila
13.8.2010

Mit Kurzkommentar: Der Unsinn des P. Anselm Grün

Wandle in der Furcht Gottes.

Strenge dich mutig an, bis du fest entschlossen bist,

·       Gott nicht zu beleidigen, lieber tausendmal zu sterben, als eine Todsünde, und auch nie freiwillig eine lässliche Sünde zu begehen.

Ich sage absichtlich freiwillig; denn wer vermöchte zu sagen, dass er nicht deren viele unfreiwillig begehe? Es gibt aber zweierlei freiwillige Sünden:

·       die einen geschehen mit Überlegung,

·       die andern plötzlich, so dass die Sünde begehen und dessen inne werden beinahe eins und dasselbe ist.

Im letztern Falle kann man sagen, man wußte nicht, was man tat. Aber vor jeder mit voller Überlegung begangenen lässlichen Sünde, so klein sie auch immer sein mag, wolle uns der Herr bewahren. Um wie viel größer muss unser Abscheu dagegen werden, wenn wir bedenken, daß keine einzige Beleidigung eines so großen Gottes klein ist, namentlich nicht, wenn man sie mit dem Bewusstsein begeht, dass man unter seinen Augen wandelt. Meiner Ansicht nach heißt eine Sünde mit Vorbedacht begehen, so viel, als zu Gott zu sagen:

„Herr, obwohl ich weiß, dass sie dir missfällt, so tue ich sie dennoch; ich sehe, daß Du es siehst, ich weiß und begreife, dass du es nicht willst, aber ich folge lieber meinen Launen und meinen Lüsten als Deinem Willen.“

Und eine solche Sünde sollte etwas Geringes sein? Ich bin  nicht dieser Ansicht. So klein der Fehler an und für sich auch sein mag, so halte ich ihn doch für eine schwere und eine sehr schwere Schuld. Wünschest du jene Gottesfurcht zu erwerben, so bestrebe dich, die ganze Schwere einer Beleidigung Gottes zu ergründen, und laß diesen Gedanken dir oft gegenwärtig sein. Erwäge dann ferner die Sicherheit und das Glück einer Seele, in welcher die Gottesfurcht Wurzel gefasst hat, Bis dies bei dir der Fall sein wird, musst du stets mit großer Vorsicht vorgehen und die Gesellschaften sowie die Gelegenheiten meiden, welche nicht dazu dienen, dich inniger mit Gott zu vereinen.

Ich gestehe, es ist keine kleine Arbeit, um diese Furcht einzuprägen. Haben wir indes eine wahre Liebe zu Gott, so wird es uns in kurzer Zeit gelingen. Sobald aber eine Seele dieses Gut besitzt und fest entschlossen ist, um keinen Preis Gott zu beleidigen, so kann sie mit einer heiligen Freiheit vorangehen. Zwar wird sie immerhin noch straucheln, aber auch dies wird ihr zum Vorteil gereichen. Sie wird daraus erkennen, wie schwach wir aus uns selbst sind, und dass wir uns gerade bei unseren festesten Entschlüssen am meisten selbst misstrauen müssen, um unser Vertrauen allein auf Gott zu setzen.

Wenn du also diese glückliche Verfassung in dir verspürst, dann brauchst du nicht mehr so kleinmütig und verzagt voranzugehen; der Herr wird dir beistehen, und die Gewohnheit, ihn nicht zu beleidigen, wird dir eine große Hilfe gewähren. Handle mit einer heiligen Freiheit und fürchte nicht, dieselbe auch in deinen gerechtfertigten Beziehungen zu den Weltleuten an den Tag treten zu lassen. Denn gerade der Verkehr mit ihnen, der dir, ehe du diese Gottesfurcht besessen, ein tödliches Gift gewesen, wird dich dann oft antreiben, den Herrn noch mehr zu lieben und ihm zu danken, dass er dich aus einer Gefahr, die dir jetzt so offenbar ist, errettet hat.

W. d. Vollk., 42. Cap.

Aus: Teresien-Jahr oder geistliche Lesungen zur Beförderung der christlichen Vollkommenheit für alle Tages des Jahres. Entnommen den Schriften der heil. Teresia. Herausgegeben von Fr. Bruno a S. Teresia, unbeschuhtem Carmeliten der österreichisch-ungarischen Ordensprovinz. Zweite Auflage. Mit Genehmigung des hochwürdigsten fürstbischöfl. Ordinariates Seckau und der Ordensobern. Graz. Verlagsbuchhandlung „Styria“. 1890.
Der Text wurde in den Lesungen. Welche dem „Leben“, den „Klosterstiftungen“, dem „Wege zur Vollkommenheit“, der „Seelenburg“ und den „Herzenserhebungen“ entnommen sind, nach der deutschen Übersetzung von A. K. (Aachen 1868, und Freiburg 1873, nach der französischen Ausgabe sämmtlicher Werke der heil. Teresia von P. Marcel Bouix, S. J.) wiedergegeben, sonst wurde Schwab=Jochams Übersetzung (Sulzbach 1853), und in den Lesungen aus den „Lehrstückenh  über die Übung der Tugenden“ die alte deutsche Kölner Ausgabe (1732) benützt. Das „Teresien=Jahr“ erschien nach einer alten Ausgabe (Linz 1752) umgearbeitet in seiner ersten Auflage im Jahre 1882. 1. August. S. 224ff

Anmerkung: Statt muthig schreiben wir mutig, statt tödtlich tötlich, und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern.

 

Lieber tausendmal sterben, als eine Todsünde zu begehen, schreibt die hl. Teresa von Avila! Welchen Unsinn verzapfen demgegenüber die modernistischen Geistlichen! Sich selbst annehmen, empfehlen sie in jeder Situation. Zum Beispiel der berühmte Benediktinerpater Anseln Grün, wenn er rät,

„mit Christus gemeinsam hinabzusteigen in die Tiefen meines Menschseins, das milde Licht Christi auf meine Schattenseiten zu lenken, damit ich fähig werde, mich mit allem, was in mir ist (Anmerkung: auch das Böse, die Lust am Sündigen), anzunehmen.“ (Kath. Sonntagsblatt, Bozen, 1.3.2009, S. 17)

Lasst euch nicht verblenden von den Propheten, die euch den bequemen Weg zeigen, denn er führt in die Hölle. Nur die Selbstüberwindung führt in den Himmel.

Man kann nicht die Tugend und die Sünde gleichzeitig lieben, das Göttliche und das Teuflische, Gott und den Teufel.

(AIHS 13.8.2010)

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