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RATGEBER

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Sollen die Medien über Selbstmord berichten oder nicht?

R2
11.5.1998, aktualisiert am
25.8.2014

Antwort eines Journalisten: Wenn ich wüßte, daß ein Bericht über einen Selbstmord einen Leser zur Nachahmung anregt, würde ich auf die Veröffentlichung verzichten. In vielen Fällen ist dies sicher richtig.

Aber das Problem ist für mich damit nicht gelöst. Mein Herz ist gespalten. Ich empfinde mit dem unglücklichen Menschen, der das Dümmste getan hat, was er tun konnte, aber nur aus der Verzweiflung heraus.

Ich habe Mitleid mit ihm und bin traurig über die Lage, in die er gekommen ist. Soll denn niemand wissen, daß er verzweifelt war? Soll über sein namenloses Leid der Mantel des Schweigens gebreitet werden?

Sollten wir - zumindest in gewissen Fällen - nicht die Ursache seines Schmerzes bekanntmachen, damit andere in ähnlicher Lage sich hüten, einen Mitmenschen in die Verzweiflung zu treiben?

Vielleicht gibt ein Ehepartner seine Scheidungsabsichten auf, wenn er vom Selbstmord einer von ihrem Mann verlassenen Ehefrau liest.

Jedenfalls sollte kein Mensch glauben, daß der Selbstmord ein Ausweg aus seiner Not wäre. Im Gegenteil, der Selbstmörder betrübt andere Leute, die ihn gern haben, auch wenn sie es ihm nicht gezeigt haben, und er selbst tritt ja nun sofort vor das Gericht Gottes, der uns verboten hat zu töten. Der Herr wird ihn fragen, warum er seinen Lebensauftrag nicht erfüllt hat, und ihm seinen Zweifel und Nichtglauben vorhalten und das entsprechende Urteil fällen.

In jeder Lage gibt es einen Ausweg, und der eröffnet sich im Gebet. Selbstmord zeugt von einem Mangel an Glauben, daß unser Vater im Himmel uns liebt. Wenn wir ihn verlassen, sind wir verlassen.

Zum Mutmachen ein Gedicht aus dem Kapitel Geduld im Handbuch des einfachen Lebens (ETIKA 2000):

Harr´ aus in Glauben und Geduld,

Du armes Herz, das ungesehn
Verblutet still an seiner Wunde,
Von dessen stummem Hilfeflehn
Kein sterblich Aug und Ohr nimmt Kunde:
Harr´ aus in Glauben und Geduld!

Auch deine Stunde wird noch schlagen;
Dann wird der Herr mit Vaterhuld
Zum Quell des Heiles selbst dich tragen!

Was dir im Leben angetan,
Es wird sich schnell und milde lösen;
Frei schaust du wieder himmelan
Von allem Übel, allem Bösen...

(Albert von Zeller, 19. Jahrhundert)

Notizen

Gebet zur Verhinderung von Selbstmorden: zum Ölbergsengel Lechitiel

Selbstmord ist heute die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. (NWZ 1.10.1994 KNA): 1990 haben sich fast 14 000 Menschen das Leben genommen. (4.11.1990 dpa). In China sind es zehnmal so viel: 140.000 (8.6.1993 dpa) Selbstmorde.

Auf einer Fachtagung in Saarbrücken sprachen sich Ärzte, Pflegekräfte und Seeelsorger dafür aus, die Selbstmordproblematik nicht zum Tabuthema zu machen. (2.11.1990)

Mediziner „dürfen als Mensch“ beim Selbstmord helfen. Dies erklärte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe und betonte: Das Gewissen entscheidet. 80 Prozent der Ärzte sind jedoch gegen eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. (Südwestpresse 19.8.2010) So allmählich beginnt … - und immer mehr Seelen werden im Wald der Selbstmörder wispern, mitsamt den Helfern (siehe Dantes „Inferno“ und Delmontes „Jedem nach seinen Taten“). Wir erinnern an ein Gesetz des Staates New York: „Una persona che scientemente e in qualunque maniera incoraggia, consiglia o influenza un´altra persona inducendola a togliersi la vita, è colpevole di omicidio di primo grado.” (Clayton Rawson, The Footprints on the Ceiling. 1939. Le impronte sul soffitto. In: Gli Speciali di Giallo Mondadori. Delitti dall´Aldilà. Milano 2010, Seite 239). Auf deutsch: Eine Person, die wissentlich und auf irgendeine Weise eine andere Person, ermutigt, berät oder beeinflusst, sich das Leben zu nehmen, ist des Mordes ersten Grades schuldig. (aus der ETIKA-Chronik 0I9)

Eine Selbstmordwelle ohnegleichen erschüttert das Südtiroler Unterland. Die vielen Unglückseligen, die sich an einem Baum aufgehängt haben, von der Mendelkette oder der Aldeiner Brücke gesprungen sind oder die Etsch verschmutzt haben mit ihrem Leichengift, obwohl man in Verona das Trinkwasser daraus gewinnt, und dergleichen, haben zu ihrem Unglück unsere Gedichte über die Folgen des Selbstmords nicht gelesen. Sie fürchteten weder die Sünde noch die Hölle noch den gerechten Gott, der Jedem vergilt nach seinen Taten. (Juli/August 20149

 

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