ETIKA

Hl. Birgitta

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Gottes Barmherzigkeit mit den Bösen

Zu Pfingsten schenkt die hl. Birgitta unseren Lesern die Erkenntnis, wie Gott mit den Bösen barmherzig umgeht, oft bis an ihr Lebensende. Er will sie zur Umkehr bringen. Hören sie nicht, dann kann sie nichts mehr vor der Verdammnis retten.

Abdruck aus dem Buch „Hl. Brigitta von Schweden: Die Gerechtigkeit Gottes. Visionen“, 1992, S. 105f.
mit freundlicher Genehmigung (16.5.2015) von

Verlag Anton A. Schmidt
Credo: Pro Fide Catholica
Postfach 22
D-87467 Durach

Entnommen aus „Leben und Offenbarungen der hl. Brigitta“. Neu bearbeitet, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Clarus, Manz Verlag, Regensburg, 1856.

 

Worte des Schöpfers zur Braut, wie seine Gerechtigkeit die Bösen dreifach duldet und seine Barmherzigkeit ihnen dreifach Schonung gewährt:

Ich bin der Schöpfer Himmels und der Erde. Du wunderst dich, meine Braut, weshalb ich gegen die Bösen so geduldig bin. Das geschieht, weil ich barmherzig bin.

In dreifacher Weise duldet meine Barmherzigkeit dieselben. Erstens duldet meine Gerechtigkeit sie, damit ihre Zeit gänzlich erfüllt werde. Denn wie ein gerechter König, welcher etliche im Gefängnis hat, wenn er gefragt wird, warum sie nicht hingerichtet werden, antwortet: Weil die allgemeine Tagsatzung, auf welcher sie zu größerer Warnung der Zuhörenden verhört werden sollen, noch nicht gekommen ist; – so ertrage ich die Bösen, bis ihre Zeit gekommen ist, damit auch Andern ihre Bosheit bekannt werde. Habe ich nicht lange zuvor die Verwerfung Sauls vorher verkündigt, ehe sie den Menschen bekannt wurde? Diesen habe ich so lange ertragen, damit auch Andern seine Schlechtigkeit bekannt werde.

Zweitens, weil die Bösen etliche gute Werke verrichtet haben, wofür sie bis zum letzten Punkte belohnt werden müssen, so daß nicht das geringste Gute, das sie für mich getan haben, sei, das ihnen nicht vergolten wurde, damit sie hier meinen Lohn erhalten.

Drittens, damit die Ehre Gottes und seine Geduld offenbar werden. Deshalb habe ich den Pilatus, den Herodes und den Judas geduldet.

*

Aus dreierlei Gründen schont auch meine Barmherzigkeit der bösen Menschen. Erstens meiner allzugroßen Liebe wegen, denn die ewige Strafe ist lang. Darum dulde ich sie wegen meiner sehr großen Liebe bis auf den letzten Punkt, damit beim langen Hinausschieben der Zeit ihre Pein später ihren Anfang nehme.

Zweitens, damit ihre Natur verzehrt werde durch die Sünden; denn durch die Sünde wird die Natur verzehrt, damit sie nicht den leiblichen Tod auf eine bittere Weise empfinden, wenn ihre Natur noch frischer wäre. Denn eine frische Natur hat einen längern und bitterern Tod zu bestehen.

Drittens zum Fortschreiten der Guten und Bekehrung einiger Bösen. Denn, wenn gute und gerechte Menschen durch böse Menschen getrübsalt werden, so nützt solches entweder den Guten und Gerechten zur Zügelung der Sünde, oder dazu, daß sie sich ein Verdienst erwerben.

So leben ähnlicher Weise auch die Bösen den Bösen zuweilen zum Nutzen. Denn, wenn böse Menschen den Fall und die Nichtswürdigkeit anderer Bösen betrachten, gehen sie in sich und sprechen: Was nützt es uns, ihnen zu folgen? Da der Herr so langmütig ist, ist es besser, daß wir uns bekehren.

Und so kommen zuweilen die zu mir, welche sich abgewendet hatten, weil sie einen Abscheu davor haben, das zu tun, was jene Bösen tun, indem ihnen ihr Gewissen rät, dergleichen nicht zu tun. Darum sagt man, daß, wenn jemand von einem Skorpion gestochen werde und sich mit dem Oele bestreicht, in welchem ein anderer Skorpion gestorben ist, er wieder geheilt wird.

So wird auch ein Böser, wenn er eines andern Bösen Fall sieht, getroffen; er betrachtet dessen Eitelkeit und Ungerechtigkeit und genest.

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