ETIKA
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Hl. Birgitta von Schweden

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91GR8

Gericht einer Seele,
die verdammt wird

7.10.2016

Dem Buch Legende von Alban Stolz, Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 1859, S. 46-49, 7. Oktober, entnehmen wir folgenden Text aus der Sammlung ihrer Offenbarungen.

„Gericht einer Seele, die verdammt wird.“

Gott sprach: Sehet, diese Seele ist nicht mein. Sie hatte mit der Wunde meiner Seite und meines Herzens nicht mehr Mitleiden, als wenn sie den Schild ihres Feindes durchstochen gesehen hätte. Die Wunden meiner Hände kümmerten sie gerade so viel, als wenn ein schönes Gefäß zerbricht, und die Wunden meiner Füße waren ihr gleichgültig, wie wenn man einen Apfel durchschneidet.

Darauf sagte der Herr zu der Seele selbst: Du hast in deinem Leben oft gefragt: warum ich, dein Heiland, gestorben bin. Jetzt frage ich, warum du arme Seele gestorben bist? Sie antwortete: Weil ich dich nicht geliebt habe.

Der Herr sagte: Du bist mir gewesen gleich wie ein vor der Geburt gestorbenes Kind seiner Mutter, die für es die nämlichen Schmerzen empfindet, wie für das lebendig zur Welt gekommene. Ich habe dich ebenso bitter erkauft, wie irgend einen meiner Heiligen; doch das hat dich nicht gekümmert. Wie aber ein todtgeborenes Kind keine Süßigkeit aus der Mutterbrust zieht, an ihrem Herzen nicht erwärmt wird, so wirst du auch an den unaussprechlichen Freuden der Heiligen nie Theil haben, weil dir deine Freuden lieber waren. Du wirst nie meine Liebe und Güte empfinden, weil du für das Gute kalt wie Eis warst. Gehe deßhalb an den Ort, wo du ewig im Tode leben wirst, weil du nicht in meinem Leben und Lichte leben wolltest.

Dieser, dessen Seele so im Gerichte war, war ein angesehener Mann, der sich um Gott wenig kümmerte und unter Lästerungen ohne die h. Sakramente gestorben ist. Zu ihm sprach der Richter: Du hast geredet, was du wolltest, und gethan, was du konntest; deßhalb mußt du jetzt im Gericht schweigen und hören. Damit meine Auserwählten es vernehmen, sage, hast du nicht gehört die Worte: Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe? Warum bist du also nicht zu mir zurückgekehrt, als du es konntest? Die Seele antwortete: Ich hatte es gehört, aber nicht geglaubt.

Wiederum sagte der Richter: Hast du nicht gehört, daß ich der ewige und gerechte Gott, ein schrecklicher Richter bin? (Anmerkung ETIKA: Hat Papst Bergoglio dies auch nicht gehört?) Warum hast du denn das schreckliche Gericht nicht gefürchtet? Die Seele antwortete: Ich hatte es gehört, allein ich liebte mich selbst zu sehr und habe darum meine Ohren verschlossen, um Nichts vom Gericht zu hören, und mein Herz verhärtet, um nicht daran zu denken.

Verstoßen aus dem Gericht, begann die Seele zu wehklagen und schrie: Wehe, wehe welch´ ein Lohn! Wann wird mein Ende sein? Da erscholl eine Stimme: Wie der Schöpfer aller Dinge kein Ende hat, so wird es auch für dich keine Ende geben.

Von einer andern Seele sprach der Schutzengel: Sie hatte drei Uebel; sie betrachtete deine Worte als lügenhaft, dein Gericht als falsch, deine Barmherzigkeit als werthlos. Diese Seele lebte in der Ehe ohne sie zu brechen; allein sie bewahrte die eheliche Treue nicht aus Rücksicht auf Gott, sondern aus sinnlicher Liebe zur Gattin. Sie ging mit den Andern zur Kirche, um bei ihnen nicht in üblen Ruf zu kommen und um irdische Güter zu erlangen. Herr, du hast ihr ihren Lohn in dieser Welt gegeben, schöne Kinder, Gesundheit, Reichthum, und hast sie vor dem Unglück, was sie fürchtete, behütet, so daß sie hundertfältigen Lohn erhalten hat. Ich verlasse sie jetzt, weil sie leer an allem Guten ist.

Die Seele antwortete: Ich will lieber in die Qualen der Hölle, als in die Freuden des Himmels kommen, damit du, Gott, keine Freude an mir habest; denn du bist mir verhaßt, so daß ich lieber leiden will, als dir Freude machen.

Darauf sprach der Teufel zum Richter: Einen solchen Willen habe auch ich: es ist mir auch lieber, daß ich ewig leide, als daß ich in den Himmel käme, um dir eine Freude zu bereiten.

Da sprach der Richter zu der Seele: Dein Wille ist der Richter und nach dessen Ausspruch soll es dir gehen. Dann sprach er zum Teufel: Wenn diese Seele im letzten Augenblick mit vollkommener Reue und dem wahren Vorsatz sich zu bessern mich um Vergebung angefleht hätte, so wäre sie dir nicht anheimgefallen. Aber weil sie dir bis zum Ende beharrlich gehorsam blieb, deshalb verlangt die Gerechtigkeit, daß sie ewig dein sei. Gleichwohl vermindert das Gute, das sie etwa in ihrem Leben gethan, deine Gewalt, so daß du sie nicht quälen kannst, wie du möchtest.

Der Teufel sprach: „So ist sie also mein. Ihr Fleisch wird (bei der Aufstehung) mein Fleisch sein, obschon ich ohne Leib bin, und ihr Blut mein Blut. Wenn diese Seele brennt, brenne ich selber um so grausiger. Aber ich freue mich, weil du sie durch dein Blut erlöst und so sehr geliebt hast, daß du, Gott, dich für sie zum Opfer gabst, und ich sie dennoch betrogen habe.“

Darauf wandte sich der Herr zu mir und sprach: „Siehe Tochter, dieses Alles ist mir in einem Augenblicke geschehen. Weil du aber Geistiges nur im Bilde erkennen kannst, so zeige ich dir dieses also, damit der Mensch erkenne, wie streng ich gegen die Bösen, wie liebevoll ich gegen die Guten bin.“

Siehe auch ETIKA 91GR7 Gottes Barmherzigkeit mit den Bösen

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